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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-08-17 · 33 (17.8.1906) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
33 (17.8.1906)
Date
1906-08-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 33 Dr. Llocv s Mocbenscvrm. Seite 54» strengste Neutralität zu halten; Polygamie ist auf das schärfte verboten und Ehen sind nur unter den bestimmt vorgeschriebenen Umständen zu schließen; alle Anhänger des mosaischen Gesetzes haben gleiche Ansprüche auf Gleichheit vor dem Gesetze und alle religiösen Rechte." („Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen" Nr. 255, den 1. November 1825.) London den 25. Oktober. Aus der Proklamation an die Israeliten der ganzen Welt, welche Mordechai Immanuel Noah, Bürger der Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, vormals Mayor der Stadt New-Dork (woher der Irrtum entstanden zu sein scheint, daß ihn einige Blätter zum Major avanciert haben), erlassen hat, teilen wir (nach dem „Moniteur") noch Folgendes mit: „Da nun die Zeit gekommen, wo die Verheißungen des auserwählten Volkes Gottes in Erfüllung gehen sollen, kündige ich allen durch die ganze Welt zerstreuten Nachkommen Abrahams an, daß eine Zuflucht für sie bereitet ist. wo sie Ruhe, Glück und Schutz finden werden, wo sie die Wiedereroberung ihres alten Erbes vorbereiten können, und zwar in einem Lande, wo Milch und Honig fließt und die Söhne Israels unter Weinreben und Feigenbäumen ausruhen können. Die uns angewiesene Insel ist 12 Meilen lang. 5 bis 7 Meilen breit, und ist zu dem Handel in der neuen und besseren Welt vortrefflich gelegen. „Das erste, was Herr Noah befiehlt, ist eine Volkszählung, wobei Alter und Beschäftigung angegeben und vorzüglich alle diejenigen bemerkt werden sollen, die sich auf irgend eine Weise auszeichnen. Diejenigen, die aus irgend einem Grunde lieber an den Orten, wo sie wohnen, bleiben wollen, können dies. Doch wird von ihnen erwartet, daß sie das Auswandern junger und unternehmender Personen fördern und besonders solche herüberschicken, die durch Industrie, Rechtlichkeit und Patriotismus dem Nationalcharakter Ehre machen. Die Juden, die im Militärdienste der verschiedenen Souveräne Europas stehen, sollen bis auf weitere Befehle bleiben und sich brav und treu benehmen. Bei dem Kampfe zwischen den Griechen und Türken befiehlt Mordechai Noah, sich ganz neutral zu verhalten. Ferner wird für immer die Polygamie verboten, die noch bei den Juden in Asien und Afrika herrscht, und es sollen keine Verheiratungen stattfinden, wenn nicht Braut und Bräutigam das gehörige Alter erreicht haben und die Sprache des Landes, wo sie leben, lesen und schreiben können. Die Gebete sollen immer in hebräischer Sprache gesprochen, aber Gelegenheitsreden re. auch in anderen Landessprachen gehalten werden. Die Proklamation ist datiert aus Buffalo im Staate New-Aork, vom 15. Sept. 1825, und Herr Noah schreibt sich: Von Gottes Gnaden Gouverneur und Richter von Israel. Die Herstellung der jüdischen Regierung wurde an demselben Tage in Buffalo mit großer Feierlichkeit vollzogen." l) Ein New-Aorker Blatt liefert eine ausführliche Schilderung der bei der Gründung der hebräischen Stadt auf der großen Insel im Niagaraflusse stattgefundenen Feierlichkeiten. Wegen der überaus großen Menge von Zuschauern, welche sich eingefundcn hatte, und des Mangels an einer hinlänglichen Anzahl von Booten, um dieselben nach der Insel überzufahren, mußten die Einweihungs-Feierlichkeiten bei dem Dorfe Buffalo stattfinden. Die Einweihungszeremonie erfolgte in der Episkopalkirche, nach einem von Herrn Noah, dem neuen Richter in Israel, erlaffenen ausführlichen Programm. Herr Noah trug ein langes Gewand von carmoifinrotem Seidenzeug mit Hermelin ausgeschlagen und reich mit Gold verziert. Bei Ankunft des Zuges an der Kirchtüre traten die rechts und links aufgestellten Truppen zurück, und der Musikchor blies beim Eintritt der Prozession in die Kirche den großen Marsch aus Händels „Judas Makkabäus". Hierauf vernahm man den Klang der volltönenden Orgel, und das Jubilate wurde angestimmt; auf dem Abendmahltische lag der Grundstein der neuen Kirche mit folgender hebräischer Inschrift: „Hört, o Israel, der Herr ist Euer Gott. Der Herr ist Einer. Ararat, die Zufluchtsstätte der Hebräer, gegründet durch MordechaiJmmanuel Noah, im Monat Tisry 5585^), entsprechend dem September 1825, ') «Voss. Ztg." 5. November 1835. Stück 259. 