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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-08-17 · 33 (17.8.1906) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
33 (17.8.1906)
Date
1906-08-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 3 3 Vr. Blortz's Wochrnschrifr. Seite 557 Er fragt und fragt — sie kann sich kaum mehr halten, die bleiche Chajka. — „So — Du gehst auf Versammlungen uud willst Freiheit haben und einen Judenkönig. — Du — Schaut mal nach, ob sie nichts bei sich hat, die schöne Jungfrau —"! Chajka hält sich krampfhaft fest. Schwere Hände belasten ihren Körper. Sie Zittert und hört nichts mehr als Lachen und schmutzige Worte. . . „Laßt sie zwei, drei Tage hier, dann könnt ihr sie nach Haus schicken!" Der Leutnant geht und mit dem Stiefel stößt der eine Polizist die blaße Chajka in die Ecke. . . * * * Weiche fließende Schatten und silbernes Flimmern über dem Wasser. Ein Abend für einen Märchenritter und sein Feinslieb. Dort, wo der Fluß umbiegt am Hügelland und große Felsblöcke sich ins Wasser neigen in stolzer Schönheit, sammeln sich Boote mit seltsamen Gestalten. Eine dichte Menge von Männern und Frauen. Auch Jünglinge sind dabei, beinah noch Kinder. Eine Stille wie in einem heiligen Hain. Da steht ein Mädchen auf und nlit erhobener Hand ruft sie stolz: „Ihr Brüder!" Sie spricht lange vom Willen zum Leben und heißem Verlangen nach Glück, von blühenden Gärten der Zukunft — vom glühenden Haß der Gedrückten und Geknechteten und vom großen Kampf, der bevorsteht. Es sind nicht mehr Worte, es sind zündende Flammen. . . . Sie hat aufgehört. In der Stille ringsum empfindet man bewundernde Ehrfurcht vor der großen tiefen Sehnsucht der Menschen. Dann sprechen noch andere. Das „Meeting" ist zu Ende. Geheimnisvolles Flüstern über die nächste Zusammenkunft, über die wichtigsten Tagesfragen. . . . Und in den verschiedenen Richtungen verschwinden allmählich die Boote. . . . Wenn am Abend die Arbeit zu Ende ist, eilt alles zur Hauptstraße, Handwerker und Nähmädchen, Fabriksarbeiter und Ladenjunge. Seit zwei Monaten existiert „die Börse". Stundenlang gehen sie auf und ab. Wir treffen sie, ihre Führer und Lieblingsredner — Studenten und junge Mädchen. Kurze abgerissene Worte fange ich auf: „Die Duma" . . . „Die Volksvertreter" . . . Der Student im blauen Arbeiterhemd spricht zu seinen Begleitern mit großer Begeisterung, die er aus ihren bewundernden Blicken schöpft. Nach schwerer Tagesarbeit sind sie hergekommen und haben hier neues Leben, neue Interessen gefunden. In allen Blicken glänzt helle Freude. . . , Gendarmen kommen vorbei und Polizisten, vom Offizier angeführt. Ein Augenblick, und schon pfeifen Nagaikas in der Luft. Brennende, wilde Augen — Man ahnt die Blutgier dieser trunkenen Horde. Ein Mädchen zuckt zusammen unter dem Peitschenhieb — in ihrem Gesicht ist wahnsinniger Haß . . . Lange Korridore» von schrägen Sonnenstrahlen beleuchtet. Ueberall einförmige Ruhe. Nur selten schaut einer der Gefangenen auf, nur selten fällt ein gleichgiltiges Wort. Sie warten alle, daß man sie freigibt. Sie wollen hinaus in die belebten Straßen, in das hastig treibende, gärende Leben, hinaus aus diesen engen Mauern. Frei atmen wollen sie. Immer, am Mittwoch, kommen Besucher, sehnsüchtig erwartet. „Mütterchen, was sagt die Duma?" „Mütterchen, verlangt die Duma einen Amnestie-Erlaß?" Mit glänzenden Augen werden dann die neuesten Berichte weiter erzählt — von den mutigen, stolzen Reden der Deputierten — und sie hören alle und lächeln froh . . . Heute kam — zuerst wie ein leises Flüstern und dann immer lauter, immer drohender die Nachricht vom Erlaß des Zaren. — Aufgelöst! Auseinander getrieben! — Ein Stöhnen geht durch die Zellen . . . Und plötzlich, wie ein Wirbelwind, bemächtigt sich ihrer eine wahnsinnige Wut. Laute tosende Stimmen, heisere Gesänge, rote Fahnen, klirrende Scheiben. . Eine Stunde lang dauert der „Aufruhr". Dann kommen Kosaken. Ein Schuß — Und dann noch einer — noch einer- Zwei Leichen an der Eingangstür — und totenstill wird es wieder im Gefängnis .... L, R. We Kilbrrhiinbler. Nach alten Familienpapieren mitgeteilt von Ed. Jonas. Das alte Preßburg, der Schauplatz