Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 34 (24.8.1906)
- Date
- 1906-08-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021656-3021691--15670-3040449- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 34 L)r. Klocv s Mlocvenscvrur. Seile 565 Hebel mustert, mit deren Hilfe der Plan einer wohlorganifierten Auswanderung realisiert werden könnte, der Gedanke an das Haus Rothschild sich unwillkürlich zuerst aufdringt? Hat man nicht ein Recht, zu sagen: Ihr, die Ihr die reichsten in Deutschland seid, unterstützt die ärmsten; .nicht etwa durch Almosen und Geschenke, Ihr sollt Euch keines Groschens berauben, nur Euern Schutz, Euern Kredit schenkt ihnen. Stellt Euch an die Spitze einer großen Aktiengesellschaft, die Land ankauft, Schiffe mietet und den Auswanderern das Ueber- und Ansiedeln erleichtert und sichert. Millionen Menschen werden Euch danken. Ihr könnt Deutschland neue Gebiete in fremden Weltteilen erobern und das Mutterland durch Ableitung hemmender, krankhafter Säfte verjüngen. Ihr könnt einen richtigen Abschnitt in der Entwicklungsgeschichte des Vaterlandes beginnen und ein dauerndes Monument in der Geschichte der Humanität Euch begründen. Und dieses Alles ohne Schaden, ohne Opfer; bloß durch Euern Willen, Euern Namen. Welch ein beneidenswertes Los! Freilich könnt Ihr sagen: Sollen wir schlichten Handelsleute den Fürsten in ihrem Berufe vorgreifen? Und wo sie, in deren Hände das Schicksal Deutschlands die Fürsorge für seine Völker, seine Familien, seine Zukunft von Gottes Gnaden gelegt wurde, unbeweglich zusehen, da sollen wir, die wir unsere Macht nur von der Gnade des Augenblickes erhielten, uns zu einem so wichtigen Werke als Vormünder und Führer aufwerfen? Nun denn, wir wollen vorderhand das Große nicht von Euch fordern; aber versucht es im Kleinen. Tausende Euerer Glaubensgenossen schmachten in Armut und unter politischem und religiösem Druck. Noch werden viele Tage in Deutschland aus- und untergehen, ehe die Zivilisation und die Erkenntnis des Menschenrechtes den Sieg über Vorurteil und bösen Willen davon getragen haben werden. Wie viele dieser Euerer unglücklichen Religionsbrüder ringen die Hände, weil man ihnen nicht erlaubt, den Boden als Ackerbauer zu bearbeiten, weil man ihnen den Hausierersack aufzwingt und ihren Kindern nicht gestattet, als Handwerker eine andere Zukunft zu suchen! Oeffnet ihnen diese Zukunft, helft ihnen, daß sie auswandern können. Begründet eine Kolonie, wo alle die 'Unglücklichen Arbeit und Freiheit finden, denen das Vaterland solche verweigerte. Auch diesem leistet ihr dadurch einen wichtigen Dienst, den es zwar in diesem Spezialfalle freilich nicht verdient, der aber eine wohltätige Rückwirkung haben muß. Indem man dem ärmsten, gedrücktesten Teil der deutschen Juden die Mittel zu Auswanderung verschafft, erleichtert und verbessert man nicht allein ihr Los, sondern auch das ihrer zurückbleibenden Konfessionsgenossen. Jene deutschen Staaten, die aus Ungeschicklichkeit, Liebe zum Schlendrian oder gar aus Vorurteil die die Juden betreffenden Gesetze in ihrem traurigen, mittelalterlichen Geiste ließen, brauchten als Vorwand gegen eine Reformation dieser Gesetze den Mangel an Reife und Bildung in den untern Schichten der mosaischen Religionsbekenner, die allerdings durch Armut (zu welcher sie jene Gesetzgebung eben verdammte) verhindert waren, sich die Kultur eines Gentleman zu verschaffen, obgleich es schwer zu begreifen ist, um wie viel mehr Bildung z. B. ein bayerischer Bauer als ein bayerischer Jude besitzt. Indessen würde die Auswanderung natürlich gerade diejenige Klasse der Juden, welche als Vorwand gegen die Emanzipation aller übrigen dienen muß, dezimieren und letztere beschleunigen. Andererseits würden die Kolonisten in ihrer neuen Heimat durch Fleiß und Gedeihen den schlagendsten Beweis liefern können, wie durch ein billiges Maß voll Freiheit diejenigen, die man in dem Mutterlande so verschrieen hatte, in tätige und nützliche Bürger umgewandelt würden, und dieser Beweis müßte dann abermals eine wohltätige Rückwirkung auf die deutsche Gesetzgebung ausüben. Andererseits würde die erleichterte Fakultät zum Auswandern gewiß viele Juden, selbst unter der wohlhabenden Mittelklaffe, zur Auswanderung verleiten. Der