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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-08-24 · 34 (24.8.1906) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
34 (24.8.1906)
Date
1906-08-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sette 562 Dr. Vlocv s Mocvens. -crtt. Nr. 34 durch Kaiu verstümmelt uud gequält war, auch noch das Wort gesprochen wurde: Unstet und stüchtig sollst d u sein! Was aber das Entsetzlichste ist! Der Prozeß der russischen Juden vor der öffentlichen Meinung wird gerade so geführt, wie ihre Pogromprozesse vor den Kosakentribunalen. Hier wie dort Juden auf der Anklagebank, indem man. ihre Verteidigung zum Verbrechen machte. Hier wie dort falsche Zeugen gegen sie, falsche Zeugen für die Mörder. Hier wie dort begeisterte Verteidiger der Hooligans. Wenn diese Verteidiger Berufsantisemiten find, so ist die schweigende Verachtung dieses Abschaums ein Gebot; sind es Politiker, die den russischen Rubelerzeugern Komplimente machen, so haben sie mildernde Umstände. Wenn aber ein Intellektueller von Rang, der kein Antisemit sein kann, weil er nicht sein eigener Feind ist, wenn Harden, der unabhängig ist und verpflichtet, den Fortschritt durch Ehrlichkeit zu nähren, aus verächtlichen Gründen die russischen Juden aus dem Hinterhalt augreift, wenn er den Mut hat, tausend Gräber der Märtyrer zu besudeln, Millionen lebender Märtyrer mit strafloser Feigheit zu beschimpfen, daun gibt es dafür nur die eine berühmte Frage: Irrsinn oder Ver-brechen? Harden schreibt in seiner „Zukunft", die er dadurch tief entwertet: . . . „Zwei Mahnungen noch vom Unwürdigsten tratrum mmorum. Tragt nicht das Märlein weiter, die russische Regierung lasse die Juden schlachten. Fällt ihr ja nicht ein. Der Durchschniltsrusse haßt den Juden, der ausgewucherte Wirt den Parasiten, der körperlich starke, geistig schwerfällige, blonde Bauer de« kleinen, emsigen, pfiffigen Schwarzkopf, der ihm in allen Stücken überlegen ist. Nur iu dem Kampf nicht, wo Mann gegen Mann, die Stärke siegt In Zeiten heftiger Gärung, wenn die Hefe wirksam wird, besinnt der Blonde sich auf die Uebermacht seines Leibes und schlägt den Schwarzen nieder, dem er so lange nichts anhaben konnte. Traurig. Leider nicht unnatürlich. Brutalität war von jeher die ultima ratio der von Zwergen umgarnten Riesen. Fünf Millionen unkultivierter Talmudjuden: die Portion ist nicht leicht zu verdauen. Dieses Gewimmel aus dem Pferch lassen? Das. hörte ich einmal von Witte, könnte nur Pobjedonoszew wagen; jeden andern würde das Volk für bestochen halten. Und Pobjedonoszew wieder findet, das Volk sei noch nicht weit genug, um bei freier Konkurrenz mit den Juden fertig werden zu können; sie hätten bald die Landgüter, Kaufhäuser und Richterstellen erobert: und dann wäre die Zeit für einen neuen Pugatschew reif. Der Bauer, Soldat, Handwerker, Unterbeamte ist (nicht nur in Rußland) Antisemit. Nun geht's ihm nach Krieg, Hungersnot, Putschen, besonders schlecht. Er hört, daß die Juden sich in Scharen dem Kriegsdienst entzogen haben. Hört, daß sie zur Revolution rufen, Bomben Herstellen, aber, um ihrer Raffe nicht neuen Haß zu wecken, fast nie selbst werfen; daß sie den Zarenpapst knechten und die Grundmauer der heiligen Kirche lockern wollen Hört, glaubt und überredet sich rasch, daß alles Gut der Schwarzen den Blonden geraubt ward:. und plündert und mordet. Die Regierung könnte, mit dem Aufgebot all ihrer Machtüberbleibsel, die Juden schützen. Dann würde sic noch unpopulärer. Hätte das ganze Land gegen sich und käme in den Verdacht, mit dem Gelde der Großjuvenheit vestocheu zu sein. Daß sie zu solchem Wagnis nicht den Mut hat, rst ihre ganze, nicht ganz kleine Schuld." So. Amen!. Weder „Germania" noch „Kreuzzeitung" hätten es giftiger oder verlogener machen können. Also die russische Regierung hat nichts getan. Gar nichts. Zwar hat die Kommission der Duma, hat ein wohiersahreuer Hofmann in aufsehenerregender Rede sestgestellt, daß die Pogroms von der Regierung klar und einfach befohlen wurden, wie man Steuern und Rekruten vorschreibt. Die Hetzblätter waren die Regierungsblätter, die Aufrufe für die Schlächtereien waren in Regieruugsdruckereien hergestellt, die Regierungspolizei hat die Juden vor den Pogroms sorgfältig entwaffnet, hat morden und stehlen geholfen wie die Regierungstruppen, die auf Juden schossen wie auf Vögel. Wahrscheinlich haben die blonden Engel im November einander telegraphiert, daß sie iu hundert Städten an einem und demselben Tage