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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-08-17 · 33 (17.8.1906) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
33 (17.8.1906)
Date
1906-08-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 556 Dr. Llocb's Mlocdenscvrm. Nr. 33 Volkes Gebrauch ist. In unserem Bethause (II., Große Schiffgasse 8) wird Montag beim Frühgebet LlieKotL gesagt und abends der Fastenabschnitt aus der Thora vorgelesen. Der Vorstand des „Adass Jisroel“ (Schiffschul). Spende« zugunsten der Opfer der Exzesse in Bialystok. Bei der „Israelitischen Allianz zu Wien" sind an Spenden eingegangen: Wien: Jakob Adler K 1000.—; Frau Sophie Barasch K 30.—; Anonym (für die derzeit in Wien weilenden Waisenkinder) L 12.—; Dr. Ernst Fisch! K 10.—; Wilhelm Kollmann K 10.—. Bennisch: Josef Oppenheim K 10.—.tSanok: Dr. Efraim Weidmann, Advokat K 10.—. Hiezu die bereits ausgewiesenen K 3877.—, zusammen bis 15. Augnst K 4959.—. Weitere Spenden werden erbeten und dankend bestätigt im Bureau der „Israelitischen Allianz zu Wien", I., Weihburggasse 10, von 9 bis 1 Uhr oder mit Postsparkassen-Konto 8152. Baden. (Z i o n i st i s ch e Versammlung.) Der 13. d. M, bot den Juden in Baden einen erhebenden Abend. Im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde fand eine jüdische Versammlung statt, in welcher Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr Reach ans Gaja einen Vortrag hielt über „Die Zukunft der Juden". Die besten Kreise der jüdischen Gesellschaft waren zur Versammlung erschienen. Herr Doktor Berndard hieß namens des „Zionistischen Zentralvereines in Wien" die Gäste herzlich willkommen und Herr Dr. Reach hielt als glänzender Meister des Wortes seinen Vortrag über „Die Zukunft der Juden". Das Referat hatte den Charakter einer mit wissenschaftlicher Genauigkeit durchgeführten ausgezeichneten Arbeit. Der Inhalt dieser mit kraftvoller Begeisterung vorgetragenen Rede riß alle Zuhörer mit sich fort. Es entspann sich nun eine lebhafte Diskussion. Der sich entwickelnden Leidenschaftlichkeit wurde nur Dank der schönen Worte unseres Gemeinderabbiners Dr. Reich die scharfe Spitze genommen. In vorgerückter Stunde wurde die schöne Versammlung geschlossen. Bei Veranstaltung der Versammlung hatte sich das „Zionistische Zentral- Komitee in Wien" der eifrigsten und liebenswürdigsten Mitwirkung unseres Herrn Gemeinderabbiners Dr. Reich zu erfreuen und auch Herrn MC. Samuel Deutsch gebührt für die Anregung der Versammlung in Baden Anerkennung. Dem „Zionistischen Zentralkomitee in Wien" rufen wir ein „Wiedersehen in Baden" zu. Karlstadt (Kroatien). Bei der am 12. d. M. stattgefundenen Generalversammlung der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde wurde Herr David Meisl aus Mähr.-Ostrau mit Akklamation zum Oberkantor gewählt. Friedek. Die jüdisch-akademische Ferialverbindung „Hasmonaea" veranstaltet am 25. August d. I. im Saale der Friedeker Schießstätte einen Festkommers mit anschließendem Tanzkränzchen, dessen Reinerträgnis den Opfern der Bialystoker Judenmetzeleien zufällt. Gaste herzlichst willkommen. Mahrisch-Budwitz. Sonntag den 12. d. M fand ein von den hiesigen zionistischen Studenten veranstalieter jüdischer Familienabend statt, bei welchem Herr Ern st Frischer ans Brünn über den Zionismus als Lösung der Judenfrage sprach. Sein ausgezeichnetes Referat fand allseitigen Beifall. Es fo gten noch Rezitationen jungjüdischer Dichtungen durch Herrn Eduard Stark und Arthur Pächter, ferner Gesangsvorträge und musikalische Darbietungen, welche in liebenswürdigster Weise die Damen Pächter und Freund besorgten. Die Veranstaltung war ausgezeichnet besucht; sehr zahlreich waren die Jamnitzer Gesinnungsgenossen vertreten und trugen auch wesentlich zum guten Erfolge derselben bei. Berlin. Sehr geehrter Herr Doktor! In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes finde ich die Mitteilung, daß meiner Wahl zum Rabbiner der Synagogengemeinde Göttingen die ministerielle Bestätigung versagt worden sei. Diese Nachricht entspricht nicht den Tatsachen, da bis heute eine Entscheidung des Herrn Ministers des Innern in meiner Angelegenheit noch nicht erfolgt ist. Hochachtungsvoll Dr. I. Sonderling. Feuilleton. Momeutbilder aus freit Tagen der Duma. Es ist die Heimat, der wir uns nähern — im dampfenden, stöhnenden Zug . . . Dies seltsam bange Gefühl: Wir kommen in das „neue", in das „freie" Rußland . . . Elende kleine Hutten und weite Felder, — graues, ödes Einerlei . . . — „Ihren Paß!" — Der Gendarm bewillkommt uns mit dem Gruß des offiziellen Rußland — wie früher! . . . Dann — der Bahnhof — die eiligen Fragen der Gepäckträger, das hastige Treiben auf dem Perron — viele frohe Heimatgrüße. Aber hier überall dre finsteren Gestalten, ein häßliches