Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 33 (17.8.1906)
- Date
- 1906-08-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 33 Dr. Llocv s Mtocvenscvrrn. -Seite 551 angelegt zur Beherrschung der großen Straße, die von Egypten nach Nordsyrien und dem Euphrat laufend Megiddo berührte. Bemerkenswert ist der Bau der Grabkammern, die mit keilförmig gehauenen Feldsteinen gewölbeartig gedeckt find, eine Technik, die für die gleiche Zeit auch in Babylonien nachgewiesen worden ist. Auch in der 4. Schicht, die etwa der Mitte des 2. Jahrtausends an gehört, wurde eine bedeutende Burg freigelegt: um einen großen Mittelhvf gruppieren sich allerlei Vorratsräume und kleinere Gemächer, sowie zwei bedeutende Kulturanlagen, die für die Kenntnis des kanaanitischen Opferwesens äußerst lehrreich sind. Wir sehen da den Steintisch zum Schlachten der Opfertiere, die Grube, in die das Blut floß, eine Grube für Knochenabfälle und Kohlenreste, sodann die eigentliche Opferstätte mit dem Opferkesfel zum Kochen des Fleisches, den Altar und zwei danebenstehende heilige Steine (Masseben) oder eine Massebah, auf dem Altar stehend. Auch zwei halbverkohlte Äscheren (heilige Baumstämme, wie sie zum kultischen Apparat der Zeit gehörten und welche vielleicht mit bunten Lappen und allerlei Gaben, wie noch heute bei den Beduinen, behängt wurden), gehören dieser Schicht an. Die reichsten Resultate bot die 3. Schicht. Hier fand sich ein neuer Gewölbebau mit jener Uebertragungstechnik, wie sie von den Grabkammern der Cheopspyramide, auch vom sogenannten Schatzhause des Atreus zu Mykenä und dem des Minos zu Orchomenos bekannt ist. Eine Opferheilstätte dieser Schicht gehört in die Zeit des Pharao Thutmofis HL, der um 1240 hier kämpfte und Megiddo eroberte. Etwas jünger scheint ein ansehnlicher Palast dieser Schicht zu sein, der in seinen sorgfältig behauenen, bis zu zwei Meter langen Quadern an die ältesten Teile des Haram zu Jerusalem erinnert und deshalb der salomonischen Zeit zugewiesen wird. Erst damals war Megiddo israelitisch geworden; Salomo befestigte den Ort (1, Kön. 19.15) und setzte einen Gouverneur dorthin. Die Burg muß dem Augenscheine nach bald darauf zerstört worden sein, vielleicht um 930 durch Pharao Sisak; über den Trümmern fand sich eine Schmiede mit vielen Eisenwerkzeugen und eine Kultstätte mit zwölf Masseben. Der israelitischen Zeit gehören die 2. und 1. Schicht an, die beide je eine Burganlage aufweisen mit wiederum interessanten Kultusanlagen. Mit dem VI. Jahrhundert endet die Kulturepoche des Teil el-mutesellim. Nur hie und da versuchte spätarabische Kultur sich wieder heimisch auf ihm zu machen, ohne Nennenswertes hervorzubringen. Das Bedeutsame der Megiddograbung sind nicht sensationelle Prunkstücke, auf die man in Palästina überhaupt nicht allzusehr hoffen soll, sondern die ungeheuere Fülle des kultur- und kultusgeschichtlichen Materials, die es möglich macht, eine fast kontinuierliche Entwicklung von über zwei Jahrtausenden einigermaßen zu erkennen. Schon in den ältesten Schichten fand sich neben Feuerstein und Knochen auch Bronze; dagegen Eisen erst in der 3. Schicht, das heißt seit etwa 1500. Noch nie ist so reichlich palästinische Keramik gesammelt worden wie hier, und es zeigt neben einheimischer Ware viel egyptischen, cyprischen, mykenischen und gräkophönikischen Import, während die Spuren assyrisch-babylonischer Kultur recht vereinzelt find. Das Schlagwort von Palästina als der Domäne babylonischer Kultur muß stark eingeschränkt werden. Das lehren auch die Siegelfunde, unter denen neben drei bis vier babylonischen Siegelzylindern mit zum Teil wundervoll geschnittenen Tierfiguren eine Menge von egyptischen und egyptisierenden Skarabäen stehen. Unter den Siegeln ragen zwei hervor durch ihre althebräischen Aufschriften. Das eine trägt in egyptischer Gravierung ein mischgestaltiges Wappentier mit Löwenleib, Falkenkopf, Menschenbrust und -süßen und stilisierten Flügeln, und darunter die Schrift: le-Asaf (dem Asaf gehörig). Auf dem anderen, aus Jaspis gearbeiteten Löwen babylonischen Stils mit grimmig aufgesperrtem