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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-08-17 · 33 (17.8.1906) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
33 (17.8.1906)
Date
1906-08-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 546 2>c. JBiocDö WUocbenö^ jutt. Nr. 33 Neumann-Berlin inne hat. Außerdem sind in Deutschland noch viele Bezirkskomitees. Ein schwerer Verlust traf die „Alliance Israßlite Universelle“ durch das Hinscheiden ihres Ehrenpräsidenten Großrabbiner Zadoc Kahn am 8. Dezember. Das Leichenbegängnis gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der Teilnahme seitens des ganzen französischen Judentums. Tiesbetrauert wurde auch der Tod der Herren: Vizepräsident Jules Oppert, Professor am College de France, Justizrat Dr. Heinrich Meyer - Cohn - Berlin, Univ. - Professor Leo Errera-Brüssel, Samuel Dreyfus-Neumaun-Basel, M. A. Dropsie-Philadelphia, Heinrich Goldschmidt-Berlin, Landrabbiner Dr. Prager-Cassel. Nach den Formalien wendet sich der Bericht einem furchtbaren und traurigen Kapitel zu. Das neue Egypten liefert mit seinen Pogroms ein blutiges und langes Stück unserer modernsten Geschichte und wir lernen eine eigene Geographie des Unglücks vom Ansiedlungsrayon, wo sich fast an jede bedeutende Stadt ein unglückliches Ereignis knüpft. Dreiuudfünfzig Sriten sind die Kinnoth über die Schreckenstage, an denen die tobenden Hooligans Juden nach Hunderten erschlugen, nach Tausenden zu Bettlern machten. Fünfhundert Millionen Francs jüdisches Vermögen gingen nach den bescheidensten Schätzungen durch die Horden verloren und die äußerste Anstrengung der „Alliance", die sich in imposanten Ziffern ausdrückt, vermochte nichts mehr, als die Schrecken des Hungertodes hintanzuhallen. Neu ist die Nachricht unter dem Titel „Juden in Rumänien", wonach diese von Rußland Hilfe erwarten. Sie glauben die Befreiung ihres schweren Joches zu erlangen, wenn die Judensrage im Zarenreiche günstig gelöst sein wird. Bis jetzt aber ist die Lage dieser Armen, deren Jammer vor dem größeren der Pogroms zurücktreten mußte, noch immer fürchterlich und die „Alliance" hatte Tausende von Leuten über See zu schicken, deren Elend die ausgesuchten Quälereien der hier überall unmenschlichen Beamten nicht mehr ertragen konnte. In den Judenvierteln herrscht in ganz Rumänien unsagbare Not. Die „Alliance" hat das ihrige mit Subventionen an Darlehenskassen und jüdische Landwirte getan. Vorzüglich aber hat sie sich das Erziehungswerk angelegen sein lassen und hat mit Hilfe der „Jca" 18.000 jüdischen Schülern Unterricht erteilt, die man von den öffentlichen Schulen fervzuhalteu wußte. Um nichts erfreulicher ist die Schilderung der Situation in Marokko. In jeder Art wie Parias gehalten, haben die Juden während der Kriegswirreu ihr bischen Sicherheit und Lebensmöglichkeit eingebüßt. Sie wurden von Freund und Feind gleichermaßen gebrandschatzt, gelegentlich massakriert und das Sterben an Entkräftung wurde zu einer ganz gewöhnlichen Erscheinung. Die Schulen der „Alliance" erwiesen sich in diesen furchtbaren Zeiten als willkommene Asyle und das Vorgehen der Direktoren hat oft noch schwereres Unglück verhütet. In die Reihe der Klagen treten nun unsere persischen Brüder. Gerade jetzt sehen wir, welche Macht dort die Priester haben, vor denen der Schah und der Großvezier kapitulieren mußten. Es ist alles gesagt, wenn wir wissen, daß dieser Priesterfanatismus monatelang die Juden verfolgte. Hier hat die Intervention der Schuldirektoren, denen der englische, der französische und der italienische Konsul zu Hilfe kam, großartige Erfolge erzielt, so daß es mit ausgedehnten Plünderungen ablief. Im heurigen Jahre haben sich die yeminitischen Juden auffällig gemacht, als sie zur Zeit des Araberaufstandes gegen die Türken in hellen Scharen als Flüchtlinge an der egyptischen Grenze eintrafen. Die „Alliance" sprang ihnen sofort mit großen Summen bei, da die armen Leute in denkbar elender Verfassung waren und viele aus Erschöpfung umkameu. Die Araber hatten sie mit Vernichtung bedroht Im