Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 36 (7.9.1906)
- Date
- 1906-09-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 604 Dr JBiocD's MocvenscbrM. Nr. 36 fange und Zukunft, Zukunft brülle, mir die Grillen aus dem Kopfe treibt und fragt: Lernst Du um Geld?" Der ideale Sinn der Mutter, ihr tiefes und reiches Gemüt. die schwärmerische Liebe sür alles, was mit Bildung zusammenhing, und ihre Begeisterung für alles Jüdische, alles Dinge, die als mütterliches Erbteil in gesteigertem Maße sich auf den Sohn übertrugen, sie haben schließlich zwischen Mutter und Sohn ein Verhältnis geschaffen, das bei David Kaufmann weit die Grenzen kindlicher Dankbarkeit überschritt und bei ihm zu einer Art von Kultus wurde. „Eins kann", so schreibt er einmal, „mit dem Christentum mich aussöhnen, daß es eine Mutter Gottes gebären läßt." So manchem ausmerksamen Beobachter, der die Promenade von Karlsbad mit scharfem Blick musterte, wird in den Neunziger-Jahren sicherlich nicht ein merkwürdiges Paar entgangen sein, das mit jedem neuen Jahre, wenn der Sommer kam, sich pünktlich wieder einstellte und sich gegenseitig mit einer schwärmerischen Verehrung umgab, die Rührung und Bewunderung hervorrief: Es war die Mutter David Kaufmanns mit ihrem Sohne. Der Tod David Kaufmanns hat diesem innigen Bunde eigentlich keinen Abbruch getan. Sie hat die Reihe der Jahre, die ihr noch beschieden gewesen, nur seinem Gedenken gelebt und sich in jene glücklichen Tage zurückgeträumt, wo sie in seinen Erfolgen sich gesonnt. Aber innerlich gebrochen, ist sie seit seinem Hinscheiden langsam dahingcsiecht. Nun hat der Tod jener seltenen Frau die müden Augen geschlossen, und die einst im Leben einander lieb und teuer gewesen, sind jetzt im Tode wieder vereint. Und wenn in späten Tagen einst der Forscher im Leben und in den Werken David Kaufmanns prüfend Einschau halten wird, dann wird er auch nicht achtlos vorübergehen können an jener reichbegabten Frau, der Mutier David Kaufmanns. — x. Der ungarische Kultusminister und die Resorm der Statuten der israelitischen Kulrusgemeindeu. In Angelegenheit der Reform der Statuten der israelitischen Religionsgemeindcn und Bethausvereine hat der Minister sür Kultus und Unterricht Graf Albert Apponyi an die israelitische Landeskanzlei und an die Kanzlei der ungarländischen Orthodoxen eine Verordnung erlassen, in welcher dieselben darauf aufmerksam gemacht werden, daß bei der Unterbreitung der Statuten der Religionsgemeinden an das Ministerium behufs Genehmigung oft Schwierigkeiten auftauchen und die Genehmigung in vielen Fällen verweigert werden müsse, weil die Statuten die im Gesetze vorgeschriebenen Verfügungen entbehren, oft aber auch solche Verfügungen enthalten, die mit den in Geltung stehenden Gesetzen und Verordnungen oder aber mit dem gesetzlichen Uius im Widerspruch stehen. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, teilt nun der Minister für Kutlus und Unterricht in der obenerwähnten Verordnung alle diejenigen, ans den Wirkungskreis und die Organisation der Schulstühle bezüglichen Verfügungen mit, welche in die Statuten aufgenommeu werden müssen, wenn diese die Genehmigung des Ministers erhalten sollen Die beiden Landeskanzleien werden aufgeforderk, die Verordnung des Ministers den Religionsgemeinden. Filialgemeinden und Bethausvereinen zur Darnachrichtun,, zur Kenntnis zu bringen. Konferenz der zionistischen Weltorganisation in Köln. Vom 28. August bis 1. September tagte in Köln die Jahreskonferenz der zionistischen Weltorganisation. Die „Jahreskonferenz", die nur von den Funktionären der zionistischen Organisation beschickt wird, tritt immer in den Jahren zusammen, in denen kein „Kongreß" stattfindet. Die diesjährige Konferenz war außerordentlich gut besucht. Aus fast allen Ländern Europas, aus Amerika, Südafrika, Palästina waren die Führer der Bewegung erschienen. Unter den Teilnehmern befanden sich drei gewesene Dumaabgeordnete, die Herren Dr. N. Katzenelsohn- Libau, Präsident der Jüdischen Kolonialbank, Dr. Lewin-Wilna, und Rechtsanwalt Rosenbaum-Minsk. Von den sonstigen Teilnehmern