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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-08-10 · 32 (10.8.1906) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
32 (10.8.1906)
Date
1906-08-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 32 Dr. Llocv s MocdenscvrM. Sette 53» billige („arabische") Olivenöl-Seife auf den ausländischen Markt (meist Egypten) und allenfalls noch Schnitzereien aus Olivenbolz mit Perlmuttereinlagen und ähnliche Arbeiten mehr, die meist in Amerika und England einen Markt finden. Bis vor wenigen Jahren wurde ein Aufblühen der Industrie schon durch die hohen Binnenzölle verhindert, durch die die türkischen Erzeugnisse gegenüber den europäischen stark im Nachteil waren. Statt nämlich, wie überall anderwärts, durch Fabrikation im Lande die Einfuhrzölle zu sparen, wurde hier bei Beförderung von einer Provinz zur andern derselbe Zoll von 8 Perzent erhoben, der auch ausländischen Industrie- Produkten gegenüber zur Anwendung kam. Auf diese Weise behielt die längst eingeführte Industrie des Auslandes einen nicht mehr einzuholenden Vorsprung gegenüber jeder etwa beabsichtigten Jndustrie-Neugründung in der Türkei. Man suchte sich zu helfen, indem man für jede neue Industrie eine Konzession für die steuerfreie Ausfuhr der Jndustrieprodukte in die Provinzen nachsuchte. Diese Abgabenfreiheit wurde aber nicht immer gewährt, und wenn ja, so stets nur auf wenige Jahre, nach deren Ablauf die Konzession von neuem nachgesucht werden mußte, was jedesmal mit Risiko und Unkosten verbunden war. Seit nun vor kurzem der Jnlandszoll bis auf 1 Perzent ermäßigt wurde, ist ein wesentliches Hemmnis beseitigt und es scheint, als ob in ganz kurzer Zeit eine Anzahl größerer und kleinerer Fabrikationen ins Leben gerufen werden wird. In jüdischen Händen war bis vor kurzem außer den großen Weinkellereien von Rischon-le-Zion und von Sichron- Jacob nur eine Eisengießerei in Jaffa (Stein's) sowie einige Mahlmühlen im Lande. Neuerdings (1905) gründete Wilbuschewitsch eine Oelmühle bei Lydda, außerdem wurde in Jaffa eine Parfümfabrik (Geranium), eine Korkstoppelfabrik, eine Selter- Wasserfabrik und einige weitere kleinere Unternehmungen begründet. Zur Verwertung der Weintrester von Rischon baute der Ingenieur Klinker vor zwei Jahren (1904) eine kleine Fabrik. In Jerusalem wird zur Zeit eine größere Mahlmühle gegründet rc. rc. Alles in allem kann man annehmen, daß die industrielle Betätigung der Juden, nachdem die ersten Versuche recht gut geglückt sind, sich von Jahr zu Jahr mehr ausdehnen wird und damit würde zweierlei erreicht sein: Erstens bietet die Industrie die Möglichkeit einer Beschäftigung vieler Menschen mit verhältnismäßig wenig Kapital pro Arbeitskraft. Zweitens aber käme damit die gesamte jüdische Kolonisationstätigkeit in ein gesünderes Fahrwaffer. Denn das Hauptkontingent der jüdischen Auswanderer und der Juden überhaupt eignet sich wohl unmittelbar oder nach kurzem Uebergangsstadium zu industrieller Betätigung, selten aber zu landwirtschaftlicher Kolonisation. Und wenn bisher ein solches Mißverhältnis bestand zwischen Anstrengung und Kostenaufwand einerseits und andererseits dem Erfolg der jüdischen Ackerbaukolonisation in Palästina, so lag das in der Hauptsache eben daran, daß man sich nicht genug über die speziellen Vorzüge und die speziellen Mängel des jüdischen Einwandererelements klar geworden war. Jüdische Kolonisation kann nicht in die Richtung gezwungen werden, in der sich die Kolonisation anderer Völker ganz von selbst vollziehen mußte, sondern — abgesehen von den wenigen Fällen, in denen es sich bei uns um an Ackerbau gewöhnte oder ackerbaufähige Elemente handeln kann — unsere Kolonisation muß bestrebt sein, aufdem Wege über Handel und Industrie einen entsprechenden Bruchteil der Nation allmählich zu landwirtschaftlicher Betätigung überzuführen. New-Nork. Beide