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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-08-17 · 33 (17.8.1906) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
33 (17.8.1906)
Date
1906-08-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 548 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Nr 33 in nomine patris et filii et spiritus sancti und rait von dannen.* *) Den Zug eröffneten die vier Vornehmsten der Gemeinde; sie trugen die Stangen des Baldachins, dessen Tuch rot gemalt war; ein weißes, goldgesticktes Tuch hatte ein jeder über dem Kopfe. Ihre Kleidung bestand in roten Ueberkleidern, aus welchen blaue Aermel hervorsahen. Der die zehn Gebote trug im roten Umhang mit goldenen Schecken hatte einen grünen Mantel mit weißem Futter und goldenen Agraffen und ein grünes Unterkleid. Mehrere schritten in grünen Ueber- und roten Unterkleidern mit brennenden Kerzen voran. Die Tracht der übrigen Juden, welche sich dem Zuge angeschloffen hatten, war rot. Ararat. Ein Beitrag zur Vorgeschichte des jü nationalen Gedankens. Mitgeteilt von Dr. Heinrich Loewe. Es ist wenig bekannt, daß unsere moderne zionistische Bewegung eine Reihe von Vorläufern im neunzehnten Jahrhundert hatte, die es wohl verdienen, der Vergessenheit entrissen zu werden. Die älteste Nachricht, welche man wohl hierhin in gewissem Sinne zählen kann, ist eine fette Zeitungslüge, die Napoleon der Große in die Welt setzte, als er an eine unbeachtete Rückkehr aus dem Orient dachte. „Le Moniteur Universell" oder „Gazette nationale" enthält in seiner Nummer 243 von an VII (1799) folgende, in historischem Sinne immerhin beachtenswerte Mitteilung: Constantinople, le 28 Germmal. Bonaparte a fait publier une proelamation, dans laquelle 11 invite tous les Juifs de l’Asie et de l’Afrique a venir se ranger sous ses drapeaux pour retablir l’ancienne Jerusalem. II en a dejä arme un grand nombre, et leurs bataillons menaeent Alep. ') Ohne uns auf die Gründe einzulassen, die Napoleon veranlaßt haben mögen, diese Post nach Europa zu lancieren, wollen wir an dieser Stelle nachtragen, daß dieser gleiche Gedanke einer Wiederherstellung Jerusalems auch bei den politischen Revolutionären regelmäßig wiederkehrte und daß auch bei dem unter dem Namen des Aufstandes der Dekabristen bekannten Militäraufftande des Jahres 1825 diese Idee eine freilich unfruchtbare Rolle spielte. Der Verein der Slaven und der polnische Teil der Verschwörer hatte in sein Programm unter Anderem ausgenommen, ein panslavistisches Bundesreich zu gründen, Griechenland, das damals im Aufftande begriffen war, zu befreien, und „creer le royaume d’Israel“. Die ausführlichen Nachrichten darüber findet man im „Moniteur" vom Juni 1825. Ueber die Plane der polnischen Freiheitskämpfer von' 1830, die sich in dieser Richtung bewegten, werden wir gelegentlich besonders sprechen. Heute aber geben wir einen Beitrag aus der Neuen Welt, wo ebenfalls im Jahre 1825 der Versuch einer praktischen Lösung der Judenfrage durch Herstellung eines eigenen jüdischen Gemeinwesens gemacht *) Als Kaiser Karl V. nach Prag kam, gingen ihm die Juden in einem „Aufzug" entgegen. Ueber die Feierlichkeit lesen wir bei Hormayr (Archiv für Geographie und Historie, 1811, S. 633): „darüber find an die drei Hundert Juden mit einem gar schönen Panier und ihrer Lade, oder den Zehngeboten und dem Talmud (?) Voraus gingen die Rabbiner und was der Synagoge angehörig, hernach die Aeltesten und Witwer in schwarzen langen Mänteln und Kappen; dann die Jünglinge und Knaben in weißen Kitteln mit Gold schön geschmückt, wie sie das an ihren Festen tragen. Hierauf kamen die jungen Ehemänner in ihren Tales ..." *) Zu deutsch: Bonaparte hat eine Proklamation erlassen, in welcher er alle Juden Asiens und Afrikas einlädt, sich unter seine Fahnen zu reihen, um das alte Jerusalem wiederherzustellen. Eine große Zahl derselben ist schon bewaffnet worden und ihre BatMone bedrohen Aleppo. wurde. Dabei lassen wir die nicht in staatsnationalem