Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-09-21 · 38 (21.9.1906) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
38 (21.9.1906)
Date
1906-09-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021656-3021695--15749-3040532
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Sette 640 Dr. JSIocd s Mocbenscdr 57- 9ir. 88 Wir hoffen, daß der echte, ideale jüdische Geist in unserer Mitte erwachen wird, daß wir als Juden leben und uns als solche stets zeigen in der Treue gegen Gott, gegen unser Volk und unsere Mitmenschen, Uneigennützigkeit und stille Bescheidenheit uns auszeichnen wird, daß wir uns bemühen, uns fernzuhalten von Zudringlichkeit, kleinlichem und eitlem Ehrgeiz, daß wir uns zufrieden fühlen mit der guten Tat an sich, mit der Erfüllung unserer Pflichten. Möge der Geist Gottes über der stillen Stunde unserer Einkehr zur Jahreswende schweben und uns zumedlen Streben ermutigen. Möge Glaube, Liebe und Hoffnung uns stärken und uns dem neuerwachenden Jahr zu Glück und Segen entgegenführen. Daß es ein Jahr des Heils werde, erfüllt vom Frieden in unseren Herzen, in unseren Häusern und draußen auf dem Markte des Lebens. Das walte Gott! — Antisemitische Strömung in österreichischen Richterkreisen. Wir lesen in der „Zeit" vom 15. September: „Der zuletzt in einem Untersuchungsreferat des Landesgerichtes tätig gewesene Landesgerichtsrat Dr. Heinrich Goldmann ist vor einigen Tagen auf Grund eines von ihm beim Oberlandesgericht überreichten Gesuches pensioniert worden. Wie erinnerlich, verzeichneten wir vor einiger Zeit das in juristischen Kreisen kolportierte Gerücht, daß eine dem Funktionär zugedacht gewesene Ernennung zum Vorsitzenden des Berufungsgerichtes in letzter Stunde zurückgenommen worden sei, weil die Beisitzer des betreffenden Senats erklärt hätten, unter einem jüdischen Präsidenten nicht zu votieren. Diese Mitteilung wurde von offizieller Seite dementiert. Landesgerichtsrat Dr. Goldmann hat in seinem Pensionsgesuch als Motiv seines Rücktrittes Krankheit angegeben". Mährisch-schlesischer Studententag. Samstag den 8. September tagte in Mährisch-Ostrau über Anregung der jüdisch-akademischen Verbindung Jvria-Wien der erste mährisch-schlesische Studententag. Der Einberufer Lanzer (Jvria) eröfsnete denselben, worauf die Wahl des Bureaus vorgenommen wurde. Ins Präsidium wurden gewählt: Cand. Jur. Hermann L ö w (Jvria), Cand. Ing. Gustav Buchwal d e r (Veritas), Cand. Ing. Julius Engel (Lesehalle- Brünn), Cand. Ing. Flach (Lesehalle-Wien), Cand Tech. Bernhard Gleitsmann (Hessiana) und Cand. Phil. Otto Stern (Gamala). Der erste Vorsitzende Löw begrüßte die erschienenen Studenten und insbesonders den Vertreter der Ostrauer Kultusgemeinde Herrn Vizepräsidenten Friedländer. Dann entwickelte er das Programm des Studententages und erklärte, es gebe keine Zusammenkunft jüdischer Studenten, in der nicht immer wieder die Forderung nach Anerkennung der jüdischen Nationalität und Errichtung einer Lehrkanzel für jüdische Geschichte und Literatur wiederholt werden müßte. Herr Friedländer begrüßte die Versammlung im Namen der Ostrauer Kultusgemeinde und wünschte den Beratungen guten Erfolg. Unter allgemeinem Beifall trat er für die Solidarität aller Juden ein. Es begrüßten noch: Gleitsmann, Stern und Weiß. Hierauf wurde die Sitzung bis nachmittag unterbrochen und auf der Hauptstraße ein imposanter Bummel veranstaltet. Das erste Referat hielt Herr Weiß über „die politische Eichung des jüdischen Studenten" und beantragte eine Resolution, in der er zur Reorganisation und zum Eintritte in die bestehenden Bildungsvereine aufforderte. Das zweite Referat erstattete Herr Cand. Jur. Felix Winter st ein (Jvria) über „die Betätigung des jüdisch-nationalen Studenten in Mähren und Schlesien". Nach einer klaren Darlegung der politischen Verhältnisse in Mähren und Schlesien begründete er folgende Resolutionen, die auch zur Annahme gelangten: 1) Der Studententag macht es allen jüdischen Studenten Mährens und