meiner Erzählung, war noch um die Mitte des 18. Jahrhunderts die wichtigste Stadt Ungarns. Von altersher durch seine Lage begünstigt, war dasselbe nicht nur ein Hauptstapelplatz des Donauhandels, sondern im 17. und 18. Jahrhundert auch der Sitz der Regierungsbehörden. In Preßburg, der ungarischen Krönungsstadt, versammelte sich noch überdies der Landtag und während der Sessionen desselben zog eine Fülle von Reichtum und Pracht in die Mauern dieser Stadt rin, welche den Grund zum dauernden Wohlstand ihrer Einwohner legte.' Zur Zeit der Landtagssessionen kauften Magnaten und Edelleute allerlei Luxusartikel, Juwelen, Kunstgegenstünde und kostbare Stoffe an, nahmen im Bedarfsfälle Gelder auf und verkauften wohl auch ihre zukünftige Ernte oder Wolle. Aus diesem Grunde war es ganz natürlich, daß sich in Preßburg eine stattliche Anzahl jüdischer Großhändler und Kaufleute angesiedelt hatte. Zudem hatte diese Stadt für die Juden einen ganz besonderen Anziehungspunkt in ihrer berühmten Talmudschule, welche Jünger in überaus reicher Zahl von weit und breit herbeizog. Das Judenviertel bildete übrigens mit seinen beiläufig 3000 Einwohnern zu jener Zeit so recht eine Welt für sich. Zum Schutze nach außen war es durch ein Gitter von den übrigen Stadtteilen getrennt; noch mehr trennten aber Sitten und Gebräuche die Insassen dieses Ghettos von den anderen Einwohnern. In diesem jüdischen Gemeinwesen lebte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts R. Michel Schacherl, ein wohlhabender Kaufmann, der nebst dem von seinem Vater R. Leb Schacherl überkommenen Juwelenhandel noch einen Ledergroßhandel und eine hebräische Buchhandlung betrieb. Von seiner Gattin Sarah waren ihm eine Tochter und zwei Söhne, Namens Moses und Jeremiah, geboren worden. Als nun R. Michel noch im besten Mannesalter starb, da war es der erst zwanzigjährige Moses, der das Juwelengefchäft des Vaters übernahm und es rasch in die Höhe brachte. Seine Mutter hatte sich nach kurzem Witwenstand mit R. Jochanan Neuhaus vermählt, welcher mit seinen Stiefsöhnen gegen 1788, der kaiserlichen Judenverordnung entsprechend, den deutschen Familiennamen „Stern" annahm. Bald darauf vermählte sich Moses Stern mit Pessel, einer Tochter des R. Gerfon Frankl, welcher sich spaniolischer Abkunft rühmte und dessen Großvater zu den im Jahre 1670 aus Wien Vertriebenen gezählt hatte. Nach den Franzosenkriegen assoziierte sich Moses Stern mit dem Juwelenhändler Gerfon Frankfurter, welcher große Verbindungen in den besten aristokratischen Kreisen besaß. Durch ihn zählten die „Silberhändler", wie die beiden Kompagnons kurzweg im Volksmunde des Ghettos genannt wurden, die ersten Würdenträger Ungarns, so auch den damaligen Fürstprimas Alexander von Rudna zu ihren Kunden. Die Be- Bezeichnung als „Silberhändler" hatten sie vermutlich ihren reichen Vorräten an silbernen Tafelgeräten, zumeist Schüsseln und Tellern, wie selbe in den herrschaftlichen Haushaltungen gebraucht wurden, zu danken. Aber auch ansehnliche Vorräte an Juwelen und Perlen waren bei ihnen zu finden und gar viele Goldschmiedekunstwerke der Renaissance oder der Barocke in Gold, Silber oder Krystall, mit welchen heutzutage heimische und ausländische Kunstsammlungen prunken, nahmen ihren Weg durch die Hand der Silberhändler. Gleichzeitig mit dem blühenden Juwelenhandel unternahmen sie jedoch auch Geschäfte anderer Art, welche im Laufe der Zeit ihrem Wohlstände verderblich werden sollten. Sie übernahmen Gelder zur Verzinsung auf Kündigung und verwendeten diese Einlagen, indem sie Häuser des Preßburger Judenviertels damit belehnten. So legten denn die jüdischen Mädchen der dienenden Klaffe ihre Ersparnisse bei den Silberhändlern an und diese zahlten ihnen ihr Kapital im Fälle ihrer Verheiratung mit mehr als reichlichen Zinsen zurück. Dieses sparkafsenmäßige Geschäft hatte aber den Nachteil, daß es mit Wohltätigkeitsakten innig verbunden war. Einerseits wurden die Häuser zu hoch belehnt, andererseits aber die Einlagen zu hoch verzinst. Auch nach anderer Richtung wurde Wohltun ohne jede Berechnung getrieben. Moses Stern war in der Gemeinde zu so hohem An-

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