Sinne gedachten Kolonisationsversuche außeracht, wie wenn ein angesehener Londoner Jude ebenfalls im Herbst des Jahres 1825 Ansiedler rekrutierte, um in Florida eine jüdische Kolonie zu stiften. („Spener-Zeitung" Nr. 260, 7. November 1825.) Dagegen wollen wir zerstreute Zeitungsnachrichten reproduzieren, welche uns über den traumhaften Versuch berichten, bei Buffalo im Staate New-Iork ein neues Judenreich zu gründen. Denn wenn auch aus dem Gründungsversuche nicht mehr als ein großes Fiasko hervorging, so ist doch der Gedanke an und für sich interessant genug, und dann hat er seinerzeit ein so großes Aufsehen erregt, daß damals beispielsweise die arg bedrückten Juden des Kirchenstaates daran denken konnten, die Besserung ihrer Lage von dem zu gründenden „Ararat" in irgend einer Weise zu erwarten. „Bei den Anregungen", so schreibt die „Spener-Zeitung" in Nr. 282 vom 2. Dezember 1825, „welche gegen dieselben stattfinden, ist es natürlich, daß hier die projektierte Gründung eines neuen Judenreiches in Amerika durch Herrn Noah die öffentliche Neugier auf sich zieht." Der Gründer dieses einzigartigen Staates, der niemals wirklich ins Leben trat, war ein Herr Mordechai Manuel Noah, der im Jahre 1825 Grand-Island, eine Insel in der Nähe der Niagarafälle vom Staate New-Iork zu diesem Zwecke kaufte. Er nannte den Staat Ararat, weil er selber Noah hieß und hierin eine Anspielung auf Genesis Cap. 8, V. 4 suchte. Er selbst nannte sich Judge oder Schofet des Volkes Israel und bezeichnte sein Beginnen als den Anfang des Gottesreiches auf Erden. Heute will ich aber keine Zusammenfassung und Darstellung des eigenartigen Unternehmens geben, sondern nur die zerstreuten Mitteilungen der Berliner Zeitungen zum Abdrucke bringen, welche sich hierauf beziehen. Den späteren Artikel des „Daheim"') lasse ich unberücksichtigt, da er mir, nach den gleichzeitigen Berichten zu schließen, nicht wahrheitsgemäß zu sein scheint und außerdem wenig Tatsächliches bietet. Um eine volle Darstellung zu geben, muß man vor allem die amerikanischen, besonders die New-Iorker Blätter vom Jahre 1825 durchsetzen, und der Zweck dieser Darlegung ist erreicht, wenn Gesinnungsgenossen jenseits des Meeres uns bald das einschlägige Material vorführen würden. Ich gebe im Folgenden die Berichte der Berliner Blätter: „Nach amerikanischen Blättern wird jetzt in Nordamerika der Versuch zur Errichtung eines eigenen jüdischen Gemeinwesens gemacht. Am 15. Septembers wurde auf Grand-Island im Niagara-Flusse zwischen dem Eric- und dem Ontario-Flusse im Staate New-Iork eine Stadt begründet, die den Namen Ararat erhielt. An der Spitze des Unternehmens steht Herr Mordechai Manasseh Noah aus New-Aork. Er hat, wie ein New-Iorker Blatt meldet, den Titel „Gouverneur und Richter" angenommen, spricht in seiner Proklamation vollkommen wie ein souveräner Herrscher, ernennt Kommissarien in mehreren Teilen der Welt, ruft sein in allen Ländern zerstreut lebendes Volk von 6 Millionen Seelen auf, seiner Stimme zu gehorchen, gebietet, einen Zensus von der Nation aufzunehmen, legt einen Schoß von einem Dollars auf jeglichen Kopf und befiehlt allen frommen und ehrwürdigen Rabbinern,. Präsidenten und Aeltesten der Synagogen, den Häuptern der Kollegien in der ganzen Welt, diese seine Proklamation in Umlauf zu setzen, und bekanntzumachen und ihr alle mögliche Publizität, Beglaubigung und wirkende Kraft zu .geben. Er erlaubt denen, welche in einem Lande ansässig sind, zu bleiben, wo sie sind, erwartet aber, daß sie die Auswanderung der Jüngeren ermuntern und befördern werden. Den in Kriegsdiensten Stehenden befiehlt er, bis auf weiteren Befehl in ihren Reihen zu verharren; bei dem Kriege der Türken und Griechen ist die y Vgl. auch „Die Welt" Nr. 42 vom Jahre 1900. *) Am 13. und 14. September war Rosch Haschanah des Jahres 5586, der 15. September war der erste Tag, an dem die Feiertagsgesetze nicht hinderlich waren. 3) Als Machazith Haschekel.

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