Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 33 (17.8.1906)
- Date
- 1906-08-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sette 552 Dr. Llocb's Mocbenscbrm. Nr. 33 angenommen: „Da nach der bisherigen Uebung die Ernennung israelitischer Vertreter im Magnatenhause gewöhnlich nur aus den Rechen des Großkapitals erfolgt, was weder den Rechten entspricht, die den Juden durch die Rezeption gewährt wurden, noch auch der Billigkeit, und was überdies dazu beiträgt, daß die öffentliche Meinung das Großkapital mit dem Judentum identifiziert, möge das Komitat an den Kultusminister eine Petition richten, daß er bei Sr. Majestät die Ernennung eines hervorragenden Vertreters der israelitischen Konfession zum Magnatenhausmitglied vorschlägt." Eine jüdische Ausstellung. Aus dem Haag schreibt man dem „Petit Bleu", daß gelegentlich der Einweihung des Friedenspalastes in dieser Stadt eine internationale, jüdische Ausst e l l u n g eröffnet werden soll. Man will in dieser Ausstellung den Besuchern vornehmlich Zahlen, Tabellen, Statistiken, historische Darstellungen, Illustrationen der Verfolgungen, deren Opfer die Israeliten im Laufe der Jahrhunderte, und besonders in diesem Jahrhundert in Rußland, geworden sind, vor Augen führen; ferner Zahlen, Tabellen rc., welche zeigen sollen, eine wie bedeutende Rolle die Juden in der Entwicklung der Zivilisation, der Kunst, der Literatur, der Industrie gespielt haben. Die jüdischen Künstler der ganzen Welt sollen ersucht werden, ihre Werke auszustellen; die jüdischen Komponisten sollen ihre Kompositionen selbst dirigieren. Anläßlich der Ausstellung sollen auch wissenschaftliche Kongresse stattfinden. Altjüdische Ruine« in Bulgarien. In der alten Zaren- und Krönungsstadt Tirnova sind bei den Erdarbeiten für den Bau eines neuen Bahnhofes die Ueberreste eines uralten jüdischen Friedhofes bloßgelegt worden, wobei man nicht nur auf menschliche Skelette gestoßen ist, sondern auch goldene und silberne Schmucksachen in bedeutender Anzahl zutage gefördert hat; die Auffindung von Grabsteinen mit jüdischen Namen in hebräischen Schristzügen läßt keinen Zweifel darüber zu, daß man es hier tatsächlich mit den Ueberresten jener bedeutendsten der jüdischen Kolonien aus der Zeit der selbständigen Zaren zu tun hat, deren Bestehen bulgarische Chroniken erwähnen, über deren genauere Lage man aber bisher keinen Nachweis besaß. _ IT 0. Der Jnternationalrat der Jüdischen Territorial-Organisation hielt seine Sitzungen am Mittwoch und Donnerstag den 1. und 2. August im Saale Essex Hall in London ab. Der Präfident, Herr Israel Zangwill, führte den Vorsitz. Außer aus England waren aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Rußland, der Schweiz und den Vereinigten Staaten Vertreter anwesend. Alle anwesenden Mitglieder waren aus den betreffenden Ländern selbst gekommen. Entschuldigungen von abwesenden Mitgliedern kamen aus Bulgarien, Palästina, Rumänien und Südafrika. Zustimmungskundgebungen und Begrüßungsdepeschen liefen u. o. aus folgenden Orten ein: Antwerpen, Berlin, Bern, Bialystok, Ekaterinoslav, Elisabetgrad, Johannesburg, Kattowitz, Kiew, Kowno, Krementschug, Krugersdorp, Manchester, Mendzyrzec, Odeffa, Otschakow, Philippopolis, Plovdiv, Posen, Stralkowo, Warschau und Zürich. Dr. Jeremias-Posen übermittelte telegraphisch die herzlichen Wünsche der Posener Zionisten. Der Redakteur des in Odeffa erscheinenden Blattes „Rußki Jevrey" bot seine Mitwirkung in einem Briefe an, der mit den Worten beginnt: „Ich begrüße den Rat in einem Augenblicke, wo vor mir die noch warmen Leichen dreier jüdischer jungen Leute liegen, von Kosakenkugeln durchbohrt." Mit lebhaftem Beifall wurde ein Brief von Dr. Paul Nathan-Berlin, dem Präsidenten des „Hilfsvereins der Deutschen Juden", ausgenommen, in dem er seine