Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 34 (24.8.1906)
- Date
- 1906-08-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 34 Dr. Lwcv s MocvenscvrM. Seite 573 Inspektor Silberberg empfanden wurden. Um 5 Uhr nachmittags trafen die Kinder in Ahlem ein, wo herzliche Aufnahme sie bald zutraulich machte. Am Montag (20. August) begann der Unterricht, den sie mit fünf anderen, vor kurzem in Ahlem aufgenommenen russischen Kindern gemeinsam erhalten, bis sie des Hochdeutschen mächtig geworden sind. Fünf von den neu eingetretenen Kindern — die fünf jüngeren Geschwister Lewin — sind Schützlinge der Alliance Jsraelite Universelle, die drei anderen unterstehen der Fürsorge des Deutschen Hilfsvereins. Jüdische Vorträge. London. Während der Sommerferien werden an den englischen Universitäten für das gebildete Publikum Vorlesungen über allgemeine, außerhalb des Rahmens der Universitäts- Studien liegende Themata gehalten. Der Vorstand des „Verbandes der englisch-jüdischen Literatur-Vereine" hat sich nunmehr an die Behörde der Universität Cambridge mit dem Ersuchen gewandt, unter diese Vorlesungen auch solche von speziell jüdischem Interesse aufzunehmen. Diesem Ersuchen ist mit größter Zuvorkommenheit willfahrt worden; die Universitäts- Behörde selbst hat schon für diesen Sommer die erforderlichen Vorkehrungen getroffen, und seit Anfang August haben bereits drei derartige, von Glaubensgenossen gehaltene Vorlesungen stattgefunden, welche von einer zahlreichen, zumeist nichtjüdischen Zuhörerschaft besucht waren. Der erste Vortrag hatte „Moses Mendelssohn, sein Leben und Wirken" zum Gegenstände; der zweite behandelte „Die Geschichte der Juden-Emanzipation in Frankreich"; in dem dritten sprach der gefeierte Maler Solamon I. Solomon unter Vorführung von zahlreichen Bildern, Skizzen re über „Die Kunst im Judentum", deren Wesen und Leistungen er an dem ersten und zweiten Tempel zu Jerusalem, an dem Onias-Tempel in Egypten, an der von König Chiskija' angelegten Wasser-Leitung re re. illustrierte. Es darf die Hoffnung gehegt werden, daß diese Vorlesungen in immer weiteren Kreisen nicht nur richtige Kenntnisse verbreiten, sondern auch warmes Interesse für Juden und Judentum wecken und so über ihre unmittelbare Bestimmung hinaus Segenswirkungen zeitigen werden. Bedauern über die russischen Greuel. Sydney. Die vorgestern im Repräsentantenhaus von dem tasmanischen Abgeordneten Störer beantragte und nach kurzer Debatte genehmigte Resolution, durch welche das Bedauern des Hauses über .die russischen Greuel zum Ausdruck gebracht wird, hat folgenden Wortlaut: „Das Haus drückt sein tiefes Bedauern über die kürzlich gemeldeten Untaten in Rußland und die zuversichtliche Hoffnung aus, daß Eingebungen von Weisheit und Gerechtigkeit denjenigen Bürgern, die darunter leiden, den wirkungsvollen Schutz der Gesetze sichern werden." Die Debatte, zu der diese Resolution Anlaß gab, ist insofern nicht ohne Interesse, als man bei dieser Gelegenheit hat beobachten können, wie sehr selöst die australische Bundesregierung, die sich, wenn es sich um eine Kritisierung fremder Nationen handelt, sonst keineswegs übergroße Rücksichten aufzulegen Pflegt, zur Zeit bestrebt ist, alles zu vermeiden, was die russischen Machthaber verletzen könnte. Der Premier Deakin befürwortete die Resolution, betonte aber gleich im Anfang seiner Rede, daß sich die russischen Behörden in einer Lage befinden, die die denkbar ungünstigste sei und die dazu geführt habe, daß in einzelnen Landesteilen die Autorität der Staatsgewalt geradezu paralysiert sei. Man braucht nur an die Umwälzungen in den fundamentalen Institutionen des Reiches, an dessen enorme Ausdehnung, an den Krieg und seine entsetzlichen Opfer an Geld und noch mehr an Blut und an die Eindrücke zu denken, die dieser Krieg bei denen hervorgerufen habe, die ihre Väter und Brüder in Ostasien verloren hätten, um zu begreifen, daß hiedurch eine überaus traurige Lage geschaffen worden sei. Diese traurige Lage aber dürfe