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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-08-31 · 35 (31.8.1906) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
35 (31.8.1906)
Date
1906-08-31
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 85 Dr. Bloch's Wochrnfrtzrift. Geile 588 jüdisch-nationalen Wahlkreise protestierte und zum tausendsten Male ihren sklavischen Sinn bekundete. Und das alles in einem Zeitalter, wo die Demokratie ungeahnte Triumphe feiert, wo man allgemeines Wahlrecht einführt? Hinter verschlossenen Türen wollten die Herren über das Los von 900.000 Juden entscheiden. Und sie waren 40 Mann stark! Aber wie es im Sprichwort heißt, wenn der Berg nicht zu Mahomed kommt, so kommt dieser zum Berge. Und das Volk drang an diesem denkwürdigen Tag mit Gewalt zu den „Herren", die sich schnöde zurückzogen und feige nach Polizei schrieen. Und das Volk besetzte die von seinen „Führern" verlassenen Plätze und hielt im Gemeindesaal eine wahre Volksversammlung ab. Und vom Fenster der Gemeindestube herab erschollen neue, kräftige Worte, welche die unten wartende tausendköpfige Menge mit Gier aufnahm und weiter trug. Heute wäre es Zeit, alle Kreise der galizischen Judenheit im Interesse des jüdischen Volkes zur Einigung aufzurufen! Was in dem Wahlreformausschusse praktiziert wird, ist nichts Geringeres als eine politische Entrechtung der Juden, ein brutaler Wahlrechtsraub. Dies zu verhindern haben alle jüdischen Parteien das gleiche Interesse. Deswegen sollte bei der Zusammentretung in Lemberg die zionistische Partei nicht übergangen werden. Ja es scheint uns unglaublich, daß man wiederum einmal versuchen sollte, über die Geschicke der Juden zu beraten, ohne die Vertreter der jüdischen Massen. Wie dem auch sei, die Wahrheit ist auf dem Marsche. Es braucht uns um den endlichen Sieg unserer Idee in der jüdischen Politik nicht bange zu sein. Das Volk ist bereits reif, das Volk fühlt, was ihm not tut, und das Volk wird sich um seine Rechte nicht mehr bringen lassen. Es wäre nur zu wünschen, daß dies auch, denjenigen rechtzeitig einleuchtet, die heute noch am Ruder sind. Das Volk muß befragt werden und nicht Menschen ohne Mandat, die politischen Parteien haben da ein größeres Recht, dreinzureden, als die israelitischen „Kultus"- gemeinden. Politik hat nichts mit „Kultus" gemeinsam. Caveant consules, bevor es zu spät ist! Das Volk wacht! O. W a s ch i tz. Zloczow, 25. August 1906. Ersatzwahl Zloezow-Brody. Aus Brody wird uns geschrieben: Kaum wenige Wochen trennen uns von der Wahl, von einer Wahlbewegung ist aber fast gar keine Rede. Die Kandidatur haben vier Herren angemeldet: Dr. Edmund Kornfeld (Wien), Dr. Gold (Zloczow), Dr. Rittel (Brody) und Adolf Stand (Lemberg). Von Dr. Kornfeld — den hier Niemand kennt — heißt es, daß er es mit Byk's Methode versuchen wolle, das Mandat zu „erobern". Er habe in Wien Verbindungen mit dem Polenklub und Zentralwahlkomitee und das Uebrige — sei Schweigen. Schweigen ist bekanntlich — nicht nur im Sprichworte — Gold. Dies letztere scheint auch die Devise des Zloczower Kandidaten zu sein. Omen — nvmen. „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles", dachte er mit Gretel und meldete seine Kandidatur im antisemitischen „Slowo Polskie" an. Dann schickte er 4 „christliche" Polen als Deputation zu unserem Bezirkshauptmann, „er" möge die jüdischen Wähler Brodys einen Tanz um das Zloczower „gold'ne" Kalb aufführen lassen. „Er" war aber freilich so loyal, dies Ansinnen von sich zu weisen. Unser Brodyer Kandidat wieder arbeitet hinter den Kulissen: Sekretär der Handelskammer, Bürgermeister und Pole mosaischer Konfeffion, glaubt er Empfehlungen genug für einen Sitz im griechischen Palast am Wiener Franzensring zu besitzen. Vor einigen Tagen zum Bürgermeister gewählt, erklärte er als sein wichtigstes Vorhaben — die Polonisierung des deutschen Gymnasiums. Glücklich, ihr Brodyer Juden, was fehlt euch denn sonst? Offen