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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-09-07 · 36 (7.9.1906) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
36 (7.9.1906)
Date
1906-09-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
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*.«*• "SEM?. Nr. 36 Dr. JSlocb s MocbenscbrM. Seite 601 Jeden Mitwoch tvar Schubtag. Zum Schub bediente man sich der damals im Gebrauche stehenden Zeiselwagen, da wurden die Schüblinge aufgeladen, auch der Jude unter ihnen, in Begleitung zweier Polizeileute auf die nächste Station, z. B. nach Mödling oder Korneuburg transportiert, dort wurden sie dem Gemeindeamte übergeben und in den Gemeindekotter eingesperrt, es wurde ihnen Brot und Wasser gereicht und ein Bündel verlaustes Stroh war ihr Nachtlager. Des andern Tages ging der Transport durch den Kleiurichter weiter, aber nicht direkt der Heimat zu, sondern er mußte unter diesen Umständen noch einige Stationen mitmachen, so daß er erst nach 4 bis 5 Tagen nach Hause befördert wurde. Hatte aber einer dieser Häftlinge einen Freund oder Bekannten, der von seiner Haft wußte, so konnte dieser ihn von der Haft erlösen. Und dieses geschah auf folgende Weise: Es existierten in der damaligen Zeit unter dem Regime Wiesenberg u. Schnitzer zwei jüdische Vertraute, jetzt Detektive genannt, mit Name Schwarz aus Preßburg. Wenn sich der Freund an einen dieser Brüder mit einem Lösegeld von mindestens 10 fl. wendete, wurde er auf freien Fuß gesetzt und erhielt dazu noch einen Aufenthaltsschein auf 3 Tage. Joach. Goller st epper. Zur Schächthehe. Königsberg i. Pr. Der deutsche Fleischerverband, der vor Kurzem hier seine 29. Tagung abgehalten hat, befaßte sich auch mit dem Töten der Schlachttiere durch den Schußapparat. Der Bezirksverein Brandenburg hatte beantragt, daß der Verband gegen die Einführung des Schußapparats Stellung nehme. Obermeister Seltmann-Rixdorf befürwortete folgende Resolution: „Die heute zum 29. Fleischer-Verbaudstag versammelten Delegierten-Vertreter des Fleischer-Verbandes Deutschlands mißbilligen das Töten der Schlachttiere durch Schußapparat, insbesondere von Personen, welche das Schlächtergewerbe nicht erlernt haben, aus folgenden Gründen: Nach dem Scbuß versagt beim Stechen die ordnungsmäßige Ausblutung sehr häufig, da im Moment die Füße starr zusammengezogen, nach 10 — 15 Minuten und länger die Körper ohne Herztätigkeit bleiben, dann einzelne Adern überhaupt nicht mehr rein ausbluten. Zehn Zentimeter Ader, mit Blut gefüllt, bringen hauptsächlich im Sommer die daranliegenden Fleischteile schnell zum Verderben. Das Fleisch eines durch Schußapparat getöteten Tieres ist, da nicht so rein ausgeblutet, dunkel in Farbe, geht leicht in Schwammigkeit über und führt somit zum Mißlingen der Dauerwaren. Durch das Pulver geht der Brägen, auch die Kopfpartie durch schlechten Geschmack verloren. Die Kugel ist häufig bei dem Zucken des Tieres ins Rückenmark und in den Kamm eingedrungen: auch ist Gefahr für Menschen nicht ausgeschlossen. Dem ehrsamen Stand der Schlächtermeister und Gesellen, dessen Ruhm und Ehre es stets und mit Recht war, eine einwandfreie Tötung der Schlachttiere ohne Quälerei vorzunehmen, wird durch die allen Erfahrungen Hohn sprechende Tötung mittelst Schußapparat durch niederdrückendes Gefühl die Lust und Liebe zum Handwerk verleidet." Nach längerer Besprechung gelangte dann der folgende Antrag des Verbandsvorstandes zur Annahme: „Eine zweckentsprechende Tötung des Schlachtviehes hat zur Voraussetzung, daß die Herz- und Lungentätigkeit nicht vor Eintritt des Todes unterbrochen wird. Nur dann kann das Blut in dem erforderlichen, durch den Hinzutritt von Sauerstoff in die Lunge gereinigten und hellroten Zustande vollständig ausfließen. Im anderen Falle blutet infolge Aufhörens der Herztätigkeit das Schlachttier nicht vollkommen aus, und es bleibt in allen Adern, selbst in den Arterien ungereinigtes, dunkelgefärbtes, leicht zum Verderben neigendes Blut zurück, wodurch die Haltbarkeit des Fleisches und dessen Aussehen beeinträchtigt, dieses sogar für die Bereitung von Dauerware ungeeignet wird. Ob diesen Anforderungen die Schußbetäubungsapparate entsprechen, steht noch nicht zweiselsrei fest. Ebensowenig, ob sie den Anforderungen aus dauernde Gebrauchsfähigkeit und Sicherheit in der Konstruktion entsprechen. Wohl aber ist bewiesen, daß durch das Eindringen von Pulvergasen in das Gehirn dieses im Werte herabgemindert wird und jede Betäubung neben den Kosten für die Anstellung besonderer Bedienungspersonen mit dem Preise der Patrone von meist 5 Pfg.