Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 32 (10.8.1906)
- Date
- 1906-08-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Veite 538 Dr. Blocb's MlocbenscbrM. Nr. 32 Artillerie, die u. a. die Obersten Francfort, Krebs, Meyer- Samuel, Lucas, einen Oberstleutnant Borchard, die Majore Isidor, Levy, Ely, Bloch, Meyer, Katz, Kahn, Marcus, Aron, Cahen und Fraenkel und die Kapitäne Grünfelder, David, Levy, Libermann, Coblentz, Magnus, Adam-Salomon, Weil und Baron answeist. Der Name Levy kommt im französischen Offizierskorps nicht weniger als 90mal vor, der Name Meyer 70mal, der Name David 79mal, Bloch 47mal, Jacob 36mal, Jsaac 6mal und Simon 121mal Es gibt ferner 4 Nathan, 3 Cohen, 1 Davidsohn, 2 Jacobsohn, 5 Loevy (beziehungsweise Loeb, Loewe, Loew), 3 Oppenheim, 1 Gerson, 2 Barone Rothschild, 5 Katz, 10 Kaufmann usw. In der Generalität scheinen zur Zeit nur die Namen Heimburger, Feldmann und Libermann auf israelitische Abstammung ihrer Träger hinzudeuten. Die Aktiv«-er Pariser Alliance Israelite Universelle für die bedrohten Juden in Odessa. In Verfolg des Gesuchs, das vom Zentral-Komitee der Alliance Israölite Universelle im Interesse der vom Aergsten bedrohten Odestaer Juden an den französischen Minister des Aeußern gerichtet worden ist, hatte der Präsident der Alliance, Narcifse Leven, da der Minister aus Urlaub ist, mit dem Direktor der politischen Angelegenheiten eine längere Unterredung. Der Minister erklärte, daß die Regierung Informationen erhalten hätte, die lediglich auf Mitteilungen der französischen und englischen Konsuln beruhen und die darin übereinstimmen, daß die Bewegung, die in Odessa eingesetzt habe, augenblicklich zum Stillstand gekommen sei. Infolge dessen liege für die Entsendung von Schiffen zur Aufnahme von Flüchtlingen kein unmittelbarer Anlaß vor. Ueberdies sei diese Maßnahme nicht leicht zu nehmen. Ohne Präzedenzfall, könne sie leicht als eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes gedeutet werden. Jedenfalls werde der Minister den angeregten Schritt im Auge behalten und werde wohlwollend prüfen, wie weit der Anregung Folge zu geben sei. Hiezu sei bemerkt, daß der Grund für das außergewöhnliche Ansuchen der Alliance Jsraslite wahrlich nicht unbedeutend gewesen ist. Wenn man sich erinnert, welche entsetzlichen und verheerenden Greueltaten vor wenigen Monaten an der jüdischen Bevölkerung von Odessa verübt worden sind, so wird man die Unruhe begreifen, die durch die ersten Anzeichen eines neuen Pogroms in Odessa hervorgerusen werden mußte. Neueren Nachrichten zufolge ist durch die beklagenswerten Vorkommnisse vom 24. und 25. Juli nicht nur eine größere Zahl Läden und Wohnungen demoliert und ausgeraubt worden, sondern nicht weniger als sechs blühende Menschenleben, alles junge Arbeiter, find den Pogrombeschützern zum Opfer gefallen. Zwei, Gewert und Trebelew, wurden auf der Stelle getötet, die anderen starben in den darauffolgenden Tagen im Krankenhaus. Die höchsten Beamten des Odessaer Militärbezirks machten ihnen im Krankenhause Besuch und forschten sie aus. Das hinderte aber nicht mehr, daß sie an den Kosakenkugeln verbluteten. Wie in Bialystok griff das Militär ein, sobald sich die Juden der Ausplünderung widersetzten. Daß ein Haufe echt russischer Männer armen Uhrmachern, Strumpfwirkern, Wäschern und Färbern das letzte Hab und Gut raubte, ließ das Militär gleichgiltig. Das sollte vielmehr eine gerechte Rache dafür sein, daß zufällig einmal ein einzelner Kosak seine Niedertracht mit dem Leben gebüßt hatte. Es steht fest, daß der Kosak Wassili Schurawlew in ein Handgemenge geriet, als er mit dem Rufe: Nieder mit den Juden! durch die dicht besetzten Gassen ritt. Nicht erwiesen ist, daß Juden es waren, die ihn erschlugen. Wenn diesmal das weitere Umsichgreifen des Pogroms verhindert wurde, so ist das wohl zumeist dem einsichtigen entschlossenen Eingreifen des Stadtgouverneurs