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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-08-10 · 32 (10.8.1906) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
32 (10.8.1906)
Date
1906-08-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 633 Dr. Llocv's Mlocdenscbnn. Nr. 32 er uns als seine Unterstützung angibt, wo mögen die nur her sein? Wird denn Vergani außerhalb seiner Partei noch Zeugen finden? Wir fürchten leider, daß wir wieder den ehrenwerten, alten Bekannten begegnen werden, dem Kilometergucker Pesak und all den beeideten Märchenerzählern aus dem Hilsnerprozeß, deren krasse Widersprüche die Lammsgeduld des Staatsanwaltes mit Lächeln hinnahm. Wir bitten aber den Ehrenbürger, nicht zu fackeln. Wir warten nun schon jahrelang aus einen Schuldbeweis für Hilsner, und da wir keine antisemitischen Bluthunde sind, sondern Menschen, so beunruhigt es uns, einen vollkommen Unschuldigen aus Lebenszeit im martervollln Kerker zu wissen. Auch betreiben wir Studien an Idioten des Ritualmordglaubens. Vergani, Ehrenbürger! Wir möchten unseren guten Schlaf wieder haben, unseren Wissensdurst befriedigen. Heraus mir den Geheimnissen des Antisemitenhofes, mit den Beweisen von Hilsners Schuld! Wenn sie, wie die bisherigen, von Schwer geschrieben, von Schneider stampigliert und von Vergani beglaubigt sind, wird jeder Mensch daraus die Wahrheit erkennen, —j Das neue Gewerbegesetz. Von Oberlehrer L. R i e s e n f e l d in Ung.-Brod. „Für den kleinen Mann muß was geschehen!" So hieß es allgemein vor mehr als zwanzig Jahren, „der jüdische Schwindel nimmt ihm die Existenz". Der kleine Mann! Vor Jahrzehnten arbeitete derselbe noch mit vielen Gesellen und Lehrbuben im Schweiße ihres Angesichtes, das Handwerk hatte einen goldenen Boden, der brave Mann konnte schon um 10 Uhr seinen Rostbraten nebst zwei Krügeln Schwechater sich zu Gemüre führen. Da begann der jüdische Schwindel eine unerträgliche Konkurrenz und der kleine Mann verlor den Boden unter den Füßen. Allerdings mußte er sich gestehen, die Absperrung der rumänischen Grenze gegen österreichische Jndustrieprodukte haben die Juden nicht verfügt, der Export in die Levante ist Sache des Handelsministers, unsere Minister verstehen es nicht, gute Handelsverträge zu machen, aber es bleibt noch genug, um es den Juden zur Last zu legen. „Wir wollen klug beraten," hieß es, wie einst in Egypttn. Organisation der Gewerbe, horizontale Gliederung der Gesellschaft, Genossenschaft, B'cfähigungsnachweis für Lehrlinge. Die Juden wollen ja nicht arbeiten, nur schachern, auf unsere Kosten bequem leben, also Befähigungsnachweis! Ohne solchen gibt es keinen ordentlichen Handel in Kleidern, Schuhen u. dgl. Nach mehr denn zwanzig Jahren erschallt dieselbe Klage, der kleine Mann jammert wie einst und abermals wird ein egyptisches Rezept hervorgesucht. „Man muß ihnen die Arbeit erschweren." Der Befähigungsnachweis für Lehrlinge reicht eben nicht aus, es muß Gesellen- und Meisterprüfung hinzukommen, dem jüdischen Schwindel muß man an den Leib rücken. Gemach, ihr Herren, durch Lernen und Arbeit werdet ihr den Juden nicht unterkriegen. Fügt ihr zu der Lehrlingsdie Gesellen- und Meisterprüfung, der Jude legt euch kein Hindernis in den Weg. Ein Volk, das die Arbeitspflicht in den Dekalog, die Grundlage der Religion, ausgenommen, ttn Volk, das für Glaube, Wahrheit, Erziehung denselben Ausdruck (Emunah) hat, einem solchen Volke ist auf diesem Wege nichis anzuhaben. Eure egyptischen Vorbilder verstandenes vor züglich, Hindernisse herbeizuschaffen. „Stroh wird ihnen nicht mehr gegeben und