Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 35 (31.8.1906)
- Date
- 1906-08-31
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Dr. Llocv s Mocvens^örttr. Nr. 35 Seite 690 Fonds zurückblieb. Es wurde nun beschlossen, für dieses Geld außer dem eisernen Fond von 5000 Rubel Anstalten zu schaffen, welche die Lebensbedingungen der jüdischen Arbeiter erleichtern sollen, ebenfalls im Einverständnis mit gewählten Vertretern aller Arbeiter. Die Assignierung von 20.000 Frcs. zur Schaffung einer Arbeiteransiedlung bei Petach Tikwah wird zur Kenntnis genommen. Zur Schaffung einer Kasse für gegenseitigen kleinen, billigen Kredit in Palästina werden aus dem Reservesond 5000 Rubel assigniert. D) Zur „Sch ul frage" wurden folgende Resolutionen angenommen : Die Schulfrage muß eine der Hauptsorgen des Komitees bilden. Das Komitee hat Sorge zu tragen, daß ein Schulfond zur Verbreitung der allgemeinen Bildung im nationalen Sinne gebildet werde. E) Zur „Organisation" wurde beschlossen, in jeder Stadt spezielle Komitees anstatt der Vertrauensmänner zu bilden, zu Chanuka und Purim Geldsammlungen in ganz Rußland zu veranstalten und das dafür gekaufte Land dem jüdischen Nationalsond zu übergeben. In den Ausschuß wurden für die nächsten 3 Jahre gewählt: Ussischkin, Obmann: Dr. H i m m e l f a r b, Schriftführer; B a r b a s ch, Kassier. Während der Beratungen herrschte eine sehr gehobene Stimmung. Eine jüdische Lesehalle und Bibliothek in Wien. Wie bereits mitgeteilt, hat der Wiener zionistische Zentralverein, IX., Türkenstraße 9, eine öffentliche Lesehalle und Bibliothek eingerichtet, die Jedermann offen steht, speziell den durchreisenden Volksgenossen. Heute bringen wir einen Auszug von dem uns zur Verfügung gestellten dort aufliegeuden Blätterverzeichnisse. Außer den österreichischen Organen liegen auf: Welt, Jüdische Rundschau und Wochenschrift, Altneuland, O st und W e st, Jewish Chronicle, Jewish World, Hakocher (Jargon. Südafrika). Israels Messenger (Engl., C h i n a). Der jüdische Kempser (Jargon. . amerik. Poale-Zion), H a z m a n (Hebr. Tagbl., Wilna), Tajud (Jargon, Tagbl. Petersburg), Das jüdische Volk (Jargon, Wilna), Jewrejska ja Schisu (Russisch, Petersburg), Glos sydowski (Polnisch, Warschau), Lemberger Tagblatt, El Sionista (Spanisch, Buenos-Aires), 8’ Echo Lioniste i Französisch, Paris), Hayehoodi (Hebräisch, London), H a s ch k a f a h (Hebr., Palästina) rc. re. Die Lesehalle ist vorläufig vou 2—5 Uhr nachmittags geöffnet. Vom Herbst angesangen den ganzen Tag bis 9 Uhr abends. Konferenz der russischen Zionisten. Im Anschluß an die Generalversammlung des Odeffaer Palästina-Komitees fand in Odessa eine Konferenz der Vertrauensmänner der russischen Zionisten statt, die ebenso wie die unlängst in Wilna abgehaltene Konferenz der zionistischen Presse zu den wichtigsten Fragen des gegenwärtigen zionistischen und jüdischen Lebens in Rußland Stellung nahm und so die Platform schuf für den im Herbst einzuberufenden allrussischen zionistischen Kongreß, in vielen Hinsichten aber auch schon für die nächste praktische politische Arbeit. Die Konferenz tagte vom 27. Juli bis 1. August unter den ungünstigsten äußeren Verhältniffen. Teilgenommen haben 75 Zionisten, darunter neun Aktions-Komitee-Mitglieder und Vertreter des Bureaus für Russisch-Polen. Das Präsidium bildete Dr. Kohan-Bernstein, Ing. M. Bruck und Ing. M. Ussischkin. Die Hauptredner und Referenten waren Ussischkin, Schabotinsky, Kohan-Bernstein, Rabinowicz, Syrkin, Grünbaum, Goldberg und Dr. Sapir. Tagesordnung: 1. Organisation; 2. Reale Arbeit in Palästina und 3. in Rußland. Folgende Beschlüffe und Resolutionen wurden gefaßt: A. Organisation. 