Schlesiens zur Pflicht, mit allen ihren verfügbaren agitatorischen Mitteln, namentlich zur Zeit der Wahlen, in der Bevölkerung für nationale Autonomie und jüdische Vertretung in Land und Reich einzutreten, ferner sollen die studentischen Delegierten am mährisch-schlesischen Distriktstag dahin wirken, daß der deutschliberale jüdische Kandidat von Zionisten nicht unterstützt wird. 2) Im Hinblick auf die Forderung nach nationaler Autonomie wird die Inangriffnahme einer jüdischen Statistik beschlossen und zu diesem Zwecke ein fünfgliedriges Komitee mit dem Sitze in Wien gewählt. (In das Komitee wurde gewählt: Rudolf Nassau, .Dr. Egon M. Zweig, JUC. Hermann Löw, JUC. Felix Winterstein und Cand. Ing. Bernhard Gleitsmann.) 3) Der Studententag empfiehlt der jüdischen Studentenschaft, sich die genaueste Kenntnis der tschechischen bezw. polnischen Sprache anzueignen. 4) Der Studententag spricht der zionistischen politischen Parteileitung sein Vertrauen aus. Als Korreferent sprach Herr Jur. Altar (Giskala). An der überaus lebhaften Debatte beteiligten sich contra: Redakteur Hikl (Brünn), Jur. Weiß (Wien) und Jur. Altar (Proßnitz); pro: Löw, Gleitsmann (Mähr.-Ostrau), Flach (Teschen), Stern (Göding), Ingenieur Buchwalder (Mähr.-Ostrau). Die Referate über die „materielle Lage des jüdischen Studenten" wurden von Phil. Oskar Horner (Massada) und Ing. Gustav Buchwalder (Veritas) gehalten. Ueber Anreguug Flach's (Lesehalle- Wien) wurde nach längerer Debatte beschlossen, zur Selbsthilfe zu greifen und die Gründung lokaler Zentralinstitute auf gewerkschaftlicher Grundlage zu propagieren. Das Präsidium des Studententages wurde beauftragt, mit dem „unentgeltlichen Arbeitsvermittlungsbureau jüdischer Hochschüler in Wien" diesbezüglich in Fühlung zu treten. Endlich trat Phil. Schmitz (Hessiana-Theodor Herzl) in warmer Weise für die geistige und materielle Förderung „Unsere Hoffnung" ein. Nach fast achtstündiger Debatte schloß der Vorsitzende Jur. Hermann Löw den mährisch-schlesischen Studententag. Mährisch-Osirau. Samstag und Sonntag, den 8. und 9. September, fand in sämtlichen Festräumen des „Deutschen Hauses" in Mährisch-Ostrau das XXX. semestrale Stiftungsfest der jüdisch-akademischen Verbindung „Jvria"— Wien statt. Der große Saal des „Deutschen Hauses" war zu klein, um alle. Besucher zu fassen. Fast sämtliche Verbindungen hatten Vertreter geschickt. Zahllose Telegramme und Glückwunschschreiben liefen ein, darunter ein solches vom Präsidenten W o l f f s o h n. Nach der Begrüßung durch den Präses I. U. C. Hugo L ö w y und nach Absingen des Gaudeamus ergriff a. H. der „Jvria" Ing. Emil Fried aus Wien das Wort und zog eine Parallele zwischen der tristen Zeit vor fünfzehn Jahren und der Jetztzeit. Er forderte zum Weiterkämpfen nach den alten Traditionen auf. Der Tendenzredner Dozent Dr. Arthur Mahler aus Prag führte der Jugend Herzls Bild vor Augen und forderte die Aktivitas der „Jvria" auf, treu der Tradition der „Jvria" zu bleiben, die erste zu sein, wenn es gilt, nationale Arbeit zu leisten. Namens der Aktivitas sprach Techniker K r a s n y auf die alten Herren. Dr. Ehrlich aus Budweis dankte für die alten Herren. Jur. Beer toastierte auf Dozenten Mahler, die Ostrauer Kultusgemeinde und die Förderer. Glückwünsche brachten der „Jvria" der Bankdirektor C z u c z k a für die Ostrauer Bürgerschaft, Gallus („Unitas" — Wien), Gleitsmann („Hessiana" — Mähr.-Ostrau), Friedrich Löw namens des mähr.-schlefischen Distriktskomitee, Engel (Lese- und Redehalle — Brünn), Buchw alder („Veritas" — Brünn), Wittmann („Barissia" — Prag) und für die Ferialverbindungen Allerhand („Emunah" — Bielitz). Nach Mitternacht trennte man sich und kam Sonntag in denselben Räumen bei der Festakademie, dem zweiten Abend der „Jvria", wieder zusammen. Mit einem schwungvollen Prolog, von Frau Leontine Spira glänzend gesprochen, wurde der Abend eröffnet. Das Bundeslied der „Jvria", von ihrem Männerchor ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.