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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-08-24 · 34 (24.8.1906) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
34 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 34 Dr. JSIocd ö TOlocbenscimn. Seite 569 ein in schmeichelhaften Ausdrücken abgefaßtes Zustimmungsschreiben, worauf folgende Antwort einlief, welche abermals Zeugnis von der edlen Denkungsweise des geistvollen Verfassers ablegt. Sie lautet: „Hochgeehrter Herr Präsident! Empfangen Sie, bitte, meinen warmen Dank für die freundlichen Worte, die Sie mir die Ehre erwiesen haben, an mich zu richten. Zustimmung von solcher Seite hat für mich die Bedeutung einer Auszeichnung. Daß der Sieg der Wahrheit über verbrecherische Zwecklüge sehr schwer ist, haben die Geschichte und das Leben mich gelehrt, ich sehe aber seit Jahren aus der Ferne Ihrem Kampfe zu und habe zu Ihrer heldischen Tapferkeit alles Vertrauen. Schon daß Sie alle diesen heißen Jahre her das Feld behauptet haben, ist ein Triumph. Glauben Sie, hochgeehrter Herr Präsident, an die aufrichtigste Hochachtung und Bewunderung Ihres ergebensten C o u v e t, 2. August 1906. Dr. M. N o r d a u." Eröffnungsfeier der Pollack schon Kinderpavillons im Kaiser Franz Josefspital. Am Geburtstage des Kaisers wurden die beiden von Herrn kaiserlichen Rat Bernhard P o l l a ck und Gemahlin mit großer Freigebigkeit gestifteten vierstöckigen Kinderpavillons im Kaiser Franz Josefspital eröffnet, die über hundert Kinder aufnehmen können und vom Baumeister Donat Zifferer erbaut wurden. Die Uebergabe der beiden Pavillons H und J in die Verwaltung des Wiener Krankenanstaltenfonds gestaltete sich sehr feierlich. Es hatten sich im Pavillon H des Kaiser Franz Josesspitals eingefunden: Minister des Innern Dr. Freiherr v. Bienerth, Statthalter Graf Kielmansegg, Landmarschall Prälat Dr. S ch m o l k, die Hofräte R o r e tz und Doktor D e i m e r, Statthaltereirat K e l l er, Oberbaurat Michael Fellner, niederösterreichischer Landes - Oberbaurat Franz Berger, Polizeibezirksleiter Ritter v. Roth. Monsignore E i st e r e r, Pfarrer von St. Anton geistlicher Rektor P i f f e l, Direktor des Kaiser Franz Josefspitals Dr. F r i e d i n g e r, Landessanitätsinspektor Dr. Winter, die Professoren Doktor Schlesinger und Dr. K o v a c s, die Primarärzte Doktor Unterholzner, Dr. Moser und Dr. Mairinger, Ingenieur K n o l l der Statthalterei, der den Bau geleitet hat, Oberingenieur Pekniczek, Gemeinderat W a w r o s ch, ferner Baumeister Zifferer und Gemahlin, Advokat Dr. Schneeberger, das Stifterpaar kaiserlicher Rat Bernhard P o l l a ck und Gemahlin mit der Familie, darunter der Präsident des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft Leopold P o l l a ck v. P a r n e g g mit Gemahlin, kaiserlicher Rat An n i n g e r, Doktor Sigismund Feßler, Krankenhausdirektor Dr. Nowak rc. rc. Ingenieur K n o l l hielt eine kurze Anrede, in der er die Geschichte des Baues entwickelte. Am Schluffe der Ansprache übergab er dem Statthalter Grafen Kielmansegg die Schlüssel der Pavillons. Nach der Rede des Stifters dankten Statthalter Graf Kielmansegg und Minister des Innern Freiherr von Bienerth für die Regierung und Landmarschall Abt S ch m o l k in längeren Reden dem Stifterpaar für die hochherzige Widmung. Dann wurde der Rundgang angetreten. Die Pavillons werden vom Kaiser besichtigt werden. Die Erbauungskosten betragen 600.000 Kronen. Zioniftenkonferenz. Essegg, 15. August. Gestern um halb zehn Uhr vormittags wurde im großen Beratungssaale der Oberstädter israelitischen Kultusgemeinde der zweite Kongreß jüdischer Hochschüler und Abiturienten aus den südslavischen Ländern eröffnet. Mit allgemeiner Spannung sah man der Kongreßeröffnung entgegen, da es bekanntlich vor zwer Jahren gelegentlich der Kongreßtagung zu höchst unliebsamen und bedauerlichen Szenen gekommen ist. Diesmal jedoch war keiner der jüdischen Gegner im Kongreßlokal erschienen und die wenigen christlich.» Studenten, die während des ganzen ersten Kongreßtages anwesend waren, verhielten sich ruhig. Die Tagung konnte daher ihren normalen Verlauf nehmen. Im nachfolgenden geben wir das Wort unserem Berichterstatter: Lange vor Eröffnung des Kongreffes war der große Beratungssaal der israelitischen Kultusgemeinde von jüdischen Mittelschülern und zahlreichen hiesigen jüdischen Bürgern dicht gefüllt, die der Eröffnung mit großer Spannung entgegensahen. Am grünen Tisch hatten die jüdischen Hochschüler und Abiturienten, zirka 5v an der Zahl, Platz genommen. Alle Kongreßteilnehmer waren teils mit Kouleurs, teils mit jüdischen Nationalbändern (weiß-blau) geschmückt. Kultusvorstand Dr. Hugo Spitzer begrüßte in seiner Eigenschaft als Hausherr die zahlreich erschienenen Kongreßteilnehmer und