es verzeihlich erscheinen lassen, wenn das Haus denen, die unter der geschaffenen zeitweisen Desorganisation zu leiden hätten, seine Teilnahme auszusprechen sich gestatte. Reaktionäre Einflüsse gäbe es in jedem Lande, sie seien zweifelsohne auch in Rußland im Werke, er, Deakin, gebe sich indeffen der Zuversicht hin, daß das Haus einstimmig sein tiefes Bedauern über die häßlichen Zwischenfälle bei einer Bewegung aussprechen werde, von der jedermann hoffe, daß sie einen großen Fortschritt von Seiten einer der glänzendsten und tapfersten Nationen der Welt bedeuten werde. Die Ruffen werden gut tun, wenn sie sich die Note „glänzend und tapfer", die ihnen Herr Deakin heute ausstellt, sorgfältig im Gedächtnis ausbewahren. Es hat nämlich Zeiten gegeben, die nicht, einmal sehr weit zurückliegen, in denen Nikolaus II. und seine Russen von Seiten gewisser Mitglieder des Bundeskabinetts nicht halbwegs so günstig beurteilt worden sind. Sollten diese Zeiten einmal wieder kommen, werden sich die Russen nunmehr auf Herrn Deakins eigene Worte berufen können. vermischtes. Zionistisches Zentralbure^u, Köln. Am 28. August wird in Köln am Rhein im „Hotel Disch" die Jahreskonferenz der zionistischen Weltorga nisation beginnen. Die Jahreskonferenz findet immer in dem Jahre statt, in dem kein zionistischer Weltkongreß abgehalten wird. Die diesjährige Konferenz wird außerordentlich stark besucht sein. Es werden u. a. Vertreter folgender Länder anwesend sein: Deutschland, Oesterreich, England, Holland, Belgien, Frankreich, Rumänien, Bulgarien, Italien, Dänemark, ferner von Palästina, Nordamerika und Argentinien. Besonders stark wird Rußland vertreten sein, und zwar werden u. a. drei ehemalige Dumaabgeordnete nach Köln kommen. Auch der Präsident des letzten Kongresses Dr. Max Nordau wird an der Konferenz teilnehmen. Die Verhandlungen werden mehrere Tage dauern. Der Geburtstag des Kaisers. Das Fest des Geburtstages des Kaisers ist in allen jüdischen K u l t u s ge m e i n d e n der Monarchie in erhebendster Weise durch feierlichen Gottesdienst und Predigt begangen worden. In den Wiener israelitischen Bethäusern sowohl der Kultusgemeinde als der Bethausvereine fanden gottesdienstliche Veranstaltungen statt. An den Festgottesdiensten im Stadttempel sowie im großen Leopoldstädter Tempel nahm auch die Mannschaft jüdischen Glaubens offiziellen Anteil und beide Synagogen waren von einem festlichen Publikum besonders dicht gefüllt. Unter den Erschienenen waren zu bemerken der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, viele Vorsteher sowie der gesamte Beamtenkörper unter Führung des I. Sekretärs. Im XI. Bezirk fand im Vereine mit der Kaiserfeier die Weihe einer Thora statt, die das langjährige Vorstandsmitglied Herr B. Salpeter dem Tempelvereine, anläßlich seiner silbernen Hochzeitsfeier gespendet hat. Aus Böslau wird uns geschrieben: Aus Anlaß des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers fand im hiesigen Bethaus-Verein am Samstag ein solenner Gottesdienst statt, durch die Einweihung des von Frau Roia Marmore k, Witwe nach Herrn S. Marmorek, gespendeten Sefer-Thora nebst Kle- Kodesch besonders ausgezeichnet. Diese edle und muuifizente Dame hat bereits vor drei Jahren bei der Eröffnung des Belhauses einen großen Teil der Einrichtung Herstellen lassen und auch diesmal spendete sie einen prachtvollen Vorhang für die Bundeslade, wie früher eine Schulchan- und Omed-Decke aus feinem Peluche. Tags darauf fand die Trauung der Tochter dieser Dame. Fräulein Lea Marmorek, mit dem Kaufmann Herrn Leopold A b e l e s im „Hotel Schweizerhof" statt. Der große Saal war glänzend dekoriert und unter den Klängen des Harmoniums mit Harfenbegleitung intonierte Oberkantor Bauer einen Festpsalm, welcher von dem Chore des türkischen Tempels unter Leitung des Dirigenten L ö w i t meisterhaft vorgetragen wurde. Die Trauung selbst vollzog Rabbiner Papo unter Affistenz des Rabbiner Reich von Baden und nahm die Zeremonie einen feierlichen Verlauf.