Häuser des amerikanischen Bundeskongreffes haben kürzlich ohne Debatte und einstimmig eine Resolution angenommen, in welcher erklärt wird, daß das Volk der Vereinigten Staaten entsetzt ist ob der Berichte über das Niedermetzeln von Juden in Rußland ihrer Rasse und Religion wegen und daß die Unglücklichen das herzliche Beileid des ganzen Volkes der Vereinigten Staaten besitzen. Man sagt schwerlich zuviel, wenn man behauptet, daß der Kongreß damit im Sinne des amerikanischen Volkes gesprochen hat, und wenn er die Resolution unterschreibt, kann Präsident Roosevelt das tun in der festen Ueberzeugung, dabei die ganze Nation hinter sich zu haben. Zweifel an der Ratsamkeit solchen Borgehens, wie sie bei ähnlichen früheren Gelegenheiten austauchten, scheinen jetzt ausgeschlossen, und wenn die Resolution ihr unangenehm ist, so hat sich die ruffische Regierung dafür bei sich selbst zu bedanken, denn wenn sie die Greuel auch nicht geradezu anstistete, so ist sie offensichtlich doch dafür verantwortlich, dank ihrer zweideutigen Haltung, durch welche der Pöbel und die niederen Militär- und Polizeibehörden zu dem Glauben verleitet oder darin bestärkt wurden, die Regierung sehe die Judenverfolgungen nicht ungern und die Teilnehmer hätten keine Strafe zu befürchten. Im Anschluß an die Mitteilungen über die Kongreßresolutiou wird in der darüber berichteten Depesche aus Washington noch gesagt, seit den jüngsten Judenmetzeleien habe die Regierung verschiedene Anfforderungen, etwas für die russischen Juden zu tun, erhalten und erwogen, doch sei es dem Präsidenten Roosevelt nicht möglich gewesen, einen gangbaren Weg zur Hilfeleistung zu entdecken. Es scheine, daß die amerikanische Regierung nicht imstande sei, irgendwelche Schritte zur Besserung der Lage der Juden in Rußland zu tun. Auch der Kongreß sei machtlos. Das ist natürlich richtig; wie die übrige zivilisierte Welt muß auch Amerika den ruffischen Zuständen gegenüber sich mit der Zuschauerrolle begnügen. Irgendwelches Einschreiten ist ausgeschloffen. Vermischtes. Spenden: Von Herrn Ludwig Pollak f. A. für zehn Wohltat» gkeitsinstitute. (Die Zinsen sind jedes Jahr am Sterbetage zur Verteilung zu bringen) K 85.850.— „ „ R. C. anläßlich seines Rücktrittes zum Judentum für wohltätige Zwecke ... „ 100.— „ „ Josef Hartwig für die russischen Juden . „ 10.— „ Frau Ernestine Lindenheim-.Schwarz anläßlich des Jabrzeitstages nach ihrem Vater Abraham Schwarz s. A. . . . . . . „ 10.— „ Herrn Doris Arminger für den israelitischen Knabenhort m der Brigittenau . 6.— „ „ F. Ernst für eine arme Kranke.. 5.— „ „ F. Ernst für eine arme Kranke.* 5.— Bethausspenden. Im Leopoldstädter Tempel: Von I I Personen L 286.—. Im Bethause Währing: Von 7 Personen L 31.—. Wien. (Verlobung.) Fräulein Fanny Fuchs, Tochter des Herrn Religionslehrers Benjamin Fuchs, hat sich mit Herrn Max Goldberger verlobt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 12. August l. I. um halb 3 Uhr nachmittags findet im Tempel, I., Seitenstettengaffe 4, die Trauung des Fräulein Mathilde Hart mit Herrn phil. Dr. Emil Krakauer statt. Wien. (Spende.) Für die arme Mutter mit ihren sieben minderjährigen Kindern, deren Gatte, respektive Vater verschollen und die sich in drückendster Notlage befindet, erhielten wir laut Aufruf in Nummer 24 unseres Blattes vom Herrn Jakob Dub in Pilgram K 5.—. Wien. Der „Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studierender" ladet die Herren Advokaten, Aerzte, Philosophen, Gerichtspersonen, Techniker rc., welche eine Unterstützung für Rigorosen und Promotionstaxen, Kollegiengelder und Prüfungstaxen vom Vereine erhalten haben, ein: a) dem Vereine als Mitglieder beizutreten (jährlich 5—10 Kronen), b) die empfangenen Beträge zurückzuzahlen, wozu sie sich mit ihrer Unterschrift verpflichtet haben, o) ungesäumt ihre Adrrffe und

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