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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-09-07 · 36 (7.9.1906) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
36 (7.9.1906)
Date
1906-09-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 36 Vr. Llocv s TWlocbenscDntt. Seite 603 wollen, wie immer seit jener Zeit, da uns durch Eurer Majestät Wille das Feld rühmlicher Betätigung im Kriege wie im Frieden erschlossen worden ist. Und darum flehe ich jetzt mit der Segnung: O Weltenlenker, mögen die Worte, die ich zu dir emporsende, sich erfüllen! Gewähre die Wünsche, die das edle Herz unseres allergnädigsten Landesvaters bewegen, denn sie enthalten Tugend, Recht und Frieden, Leben, ungezählte Jahre verlangen wir für ihn, o gib es, damit er, der Fels und Hort seiner Völker, der Schutz und die Wehr seiner Länder, seines erhabenen Herrscheramtes mit Jugendkraft walten möge für und für. Amen." Mit einem vor geöffneter Bundeslade gesprochenen Gebete schloß der Rabbiner, worauf der Kaiser unter den Klängen der vom Tempelchor intonierten Volkshymne das Gotteshaus verließ, in welchem eine Gedenktafel an den dem Tempel vom Kaisir vor sechzehn Jahren abgestatteten Besuch erinnert. Der Kaiser sprach dem Kultusvorsteher und dem Rabbiner beim Verlassen des Gotteshauses seinen Dank für den schönen Empfang aus. Hofrat Isidor Neumann. Die Wiener medizinische Schule hat einen sehr schweren Verlust erlitten; Hofrat Professor Dr. Isidor Neumann v. Heilwart ist in Vöslau, wo er zum Sommeraufenthalte wohnte, infolge eines Herzschlages gestorben. Hofrat v. Neumann erfreute sich bis zu den letzten Tagen der besten Gesundheit. Noch am Vorabend seines Todes empfing er Besuche und blieb abends bis 11 Uhr im Familienkreise wach. Um Mitternacht traten die Erscheinungen eines Schlaganfalles auf. Leider erwies sich ärztliche Hilfe als erfolglos. Hofrat v. Neumann war einer der letzten Dermatologen, welche noch von Hebra, dem Begründer der wissenschaftlichen Dermatologie, in diese wichtige Disziplin eingeführt wurden. Er erwarb sich durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten und durch seine organisatorische Tätigkeit auf dem Gebiete der öffentlichen Hygiene einen großen Ruf. Auch als Arzt zählte Hofrat v. Neumann zu den ersten seines Faches, und auf seine Klinik und in seine Ordination kamen Kranke aus aller Herren Länder. Hofrat v. Neumann's Haus in Wien, I., Kolowratring 14, war ein Versammlungsort hervorragender wissenschaftlicher, künstlerischer und im politischen Leben stehender Persönlichkeiten. Hofrat Neumann hat sich aus kleinen Anfängen zu seiner Stellung emporgearbeitet. Er wurde am 2. März 1832 in Mißlitz in Mähren geboren, studierte an der Wiener Universität vorzugsweise unter Hebra, Skoda und Rokitansky und wurde hier im Jahre 1858 zum Doktor der Medizin promoviert. Im Jahre 1861 habilitierte er sich als Privatdozent für Dermatologie und Syphilis, im Jahre 1873 wurde er zum außerordentlichen Professor und 1881 zum Leiter der Klinik im Allgemeinen Krankenhause in Wien ernannt. Hier gründete er eine große Schule. Zu seinen Hörern zählten zahlreiche englische, französische und amerikanische Aerzte. Auch hat v. Neumann zahlreiche hervorragende Dermatologen ausgebildet, wie Professor Primarius Dr. Ehrmann in Wien, Professor Dr. Rille in Leipzig, Primarius Dr. Glück in Sarajewo, Dozent Dr. Matzenauer in Wien. Ferner war Professor Dr. Ernst Finger, sein Nachfolger im Lehramte, einer seiner hervorragendsten Schüler. Als klinischer Lehrer erfreute sich Hofrat v. Neumann einer großen Beliebtheit. Er verstand es, seine zahlreichen Hörer durch seine Vortragskunst und geistreiche Einfälle zu fesseln. Auch seine Kranken verehrten in ihm einen herzensguten Chef, der für die Leiden jedes Einzelnen stets Rat wußte. Hofrat v. Neumann war Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften. Vom Kaiser wurde er durch das goldene Verdienstkreuz, durch die Verleihung des Komturkreuzes des Franz Joseph-Ordens und durch die Erhebung in den Adelsstand ausgezeichnet. Große Verdienste hat