Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 34 (24.8.1906)
- Date
- 1906-08-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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as„.xa2C3rj&f-s&\ Leite 570 Das Referat wurde mit großem Beifall ausgenommen, worauf der Vorsitzende den ersten Kongreßtag schloß. Während der ganzen Verhandlungen war vonseite der Behörde Magiftratssekretär und Polizeiomtsleiter Borte anwesend. Mittwoch um halb 11 Uhr vormittags wurde die Tagung des Kongreßes fortgesetzt. Der Vorsitzende begrüßt das anwesende Mitglied des großen Aktionskomitees Herrn Dr. Leopold Kahn und den Herrn Rabbiner aus Virovitica Dr. Kaufmann. Nach Verlesung der eingekaufencn Telegramme erhalt das Wort Herr Spingarn (Effeg) zu seinem Referate über die jüdische Moderne, II. Teil. Der Referent schildert die markantesten Erscheinungen der modernen jüdischen Literatur, Wisienschast und Kunst. Sein Hauptaugenmerk wendet er der ostjüdischen Literatur zu, unterläßt es aber nicht, speziell die nichtjüdischen zionistischen Schriftsteller hervorzuheben. Nach dem mit großen Beifall aufgenommenen Referate entspinnt sich eine lebhafte Debatte. Hierauf stellen mehrere Kongreßteilnehmer Anträge, die fast alle angenommen wurden. Die vom Präsidium des Vereines „Bar Giora" vorgelegte Resolution wurde einstimmig und mit Beifall ausgenommen. Sie lautet: Dre am 14. und 15. August 1906 auf dem Kongreffe versammelten Akademiker und Abiturienten beschließen, auf dem Baseler Programme stehend. Folgendes: In der Erkenntnis, daß es zur Stärkung des jüdischen Nationalbewußtseins dringend notwendig ist, die Kenntnisse der jüdischen Geschichte, Literatur und aller kulturellen Probleme der jüdischen Vergangenheit und Gegen rart sich anzueignen, erachten sie es als ihre Pflicht, allen selbstbewußten jüdischen Studenten das intensive Studium der hebräischen Sprache und ihrer Erzeugnisse, als auch der oben erwähnten Probleme warm ans Herz zu legen. In der Erkenntnis der großen Miffion, die die Frau in der nationalen Erziehung zu üben hat, betont der Kongreß die Notwendigkeit, daß sich die jüdischen Frauen und Mädchen behufs Erlangung einer genügenden Vorbereitung für die Erziehung der jüdischen Jugend in wahrhaft jüdischem Geiste in Bildungsvereinen zusammenschließen. An alle Kultusgemeinden richten sie den Appell, daß sie in der Erkenntnis ihrer kulturellen und sozialen Miffion allerorten jüdische öffentliche Bibliotheken errichten . und für dre Hebung des Studiums der jüdischen Geschichte und Ethik sowie der hebräischen Sprache Sorge tragen. Der Kongreß protestiert dagegen, daß das jüdische Nationalbewußtsein der Studentenschaft seitens mehrerer Religionslehrer und Kultusgememden mit Gewalt unterdrückt wird. Die Gemeinden verlieren ihre raison d’etre, wenn sie sich dem selbstbewußt jüdischen Empfinden entgegensetzen Der Kongreß erklärt, daß die jüdisch-nationale Studentenschaft keinem nichtjüdischen politischen Vereine beitreten darf, von den kulturellen Vereinen aber bloß denen, deren Toleranz und Tendenzen mit den Anforderungen des modernen Judentums in keinerlei Widersprüchen stehen. Schließlich erklärt der Kongreß, daß die jüdischen Studenten nach Möglichkeit jüdisch-nationalen, insbesondere studentischen Organisationen beitreten sollen, um mit Wort und Tat die Verwirklichung aller jüdisch-nationalen, insbesondere zionistischen Bestrebungen zu fördern. Der IL Effegger zionistische Studcnteukonareß beschließt, daß