Aufträge der „Alliance" ging Herr Somekh auf eine Forschungsreise ins Land und wir verdanken ihm sehr viele interessante Aufschlüsse. Die Jemeniten sind äußerst fromm; stets tragen sie den Talith und viele wandern unter den höchsten Entbehrungen alljährlich nach Jerusalem aus, wo sie als Handwerker leben. Ihre Zahl, die ständig abnimmt, beträgt ungefähr 30.000. Sie leben in Vielweiberei; ihre Beschäftigung ist ausschließlich das Handwerk und der Ackerbau, namentlich die Maurerei, ihre Unwissenheit und ihr Elend sind groß. Die „Alliance" beabsichtigt, bei nächster Gelegenheit ihr Erziehungswerk auch in Jemen zu beginnen. Als Gebilde aus Fleisch und Bein erwiesen sich auch die märchenhaften abessynischen Inden, durch deren Gebiet Herr Faitlowitsch eine Reise machte. Diese sogenannten Falaschas leben in ganz Abessynien und teilweise im Gebiet der Gallaneger. Sie kennen das Hebräische nicht, dagegen den Mosaismus und rabbinische Traditionen, besitzen eigene Synagogen und nennen ihre Priester Kohanim. Sie haben Sehnsucht nach Palästina und bitten die europäischen Inden, sie nicht zu vergessen. Unter den Abessyniern genießen sie einiges Ansehen, doch Hetzen die zahlreichen Missionäre die Stammeshäupter zu Unterdrückungen auf und so lassen sich die Falaschas zu Hunderten taufen. Sie fasten am Jomkippur und Tischa be Ab. Zwei von ihnen kamen mit Faitlowitsch nach Paris. Sie sind von auffallend dunkler Hautfarbe, jedoch außerordentlich intelligent. Sie werden in der Vorbereitungsschule der Alliance Jsraelite aufgezogen und sind dazu bestimmt, später die Vermittlung mit ihren engeren Stammesgenossen zu übernehmen. Das Erziehungswerk der „Alliance" drückt dem ganzen Orient seinen Stempel auf. In 129 Schulen mit 36.000 Schülern, die im letzten Jahre 909.000 Francs Kosten machten, wird schrittweise das Leben des jüoischm Ostens vom Fatalismus, Träumen und Furcht zu Energie, Wissen und mutigem Selbstbewußtsein umgestaltet. Von besonderem Segen war das Eingreifen der Alliance Jsraelite für die Mädchen, welche bis dahin ohne jede Schulbildung herangewachsen waren. Bis nach Indien und China herauf erstreckt sich das Tätigkeitsgebiet der ehemaligen Allianceschüler, welche durch europäische Bildung in jeder Hinsicht konkurrenzfähig gemacht wurden und ihrerseits natürlich eine gute Wirkung auf die materielle Hebung ihrer Heimat und Wohnorte ausüben. Von Schulen gibt es teils für Knaben, teils für Mädchen 15 in Marokko, 10 in Bulgarien, 35 in der europäischen Türkei, 14 in der asiatischen, 18 in Syrien, 4 in Mesopotamien, 2 in Tripolis, 8 in Egypten, 6 in Tunis, 13 in Persien und 4 in Algier. Das beste Ehrenzeichen für die „Alliance" sind die Bemühungen der Gemeinden um Errichtung der Schulen in ihrem Gebiete und die großen Opfer, welche sie zur teilweisen Erhaltung bringen. Ein schätzbares Werk hat die „Alliance" ferner durch die Erziehung von Lehrlingen vollbracht. Sie hat damit einen glänzenden Gegenbeweis gegen die Lüge von der Arbeitsscheu der Juden erbracht, in dem sich zu vielen Hunderten die Schüler meldeten und eine große Anzahl von Handwerken, die früher von Griechen oder Armeniern betrieben wurden, jetzt sie in Händen haben. So entkamen sie dem Elend des Kleinhandels, bei dem ihre Väter vegetierten und verbesserten auch ihre körperlichen Verhältnisse bedeutend. Die Lehrlinge werden bei unabhängigen Meistern erzogen, welche eine Unterstützung erhalten. Nur in Jerusalem befindet sich eine Gewerbeschule, welche einen durchschnittlichen Bestand von 100 Schülern hat (42 Schmiedel). Von der «Jca" übernahm die „Alliance" die Verwaltung und Leitung der Weber-, Färber-, Spitzen- und Zwirnwerkstätten und die Leitung einer Lehrlingsschule in Bukarest. Leider ist der Bericht zu wenig ausführlich über die Erziehung der Mädchen zu mechanischen Fertigkeiten. Auch ist über dieses sehr fesselnde Kapitel, wie überhaupt, noch viel zu wenig Statistik und jedenfalls keine zusammenfassende getrieben worden. Auf einem den übrigen Schulen entsprechenoen Ge-

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