Rachen, gekrümmten Schweif, lebensvoll zum Angriff schreitend: dabei die Worte: le-Schma’ ’ebed Jarob’am (dem Schema', dem Diener Jerobeams, gehörig); nach diesem Titel darf man den Besitzer des Siegels wohl für den ersten Minister und Vertrauten einer der beiden israelitischen Könige Jerobeam halten, vielleicht Jerobeams II. (etwa 783 bis 743). Noch ein Wort über die Skelette und ihre Bestattung, die wohl das Interessanteste in Megiddo bietet. Abgesehen von den egyptischen Grabkammern und den in der Nähe des Tells liegenden Höhlengräbern sind die Toten meist einfach in die Erde gelegt, oft mit angezogenen Knieen. In der Regel findet man das Skelett umgeben von einem Steinkreis, in dessen Mitte Krüge, Schüsseln und dergleichen mit Resten von Speise und Trank stehen. Da derartige Gefäße auch bei Frauen und Mädchen gefunden werden, so darf diese Totenspeisung nicht ohneweiters mit dem Totenkultus identifiziert werden. Für diesen vielmehr waren besondere, tief ausgemauerte Opfergruben bestimmt, in denen oft Asche, Kohlenreste und Tierknochen lagen. Bemerkenswert ist, daß derartiges Inventar des Totenkultus nur bis zur Zeit der kanaanitischen Burganlage nachgewiesen werden konnte. Zu dem kanaanitischen Totenkultus stimmt auch die andere Tatsache, daß nur in älterer Zeit die Gräber in den Zimmern und Gängen des Hauses lagen, also nicht für verunreinigend galten, wie später bei den Israeliten. Bis in die letzten israelitischen Perioden dagegen läßt sich das Kinderopfer Nachweisen. Zahlreich sind die Funde von Kinderleichen, welche, den Kopf nach unten, in Tonkrüge gesteckt sind. Da diese Krüge meist an die Mauer gelehnt standen, so lag schon dadurch der Gedanke an Bauopser nahe, wie man sie literarisch bereits durch 1. Kön. Itt, 34 kannte. Bestätigt wird diese Vermutung durch das Skelett eines etwa fünfzchnjährigen Mädchens, das quer über die unteren Fundamentsteine gelegt und mit einer Estrichschicht aus Lehm derart ganz überzogen ward, daß der Körper unter dem Fußboden der Burg zu liegen kam. Neben solchen Bauopfern finden sich auch sonst Kinderleichen, in Krügen an den Wänden hängend; dabei wird es sich vermutlich um Erstgeburtsopfer handeln, womit also diese Sitte tatsächlich in alter Zeit geübt erwiesen wird (vgl. Hx. 22. 28 k.), während die spätere Zeit dies Kinderopfer ablöste. Das ist einiges von dem Reichtum der Megiddofunde. Man darf aufrichtig wünschen, daß bald das gesamte Material verarbeitet und veröffentlicht werden kann und daß dem „Deutschen Palästina-Verein" auch die nötige finanzielle Unterstützung nicht fehlen möge, um das Begonnene würdig zu vollenden. Aus: „Ter Tag". Vom Aabrmarkt des Lebens. Die jüdischen Mandate in Galizien. Aus Lemberg wird telegraphiert: Abgeordneter Regierungsrat Dr. Seinfeld hat an das Präsidium der Lemberger israelitischen Kultusgemeinde ein Schreiben gerichtet, in welchem er zunächst darauf hinweist, daß nach der zwischen dem verstorbenen Abgeordneten Dr. Byk und dem Polenklub getroffenen Vereinbarung acht Mandate auf Grund der neuen Wahlreform jüdischen Kandidaten zufallen sollten, daß jedoch durch die Reasfumierung der auf Galizien bezüglichen Abstimmungen im Wahlreformausschusse diese Vereinbarung hinfällig und eine neue Wahlkreiseinteilung getroffen worden sei, durch welche die Zahl von acht jüdischen Mandaten nicht mehr gesichert erscheine. Infolgedessen möge das Präsidium der Lemberger Kultusgemeinde die Vorsteher der übrigen israelitischen Kultusgemeinden Galiziens zu einer Anfangs September in Lemberg abzuhaltenden Konferenz einberufen, auf welcher diese Frage diskutiert und beschlossen werden soll, an das Präsidium des Polenklubs mit dem Ersuchen heranzutreten, daß mit Rücksicht auf die neue Wahlkreiseinteilung auch eine neue Vereinbarung bezüglich der Zahl der jüdischen Mandate getroffen werde. Eine Petition an den ungarischen Kultusminister, betreffend die Ernennung von Magnatenhaus- Mitgliedern. In der heutigen Generalversammlung des Munizipalausschuffes des Tolnaer Komitats wurde folgender Antrag des Munizipalausschußmitgliedes Bela Bartal mit großer Majorität