Gefühl von Unruhe und Mißtrauen unter diesen durchdringenden Blicken. In der Sonne glitzern Waffen. Wie ein Bild aus feindlichem Lager. Zollrevision. — Ein blasser, junger Offizier mustert das Publikum. Das nervöse Zucken um den feinen Mund verrät seine Erregung. In gleichgiltig ruhiger Haltung lehnt er am Pfeiler und wartet. Aus einem Koffer werden einige Broschüren gezogen. „Ah! Bücher!" Man holt den Offizier. Auf seinen Wink wird der Koffer weiter durchstöbert. Mit schlanken Fingern blättert er in Heften und Lehrbüchern. Jetzt schaut er auf. Man hat ihm einige Bücher mit so „verdächtigem" Titel gereicht, lieber soz—iale Fragen. Ein verächtliches Lächeln. Dann tritt er an die Dame heran, höflich grüßend: „Haben Sie noch andere Bücher, kleine rote Bücher?" Wie seltsam die Frage klingt, jetzt, seit die Freiheit der Presse verkündet ist! Die Menschen hier scheinen sich schwer von alten Gewohnheiten loszusagen. Endlich kann ich mein helles bequemes Coupe besteigen. Und der Zug rollt weiter — hinein in das frisch atmende Leben. . . Neue Worte, neue Gespräche und neue Menschen . . . In jeder Abteilung des Wagens wird eifrig debattiert, nach russischer Art: mit viel Temperament und Ueberzeugungskraft. Laute Worte fliegen zu mir hinüber. Es ist interessant, zu beobachten. Alle Gespräche schließen sich im engen Kreis um das eine große Wort: „Unsere Duma". Und alle, von dem jungen Armenier mit seinem hastigen, überschäumenden Urteil über die „furchtsam tastenden Schritte der bourgeoisen Vertreter" bis zum warnenden Professor — alle sehen in der Duma den Wendepunkt — die große Bedeutung des Augenblickes. Ueberall zerknitterte Zeitungen und in aller Munde die Namen der populären Redner. Ein Passagier macht uns auf ein eigentümliches Bild aufmerksam: Eine Anzahl Bauern hart am Geleise. Sie winken und rufen uns etwas zu. „Sie wollen Zeitungen haben", erklärt uns jemand. Und wirklich, jetzt verstehn wir ganz deutlich: »Gazetku! Gazetku!« Es war wie ein jubelnder Gruß. Lose Zeitungsblätter fliegen aus den Fenstern. Ein Bauer fängt sie auf und in heiligem Ernst sammelt sich alles um den bärtigen Vorleser. Auch an der nächsten Station strecken sich uns zahlreiche Hände entgegen. Ein kleiner Kreis bildet sich sofort um den glücklichen Besitzer einer Zeitung. Das scheint aber „verbotene Ansammlung" zu sein, denn ein Gendarm fährt mit klirrenden Sporen und heftiger Stimme dazwischen. * * * Eine kleine Stadt mit engen Gassen. Armselige jüdische Geschäfte und Handwerkerbuden, kleine graue Buden. Bei jedem Atemzug fühlt man den Druck, der über diesem Elend lastet. Alleinherrscher ist hier der Polizist, der Pristaw. Beim Glase Wein erzählt er seinen guten Freunden von den Widerwärtigkeiten des Polizei-Daseins. Es sei gar keine Dankbarkeit von diesem Pöbel zu erwarten. In anderen Städten hätten die Judenhetzen einschüchternd gewirkt — überhaupt, ein „bewährtes Mittel, diese Pogroms" . . . Es schlängelt sich durch die Stadt, das Wort des allmächtigen Pristaw, und wie eine schwere Wolke hängt die Erwartung über den schmalen Gassen. Dunkle Gestalten zeigen sich hie und da — man flüstert leise. In den Nachbarstädten soll es so viele Tote und Verwundete gegeben haben. Und der Pristaw sagt, daß es auch hier — auch hier zum Pogrom kommen muß. Die Juden seien an „allem" schuld. . . . Eilig schließen sich die Läden und eine fiebernde Hast geht durch die engen Gassen. Gebeugte Männer und bleiche Frauen, Kinder mit ängstlichem Blick. Es ist, als zitterte die Luft. Und dann — auf einmal die tote Ruhe. Geschlossene Häuser. Eine bleierne Stille — sie warten, die Menschen. . . . Eine Nacht von eisigem Schrecken. . . . Ganz früh am Morgen bringt man.dem Pristaw Geld — ein „kleines Geschenk". Er dankt und lacht. Ein Pogrom sei hier unmöglich; so lange er da sei — ganz ausgeschlossen. Und die Juden freuen sich — Er ist doch ein guter Mensch, der Pristaw. -i- , * Ein langer dunkler Raum mit vergitterten Fenstern und schmalen Bänken. Reges Hin und Her. Der Polizeileutnant gibt verschiedene Vorschriften. Dann wird es dunkel und leer. Erst spät am Abend bringt man einige Arretierte. Drei junge Männer in Arbeiterblufen und ein kleines Mädchen. Lange Fragen, rohes Gelächter. — Die Arbeiter werden weggebracht. In einer Ecke kauernd, bleibt nur das Mädchen zurück. — Sie ist gar nicht so klein, wenn man sie näher betrachtet. Nur schmal und bleich — und traurige Augen hat sie. ... An der Tür stehen zwei Polizisten. „Chajka, warte! Wir werden Dich gleich wieder nach Haus bringen," sagt der eine zu ihr. Er kennt ihren Vater vom Markt. . . . Nach einer schleichenden Stunde kommt der Leutnant. Gähnend setzt er sich vor den staubigen Tisch. „So bringt sie her, das Judenmädchen!"

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