Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 33 (17.8.1906)
- Date
- 1906-08-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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^r. 33 Dr. Dlocb's Mocvenscvnn. ^ette 855 Freiheit zu helfen, ist menschlich und edel. Dem russischen Volke helfen, das muß jeder, der sich für einen zivilisierten Menschen hält und ein solcher wahrhaft zu sein wünscht. Helft dem russischen Volke, seinen Körper von den Parasiten zu befreien, die ihm das Lebensblut aussaugen! Die Pflicht des Menschen ist, den Menschen zu Helsen! Leben in diesem Lande Menschen und werden sie mich hören? Verhaftungen in der Synagoge zu Riga. Riga, 12. August. Während des Gottesdienstes wurde die große Synagoge von Polizei und Militär zerniert. 15 Personen wurden verhaftet. Verdächtiges wurde nicht vorgefunden. Antisemitische Verfügungen in Odessa Petersburg, 12. August. „Dwadzaty Wjek" meldet aus Odessa, daß in der letzten Konferenz der Stadtärzte sich herausstellte, daß das Stadthaupt von der Administration die geheime Anweisung erhalten hat, als Stadtärzte keine Juden mehr anzustellen. Ueberhaupt dürfe kein Jude mehr im Dienste der Stadt angestellt werden. Stadthaupt Protopopow und die Mitglieder des Stadtamtes erfüllen diese Aufforderung, die wahrscheinlich von Petersburg ausgegangen ist. Die Aerzte können diesen Fall in Odessa nicht an die Oeffentlichkeit bringen, da die dortige Presse ihre Enthüllungen nicht zu bringen wagt. Die Untersuchung über die Bialystoker Greuel. Petersburg, 14. August. Die Parteilichkeit bei der Untersuchung über die Bi llystoker Greuel wird durch folgendes charakterisiert. Untersuchungsrichter Bokitko verweigerte die Protokollierung der Aussage des verwundeten Lunskij, der erklärte. Oberst Schröter habe ihn, den Schutzsuchenden, auf dem Bahnhof mit gezogenem Säbel trotz seiner schweren Kopfwunde seinen Peinigern zugetrieben. Lunskij verlangt Remedur. Newyork. (Die amerikanische Fremdenbill). Die Niederlage der Nativisten am 25. v. M. in Washington hat in ganz Nordamerika ungeheueres Aufsehen erregt. Nicht nur wurden die beiden Gesetze, auf welche die amerikanischen Antialienisten so großes Gewicht legten, die Einführung eines Bildungszensus und die Erhöhung der Einwanderungssteuer von zwei auf fünf Dollars pro Kopf, vom Hause der Repräsentanten abgelehnt, es wurde sogar ein Antrag Littauer- Goldvogle angenommen, wonach ein etwaiger Bildungszensus sowie das Gesetz gegen Paupers auf politische oder religiöse Flüchtlinge keine Anwendung finden soll. Der Sieg kam umso unerwarteter, als der Senat die beiden abgelehnten Gesetze mit großer Mehrheit bereits angenommen hatte und das Repräsentantenhaus sich so durch sein Votum zum Senat in Widerspruch setzte. Hervorgerusen wurde dieser Sieg durch die von den Juden in zwölfter Stunde entfaltete mächtige Gegenagitation. Die Kongreßmitglieder, die bis dahin geglaubt haben mochten, ganz Amerika bestehe aus lauter Fremdenhassern, wurden bald belehrt, daß unter ihren Wählern sich Hunderttausende befinden, die entweder selbst Einwanderer oder doch Freunde der Einwanderer sind. Der Speaker des Hauses, Canuon, der bis dahin selber aus Seiten der Antialienisten stand, erfuhr, daß Dutzende von Abgeordneten in Hinsicht auf ihre drängenden Wähler genötigt sind, die Bill um jeden Preis zu Falle zu bringen. Er trat darauf den Vorsitz an den Abgeordneten Watson, den bekannten republikanischen Einpeitscher ab, während er selber seinen Abgeordnetensitz einnahm, um von da aus die Abstimmungen besser überwachen und dirigieren zu können. Die erste Kraftprobe wurde mit dem Gesetze über die Erhöhung der Auswanderungssteuer gemacht, das auf Antrag Steenerson mit 94 gegen 79 Stimmen abgelehnt wurde. Es folgte eine heftige Debatte über den Bildungszensus. General Großvenor beantragte, die Bill an eine Kommission zurückzuverweisen, was