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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-09-14 · 37 (14.9.1906) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
37 (14.9.1906)
Date
1906-09-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 37 Nr. JSlocb s Mocdenscvnrr. Sette 823 schiedenen allgemeinen israelitischen Angelegenheiten betätigt. Derselbe gründete die Ortsgruppe Marienbad des galizischen Hilfsvereines, deren Obmann er noch heute ist, derselbe ist Mitgründer der Ortsgruppe Tachau desselben Vereines, letzterer entstand aus dem Rayon der ersteren Ortsgruppe. Ferner ist er für die „Oesterreichisch-Jsraelitische Union" als deren Anwalt für Marienbad und Umgebung seit vielen Jahren tätig. Endlich hat Dr. Steiner seit Jahren an allen allgemeinen Fragen seiner Glaubensgenossen in Wort und Tat den regsten Anteil genommen. Es ist daher zu erwarten, daß derselbe auch die Leitung der Kultusgemeinde Marienbad, welche als Welt-Kurortgemeinde mit ihren Einrichtungen mit den größten Kultusgemeinden auf gleicher Höhe bleiben muß, zur Zufriedenheit seiner Kultusgemeindemitglieder und des allen Nationen angehörenden Kurpublikums führen werde. Stratznitz. Durch die Rührigkeit unserer Gemeindevorstehung, mit Herrn M. Haberfeld an der Spitze, und unseres Rabbiners Sr^ Ek^würden des Herrn Dr. A. Fried mann war es möglich, ,mit Hilfe von hochherzigen Spenden der in der Fremde weilenden Straßnitzer und Straßnitzerinnen unsere alte ehrwürdige Synagoge zu restaurieren und auf das Schönste auszuschmücken. Am 9. September nachmittags fand die feierliche Einweihung des Tempels statt. Das Gotteshaus präsentiert sich in seiner durch den Maler Friede! aus Brünn künstlerisch ausgeführten Malerei und im Scheine der durch die Firma A. H. Siebenschein in Straßnitz installierten elektrischen Beleuchtung sehr gefällig und schmuck. Dem feierlichen Akte der Einweihung wohnten neben Deputationen aus den Nachbargemeinden sämtliche Mitglieder der Gemeinde Straßnitz und der dazu gehörigen Umgebung bei — nur die Behörden, welche zu diesem Feste geladen waren, glänzten durch ihre Abwesenheit. Eingeleitet wurde die Feier durch die Einreibung der Thor'arollen in die heilige Bnndeslade. Herr Oberkantor S. R e i c i n, unterstützt vom Herrn Oberkantor S. Weiß aus B i s e n z mit dem trefflich geschulten Chor, ergötzte durch prächtige Vorträge von stimmungsvollen hebräischen Chören. Mit einer feierlichen Ansprache entzündete Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. A. Friedmann das ewige Licht, worauf das Mincha-Gebet verrichtet wurde. In der darauf folgenden Festrede erregte Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Fried mann durch den gediegenen Inhalt und durch die glänzende Form seiner Predigt ungeteilte Bewunderung. Die erhebende Feier wurde durch ein Gebet für den Kaiser, den Staat und die Gemeinde vor der geöffneten Bundeslade und mit Absingung der Volkshymne durch die Schuljugend und alle Anwesenden geschlossen. Am Abend veranstalteten die jüdischen Studenten einen musikalisch-deklamatorischen Abend mit Tanz, der massenhaft besucht war und sehr animiert verlief. Ein nicht unbeträchtliches Reinerträgnis dieses Abends wurde gemeinnützigen Zwecken zugeführt. —r. Kaiser-Jnbiläums-Tempel in Prag. Sonntag, den 16. d. M.. findet die feierliche Einweihung des in Prag, Jerusalemgasse, neu erbauten Kaiser Franz- Joseph-Jubiläums-Tempels statt. Derselbe wurde als Ersatz für die drei altehrwürdigen Tempelgebäude: Zigeuner-Synagoge, Große Hof-Synagoge und Neu-Synagoge, welche sämtlich im Assanierungsrayon gelegen sind und aus diesem Grunde abgetragen werden mußten, nach den Plänen und unter der Leitung des Architekten und k. k. Baurates Wilhelm Stiaßny in Wien erbaut. Um das Zustandekommen und die würdige, ja geradezu glänzende Durchführung des Baues hat sich der Obmann des Exekutivkomitees, Herr Ottomar Rosenbaum, große und bleibende Verdienste erworben. In seinen Bemühungen wurde er durch die Mitglieder des l^ekutivkomitees, welche zumeist den früheren Synagogenvorständen angehörten, wirksam unterstützt. Die Einweihungs-Feierlichkeiten gewinnen ein allgemeines und erhöhtes Interesse dadurch, daß Se. Exzellenz der Statthalter von Böhmen Graf Coudenhove und die Spitzen der staatlichen und kommunalen Behöroen ihre Teilnahme an dieser Feier zugesagt haben. Pilsen. Um die in der israelitischen Kultusgemeinde Pilsen erledigte Stelle des ersten Rabbiners haben sich bereits zahlreiche Bewerber gemeldet. Der Kultusvorstand wird jedoch erst nach den bohen Feiertagen sich mit der Frage der Besetzung des Rabbinates eingehend befassen. Bis dahin werden weitere Bewerbungen entgegengenommen. Eine formelle Konkursausschreibung findet nicht statt. Sissek. (Todesfall.) Allgemeine Teilnahme erregt hier das Hinscheiden der Frau R o s a l i e Reiß, welche Freitag den 7. d. M. im 72. Lebensjahre plötzlich in ein besseres