Staat, der auf diese Weise viele dem Lande nützliche Kräfte davonziehen sehen möchte, müßte dann, um dieses zu verhüten, von selbst auf präventive Maßregeln sinnen, und wo wird er fie leichter finden, als in einer vollständigen Emanzipation, die allen Druck und folglich auch die Grundursache zum Auswandern aufhebt? Wir können auf die praktischen Details, wie dieser Plan ins Werk zu setzen wäre, hier allerdings nicht eingehen. Dieses müßte natürlich einem ordnenden Komitee Vorbehalten werden, welches Mittel und Wege gehörig abwiegen kann. Aber gewiß ist es, daß kaum eine andere Kolonisationsgesellschaft so rasch und sicher ihre Operation beginnen könnte als die, welche wir hier in Vorschlag bringen. Einmal Rothschild an der Spitze stehend, dann würden die Subskriptionen der reichen Israeliten aus allen Enden — und nicht nur aus Deutschland allein — eintreffen, und binnen kurzer Zeit würde ein Kapital beisammen sein, wie vielleicht in England selbst nur wenige Unternehmungen dieser Art ein gleiches aufweisen können. Da die Entreprise nicht wie andere ähnlicher Gattung nicht bloß eine kommerzielle Spekulation sein würde (obgleich wir wiederholt behaupten, daß fie selbst als solche eines glücklichen Resultats sicher wäre), da vielmehr politische, religiöse und Humanitätsmotive die Haupthebel derselben bildeten, so würde ihr vieles erleichtert, was anderswo große Schwierigkeiten und Kosten verursacht. So z. B. die Agentschaften, die bei ähnlichen Unternehmungen mit schwerem Gelde bezahlt werden und nicht selten unfichern Händen anvertraut werden müssen, würden hier an den verschiedensten Punkten von den Geistlichen und sonstigen Vorständen der jüdischen Gemeinden nicht nur freiwillig sondern mit ganz anderem Eifer, als ein bezahlter Agent haben kann, betrieben werden. Diese Gemeindebehörden könnten zugleich die nötige Polizei über die Auswanderungslustigen ihrer Kreise ausüben, indem sie über ihre Moralität und. dergleichen an das Zentral-Komitee, welches in Frankfurt oder wohl auch einer Hafenstadt seinen Sitz haben müßte, berichten. Andererseits würden die weitreichenden Handelsverbindungen der großen jüdischen Bankierhäuser gleich von vornherein den Ankauf des Territoriums und die nötigen Rapporte über irgend einen zu diesem Zwecke vorgeschlagenen Landstrich, sei es in Süd- oder Nordamerika, erleichtern, wobei überdies der politische Einfluß der Herren von Rothschild manches applanieren könnte, was einer andern Privatunternehmung vielleicht ein unübersteigliches Hindernis wäre. — So weit haben wir diesen Plan vom Partikularstandpunkte des Judentums aus betrachtet. Aber nehmen wir an, daß die vorgeschlagene Kolonisationsgesellschaft wirklich ins Leben tritt, so wird dadurch ein Beispiel in ganz Deutschland gegeben, dessen Folgen unberechenbar find. Die Juden haben sicherlich nicht den Ruf, unpraktische Menschen zu sein. Das zähe Mißtrauen, welches die Vorschläge zu einer großen überseeischen Kolonisation bisher in Deutschland gefunden, vor Allem aber die unverzeihliche, herzlose Indifferenz, mit welcher man Hunderttausende von deutschen Auswanderern ihrem Schicksal überläßt, würde dadurch sicherlich eine Grenze finden. Die Erfahrungen, welche die Rothschild'sche Kolonisationsgesellschaft (wir wollen ihr in guter Hoffnung im Voraus einen Namen geben) machen würde, würden der ganzen deutschen Nation zugute kommen. Mag es nun sein, daß diese Gesellschaft dann zu einer allgemein Deutschen sich ausbildete, oder daß einzelne Kompagnien sich ihr nachbilden, oder daß die Staaten ihre Pflicht endlich begreifen lernen und die Auswanderer oder gar die Kolonien unter ihren Schutz bringen und organisieren würden; genug, die Anregung wäre da, und die Herren von Rothschild würden nicht nur bei ihren Religionsgenvssen, sondern bei der ganzen deutschen Nation ein schönes Monument sich gesetzt Habens Brüssel, im Mai. I. K u r a n d a. Krief ans den Sudeten Gräfenberg 2J. Ab '>666. Geehrter Herr Redakteur! Diesen Brief schreibe ich im Walde. Mich umgeben hochragende Tannen, würzige Waldesdüfte umwehen mich, aus der Ferne leuchtet mir, aus nebeligen Dünsten emporragend, des Altvaters Haupt entgegen und über mir rauscht eine Quelle aus dem Gesteine hervor, das eine Marmorplatte trägt mit