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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-09-21 · 38 (21.9.1906) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
38 (21.9.1906)
Date
1906-09-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 38 Dr. Llocv's MlocdenscvrM. Sette 64i sungen, bildete den Abschluß des Prologes. In gewohnt vorzüglicher Weise wurden das Lustspiel „Die Heinzelmännchen" von Stoklasser und die Posse mit Gesang „Der Afrikareisende" zur Aufführung gebracht. Es machten sich besonders verdient die Damen Tauber, Jmmerglück, Baron, Presser, Beer, Ebel und N e u f e l d. Den Höhepunkt des Abends bildeten die Duette des Fräuleins Anna Tauber und Herrn Otto Kohn-Kallner. Herr Otto Kohn-Kallner verstand es in vorzüglicher Weise, das Publikum derartig zu fesseln und Hinzureißen, daß der Beifall, den sein jedesmaliges Auftreten hervorrief, gar kein Ende nehmen wollte. Immer wieder wollte das Publikum sein elegantes, sein nuanciertes Spiel sehen und seinen glockenhellen Bariton hören. Er mußte immer wieder sich zu Zugaben verstehen. Getanzt wurde bis 5 Uhr Früh. Eine sehr schön arrangierte Palästinaw ein- A u s st e l l u n g war im kleinen Saale des „Deutschen Hauses" etabliert, die sich eines lebhaften Besuches erfreute. Am 12. d. M. hielt Großrabbiner von Bulgarien, Mitglied des großen Aktions-Komitees, Dr. M. Ehrenpreis im zionistischen Verein „Theodor Herzl" in Essegg (Kroatien) einen Vortrag, betitelt „Zehn Jahre Zionismus". Weil diese Rede zur Aufklärung sehr viel beizutragen vermag, hat auch der genannte Verein beschlossen, dieselbe im deutschen Original und auch in kroatischer Übersetzung herauszugeben. Diejenigen Vereine und Korporationen, die eine größere Anzahl von Broschüren zu Propagandazwecken bedürfen, mögen sich rechtzeitig an den Verein „Theodor Herzl" in Essegg wenden. Der Preis der Broschüre wird nach der Größe der Auslage entweder 10 oder 20 Heller sein. Ueber den Verlauf der Versammlung berichten Essegger Blätter: Obwohl diese Veranstaltung erst in letzter Stunde ins Werk gesetzt wurde, war der große Saal der israelitischen Kultusgemeinde bis auf das letzte Plätzchen dicht gefüllt. Nach einer Begrüßungsansprache des Vereinspräsidenten Herrn I. N. Schulhof nahm das Wort Se. Ehrwürden Großrabbiner von Bulgarien, Dr. M. Ehrenpreis, zu seinem Referat „Zehn Jahre Zionismus". Redner freut es, konstatieren zu können, daß auch Kroatien-Slavonien endlich den Anschluß an die Bewegung des ganzen Judentums gefunden habe. Nach einem historischen Rückblick, wobei Redner alle bedeutenden Ereignisse in der Geschichte des Judentums kurz streifte, widmete er einige sehr bemerkenswerte Worte der Assimilationsbewegung, die in den Achtziger-Jahren des vorigen Jahrhunderts Fiasko gemacht habe. Nicht nur jüdische Häuser, sondern ein Gedanke — der Assimilationsgedanke — wurde damals demoliert. „Die Assimilation hat nichts geholfen. Die Komödie war vergebens. Und wir dachten, wenn die Lüge nicht geholfen, so wird vielleicht die Wahrheit helfen. Vielleicht wird uns das echte Antlitz helfen, nämlich wenn wir uns als das geben, was wir sind." Die Ueberzeugung, daß nichts zu der Hoffnung berechtige, der Judenhaß werde verschwinden, insolange die Juden zerstreut unter anderen Völkern leben, habe den politischen Zionismus gezeitigt. Redner bekämpft sodann die einzelnen Einwände, die gegen den Zionismus von vielen Seiten erhoben werden. Die Rede, welche anderthalb Stunden lang dauerte, wurde von den Zuhörern oft durch stürmische Beifallskundgebungen unterbrochen, und als der Redner mit seinen Ausführungen zu Ende war, da kannte die Begeisterung keine Grenzen. Präsident Schulhof dankte dem Vortragenden im Namen aller für seine glänzenden Ausführungen, und nachdem noch Sekretär Dr. Al. Klein bekanntgab, daß die Lesehalle (Saal der Kultusgemeinde) von den Vereinsmitgliedern täglich von 4 bis 7 Uhr nachmittags besucht werden kann, wurde die Versammlung geschlossen. Halle .a. S. Im hiesigen Literaturzirkel hielt am Dienstag den 4. d. M. Herr Seminar-Oberlehrer Stoll- Würzburg einen Vortrag über „Die Geschichte der Erzväter des Alten Testamentes im Lichte der egyptischen Denkmäler". In seinem hochinteressanten, zirka einstündigen Vorträge wies der Redner an einer großen Zahl von Beispielen nach, wie wertvoll sich das