Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 33 (17.8.1906)
- Date
- 1906-08-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 33 Dr. Dlocb's Mocbenscbrtrr. Seite 553 Benzin-Motor von Markus schon im Jahre 1873 auf der. großen Weltausstellung zu sehen war; die Beschreibung ist enthalten in dem großen Katalog dieser Weltausstellung, welcher in der k. k. Staatsdruckerei erschienen ist. Der Wagen, mit welchem Siegfried Markus mit einigen Wienern, die heute noch leben, seine ersten Fahrten durch die Straßen von Wien gemacht hat, befindet sich auch noch in Wien, und zwar bei dem Wagen- und Motorenfabrikanten Löhner. Im vorigen Jahre kamen aus Amerika Fachleute herüber, um den Katalog der Wiener Ausstellung von 1873 und Zeichnungen des Markus-Wagens bei Löhner zu erwerben und mitzunehmen behufs Konstatierung der historischen Tatsache. Nach dem Tode von Siegfried Markus brachten die „Wiener-Zeitung" und die „Neue Freie Presse" seine Biographie und die genaueren Mitteilungen über diese ersten Motorfahrzeuge. Der letzte Kurfürst von Hessen nnd der jüdische Soldat. In der „Franks. Ztg." lesen wir folgende Geschichte: In Kurhessen, welches auch ein „Garderegiment" hatte, bestand die Regel, daß ein Israelit nicht die Ehre haben konnte, in diesem Regiment seine zwei Jahre abzudienen. Nun war ein hübscher, schlanker Bursche aus Sontra wehrpflichtig geworden, und da er auch nicht im geringsten „jüdisch" aussah, wurde er kurzer Hand für die „Garde" ausgehoben. Lassen wir den Betreffenden jetzt selbst weiter erzählen: „Bei der Besichtigung durch den Kurfürsten lief alles glatt ab. Unsere Kompagnie hatte gut abgeschnitten und der Kurfürst sagte: „Sehr gut; so weitermachen!" Ich war der zweite Mann vom rechten Flügel. Der Kurfürst sprach mich an: „Woher?" „Von Sontra, Königliche Hoheit." „Hm; Vater auch Soldat gewesen?" „Zu Befehl, Königliche Hoheit, hat in Hanau gedient." „So, bei den „Mainfranzosen", Wie heißen?" „Blumenthal." „Doch kein Jude?" „Zu Befehl, Königliche Hoheit, Jude", erwiderte ich, ihn stramm anblickend. „Hauptmann von —", schrie der Kurfürst, „wie kommt der Mann in meine Garde?" Dem Hauptmann ging es wie dem Pflanzer in Seumes „Kanadier", er stammelte verwirrt Entschuldigungen. „Morgen geht Er nach Hanau, kann dort dienen, wie sein Vater auch," schnauzte der Kurfürst mich an. Und so kam es. Von der Garde zur Linie versetzt und der wollenen Litzen beraubt, zog ich nach Hanau, wo mich das dortige Infanterie-Regiment in seinen Schoß aufnahm. Korrespondenzen. Unsere Jugend und das Hebräische. Es dürfte nicht ohne Interesse sein, über das Verhalten unserer großstädtischen Jugend, namentlich des intelligenteren Teiles derselben, zum Hebräischen als einen integrierenden Bestandteil des jüdischen Religionsunterrichtes eine kleine Beobachtung anzustellen. Die Anfänger zeigen ohne Ausnahme, wenn der Lehrer das Interesse für seinen Gegenstand wachzurufen vermag — der fürs Judentum begeisterte, in der heiligen Literatur bewanderte und pädagogisch gebildete trifft es aufs Beste — eine gute Auffassung, ja sogar besondere Lust und Liebe zu der ihnen ganz neuen Schrift und Sprache. Man muß nur den kleinen Schüler betrachten, wie er die hebräischen Schriftzeichen anstaunt, ja nachschreibt und mit Vokalen die betreffenden Konsonanten versieht. Und das erste hebräische Wort und seine Bedeutung, wie fesseln sie das Kind? Kommen der erste Segensspruch, das „Schema“, einzelne Sätze des „Keduscha“ rc. an die Reihe, wie interessiert das alles den Knaben und das Mädchen! Und kann es solch ein hebräisches Sprüchlein, wie es beim Gottesdienst gebräuchlich ist, schön singen und weiß es dessen Bedeutung, dann gibts kein größeres Glück für ein solches Kind, es kann ja an Sabbaten und Festtagen am Gemeindegesang teilnehmen. Das Uebersetzen von Gebeten