der Kongreß der zionistischen Studenten aus den südilavischen Ländern zu einer ständigen Institution werde, und betraut mit der Einberufung und der Bestimmung des Sitzes der folgenden Kongresse den Verein „Bar Giora" in Wien. Ueber Antrag des Vertreters des Belgrader Vereines „Gideon" 8tnä. meä. David Albala wurde empfohlen, den nächsten Kongreß in Belgrad abzuhalten, des ferneren den Verein „Bar Giora" mit der Herausgabe zionistischer Broschüren in kroatisch-serbischer Sprache, insbesondere des Kongreßprotokolls zu betrauen. Nachdem der Vorsitzende den Kongreßteilnehmern für die mustergiltige Teilnahme an den Beratungen gedankt hatte, ergreift das Wort zur Schlußrede 6aüä. zur. Alexander Licht, um nach einem kurzen Resumß in begeisterten Worten den Teilnehmern ans Herz zu legen, die hier gewonnenen Anregungen in die Tat umzusetzen und als Pioniere des Zionismus demselben den triumphalen Weg in die südslavischen Länder zu ebnen. Stürmischer Beifall erscholl und mit Händedrücken und Küssen wurde der Begeisterung Ausdruck gegeben. Manchen der Teilnehmer standen Tränen in den Augen. Nach der Absingung der Hymne des „Bar Giora" wurde der Kongreß geschloffen. Schon lange vor der festgesetzten Zeit war der große Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Im Namen der Einberufer eröffnete Herr Dr. Aladar Klein die Versammlung und widmete einen warmen Nachruf dem allzu ftÜh verstorbenen Zionistenführer Dr. Theodor H e r z l. Er forderte auch die Anwesenden auf, gegen die Greueltaten in Rußland auf's energischeste zu protestieren. Hierauf wird zur Wahl geschritten und Herr Dr. Hugo Spitzer wurde per aoelamalionsm zum Vorsitzenden gewählt. Er legte hieranf in einer formvollendeten Ansprache seine Auffassung über den Zionismus klar und erklärte, daß Patriotismus und Zionismus sich nicht nur nicht ausschließen, sondern sich ergänzen. Er betonte, daß besonders in letzter Zeit den Juden in Kroatien die Augen gewaltsam geöffnet wurden, daß jeder Sehende einsehen mußte, daß die Juden in Nr. 34 Kroatien auf sich selbst und niemand anderen angewiesen sind. (Langanhaltender Beifall.) Hierauf wurde von der zionistischen Jugend die jüdisch-nationale Hymne angestimmt, welche von der Versammlung stehend angehört wurde. Sodann ergriff Herr Dr. Leopold Ka hn, Mitglied des großen Aktionskomitees, das Wort, der mit lebhaften Hedad-Rufen begrüßt wurde. Nachdem sich der stürmische Beifall gelegt hatte, konnte erst Dr. Kahn seine Rede beginnen In einer zweistündigen Rede, die sehr oft von minutenlangem Beifall unterbrochen wurde, erläuterte der Redner die ethischen Grundlagen des Judentums im Vergleiche zu denen der Nationen des Altertums und verwiesdarauf, daß die Lehren der modernen Friedensbewegung, der vollkommen ausgesprochenen Demokratie und manche sozialistische Maximen schon im alten Schrifttum enthalten sind und daß nur eine Lehre, die die Arbeit nicht nur als den eminentesten sozialen Faktor hinstellte, sondern auch in den Persönlichkeiten des jüdischen Schrifttums auch die physische Arbeit verkörperte, daß nur eine solche Lehre einen Marx und Lassalle hervorbringen konnte. Ein tosender Beifall erscholl am Schluffe der Rede, der schier kein Ende nehmen sollte. Hierauf ergriff der Präses des „Bar Giora", Herr eaud. jur. Alexander Licht das Wort, um, nachdem er in kroatischer Sprache betonte, vatz in Kroatien und Slavonien die einzig berechtigte öffentlich rechtliche Sprache die kroatische ist und daß er nur