anfangen sollten, wie es tatsächlich geschehen ist. Aber Herr Harden taucht seinen sezessionistischen Federstiel in Tinte und die Wahrheit ist gewesen. Das ist nur Schmockerei. Aber Verleumdung ist es, von einem ausgewucherten Wirt zu sprechen, der den Parasiten haßt. Erstens kann man ein Volk nicht als Parasiten bezeichnen, das länger in Rußland lebt als alle Randvölker zusammeugeuommen. Was aber ihr Aussaugen betrifft, so steht fest, daß der Ansiedlungsrayon die reichsten russischen Gouvernements umfaßt. Das heißt/ es ist drin jeder wohlhabend, der Bauer, der Grundbesitzer, der Kaufmann, bis auf die in den Städten zusammengepferchten Juden, unter denen der Hungertyphus herrscht. Der beste Beweis ist doch die Richtung des wirklichen Volksaufstandes aus Haß und Zorn in Livland. Hat er sich etwa gegen die littauischen Juden gerichtet, als die Aussauger? Zündet das nicht von der Regierung geführte Volk an der Wolga den Juden die Häuser an? Du gütiger Pobjedonoszew! Sagen wir, daß schon ein Drittel der russischen Juden im Erwerb steht. Das sind zwei Millionen. Davon sind die Hälfte Lohnsklaven in den Fabriken des Weichselgebietes, Handwerker, Intellektuelle. Bei Oeffnung des Ansiedluvgsrayons würde also im furchtbarsten Fall auf je hundert Russen ein jüdischer Kaufmann kommen, der sie umzingeln und aussaugen könnte. Unerhört, daß Stolypin diese Oeffnung versprochen hat (man muß dem Finanzmarkt etwas Vorsingen) und daß die Duma-Abgeordneten, die doch von der Volksstimmung eine' Ahnung haben müssen, die Freiheit der Juden kategorisch verlangten. Trotzdem die Regierung aus aller Lungenkraft lügt und lügt (wer hätte sonst ein Interesse daran?), die Juden hätten sich scharenweise dem Kriegsdienst entzogen — aber die ersten Truppen nach der Mandschurei enthielten 20.000 Juden; daß sie zur Revolution rufen — aber im Kaukasus ist eine Handvoll von ihnen und in der Marine keine. Die übrigen Lügen sind zu dumm zur Debatte, ebenso wie das gütige Zugeständnis Hardens, die Regierung hätte eine kleine Schuld — nicht der Rede wert—weil sie die Juden nicht beschützt hätte. Diese Schuld leugnen wir, Herr Harden! Wir können niemandem zumuten, daß er gegen sich selbst auftrilt. Diese logische Windung mag der Mann der „Zukunft" von uns noch zum Geschenk nehmen, dann ist die große Mohrenwäsche fertig, die er aus unerklärlichem Grunde unternahm. Man kennt Herrn Harden, den Stellvertreter des pythischen Orakels, der die Vergangenheit der Woche in seiner Zukunft bespricht. Preußischer Dünkel, unerträglich vermehrt um Komö.ianteufrechheit. Wohnt physisch und geistig nicht weit von der gewissen Sorte Juden, von denen ein Achtel antisemitisch ist und acht Achte! lächerlich: weil sie ihre Macht nicht als wohlgebildete Grandseigneurs gebrauchen, sondern einer dummen Hysterie verfallen sind, die ihnen das Leben verbittert. Mit.allen ihren Villen gäben sie gerne ihre echten Gobelins und echten Menuiers her für das echte Christentum eines schmutzigen Arbeiters, der in ihren Gärten arbeitet. Das bringt bei den Vätern eine traurige Komik hervor, wenn sie bei allen jüdischen Angelegenheiten den Kopf in den Saud stecken, wie der Vogel Strauß, als wäre das herrliche zähe Volk nicht ihr eigenes, das Volk, von dem ein Ibsen schwärmte. Bei den Söhnen wird die Lächrlichkeit zur Gemeinheit; die stecken den Kopf schon ins Taufbecken, können aber nicht hindern, daß der eheliche Sproß von M. Witkowski auf Posen und seiner gutmütigen Ehehälfte, geborene Frankfurter, nicht die mindeste Ähnlichkeit hat mit einem alten Kreuzungsprodukt zwischen Wenden und Deutschmeistern, die einst Preußen bevölkerten. Wenn mau aber den Söhnen das dicke Judentum schon ansieht, so soll man es ihnen schon nicht anhören. Verschaffen sich mit Hilfe angesehener Taufpathen andere Namen, aus dem unverfälschten Witkowski wird ein treudeutscher Harden und der wird antisemitisch. Spuckt ins eigene Nest, wie es bei getauften Söhnen dieser eigentümlichen Rasse meist der Fall ist, und wird Antisemit. Wenns Judentum durch Wasser nicht abzuwaschen ist, wirds mit Schmutz bedeckt. Ist auch lohnend, der Antisemitismus! Wo alles haßt, wäre Karl ein Esel, wenn er allein bei der Liebe bleiben würde. Greift also seine eigenen Leute an. Nahm dazu den jüdischen Geist, den er ererbt, und die antisemitische Lüge, die er erlernt hatte. Eiserne Kassa schafft eiserne Stirn; braucht auf niemanden Rücksicht zu nehmen, am allerwenigsten auf die Angegriffenen,

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