warme Sympathie mit den Jtobestrebungen ausdrückte. Aus Johannesburg wurden die Glückwünsche eines jüdischen Massenmeetings gekabelt, in welchem der High Commissioner Lord Selborne für die Jto- Sache eingetreten war. Begrüßungen und Petitionen Auswanderungslustiger liefen ferner aus Bendery (Bessarabien), Bialystok, Drabow, Kriwoy Rog, Peresyp und von der jüdischen Gemeinde von Solotonoscha, im Poltawaer Gouvernement, ein, während Einwohner von Ekaterinoslaw und Krementschug ihr vollstes Vertrauen dem Jtorate durch Adressen mehr als tausend Unterschriften ausdrückten und demselben in erschütternden Worten die dringende Notwendigkeit einer Auswanderung aus Rußland vor Augen führten. Aus Amerika sandten u. a. Professor Dr. Solis Cohen und Richter Mayer Sulzberger-Philadelphia Glückwünsche. In seiner Eröffnungsrede schilderte der Präsident die Fortschritte der Bewegung und legte die bevorstehenden Aufgaben dar. Durch die Verhaftung des Herrn Joselew in Warschau und die Konfiskation der bei ihm befindlichen Schriftstücke, konnte der Bericht des russischen Zentralkomitees nicht zur Verlesung gelangen. Der Ehrensekretär, Herr Rechtsanwalt Clement I. Salaman, gab einen Bericht über die für die Jto-Kolonisation in Frage kommenden passendsten Territorien in den verschiedenen Kontinenten ab, sein Bericht verbreitete sich namentlich eingehend über zwei neue höchst aussichtsvolle Angebote. Mrs. Auerbach, aus Südaftika und London, die das britische Schutzgebiet in Ostafrika bereist hatte, stattete über das Land und dessen Zustände einen Bericht ab, der zu dem der vom Zionistenkongreß entsandten Gibbons-Kayser-Willbuschewitz- Expedition vom Mai 1904 in schroffem Gegensatz stand. Nach eingehender Debatte, an der sich fast alle Mitglieder des Rates beteiligten, wurde auf den Antrag des Herrn Dr. Klee, Berlin, einstimmig beschlossen, eine fünfgliedrige Kommission mit Zuwahlsrecht zur nochmaligen Durchprüfung aller Angebote und Projekte einzusetzen, derselben der Auftrag gegeben, eventuell Expeditionen auszusenden, und die Weisung erteilt, ihren Bericht von dem unter allen Umständen die definitive Entscheidung des Rates abhängig gemacht wird, spätestens im Frühling 1907 abzustatten. Auf den Antrag der Herren Cyrus Sulzberger, New- Jork, Phineas Levi, Birmingham und Rechtsanwalt Jasinowski, Warschau, wurde die Ernennung dieser Kommission, der die maßgebendsten Führer der Judenheit aller Länder angehören sollen, einstimmig dem Präsidenten übertragen. Das Angebot eines Beitrages von 400.000 Mark seitens des bekannten englischen Bodenreformers und Philanthropen Josef Fels für eine Jtoniederlassung unter der Bedingung des Gemeinbesitzes an Grund und Boden wurde dem Exekutivkomitee überwiesen, wobei der Jnternationalrat seinen herzlichsten Dank für das hochherzige Geschenk ausdrückte. Der Erfinder des Automobils. Unter diesem Merkwort schreibt ein „alter Wiener" in der „Wiener Abendzeitung": Wenn man von Automobilen spricht, hört man allenthalben die Behauptung, die auch in Lehrbüchern vorkommt, daß der Amerikaner Edison oder die Deutschen Ackermann und Deimler, oder ein Franzose, die Erfinder des modernen Automobils gewesen seien. Vom wirklichen Erfinder Siegfried Markus ist entweder gar nicht oder nur sehr nebenher die Rede. Daß das erste Automobil durch die Straßen von Wien gelaufen ist, wissen nur sehr wenige. Unter dem Titel „Der Motorwagen" hat der gerichtlich vereidete Sachverständige Hugo Güldner ein vielgebrauchtes Lehrbuch veröffentlicht, in welchem, nach einem kurzen Ueberblicke über die Entwicklung des modernen Motorwesens, die Angabe enthalten ist, „daß Markus 1883 als einer der ersten den Viertakt-Benzin-Motor , in Anwendung gebracht habe". In Wien weiß man und anderwärts sollte man es auch endlich wissen, daß der Viertakt-