mit Rücksicht auf den Gast und die zahlreich erschienenen Damen, die der Landessprache nicht mächtig sind, deutsch zu sprechen genötigt sei, in aller Kürze die Organisation und die Institutionen zu erläutern. Herr Otto Kraus aus Agram legte dann einen Entwurf zionistischer Vereinsgründungen, vor allem für Agram, Essegg, Semlin und Vinkovce vor. Zu Beginn seiner Rede wies er mit Entrüstung den Vorwurf der Vaterlandslosigkeit, der den Zionisten seitens der Assimilanten gemacht wird, entschieden zurück. Mancher Zionist, sagte der Redner, sei während der stürmischen Tage der Regierungszeit Hedervarys für seine Ueberzeugung im Arrest gesessen, mußte sogar aus dem Laude flüchten, während die, die sich jetzt mit ihrem Patriotismus den Kroaten anbiedern, damals abseits gestanden sind. Hierauf verlas Herr Kraus die Statuten des in Essegg zu gründenden Vereines „Theodor Herz!" für Essegg und das Viroviticaer Komitat. Die Statuten wurden einstimmig angenommen. Somit erklärte der Vorsitzende den Verein als gegründ«-t. Ueber Antrag des Herrn Dr. Aladar Klein wurde Herr' I. N. Schulhof zum Präsidenten einstimmig gewählt, ebenso wie die übrigen neun Ausschußmitglieder? Ueber 100 Anwesende, darunter auch Damen, meldeten sofort ihren Beitritt an. Weitere Anmeldungen nimmt Herr Dr. Aladar Klein entgegen. Nach der Schlußrede des Vorsitzenden wurde unter Absingung der Zionshymne die Bürgerversammlung geschlossen. Am Abend fand ein animierter Kommers statt, bei dem an Herrn Dr. Leop. Kahn, Herrn Dr. H. Spitzer und den Verein „Bar Giora" Trinksprüche gerichtet wurden. Berlin. Gegen Schluß des Jahres 1905 wandten sich russische Studenten in Zürich an den „Hilfsverein der deutschen Juden" mit der Bitte, die Eröffnung eines Abendkurses für russische Arbeiter durch eine entsprechende Subvention zu ermöglichen. Die Studenten legten dar, wie durch Förderung der Bildung unter den Emigranten viel gutes gestiftet werden könnte. Das Fortkommen der Emigranten außerhalb Rußlands werde dadurch erleichtert; aber auch wenn sie nach Rußland zurückkehrten, werde ihre Lage eine bessere sein. Der Plan der idealistisch gesinnten jungen Leute erschien so zweckmäßig, daß der Hilfsverein der deutschen Juden die erforderlichen Mittel zur Verfügung stellte. Die Verwirklichung entsprach den Hoffnungen. Dem Bericht über die Wirksamkeit der Vereinigung im ersten halben Jahre, den Herr stuä. Garkawy erstattet hat, entnehmen wir das Folgende: Nach sorgfältigster Prüfung der Bedürfnisse und Wünsche der in Betracht kommenden Kreise, die zu den strebsamsten Elementen der russisch-jüdischen Arbeiterschaft gehören, wurden als Lehrgegenstände Deutsch, Mathematik und Russisch gewählt. Drei Studenten und drei Arbeiter arbeiteten gemeinsam den Lehrplan aus. Für einen Teil der Arbeiter, welche die Gewerbeschule der Stadt Zürich besuchen, ist es von größtem Wert, sich in Mathematik und deutscher Sprache zu vervollkommnen, da die mangelhafte Vorbildung gerade in diesen Fächern es ihnen unmöglich machte, dem Kursus in der Gewerbeschule mit vollem Nutzen zu folgen. Ein anderer Teil der Arbeiter, der die Absicht hat, nach Rußland zurückzukehren, will die Möglichkeit ausnützen, sich unter anderem auch in der russischen Sprache fortzubilden. Einmal in der Woche wird ein Leseabend veranstaltet. Ferner ist-mit gutem Erfolge ein populärer Kursus über die Grundbegriffe der Naturwissenschaft gehalten worden. Es konnte schließlich den Arbeitern die Dr. Mocv's Mocvenscvrtn<