Erforschen der in den egyptischen Denkmälern Vorgefundenen Schriften für das Verständnis vieler schwieriger oder unverständlicher Stellen der heiligen Schrift erwiesen habe und wie fast alle im Pentateuch mitgeteilten Tatsachen, soweit sie das Verhältnis der Erzväter zu Egypten betreffen, ihre Bestätigung durch die neueren Forschungen der Egyptologie gefunden und viele bisher unwiderlegt gebliebene Angriffe und falsche Deutungen widerlegt, beziehungsweise aufgeklärt worden seien. Der Vortrag, zu dem sich ein großes Auditorium, aus Vorstehern und Mitgliedern der hiesigen Gemeinde und verschiedenen auswärtigen Personen bestehend, eingefunden hatte, fand allseitigen, ungeteilten Beifall. Der rührige, junge, aus gesetzestreuer Basis stehende Verein, der im allgemeinen seine auf gegenseitige Belehrung gerichtete Tätigkeit nur im engen Mitgliederkreis entfaltet, kann mit dem Verlauf des Abends wohl zufrieden sein. Paris. General Andre, besten vielerörterte „Erinnerungen" seit Mitte Juni im „Matin" erscheinen, berichtet in einer der letzten Nummern über den Antisemitismus in der Armee, den er bei seiner Uebernahme des Kriegsministeriums vorfand und erfolglos auszurotten sich bemühte: „Was Israeliten gegenüber geschieht, das läßt alles hinter sich. Schneiden ist das Wenigste, was man ihnen antut. In manchen Regimentern unterwirft man die Offiziere einer Prüfung. Man fragt sie nach ihrer Religion. Einer, der einen scheinbar jüdisch klingenden Namen trug, wurde in Verruf erklärt, so lange er nicht seinen Taufschein vorgewiesen hatte. Mit der Zulassung in die Offiziersschulen ist es noch schlimmer. Ein Offizier erklärt, er leide keinen Juden in seiner Schule. Ich versetze ihn. Der Kommandant der Schule erhebt Einspruch und verlangt seine Amtsenthebung. In einer anderen Schule gibt ein Prüfer einem israelitischen Kandidaten die Note 14. Der Vorsitzende Oberst erklärt, er lasse keinen Juden zu und drückt die Note kalt lächelnd auf 2 hinab. Ein Leutnant wirft seinen Kameraden heftig vor, zum Leichenbegängnis der Gattin des jüdischen Präfekten gegangen zu sein. Ein junger Offizier trifft in einer Garnison ein. Man fragt ihn, ob er schon Beziehungen im Orte habe. „Jawohl, ich kenne den Präfekten, der ein Freund meines Vaters ist, und den Generalstabsanwalt, mit dem ich weitläufig verwandt bin." „Da haben Sie ja nette Bekanntschaften," erwidert man ihm und schneidet ihn sofort. Das war der Geist des Heeres." Woher stammt Exzellenz Dernbnrg? Die Familiengeschichte. Berlin, im September. Im „Rheinischen Kurier" werden folgende intereffante Reminiszenzen veröffentlicht: Unser neuer Kolonialdirektor und sein Vater find keine beliebigen „Hargeloffene", wie man in Wiesbaden sagen würde, sie entstammen vielmehr einer altjüdischen Geistesaristokratie, einer franko-jüdischen Familie, der wir eine Reihe hervorragender Gelehrter, vorzüglich Orientalisten, zu verdanken haben. Ihr Stammort war Derenburg, ein kleines Städtchen nahe Halberstadt, und scherzweise sagten die Herren Professoren, wenn sie über die. Herkunft ihres Namens befragt wurden : „Wir find .Ritter, deren Burg bei Halberstadt liegt." Von Derenburg kam die Familie nach Offenbach, Frankfurt a. M. und Mainz. Ueber das erste bekannte Mitglied der Familie Jakob Derenburg lassen sich bestimmte Angaben nicht machen. Sein Sohn Hartwig Derenburg war der Verfaffer eines in hebräischer Sprache geschriebenen Lustspieles „Die Bewohner der Welt", die Nachbildung eines ähnlichen Stückes des italienisch-jüdischen Gelehrten und Dichters M. H. Luzzatto. Es wurde 1789 in Offenbach veröffentlicht. Um diese Zeit zog Hartwig nach Mainz. Hier wurde er bald Sekretär der jüdischen Gemeinde, ein Posten, zu dem man stets gelehrte Leute nahm, da mit diesem Amte häufig die Obliegenheiten eines Lehrers und Unterrabbis verbunden waren. Ursprünglich hieß Hartwig mit Vornamen Zebi Hirsch, aber am 20. Juli 1808 wird den Mainzer französischen Bürgern mosaischen Glaubens, welche laut Artikel 7 des kaiserlichen Dekrets vom 17. März 1808 noch keine Vor- und Familiennamen angenommen hatten, befohlen, dies innerhalb dreier Monate vor dem Zivilstandesbeamten bei Vermeidung der Ausweisung aus dem Reiche nachzuholen. Bei dieser Gelegenheit wandelten viele Juden ihre altjüdischen in moderne

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