2) Soll heißen 5586. und im 50. Jahre der amerikanischen Unabhängigkeit". Der Gottesdienst begann mit einem durch Herrn Searl, Geistlichen der bischöflichen Kirche, gelesenen feierlichen Morgengebete; darauf sang der Chor: „Vor des Herrn Thron", und diesem Gesang folgte die Vorlesung eines Abschnittes aus Jeremias') und mehrerer Psalmen. Herr Noah hielt eine Rede, in welcher er die Reorganisation des jüdischen Reiches ankündigte und diesen Gegenstand mit großem Pathos behandelte. Die zahlreich Versammelten hörten seinen Vortrag mit der größten Aufmerksamkeit an. Nach dem Schluß der Feierlichkeit zog die Prozession in derselben Ordnung, in welcher sie gekommen, wieder aus der Kirche; die Maurerbrüder und die anwesenden Militärs begaben sich nach dem Gasthofe „zum Adler", um an dem dort veranstalteten Gastmahle teilzunehmen. Die Kirche war mit Frauen angefüllt, und die Feierlichkeit machte einen tiefen Eindruck". Herr Noah, der die Stadt Ararat, als Kolonie für die Juden gegründet hat, ist Advokat und Groß-Sheriff allhier und war vormals nordamerikanischer Konsul in Tunis. Die Einweihung des Gebietes, auf welchem die Kolonie angelegt werden soll, oder vielmehr, wie es in den Blättern heißt: „Die Wiederherstellung der jüdischen Nation", ward am 14. d. M. zu Buffalo feierlich begangen. In der bei dieser Gelegenheit publizierten Proklamation, in welcher Herr Noah sich von Gottes Gnaden Statthalter und Richter Israels nennt, wird ausdrücklich gesagt, daß alle Juden (Rabbaniten, Karäer, Samaritaner, schwarze Juden aus Ostindien und dem Innern Afrikas, die jüdische Sekte an der Küste zu Malabar, die Juden zu Cochin) gleiche Rechte und Freiheiten genießen sollen. „Die Indianer des amerikanischen Festlandes (heißt es ferner in der Proklamation) find wahrscheinlicherweise die Nachkommen der nach Assyrien entführten zehn Stämme; dies zeigt ihre Sprache, ihr asiatischer Ursprung, ihre Anbetung eines einzigen Gottes, ihre Opfer, Ehen, Scheidungen, Beerdigungen, Fasten, Reinigungen, ihre Ayfle für vorsätzliches Todschläger, ihre Priester und Stammeineinteilung. (Diese sonderbare Meinung ist schon vor mehreren Jahrhunderten, namentlich von Manasse ben Israel in einer eigenen Schrift durchgeführt worden.) Es sollen Maßregeln getroffen werden, um die Indianer ihren Ursprung kennen zu lehren und sie mit ihren Brüdern zu vereinigen. Die Regierung des neuen Staates soll unter dem Schutze der Vereinigten Staaten unabhängig sein. Der erste Großrichter ist Herr Noah. Alle vier Jahre soll das Zentral-Konsistorium von Paris die Stelle eines Großrichters besetzen. Dies sind die Herren: Abraham de Cologna in Paris, Andrade in Bordeaux, Herschell und Mendoza in London, Aaron Nunez Cardoza in Gibraltar, Abraham Buffac in Livorno, Benjamin Gradis in Bordeaux, Dr. E. Gans und Dr. Zunz in Berlin, Dr. Leo Wolf in Hamburg. Ueberdies wird das Pariser Konsistorium ermächtigt, drei Kommissarien zu ernennen, welche sich nach den Vereinigten Staaten begeben und über das, was dort vorgeht, Bericht abstatten sollen. Allen Juden wird Rechtlichkeit, Mäßigkeit, Fleiß und Sparsamkeit anempfohlen. Der kommende Neumondstag Adar s7. Februar 1826) wird zum allgemeinen Dankfest angesetzt. Nachdem die Proklamation verlesen und mehrere Zeremonien begangen worden waren, erklärte der Präsident die jüdische Nation für konstituiert. Diese Unternehmung ist in der Weise, wie sie von Herrn Noah gedacht wird, offenbar abenteuerlich; indes dürfte eine Kolonie für Juden, die Ackerbau und Gewerbe treiben wollen, allerdings eine nützliche Anstalt sein, der wir alles Gedeihen wünschen. („Berlinische Nachrichten" ^Redakteur Carl Spener.f Nr. 257. Donnerstag den 3. November 1825.) Paris, vom 19. November. Der Vorsteher des jüdischen Zentral-Konsistoriums, Herr Abraham de Cologna, hat über die in den Zeitungen erschienene ') Offenbar Jeremias, Cap. 29. *) Soll natürlich heißen „unvorsätzlich".

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