angesichts der bevorstehenden Parlamentsferien mit der Vertagung der ganzen Bill gleichbedeutend wäre. Daher gaben sich die Nativisten unter Führung Gardners alle Mühe, den Plan zu vereiteln. Sie bekamen dabei manches zu hören, was auch für ihre Wähler zu erfahren von großem Interesse sein dürste. Abgeordneter Benett von New-Aork rechnete den Antialienisten, die sich fortwährend aus den großen Einwanderungsstrom beriefen, vor, daß von den 1,026.000 Emigranten, welche in den zwölf Monaten vom 1. Juli 1904 bis 31. Juni 1905 in Nordamerika Einlaß begehrt hatten, nicht weniger als 75.000 bereits früher in den Vereinigten Staaten gewohnt haben, und daß von dem übrigbleibenden Rest von 850.000 nicht weniger als 350.000 wieder ausgewandert seien. Schließlich wurde der Antrag Großvenor mit 128 gegen 116 Stimmen angenommen. Die darauf eingesetzte sechsgliedrige Kommission ist nicht mehr dazu gekommen, ihren Bericht zu erstatten, da der Kongreß sich am 30. Juni vertagt hat. Der Bildungszensus wird also einstweilen nicht angewendet werden und die 45.000 Juden, die entweder bereits unterwegs nach den Vereinigten Staaten sich befinden oder binnen wenigen Wochen sich auf die Reise dahin begeben werden, haben eine Zurückweisung nicht zu befürchten. Die Juden in den Vereinigten Staaten selber sollten aber die Frist benützen, um einerseits die Agitation gegen die Bill sortzusühren, andererseits aber, um die Hunderttausende in Amerika wohnenden Juden, welche bis dahin nicht daran gedacht haben, sich zur Naturalisation anzumelden, zu veranlassen, dieses endlich doch zu tun. Eine dritte, überaus wichtige Bestimmung der Fremdenbill ist nämlich auch vom Repräsentantenhause angenommen und somit zum Gesetze erhoben worden. Danach darf in den Bereinigten Staaten von Nordamerika fortan niemand zur Naturalisation zugelassen werden, der der englischen Sprache nicht mächtig ist. Wie viele von den in Amerika in den letzten zehn Jahren eingewanderten Juden sind wohl der englischen Sprache schon mächtig? Vermlscbles. Kaiserfeier. In sämtlichen Synagogen der israelitischen Kultusgemeinde Wiens, sowie in allen Vereinsbethäusern finden anläßlich des Allerhöchsten Geburtssestes Sr. Majestät des Kaisers Samstag den 18. August vormittags feierliche Gottesdienste statt. Mit Rücksicht aus die gottesdienstliche Feier anläßlich des Allerhöchsten Geburtssestes Sr. Majestät des Kaisers wird der Beginn des Gottesdienstes im Stadttempel am Samstag den 18. August 1906 von 8 Uhr früh auf 9 Uhr vormittags verlegt. In dem vollkommen neu renovierten Bethause III., Untere Viaduktgasse 13 wird der Festgottesdienst anläßlich des Geburtstages Seiner Majestät des Kaisers Freitag den 17. d. M. um 7 Uhr abends abgehalten. Mit dem Festgottesdienste ist die Feier der Wiedereröffnung des renovierten Tempels verbunden, wobei der neuengagierte Oberkantor Salomon L e v y aus Berlin zum erstenmale die kantoralen Funktionen versehen wird. Wien. Das Landesgericht Innsbruck hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft erkannt, daß der Inhalt der Nr. 21 der periodischen, in Innsbruck erscheinenden Druckschrift „Deutsche Tyroler Stimmen" vom 23. Wonnemonat (Mai) 1906 in der Stelle aus dem Artikel „Die Grausamkeit des Schächtens" auf Seite 7, Spalte 2 und 3, von „den Juden kommt es dabei" bis „gleichbedeutend ist mit dem Schächten" das Vergehen nach 8 302 St.-G., (Aufreizung zu Feindseligkeiten gegen Nationalitäten, Religionsgenossenschasten re.) begründe und nach § 493 St.-P.-O. das Verbot der Weiterverbreitung dieser Druckschrift ausgesprochen, sowie die von der Staatsanwaltschaft verfügte Beschlagnahme bestätigt. Wien. Wir beehren uns bekanntzugeben, daß die ehrwürdigen Rabbiner in Rußland und dem heiligen Lande für nächsten Etew Rosch Chodesch einen allgemeinen Fasttag angeordnet haben, wie dies seit altersher bei großen Leiden unseres