und Pentateuchstücken in den höheren Jahrgängen macht dem Schüler auch nicht die geringste Schwierigkeit. Für Privatisten finden alljährlich öffentliche Prüfungen in der Religionsschule der Wiener Kultusgemeinde statt. Eltern, Verwandte, Lehrer und Lehrerinnen mit den Examinanden beiderlei Geschlechtes sind anwesend. Mit dem Hebräischen beginnt die Prüfung, dann kommt Religionslehre und biblische Geschichte. Da sagt ein Lockenköpfchen sein „Schema“ fließend auf und die vorgeschriebenen Segenssprüche, weiß es auch schön zu übersetzen, die Eltern lauschen auf jedes Wort und in mancher Mutter Auge glänzt eine Freudenträne. Es fällt den Eltern niemals ein, auch nur mit einem Worte vor oder nach einer Privatistenprüfung — zumeist sind es hier Kinder aus den besten Kreisen — über das „schwere" (?) hebräische Pensum Klage zu führen, sie wünschen vielmehr, daß ihr Kind aus dem ganzen hebräischen Lehrstoffe geprüft werde. Und die intelligenten jüdischen Studenten — heute auch die Studentinnen — sie alle lernen ihr hebräisches Pensum ohne jede Schwierigkeit. Wir wohnen einer Exhorte beim Jugendgottesdienste bei. Der Redner wählt einen hebräischen Spruch aus dem Gebettext aus einem in der Agende befindlichen Psalm rc., sofort hört man unter der vielhundertköpsigen Jugend das Aufblättern — die Seitenzahlen in den Jugendgottesdienst-Gebetbüchern stimmen überein — jedes vom jungen Auditorium will den Originaltext vor sich haben und ihn und deffen Erklärung sich einprägen. Und kommt es zum Aufsagen eines hebräischen Gebetes, da findet man immer mehr Kandidaten — die Eltern unterstützen oft der Kinder Bitte, im Tempel ein Gebet vortragen zu dürfen — als gerade an diesem Sabbat daran kommen können. So sieht es wahrheitsgetreu mit dem Hebräischen dermalen aus, von dessen eminenter Bedeutung jeder Jude, der es mit dem Judentum ehrlich meint, durchdrungen ist. Vom Vorstande der Kultusgemeinde errichtete Bet- und Bibelschulen tragen zur Hebung der Kenntnisse im Hebräischen wesentlich bei. Wien. M o r i tz A n t s ch e r l. Berlin. (Mischehen.) Nach den amtlichen Ermittlungen waren unter den im Jahre 1904 im Deutschen Reiche geschlossenen 477.822 Ehen 434.530 gleichen Religionsbekenntnisses, und zwar entfielen 283.980 Eheschließungen auf evangelische, 145.696 auf katholische und 6401 auf jüdische Brautpaare. Die reinkonfessionellen Eheschließungen machten also 90°9 Perzent» die gemischtkonfessionellen 9'1 Perzent der gesamten aus. Besonders häufig wurden Mischehen zwischen Juden und Christen standesamtlich angemeldet. Während im Jahre 1902 nur 599 derartige Heiraten geschloffen wurden, stieg ihre Zahl 1903 auf 635 und im folgenden Jahre auf 720. Weitaus am häufigsten waren Heiraten zwischen einem Juden und einer evangelischen Christin, sie kamen 316mal vor. Dann folgten Ehen zwischen evangelischen Männern und jüdischen Frauen, nämlich 256. Die 497 jüdisch-protestantischen Mischehen des genannten Jahres waren somit auf 572 im Jahre 1904 gestiegen und betrugen annähernd viermal soviel als die jüdischkatholischen Verbindungen, deren 148 Fälle sich je zur Hälfte auf die beiden hier möglichen Kombinationen verteilen. Die Abneigung gegen eine eheliche Verbindung mir Juden ist also auf katholischer Seite ganz bedeutend stärker ausgeprägt als auf evangelischer. Von Interesse ist die Tatsache, daß die Mischehen in den letzten Jahren unverkennbar häufiger Vorkommen. Ihr Anteil machte 1902 8°7 Perzent der Gesamtheit aus, stieg 1903 auf 8'8 und im folgenden Jahre auf 9°1 Perzent. Breslau. Am 18. v. M. starb hier Herr Justizrat C a l l o m o n, wie schon kurz gemeldet. Derselbe gehörte zu den angesehensten Rechtsanwälten und Notaren unserer Stadt. Er war auch seit 1902 Mitglied der Repräsentantenversammlung, in deren Diensten er seine ganze freie Zeit mit aufopferungs-