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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-08-24 · 34 (24.8.1906) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
34 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 572 nc. Llocv's Mocvenscvrm. Nr. ö4 eS aber angebracht, zur Erhaltung des guten Rufes der bayerischen Eisenbahvbeamten festzustellen, ob wirklich eine derartige Aeutzerung von einem hiesigen Beamten gemacht worden ist, und wenn das geschehen sein sollte, einzuschreiten. Die Erhebungen können ja bei den ins einzelne gehenden Angaben des BeschwerdeflihrerS nicht schwer sein." Paris. Die Annahme der Fremdenbill in England hat auch auf Frankreich eine merkliche Rückwirkung gehabt. Früher bildete Paris für die auswandernden Juden zumeist nur die Durchgangsstation, wo sie sich das Geld zur Weiterreise nach England respektive Amerika zu ersparen hofften. Die Erschwerung der Einwanderung in England hat Hunderte von heimatlosen Juden gezwungen, sich dauernd in Frankreich einzurichten, was ohne genügende Sprachkenntnisse doppelt schwierig ist, und die auftegenden Szenen, welche in jüngster Zeit sich in den Räumen des Comite de Bienfaisance und der J. C. A. abspielten, haben bewiesen, welche Dimensionen die Not unter unseren arbeits- und obdachlosen Brüdern in Paris erreicht hat. In überaus dankenswerter Initiative hat Baron James von Rothschild, der älteste Sohn des Barons Edmund von Rothschild den Anstoß zur Errichtung eines Institutes für Mischen Arbeitsnachweis gegeben, mit welchem ein Asyl und eine Werkstätte verbunden sind. Die letztere wurde in geräumigen, gut erleuchteten und vorzüglich ventilierten Sälen untergebracht, in welchem hundert Personen bequem arbeiten können. Das unter sachkundiger Leitung stehende Institut umfaßt einstweilen nur eine Album- und Kartonnagefabrik, der bald weitere Branchen hinzugefügt werden sollen. Die Werkstätte beschäftigt zahlreiche Agenten, welche stets auf der Suche nach Arbeit, respektive Absatz für die Fabrikate sind. Der mit der Zeit steigende Arbeitslohn beginnt mit 2 Frcs. pro Tag nebst freiem Mittagessen, das im ersten Stocke des Institutes eingenommen wird. Jeder arbeitsuchende Jude darf drei Monate lang in der Werkstätte verbleiben. Der Pogrom in Bialyftok. Petersburg, 20. August. Der Procureur am Appellhof in Wilna ließ eine objektive Untersuchung über die Vorgänge in Bialystok anstellen. Er sorgte dafür, daß auch die Tragweite der Schuld der Bialystoker Behörden festgestellt würde. Daraufhin ist er nach Charkow versetzt worden, denn den leitenden Kreisen in Rußland war es unbequem, daß die Untersuchung die schwere Mitschuld der Behörden an dem furchtbaren Pogrom ergäbe. Nun führt der Untersuchungsrichter in Bialystock die Sache und diesem war es sofort klar, daß die Juden in Bialystok die Schuld haben müßten. Man kann sich aus diesem Vorgänge ein Urteil bilden, wie es mit der Justiz im allgemeinen und mit der Untersuchung der gegen die Juden gerichteten Pogroms im besonderen aussieht. Zur Ermordung Herzensteins. Petersburg, 2O. August. Das an Stelle der unterdrückten „Nascha Schisn" erscheinende Blatt „Towarischtsch" („Der Genosse") berichtet: Die Untersuchung hat die Mitschuld des verhafteten Gendarmen Sapolsky an der Ermordung Herzensteins unwiderleglich bewiesen. Man fand bei Sapolsky höchst kompromittierende Briefe, so ein Billett folgenden Inhaltes: „Sie können es schon telegraphieren. Bald ist alles fertig." Dieses Billett erklärt es, wieso das Moskauer Hetzblatt „Majak" in die Lage kam, über den Mord an Herzenstein acht Stunden vor der Tat zu berichten. Die Stimmung unter den Warschauer Truppen. Warschau, 18. August! Das hiesige Kriegskommando (Generalgouverneur Skalon) hat vorigen Dienstag in Erwartung des Angriffes seitens der radikalen Parteien eine geheime und konfidentielle Untersuchung unter dem Militär eingeleitet, um die Stimmung und Anschauungen der Offiziere