Jenseits abberufen worden ist. Die Heimgegangene war durch 26 Jahre Präsidentin des israelitischen Frauen-Wohltätigkeitsvereines und hat sich durch Herzensgüte und Mildtätigkeit ausgezeichnet. An ihrer Bahre trauern 3 Söhne und 4 Töchter, welche, alle in angesehener und geachteter Stellung, sich auch um die öffentlichen Angelegenheiten bemühen. Einer ihrer Söhne, Herr I. Reiß, wirkt seit vielen Jahren als maßgebendes Mitglied im israelitischen Kultusvorstand von Sissek. Eine ihrer Töchter ist mit Herrn Dr. Jacques König, Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde in Floridsdorf, vermalt. Das Leichenbegängnis, bei welchem Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Schwarz aus Agram der Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf widmete, fand Sonntag den 9. d. M. unter großer Beteiligung der Ortsbewohner aller Konfessionen und vieler Fremden statt. Der Familie, welche in Kroatien eines allgemeinen Ansehens sich erfreut, find aus Anlaß dieses Trauerfalles zahlreiche Kundgebungen der Teilnahme und Sympathie zugekommen. Königsfeld. (Trauung.) Dienstag, den 18. September d. I., um 11 Uhr vormittags, findet in Magyarf a l v a die Trauung des Fräuleins Helene Back, Tochter des Herrn Edmund Back, mit Herrn Julius Alexander statt. Karlsbad. Am 5. d. M. ist hier der Londoner Grotzkaufman» Louis Spitzel, nach langem Leiden gestorben. Derselbe hat ein Alter von 46 Jahren erreicht. Der Verstorbene war ein Pole von Geburt. In Krakau geboren, ein Kind armer Eltern, verließ derselbe im Alter von 13 Jahren seine Vaterstadt und kam ohne Mittel nach London. Durch Fleiß und angestrengte Arbeit brachte er es so weit, daß er mit 17 Jahren eine Fabrik für Juwelen tablierte und 40 Arbeiter beschäftigte. Mit seinen Waren bereiste derselbe nicht nur Nord- und Südamerika, sondern auch Afrika und China, woselbst er Li-Hung- Chang kennen lernte, mit dem der Verstorbene in regem Verkehr trat, und als Li-Hung-Chang vor einigen Jahren die Höfe in Europa besuchte, war der selige Louis Spitzel sein Begleiter. Während des chinesisch-japanischen Krieges war Spitzel Lieferant von Waffen und Munition der Chinesen und erwarb ein bedeutendes Vermögen und während des russisch-japanischen Krieges gelang es ihm, während der Blockade von Port-Artbur ganze Schiffe mit Muuition und Lebensmitteln durchzubringen und er erwarb hiebei ein kolossales Vermögen, das auf zwei Millionen P und geschätzt wird. Der selige Louis Spitzel hat sich in England, wo er naturalisiert ist, vollständig assimiliert. Als Knabe, des Schreibens und Lesens unkundig, verließ derselbe seine Heimat und in England erwarb er sich einen Bildungsgrad, den man anerkennen muß. Spitzel sprach und schrieb nicht nur perfekt englisch, sondern auch französisch, chinesisch, spanisch uiw. und insbesondere ist sein Unternehmungsgeist allseits anerkannt worden. Louis Spitzel hat während seines ganzen Lebens nicht vergessen, daß er das Kind armer Eltern war, stets schlug sein Herz warm für seine armen Brüder und Geschwister, die er reichlich unterstützte und ihnen zu einer Existenz verhalf, aber auch für alle armen Glaubensbrüder wie auch für die armen Andersgläubigen hatte der Verstorbene ein warmes Herz und viele Wohltätigkeitsinstitnte verdanken dem Verstorbenen ausschließlich oder zum großen Teile ihren Bestand. Louis Spitzel war in London als Wohltäter der Armen bekannt. Ich will nur hervorheben, daß er zu Ostern Hunderte Familien mit Mazzes und sonstigen Bedürfnissen versorgte, und daß in London nie ein Armer, der sich vertrauensvoll an ihn gewendet, ohne Unterstützung, ohne Hilfe entlassen worden wäre. Sein frühzeitiges Ableben hat in London allgemeines Mitgefühl wachgerufen und schon am nächsten Tage erhielt die schwergeprüfte Familie hunderte Beileidstelegramme aus England und Amerika. Louis Spitzel hinterläßt außer der tiefbetrübten Witwe vier Söhne und drei Töchter. Mögen diese auch fürderhin in dem Geiste des Verstorbenen wirken zum Wähle der armen und leidenden Menschheit. Gewitsch. Herr Armin W i l k o w i t s ch, Oberkantor in Gewitsch, folgte mit 1. September seiner Berufung nach Eger. Nur eine kurze Spanne Zeit, kaum ll/2 Jahre, weilte er in unserer Mitte; durch seine Ruhe, Bescheidenheit, Nachgiebigkeit und Verträglichkeit imponierte er allseits, so daß er von allen geliebt und geachtet unsere Kultusgemeinde verließ. Er war nach jeder Richtung hin seinem Fache gewachsen, er verstand es, dem Gottesdienste durch seine ruhige und würdige Vortragsweise die richtige Weihe zu verleihen, er bemühte sich den Gottesdienst durch gelungene Kompositionen zu verherrlichen und bei dem Besucher wahrhaft weihevolle Andachtsstunden wachzurufen. Vielfacher Dank sei ihm ausgesprochen — seine wirksame Tätigkeit wird lange Nachklang finden. Möge es ihm beschieden sein, in seiner neuen Heimat gleichen Erfolg zu finden.

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