Generalmajor Grigorjew zuzuschreiben, der nicht müde wurde, in den bedrohtesten Stadtteilen persönlich die Volksmengen zu beruhigen. Das Auftreten des Oberbefehlshabers Baron Kaulbars, der an die in das jüdische Krankenhaus Gefluchteten eine Beschwichtigungsansprache hielt, hätte kaum Eindruck gemacht, auch die Versicherungen des zeitweiligen Generalgouverneurs, Generalmajor Karangosow, hätten kaum irgendwo Glauben gefunden. Richtig ist, daß, solange es diese obersten Spitzen nicht wünschen, ein Pogrom nicht in die Erscheinung treten wird. König Oskar über die Pogrome. Berlin. Aus dem schwedischen Seebade Marstrand wird gemeldet: In einer Audienz beim König Oskar überreichte ein Mitarbeiter der „Frankfurter Zeitung" einen „Offenen Brief an die Staatsoberhäupter" über die russischen Judenmassakres. Offenbar den kürzlich erschienenen „Offenen Brief" des Doktor Wilhelm Münz in Gleiwitz. Der König bedauerte die Pogrome, erklärte aber, er könne nichts dagegen tun. Schweden müsse auf seinem exponierten Posten gegenüber Rußland sehr vorsichtig sein. Er müsse alles seiner Regierung überlassen, der er diesen „Offenen Brief" vorlegen wolle. Vorbereitung von Judenmassakres in Sebastopol. In Sebastopol bereitet man, wie der „Daily Mail"- Korrespondent in einem am Dienstag aufgegebenen, aber erst heute eingetroffenen Telegramm mitteilt, neue Judenmassakres vor, um die Aufmerksamkeit der Bevölkerung von den Meutereien abzulenken. Gedruckte Proklamationen, in denen aufgefordert wird, die Juden totzuschlagen, sind in beinahe einer halben Million Exemplaren verbreitet worden. Es zeigt sich sogar, daß diese Flugzettel in der amtlichen Druckerei des Militärgouverneurs von Sebastopol gedruckt worden sind. Das jüdische Schutzkomitee hat ferner schriftliche Beweise dafür, daß die Massakres, die an mehreren Plätzen in Beffarabien kürzlich stattfanden, von Sebastopol aus kommandiert und geleitet worden sind. Die Opfer der Judenmassakres. Berlin. Aus Hamburg wird der „Bossischen Zeitung" berichtet: Ein eigenartiger Transport russischer Auswanderer, nämlich 108 jüdische Waisenkinder, deren Eltern bei den Metzeleien in Rußland ermordet worden sind, hat vor einigen Tagen die russische Grenze überschritten, um durch die Fürsorge der jüdischen Komitees Unterkunft in Oesterreich, Deutschland, England und Amerika zu finden. Ein Teil dieser Waisenkinder ist in Wien, ein anderer Teil in Berlin bereits untergebracht worden, die übrigen Kinder, 71 an der Zahl, Knaben und Mädchen im Alter vom 11 Monaten bis 18 Jahren, sind nach viertägiger Reise am Dienstag in den Auswandererhallen der Hamburg-AmerikwLinie auf der „Veddel" angekommen, wo sie Aufnahme fanden. Der Führer des Transports, Herr Kahan, und dessen Frau sorgten während der langen Fahrt für das Wohlergehen der Kinder. Alle Kinder haben die Strapazen gut überstanden. Das jüdische Komitee hat strenge Weisung gegeben, daß Geschwister nicht getrennt werden dürfen. Das ist natürlich vielfach mit großen Schwierigkeiten verbunden, da verschiedentlich vier, fünf und sechs Waisen einer Familie vorhanden sind. Von den 108 Kindern stammen 24 aus Jekaterinoslaw, 16 aus Odessa, 16 aus Kiew, 5 aus Kischenew, 34 aus Bialystok, 3 aus Kallarasch und 10 aus Sinjenowska. Sie werden durch das Komitee in Familien in Straßburg, München, Frankfurt am Main und anderen deutschen Städten sowie in London und New-Iork untergebracht werden. Die Industrie Palästinas?) Von David Trietsch, Jaffa. Wie im ganzen türkischen Reiche, so ist auch in Palästina die Industrie bisher noch sehr wenig entwickelt. Außer einigen primitiven Industrien wie Mahlmühlen, Oelmühlen, Handweberei, Färberei, Töpferei rc., die meist nur lokale Bedeutung haben, kam bisher von Jndustrieprodukten Palästinas wohl nur *) Mit Genehmigung des Verfassers, nach dem in Druck befindlichen Palästina-Handbnch II (über die allgemeinen Landesverhältnisse), Berlin 1906, Orient-Verlag).