sich Hofrat v. Neumann als Sanitätsreferent für Bosnien und die Herzegowina um die rasche Einrichtung der modernen hygienischen Postulate, wie der Impfung, der Schaffung neuer Spitäler, erworben. Hofrat v. Neumanns Arbeiten beschäftigen sich mit zahlreichen dermatologischen Themen. Er schrieb sehr bekannte Lehrbücher der Hautkrankheiten und gab einen Atlas der Hautkrankheiten heraus. Der berühmte Dermatologe wurde Sonntag den 25. d. M. vormittags unter außerordentlicher Beteiligung der medizinischen und gesellschaftlichen Kreise Wiens bestattet. Unter den Trauergästen sah man den General der Kavallerie Johann Freiherr v. Latfcher, Sektionsrat v. Herz, Ministerialrat Freiherr v. Prazaky, den Vertreter der medizinischen Fakultät Hofrat Chrobak mit dem Subpedell Spazik, Hofrat Professor Schauta und Gemahlin, Hofrat Professor Dr. Winternitz, Hofrat Professor Dr. Braun, die Professoren Dr. Benedikt, Dr. Spiegler, Dr. Monti, Dr. Ehrmann und Gemahlin. Dr. Ortner, Doktor Bergmeister, Dr. Urbantschitsch, Dr. Schlesinger, Direktorstellvertreter des Allgemeinen Krankenhauses Professor Dr. Mayer, den Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Gustav Kohn mit dem Vorsteher Dr. Markus Spitzer, Oberbaurat Streit, die Präsidenten des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft v. Pollak, Regierungsrat Dr. Kalligoris, Primararzt Dr. Schnitzler, Otto v. Schlumberger, Großindustriellen Heinrich Eger, Direktor Ziffer (Lemberg-Czernowitzer Bahn) rc. Die Leichenfeier wurde im Trauerhause vom Oberkantor Singer eingeleitet, worauf Oberrabbiner Dr. Güdemann dem Verblichenen einen warmen Nachruf hielt. Alsdann setzte sich der Kondukt nach dem Zentralfriedhof in Bewegung. In der Zeremonienhalle ergriff nach den ritualmäßigen Gebeten Hofrat Professor Chrobak namens der medizinischen Fakultät das Wort zu einem stimmungsvollen Nachruf. Dann sprach namens der Dermatologischen Gesellschaft Professor Spiegler. Namens der Schüler Neumanns nahm Professor Ehrmann von dem Toten herzlichen Abschied. Es sprach noch namens der Klinik der erste Assistent der Klinik Professor Finger, Dr. Alfred Brandweiner. Den Abschiedsgruß der jüngsten Schule sprach Dozent Dr. M. Oppenheimer, der letzte und jüngste Schüler. Rosa Kaufmann. (Gestorben am 1. September 1906.) Wer an jenem Trauerkondukte in Karlsbad, der die sterblichen Ueberreste David Kaufmanns geleitete, teilgenommen, dem wird wohl auch jene ehrwürdige, alte Frau mit dem schönen klaren Auge in Erinnerung sein, die, obwohl am tiefsten verwundet, doch am meisten gefaßt, voll edler Selbstbeherrschung im Leichenzuge folgte: die Mutter David Kaufmanns. Und nun hat auch der Tod der müden Frau, die in den stolzen Erinnerungen der Vergangenheit sich aufrecht hielt, still und sanft die Augen geschlossen. Ein reichbegabtes, reichgesegnetes Leben hat hier seinen Abschluß gefunden. Sie ist eine einfache und schlichte Natur gewesen und hat nie viel Aufhebens von sich gemacht. Aber hinter dem milden, durchgeistigten Gesicht mit seinen klaren, glänzenden Augen lebte ein reger warmfühlender Geist, der allem Schönen und Idealen mit schwärmerischer Liebe zugetan war und sich über die Alltäglichkeit hinauszuerheben wußte. So hat sie, die im wesentlichen die Erziehung ihrer Kinder leitete, es verstanden, ihr Haus zu einer Stätte geistiger Anregung und edler Harmonie zu machen, und so hat sie, jeden Einzelnen anspornend und weitertreibend, in gesteigertem Maße - auf ihren ältesten Sohn gewirkt. Mit welch kindlicher Dankbarkeit David Kaufmann diesen erzieherischen Einfluß seiner Mutter anerkannte, das geht aus seinem „Lebenslauf" hervor, in dem es heißt: ..Einsehend, daß meiner Mutter höchstes Streben nur in meiner Ausbildung gipfle, konnte ich sie, deren Wünsche zu erfüllen stets in meiner Absicht lag. nur durch Ernst und Fleiß zufrieden stellen wollen." Und in einem Brief an einen Freund schreibt er: „Glauben Sie auch nicht an den bleichen Jungen? (Idealismus). da ist eine Mutter, die heute noch, wenn ich zu knurren an-

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