und ehrlich find vorläufig nur die Zionisten in den Wahlkampf getreten. Nachdem sie auf der Krakauer Konferenz ein politisches Programm aufgestellt haben, treten sie jetzt als Zionisten in die Schranken. Ihrer Meinung nach habe außer ihnen sonst Niemand ein Anrecht auf dieses par excellence jüdische Mandat, als ein Jude, der stch offen als Jude bekennt und als solcher für das Wohl seiner Volksgenoffen mutig eintritt. Im 6n ani li, mi li? Die bisherige Politik hat Fiasko gemacht, die Hintertreppen- und Vogel-Strauß-Politik ist bankerott. Eine gesunde lebenskräftige jüdische Volkspolitit tut uns not. Nicht gegen das polnische, nicht gegen das ruthenische Volk, sondern für das jüdische. Und zusammen mit dem polnischen und ruthenischen Volke gegen den gemeinsamen Feind! Alle wohlgesinnten Juden, denen das Wohl des Judentums am Herzen liegt, sollen am 14. September für den Kandidaten einer zielbewußten jüdischen Volkspolitik stimmen, für Herrn Adolf Stand! Wie wir hören, soll in den nächsten Tagen der wackere Abg. Straucher uns mit seinem Besuche beehren, um die Brodyer Juden auf die Wichtigkeit des Augenblickes aufmerksam zu machen und sein gewichtiges Wort für den zionistischen Kandidaten in die Wagschale zu werfen. Wir heißen ihn schon jetzt herzlich willkommen! Die Ruthenen, die 10 Perzent der Stimmen haben, rüsten schon auch zum Kamps; es verlautet, daß sie einen Zählkandidaten aufstellen wollen. Es wäre hoch an der Zeit, daß das zionistische Komitee mit den ruthenischen, ebenso wie mit den polnischen Demokraten in Berührung komme, damit die Situation geklärt Die SoziM^^WRen erklären im „Naprzöd", jeden Kandidaten zu der sich für das allgemeine Wahlrecht erklären wird^^^Wlchstens mehr. E. H a b u z i. Ans deMFloniftischen Bewegung. Die VI. Generalversammlung des Odeffaer Palästina- Komitees (Chowewe-Zion) fand am 24. bis 27. August l. I. statt. Außer den Odeffaer Delegierten nahmen an den Sitzungen 85 aus ganz Rußland teil. Auf der Tagesordnung stand neben den statutarisch festgesetzten Punkten die Frage der Koordinierung der Tätigkeit des Komitees mit der zionistischen Organisation, da es sich gezeigt, daß die von Dr. Leon Pinsker zum Zwecke der Wiedergeburt des jüdischen Volkes gegründete Gesellschaft allmälig zu einem philanthropischen Verein ohne weiteren Gesichtskreis herabsank. Zum Vorsitzenden der Versammlung wurde Ingenieur M. U s s i s ch k i n gewählt. Die wichtigsten Redner waren: der greise M. L. Lilienblum, Dr. Rajmift, Dr. Himmelfarb, Lewinsky, Rawnitzki, Dr. Sapir, Ussischkin, Schabotinsky, Barbasch, Dujanow u. a. Folgende Resolutionen wurden gefaßt: A) Die Grundlage der Tätigkeit des Odeffaer Palästina- Komitees muß das mit anderen gleichgesinnten Anstalten koordinierte Bestreben zur systematischen Verstärkung des jüdischen Elements in Palästina und Syrien u. zw. durch folgende Maßregeln werden: 1. Erforschung des Landes. 2. Unterstützung der Landwirtschaft, Industrie usw., hauptsächlich die Interessen der arbeitenden Mafien ins Auge fassend. 3. Kulturelle und ökonomische Organisation und Hebung der palästinensischen Judenheit durch Zuführung neuer intellektueller Kräfte. 4. Erlangung von administrativen und rechtlichen Konzessionen in Palästina. Die Generalversammlung ist aber der Ansicht, daß irgendwelche unsystematische und philanthropische Kolonisationstätigkeit unzuläffig ist. B) Weitgehende Propaganda für die Gründung einer Agrarbank zum Zwecke der Hebung des jüdischen Bodenbesitzes in Palästina durch Anleihen auf lange Termine zu eröffnen. 0) Zur „Arbeiterfrage". Als vor mehreren Jahren die Arbeiterkrise in Palästina ausbrach, schuf das Odeffaer Komitee einen Arbeiterfond von über 80.000 Rubel außer dem speziellen Fond der galliläischen Arbeiter. Für dieses Geld wurde Land für die „Soichim" (würdige Arbeiter) gekauft, wobei ein Rest von 27.000 Rubel resp. 14.381'81 Rubel vom galliläischen

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