und Soldaten zu erkennen. Ausgewählte, längere Zeit im Dienst verbleibende Wachtmeister und Feldwebel führten gemütliche Gespräche mit den Soldaten. Auf diesem Wege erfuhr man Folgendes: Das Littauer Garde-Jnfanterie-Regiment äußerte sich gegen den Gebrauch der Soldaten zum Polizeidienst; dasselbe tat die Garde- und Feldartillerie unter dem Vorwände, daß schon ihre Waffengattung einem solchen Gebrauch nicht entspricht. Dagegen versprach das Volhynier Garde-Jnfanterie-Regiment blinden Gehorsam und verriet sogar große Lust, gegen die Juden aufzutreten. Gleich nach den ersten Ueberfällen der Revolutionäre auf Polizisten, wobei ein paar Soldaten vom Volhynier Regiment fielen, wollten ihre Genossen den Tod der Kameraden blutig rächen. London, 17. August. Ein Telegramm aus Warschau, welches bei dem „Jewish Chronicle" in London eintraf, besagt, daß über 250 Juden am Mittwoch in Warschau von Soldaten getötet wurden. Die Entdeckung eines agent provocateur in Warschau. Warschau, 18. August. Zufälligerweise entdeckte man einen der von der Polizei gebrauchten agents provocateurs zum Anstiften von Judenhetzen und Straßenunruhen. Er heißt Ulanowski und wohnt in demselben Hause (Eisengaffe Nr. 75), welches infolge seiner Provokation am 16. d. abends während zweier Stunden durch Militär beschossen wurde. Anscheinend ist es ein Souteneur und er verursacht Unruhen durch Werfen von Petarden, welche laut knallend platzen, was sofort die Patrouille herbeiführt, welche die Gelegenheit benützt, Häuser zu beschießen, Einwohner zu stoßen und zu peitschen, Revisionen und Arretierungen vorzunehmen. Zahlreiche Augenzeugen beweisen sein Vorgehen. Dr. P. Nathan bei dem Ministerpräsidenten Stolypin. Petersburg, 20. August. Dr. Nathan aus Berlin, ein Vorsitzender des Hilfsvereines deutscher Juden, der sich hier befindet, um mit dem Petersburger Komitee für die Unterstützung der durch den Pogrom Heimgesuchten die Schlußabrechnung festzusetzen, wurde vom Ministerpräsidenten Stolypin üm seinen Besuch gebeten. Eine einstündige Unterredung fand Sonntag im Landhause des Ministers statt. Doktor Nathan betonte, daß er als Ausländer kein Recht habe, im Namen irgend eines Kreises russischer Juden zu sprechen; er könne nur die Auffassung des Auslandes darlegen, daß die volle Emanzipation der Juden verfassungsmäßig durchgeführt werden solle. Um die Erörterung der Stimmungen und Anschauungen des Auslandes und der großen Schwierigkeiten in Rußland drehte sich im Uebrigen die informatorische Unterredung. Die jüdischen Waisenkinder. Hamburg. Am 15. d. abends find von Hamburg aus 30 russische jüdische Waisenkinder nach Amerika, 10 nach England eingeschifft worden. Fräulein Perlmann, die der russischen Sprache mächtig ist, geleitete die nach Amerika, Fräulein Pappenheim die nach London bestimmten Kinder, die sämtlich in gutem Gesundheitszustand waren. Fräulein Klausner brachte am 17. d. acht Kinder — sechs Mädchen und zwei Knaben — in das Ahlemer Erziehnngsinstitut bei Hannover. Diese acht Kinder gehören zwei Familien an, sechs sind Geschwister Mordche Lewin, zwei Geschwister Makiel. Man hatte sie für Ahlem ausgesucht, um dem Wunsch der Verwandten zu genügen, daß sie ungetrennt blieben. Der Verpflichtung zu jüdisch-religiöser Erziehung wird in Ahlem vollkommen Genüge getan. Ein neunjähriger Knabe, Daniel Lewin, war masernverdächtig gewesen. Aus diesem Grunde hatte die Reise nach Ahlem verzögert werden müssen, bis der Verdacht sich als ungerechtfertigt erwiesen hatte. In Hamburg waren die Mädchen von dem dortigen Hilfskomitee mit neuen Kleidern ausgestattet worden. Es verdient besondere Erwähnung, daß alle Beamten der Hamburger Auswandererhallen der Hapag wetteiferten, den Hinterbliebenen der russischen Pogromopfer jede erdenkliche Aufmerksamkeit zu erweisen. Am Freitag reisten die acht Kinder mit Fräulein Klausner nach Hannover, wo sie von Herrn

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