versicherte sie sowohl in seinem eigenen als im Namen der Mehrheit der hiesigen Gemeindemitglieder der wärmsten Sympathien. Er fordert die zionistische Jugend aus den südslavischen Ländern auf, in ihrer eifrigen Propaganda für den Zionismus nicht nachzulossen, sondern unerschrocken und zu jeder Stunde für die jüdische Sache einzutreten. Nach der mit großem Beifall aufgenommenen Ansprache des Kultusvorstandes stimmten alle Kongreßteilnehmer spontan die jüdische Nationalhymne, „Hatikwah* genannt, an, die stehend angehört wurde. Hierauf eröffnet «and. jnr. Alexander Licht als Präsident des Vereines „Bar Giora" den Kongreß. Er begrüßt die Vertreter der akademischen Verbindungen „Kadimah" und „Makkabäa" (Wien), „Makkabäa" (Budapest) und des Vereines „Gideon- (Belgrad), alle Studenten aus den südslavischen Ländern und die zahlreichen Gäste. Im weiteren Verlauf seiner Rede gedenkt er des verstorbenen Zionistenführers Theodor Herzl. (Die Versammlung erhebt sich.) Hierauf spricht er in Worten der Entrüstung über die Veranstalter der letzten Pogrome in Rußland und fordert die Versammelten auf, seinem. Proteste gegen dieselben als auch gegen die westjüdischen Finanzbaroue, die die russische Bureaukratie in ihrem Werke förderten, deizustimmen. (Lebhafter Beifall.) Indem er der Hoffnung Ausdruck gibt, daß der Kongreß seine Bedeutung für die Juden in den südslavffchen Ländern nicht verfehlen wird, erklärt er den Kongreß als eröffnet. Das vorgeschlagene Bureau, u. zw.: eaad. ing. Filip Rosenzweig („Bar Giora-) als Präsident, caad. techn. David Amar („Kadimah") als erster, Abiturient Armin Singer (Zemun) als zweiter Vizepräsident, ferner eaad. teeha. Gustav Kunetz und Geza Buchwald als Beisitzer, wurden por acclamationem gewählt. Nachdem der Präsident die zahlreichen Begrüßungstelegramme verlesen hatte, erteilt er das Wort cand. jur. Alexander Licht zu seinem Vortrag über den Zionismus. Der Redner gibt vor allem einen historischen Ueberblick über die Entwicklung des zionistischen Gedankens im allgemeinen, über die Assimilationsbestrebungen im Westen, um dann auf Grundlage des Baseler Programmes die Prinzipien des politischen Zionismus zu erläutern. Mit scharren Worten widerlegt er die Gegner im jüdischen Lager, begrül'det auf Grund von Aussagen bedeutender Autoritäten die Frage der jüdischen Nationalität und entwirft ein klares Bild der Gegenwarts- und Zukunftsarbeit der zionistischen Bewegung. Das fast zweistündige, gründliche und klare Referat wurde mit großer Aufmerksanikeit angehört. Der Redner wurde von allen Seiten beglückwünscht. Nach einer Pause ergreift das Wort zu einem Referat über die Aufgaben der jüdischen Mittelschuljugend Abiturient Lavoslav Stern (Brod). Er geißelt die bisherige Erziehungsmethode der jüdischen Religionslehrer, betont die Notwendigkeit eines intensiveren Studiums der jüdischen Geschichte und Literatur und der hebräischen Sprache und schließt seine eleganten, tiefempfundenen Ausführungen mit einem Appell von Max Nordau an die jüdischen Jugend- und Volkserzieher. Der fast einstündige Vortrag hielt die Zuhörer in einer ununterbrochenen Spannung und am Schluffe erscholl ein langer Beifall. Während dieses Vortrages erschienen im Saale die Herren Oberrabbiner Dr. Wenezianer aus Budapest und Dr. Ungar (Effegg), die vom Vorsitzenden warm begrüßt wurden. Nach einer kurzen Debatte und Verlesung mittlerweile eingelangter Begrüßungstelegramme wurde die Vormittagssitzung unter Abfingung der Vereinshymne des „Bar Giora" um halb 1 Uhr geschlossen. * * * Um 4 Uhr wurde die Nachmittagssitzung eröffnet. Zur Verlesung gelangen die mittlerweile wieder eingetrostenen zahlreichen Begrüßungstelegramme, darunter auch eines vom Präsidenten des zionistischen Aktienkomitees David Wolfsohn aus Köln. Hierauf hielt esad. teeba. Gustav Kunetz sein Referat über die jüdische Kultur und erläutert die allgemeinen Kriterien der west- und ostjüdischen Literatur, der hebräischen und jüdischen Sprache in durchaus kritischen Ausführungen. Nach einer kurzen Pause hält der Sekretär deS „Bar Giora", eanä. phil. Otto Goldstein, sein Referat über die Juden in den südslavischen Ländern, indem er hauptsächlich sein Augenmerk auf die Entwicklung der zionistischen Bewegung in diesen Ländern richtet. Es mag hervorgehoben werden, daß insbesondere die Juden in Bulgarien als die bestorganisierten und hingebungsvollsten Zionisten schon seit Jahren hervorragen, was zum großen Teil das Verdienst des hervorragenden modern-jüdischen Kulturhistorikers, des gewesenen Djakovarer und nunmehrigen Großrabbiners von Bulgarien Doktor M. Ehrenpreis ist. Serbien, Bulgarien und Bosnien entsenden ihre Delegierten in den Baseler Kongreß und haben ihre Vertreter auch im großen Aktionskomitee.

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