sind zu nennen Max Nordau, Prof. Warburg-Berlin und der durch seine Verdienste um die Tuberkuloseforschung bekannte Dr. Alexander Marmorek-Paris. Den Vorsitz führte der Präsident des Aktionskomitees Herr David Wolffsohn-Köln. Der Rechenschaftsbericht zeigt ein bemerkenswertes Fortschreiten der Bewegung. Man bekommt eine ungefähre Vorstellung von dem weltumspannenden Umfange der zionistischen Organisation, wenn man erfährt, daß zionistische Landesverbände oder Gruppen in Australien, Neuseeland, Japan, China, der Mandschurei, Malakka, Egypten, Südafrika, Marokko, Argentinien, Brasilien, Nordamerika, Canada und selbstverständlich allen Staaten Europas bestehen. Die Aktivität der zionistischen Körperschaften hat im verflossenen Jahre insbesondere in Deutschland, Oesterreich, Amerika, Südafrika und Australien zugenommen und selbst in Ländern, wie Rußland, wo die Juden unter furchtbaren Katastrophen gelitten haben, nichts an innerer Kraft eingebüßt. Ein deutlicher Beweis dafür ist die Tatsache, daß unter den zwölf jüdischen Abgeordneten der Duma fünf Zionisten sich befanden. Die Haupttätigkeit der Jahreskonferenz bestand darin, die Berichte über den Stand der Bewegung in den einzelnen Ländern entgegenzunehmen und die politischen Direktiven für die Zeit bis zum nächsten Kongresse festzusetzen. Besondere Aufmerksamkeit wurde den speziell palästinensischen Angelegenheiten gewidmet. Alle von zionistischer Seite in Palästina begründeten Institutionen zeigen das Bild erfreulichen Aufschwungs, die Filialen des zionistischen Finanzinstitutes, des „Jewish Colonial-Trust", in Jaffa, Jerusalem und Beirut entwickelt sich immer mehr. Mit besonderer Genugtuung nahm die Jahreskonferenz von den außerordentlich schnellen Fortschritten der Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem Kenntnis und bewilligte ihr einen Kredit zum Kauf eines Grundstückes und Bau eines eigenen Schulhauses. Dieses Institut ist berufen, die Juden Palästinas in kunstgewerblicher Heimarbeit auszubilden und so tausenden von Familien eine gesicherte Existenz zu schaffen. Als ein bemerkenswertes Detail aus den Palästina betreffenden Verhandlungen sei hervorgehoben, daß die Jahreskonferenz sür die Waisen des blutigen Pogroms von Kischenew, die von zionistischer Seite nach Palästina hinübergeführt und dort zu tüchtigen Handwerkern und Ackerbauern herangebildet worden sind', den Boden für eine Farm zur Verfügung stellte. Im Uebrigen sprach sich die Konferenz mit Nachdruck dahin aus, daß bei ungeschwächter Fortführung der politisch-diplomatischen Verhandlungen die praktischen Vorbereitungsarbeiten in Palästina mit allen Mitteln zu fördern seien. Ein großer Teil der Beratungen galt der Festigung und dem weiteren Ausbau der Organisation. Für das Institut des „Jüdischen Nativnalfonds", aus dessen Mitteln Boden für das jüdische Volk in Palästina gekauft werden soll und der aus kleinsten Spenden bereits bis zu einer Höhe von 1V2 Millionen Francs angewachsen ist, wurde die-gesetzliche Form geschaffen. Das Statut der Jüdischen Kolonialbank wurde dahin festgelegt, daß ihre kolonisatorische Tätigkeit auf Palästina und den Orient begrenzt wird. Diese Festlegung bedeutet eine definitive Absage an alle etwaigen Bestrebungen, eine Heimstätte für das jüdische Volk anderswo als in Palästina zu schaffen. Die Jahreskonferenz nahm weiters die Berichte der Propaganda und der volkswirtschaftlich-statistischen Kommission entgegen, deren Arbeiten einen immer größeren Umfang annehmen. Großes Interesse boten die Mitteilungen des Vorsitzenden der Kommission zur Erforschung der Ursachen und Wirkungen der Pogroms, deren Ergebnisse in einem großangelegten Werke der Oeffentlichkeit vorgelegt werden sollen. Anläßlich der Jahreskonferenz gab die zionistische Vereinigung in Köln zu Ehren der Gäste einen Festkommers, der von zirka 1000 Personen besucht war. Großen Beifall fanden dabei die Vorführungen des jüdischen Turnvereines. Jto. Baron David Günzberg, St. Petersburg, ist der Jto beigetreten. — In einem Massenmeeting in Kapstadt ist eine von Reverend Bender und Rechtsanwalt Lewis