^ und darüber, sowie den nicht unerheblichen Reparaturen mtb^ Anschaffungskosten belastet und endlich in tierschützlerischer Hin-- sicht eine kaum nennenswerte Besserung erzielt wird." 0 Der Jndenkonvent in Paris. In einer Zeit säkularer Gedenktage, in der das Leben und das Zeitalter Napoleons I. neubelebt erscheint, mag auch daran erinnert werden, daß in diesem Sommer hundert Jahre verfloffen sind, seit Napoleon eine Judensynode nach Paris berief, die sich mit den gegen die Juden gerichteten Beschwerden befassen und an deren Beseitigung Mitwirken sollte. Da diese Synode sich aus Juden aller Länder zusammensetzte, so wollte man darin eine Absicht Napoleons erblicken, mit Hilfe der Juden Europas politische Pläne zu verwirklichen, während die Motive, die den Kaiser zur Einberufung der Synode veranlaßt hatten, keineswegs mit Politik in Verbindung standen, sondern lediglich bezweckten, die Juden, denen damals größere bürgerliche Rechte verliehen wurden, als sie bisher besessen hatten, möglichst schnell der bürgerlichen Gesellschaft anzugliedern. Als Napoleon nach der Schlacht bei Austerlitz nach Paris zurückkehrte, wurde ihm aus der Durchreise durch Straßburg vom dortigen Präfekten mitgeteilt, daß sich die kleinen elsäsfischen Juden im Gegensatz zu den reichen Bankiers, „die immer rechtliche Männer gewesen sind", häufig finanzielle Unregelmäßigkeiten zu Schulden kommen ließen und daß sich infolgedessen ein großer Unwille gegen sie zeige, der den Wünschen des Kaisers auf völlige Gleichberechtigung der Juden und Christen erschwerend in den Weg trete. Daraufhin erklärte der Kaiser, daß die Juden selbst am geeignetsten erschienen, die in ihrer Mitte austretenden Mißstände zu beseitigen, und er berief zu diesem Zweck den Judenkonvent nach Paris. Große Verdienste um diese Synode hatte sich der französische Senator Gregoire erworben, der im Sommer 1805 Deutschland bereiste und die Lage der deutschen Juden zum Gegenstände besonderen Studiums gemacht hatte. Der braunschweigische Finanzagent Jacobsohn leitete damals in Seesen eine jüdische Normalschule, und während eines längeren Aufenthalts hatte Gregoire seine Erfahrungen, die er aus dem Verkehr mit den deutschen Juden gewonnen hatte, praktisch hier vertieft. Nach Frankreich zurückgekehrt, schrieb er im Magazin encyclopedique einen interessanten Aussatz zum Lobe der Juden, fand auch an dem Minister Pvrtalis einen verständnisvollen Förderer feiner Ideen, aber die Deutschen überschätzten seine Stellung und auf die Synode selbst ist er trotz seiner Verdienste ohne Einfluß gewesen. Der erste Lehrer der Schule in Seesen, ein gewisser Schottländer, reiste persönlich nach Paris, um ein Sendschreiben der deutschen Juden dem Kaiser zu übergeben, aber seine Hoffnung, daraufhin Sekretär bei dem Konvent zu -werden, erfüllte sich nicht. Es hatte Anstoß erregt, als er im Kreise seiner Glaubensgenoffen eine Schrift verbreiten ließ, in der sich der Satz befand: „Nr. 8ebottiaender s'est transporte a Paris pour eclairer la deputation de ses lamieres“ und auf Befehl der Regierung war diese Schrift unterdrückt worden. Als nun jetzt ein Freund von ihm eine ausführliche Darlegung der Schulverhältniffe in Seesen veröffentlichte und dabei die Sorge aussprach, daß die jüdische Religion auf dieser Synode vernichtet werden könnte, sah Napoleon sich in seinen Absichten gehemmt und befahl kurz und bündig, daß über den Judenkonvent oder über Streitfragen, die damit zusammenhingen, auch nicht das Geringste mehr gedruckt werden dürfe. Interessant ist folgende Mitteilung: Jenem Sanhedrin gehörte auch der Rabbiner Samuel Levi von Worms, Großvater des in München verstorbenen Generaldirektors Hermann Levi, als Mitglied an. Levi war 27 Jahre lang Rabbiner in Worms. Er zählte zu den Notablen der Stadt und flüchtete, um nicht von den Franzosen als Geisel für die Kontribution mitgenommen zu werden, nach Frankfurt, wo er mehrere Monate blieb. Er wohnte 1806 dem vorbereitenden und 1807 dem wirklichen Sanhedrin in Paris bei und war ein Jahr ein umso angeseheneres Mitglied dieser Institution, als er der französischen Sprache vollkommen mächtig war. Infolge seines Wirkens in Paris wurde er von Napoleon als Grandrabbin da Consistoire da Departement de Haate-Tonnerre nach Mainz berufen, wo er nach sechs Jahren 1813 starb. In welchem Grade er die französische Sprache beherrschte, beweist folgendes, was er selbst niedergeschrieben:

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