Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 36 (7.9.1906)
- Date
- 1906-09-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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LL...« V.Jäa*-^^«E»*57»5äf-a* -i:.ill«® J-..WV35F. Nr. 36 Dr. Llocb's MocbenscbrM, Seite 605 eingebrachte Resolution zu Gunsten der Jto angenommen und zugleich vom Kapitän Walker eine lokale Jto-Organisation begründet worden. Ebenso ist eine neue Organisation in Perth (West-Australien) begründet worden. — Dr. Simonson, Berlin, veröffentlicht in der „Deutschen Bolksstimme", dem Organ des Bundes deutscher Bodenreformer, einen Auffsatz über :„Dr. Wilhelm, die Jto und das Klima von Ostasrika". Dr. Wilhelm war der Leiter der berühmten Hertzka-Expedition und hat in einer der vorhergehenden Nummern der Bolksstimme sich über die Chancen weißer Arbeit in Ostafrika geäußert. — In die vom R-t der Jto beschlossene Kommission, die über die definitive Auswahl des Landes dem Rat der „Jto" Vorschläge machen soll sind u. A. die Herren Dr. Paul Nathan, Berlin, und Oscar Strauß- New-Iork eingetreten. Australien. Der Präsident der australischen Einwanderungsliga Dr. Richard Arthur veröffentlicht in der Jewish Chronicle einen Artikel, in dem er die Jto auffordert, in Australien, das für die europäischen Juden zur Ansiedlung viel geeigneter sei, als die afrikanischen Gebiete, einen Kolonisationsversuch zu machen. Wir entnehmen seinen Ausführungen das Folgende: „In den befferbevölkerten Staaten dürfte es schwer, wenn nicht unmöglich sein, einen für diesen Zweck genügenden Landstrich zu erwerben. Aber in drei Staaten, Queensland, Südaustralien und Westaustralien, ist es wohl möglich, ohne viel Anstrengung und große Kosten das nötige Land zu erlangen. Ich bin der Meinung, daß das Nordgebiet das geeignetste iür einen Versuch sein würde. Dasselbe ist sechs- bis siebenmal so groß wie Großbritannien und umfaßt weite Strecken fruchtbaren Bodens. Das Klima ist dort ein subtropisches, aber auf den Hochplateaus ist es gemäßigter. Es ist gewiß, daß die Regierung das Territorium bald übernehmen und für eine Einwanderung in großem Maßstabe nutzbar machen wird. Warum treten dann aber die Führer der Jto nicht mit der Regierung in Verbindung und lassen sich von ihr nicht einige Millionen Acres an einem der nördlichen Flüsse übergeben? Es steht fest, daß dieses Land an den Flüssen sehr fruchtbar ist und daß die Regenhöhe dort sährlich 40—80 Zoll beträgt. Trockenheit ist in diesem Teile Australiens unbekannt. Es wäre doch wenigstens der Mühe wert für die Jto, eine Kommission zur Prüfung dieses Vorschlages nach Australien zu entsenden. Sicherlich würde die Einwanderungsliga, deren Vorsitzender ich bin, bei dem Werke gerne Mitarbeiten. Man muß allerdings wohl beachten, daß in Australien Leute nötig sind, die sich aus dem Lande ansiedeln und ein produzierendes Element bilden. Für Handwerker und Händler ist dort jetzt kein Platz. Unsere Städte sind bereits alle überfüllt und ein weiterer Bevölkerungszuwachs würde daselbst den Kampf ums Dasein und die Not noch härter machen. Aber das Land wartet auf Millionen Menschen, die es bebauen und ihm seine Schätze abgewinnen. Schafe und Rindvieb, Weizen und Mais, Butter und Käse, Früchte aller Art, Baumwolle, Kaffee, Zucker, Reis, Tabak, das alles kann in unbegrenzter Ausdehnung gezogen und produziert werden.... Australien erscheint denen, für die Europa die Welt ist, zu weit entfernt. Aber wir haben hier fast alles, was Europa bieten kann, und vieles, was es nicht gewährt. Wir haben das schönste und gesündeste Klima der Welt, unsere Staatsform ist die freiheitlichste und selbst dem Aermsten stehen die günstigsten Chancen offen. Ein Jude I. A. Jsaacs ist Staatssekretär im Ministerium für Gemeinwohl und kann leicht Premierminister von Australien werden; zwei andere I. I. Cohen und D. Levy sind hervorragende Mitglieder der gesetzgebenden Versammlung von Neusüdwales und überhaupt in allen Teilen Australiens gibt es Juden, die hohe Stellungen einnehmen, darunter Sir Julian Salomons, ehemaliger Oberrichter von Neusüdwales, und Justice Cohen in demselben Staate. Ich möchte daher den Juden, die sich mit dem Geschick ihrer leidenden Brüder befassen, dringend