1. Die Leitung besteht aus fünf Personen, davon wenigstens zwei, höchstens drei Aktions-Komitec-Mitglieder. 2. Diese fünf Personen bilden das „Zentral- K o m i t e e". 3. Das Zentral-Komitee organisiert und führt die sonstigen Aufgaben der zionistischen Bewegung in Rußland selbständig auf Grund der von der alljährlichen Konferenz erteilten Direktiven. 4. Die Organisationseinheit ist das L o k a l k o m i t e e in jeder Art, welches aus Repräsentanten der zionistischen Vereine und Schekelzahler gebildet wird. 5. Der Sitz des Zentral-Komitees wird von Wilna nach Odessa verlegt. L. Reale Arbeit in P a l ä st i n a. 1. Die im Geiste des politischen Zionismus gefaßten Beschlüsse des Odeffaer Komitees (Chowewe-Zion) werden vollinhaltlich bestätigt. 2. Die Schaffung einer A g r a r-B a n k von den 38.000 Rubel für nicht volleingezahlte Aktien und 80.000 Rubel für uichtbehobene Dividenden und einer leihweise auf Zinsen überlassenen Summe des jüdischen Nationalfonds. 3. Ins Bank-Direktorium soll ein Mitglied gewählt werden, welches für reale Palästinaarbeit eintritt. 4. Ein russisches Aktions-Komitee-Mitglied soll Bank- Gouverneur werden. 5. Die Förderung der Privatinitiative zur Entwicklung der Industrie auch seitens der Bank, deren Hauptarbeit in Palästina und Orient sein soll. 6. Eine neue Bankfiliale in Haifa. 7. Erforschung Palästinas und breite Jnformationsarbeit. 8. Organisation der Schulen und Unterstützung des „Bezalel". 9. Für die von den „Pionieren" gesammelten Nationalsondgelder soll sofort Boden für diese Gruppe gekauft werden. 10. Bis zur Gründung der Agrarbank trägt die Kolonialbauk das Risiko für die vom Nationalfond vorgenommenen Landkäufe in Palästina gegen gewisse Provision. 0. Politische Arbeit in Rußland: 1. Die russische z i o n i st i s ch e Organisation führt eine selbständige national-politische Arbeit in Rußland. 2. Für konkrete Zwecke ist ein Block mit anderen politischen Parteien zulässig. 3. Die Frage der Anteilnahme einzelner Zionisten an anderen Parteien bleibt bis zum nächsten allrussischen Kongreß offen. 4. Die Konferenz nimmt als Program ment Wurf die auf den Wilnaer Kongreß der zionistischen Presse ausgearbeiteten Thesen an. Dr. Nathan über die Lage in Rußland. Der in humanitären Angelegenheiten in Petersburg weilende Dr. Paul Nathan aus Berlin hat Gelegenheit gehabt, mit einer so großen Reihe einflußreicher Persönlichkeiten, darunter auch wiederholt mit aktiven Ministern, den Ministerpräsidenten Stolypin eingeschlossen, zu sprechen, daß es mir zweckmäßig erschien, Herrn Dr. Nathan über seine Eindrücke zu befragen. Er sagte mir folgendes: Auch er lasse sich erklärlicherweise durch die scheinbare Ruhe, die gegenwärtig in Petersburg herrscht, nicht täuschen, das tue ja auch kein einsichtiger Beurteiler der augenblicklichen Lage. Er wies darauf hin, das die Minister selbst den außerordentlichen Ernst der Situation durchaus zugeben und mit der Tatsache rechnen, daß eine wesentliche Verschlimmerung in in den Provinzen Mitte September, Oktober oder November eintreten könnte. Aber der Premierminister Stolypin sei der Ansicht, daß die Negierung neuen, noch gefährlicheren Unruhen gleichwohl gewachsen bleiben werde. Dr. Nathan meinte, diese Ueberzeugung sei bei dem Ministerpräsidenten selbstverständlich. Dr. Nathan ging alsdann zur Erörterung der Frage über, welche Hoffnungen man auf organische Reformen zur Beruhigung des Landes setzen könne. Das müsse untersucht werden; denn die These der Minister sei die, mit starker Hand alle Unruhen zu unterdrücken, aber alsdann durch eine parallele