empfehlen, obigen Vorschlag sorgfältig zu erwägen und zu prüfen, ob nicht aus diesem Wege eine Lösung der ihnen vorliegenden Probleme gefunden werden kann." i Das Zentralbureau für jüdische Auswanderungs- Angelegenheiten in Berlin Lützowstraße 8 bittet uns um Aufnahme folgender Mitteilung: Leib Bort, 23 Jahre ult, aus Beresino, Gouv. Minsk (Rußland), ist am 23. Juli 1905 von New-Aork mit der Hamburg-Amerika-Linie nach Hamburg gefahren, wo er am 3. August 1905 auch anlangte. Bon Hamburg aus bestieg er einen Zug nach Eydtkuhnen, um in feine Heimat zu fahren. In Eydtkuhnen ist Leib Bort jedoch nicht eingetroffen; es fehlt von da ab jede Spur von dem jungen Manne. Die Eltern des jungen Mannes, der geistig etwas zurückgeblieben ist, bitten jeden, der von ihrem Sohne etwas weiß, um freundliche Nachricht an die Adresse des „Zentralbureau für jüdische Auswanderungs-Angelegenheiten", Berlin W., Lützowstraße 8. Signalement. Name: Leib Bort. Alter: 23 Jahre. Wuchs: mittelhvch. Körperbau: schlank und hager. Haar: dunkelblond. Augen: blau. Hautfarbe: weiß. Sprache: jüdisch, etwas englisch. Berlin. (Flottenverein undAntisemitism u s.) Ein Mitglied des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hatte an den Redakteur der Zeitschrift „Die Flotte", des Organs des Deutschen Flottenvereins, ein Schreiben gerichtet, in dem dagegen protestiert wird, daß in einem Artikel der „Flotte" zu dem Besuch des Seebades Borkum aufgefordert wird mit der Behauptung: „Seitens der Bevölkerung ist alles getan, um den Fremden den Aufenthalt auf der Insel behaglich zu gestalten," und „Borkum ist eine Insel des Friedens". Das Schreiben bezeichnet diese Angaben als unrichtig. Es müsse nach den zahlreichen Vorkommnissen auf Borkum vielmehr heißen: „Jüdischen Mitgliedern des Flottenvereins (und deren find es nicht weniges ist von einem Besuche dringend abzuraten, da sie in Borkum nicht geduldet sind." Zum Schluß verlangt das jüdische Mitglied des Deutschen Flottenvereins, daß sein Schreiben in der „Flotte", veröffentlicht werde. Dieses Verlangen hat den Redakteur der „Flotte". Korvettenkapitän a. D. Jacobs, in große Verlegenheit gesetzt, und er erwidert dem Briesschreiber: „Die von Ihnen erwähnten Ungehörigkeiten sind auch mir bekannt; offen gestanden, hatte ich bei Annahme des Artikels gar nicht daran gedacht, ebensowenig wie der Verfasser sicher auch. Von der Aufnahme ihres Protestes in der „Flotte" möchte ich aber doch absehen, weit ich fürchte, datz gerade dadurch Unliebsames entstehen könnte. Selbstverständlich macht der Flottenverein weder zwischen Ständen noch Konfessionen irgend welchen Unterschied, da uns jedes Mitglied, welches es mit der Sache des Deutschen Flottenvereins gut meint, s hr willkommen ist. Wäre es nicht vielleicht besser, wenn den mosaischen Mitgliedern auf andere Weise — etwa durch Ihre Zeitungen — von dem Unfug, der vorläufig auf Borkum noch besteht, Kenntnis gegeben würde Also Geld nimmt der Deutsche Flottenverein mit Vergnügen auch von den jüdischen Mitbürgern entgegen, bemerkt dazu die „Frks. Ztg.", aber in dem Organ des Vereins darf beileibe nichts stehen, was die Antisemiten irgendwie verschnupfen könnte. Wenn die Juden Grund zur Beschwerde haben, dann sv"en sie sich in jüdischen Blättern darüber beklagen! „Die Flotte" ist zu schade dazu. An die Selbstachtung der jüdischen Mitglieder des Deutschen Flottenvereins stellt ein solches Ansinnen wirklich recht sonderbare Anforderungen. Das Trennnngsgesetz in Frankreich und die Juden. Aus Paris wird uns berichtet: Die französische Judenschaft, an deren Spitze die Pariser Judengemeinde schreitet, hat dem Gesetz vom 9. Dezember 1903, das die Trennung von Staat und Kirche ausgesprochen hatte, mit der dem Gesetze gebührenden Achtung Folge geleistet und ist ohne Zögern an die Begründung und Organisation der Kultus-Assoziation herangetreten. Die Statuten wurden durch eine juridische Kommission des jüdischen Konsistoriums ausgearbeitet und zur Begutachtung und Annahme einem Komitee unterbreitet, in dem Vertreter sämtlicher israelitischen Gruppierungen und Gemeinschaften von Paris Platz nahmen. Das Statut wurde angenommen und die . ,,^88oeiation consistoriale israölite de Paris” in gesetzlicher mm