doch muß dasselbe Quantum an Ziegeln geliefert werden". So wurde dekretiert. Es half nichis und Väterchen in Egypten mußte einen Pogrom veranstalten. „Alle neugeborenen Knaben müssen ins Waffer geworfen werden". Die egyptischen Holigans erfüllten kostenlos den königlichen Auftrag. Väterchen in Petersburg sieht mit Neid aus sein großes Vorbild in Egypten. Wie viele Rubel, wie viel Branntwein kosten doch die heutigen Holigans! Und erst die Agrarfrage? Da will sich doch gar keine Lösung finden. Land wollen die Bauern, Krongüter sollen zum Opfer fallen. Wie ganz anders erging es doch seinem einstigen erlauchten Bruder in Mizrajim. „Als der Hunger ins Land kam, brachten die Leute zunächst alles Geld, dann alles Vieb und zuletzt baten sie: „Kaufe uns und unseren Grundbesitz für Brot, wir und unser Erdreich wollen Knechte dem Pharao sein." Das war eine Zeit, da lohnte es sich noch, Autokrat zu heißen; aber heute? Nestroy sagte: Man weiß nicht, ist man ein Gott oder ist man keiner. Krvngüter hergeben, Kontrolle üben, alles offen bekritteln, ein Glück noch, der Klerus wankt nicht, dem Militär ist nicht zu trauen, aber die Orthodoxie steht ungebrochen mir zur Seite. Aber dasselbe war im alten Egypten auch der Fall. Eine Hand wäscht die andere, damals wie heute. „Nur den Grundbesitz der Priester kaufte der König nicht, denn die hatten ihr Festgesetztes von Pharao und sie genossen ihr Festgesetztes." Also Autokratie und Orthodoxie waren im alten Egypten viel besser gefügt als im heutigen Rußland, und doch gab's hier wie dort eine Mandschurei, und so wie in Egypten die Befreiung der Unterdrückten erfolgte, so wird auch in Rußland eine Stunde der Erlösung schlagen. Bei uns möchte man gerne ohne Pogrom zum Ziele gelangen. Man kokettiert zwar ein wenig mit solchen Dingen, aber man weiß, ohne Regierung ist derlei nicht durchzuführen. Es ist auch zu gefährlich, in einem von Nationalitätenkämpfen zerwühlten Lande die rohe Faust walten zu lassen. Hat die Bestie erst Blut geschmeckt, so verlangt sie kein Ursprungszeugnis vom Blute mehr und mordet, wo sich eben die Gelegenheit bietet. Darum ist man bei uns bescheidener und hofft, man werde auf gesetzlichem, ganz legalem Wege ans Ziel gelangen. Der Weg ist legal, aber er führt auch nicht an's Ziel. Die Juden werden lernen, während ihre nichtjüdischen Berufskollegen bei Gollasch und Schwechater über den Niedergang des Gewerbes jammern werden trotz — Gesellen- und Meisterprüfung. Somit etwas anderes aussinnen. Frisch Bier, meine Herren! Ein Verein der Sabbatfreunde. Sehr geehrte Redaktion! Gestatten Sie mir, die Spalten Ihres geschätzten Blattes für eine Frage in Anspruch zu nehmen, die zu den wichtigsten Problemen des jüdischen Lebens gehört und deren Besprechung man sich nicht länger entziehen kann. Da die Anregungen, die in Ihrem Blatte gegeben wurden, schon so oft von dem schönsten Erfolge gekrönt waren, so darf ich hoffen, auch mit dieser Besprechung die Aufmerksamkeit Ihrer Leser zu erregen und Ihr Herz für diese Anregung empfänglich zu machen. Bekanntlich haben sich in den Großstädten Deutschlands, mit Rücksicht auf den zunehmenden religiösen Jndifferentismus, die gesetzestreuen Kreise zu einem Verbände vereinigt, der sich unter anderen segensreichen Zwecken die hochwichtige Aufgabe stellte, jüdischen jungen Leuten, die den Sabbat und die jüdischen Festtage heilig halten wollen, Stellen zu verschaffen, in denen ihnen in dieser Beziehung keine Hindernisse entgegentreten. Daß dies in Oesterreich-Ungarn nicht minder dringendes Bedürfnis ist als in Deutschland, kann von niemandem geleugnet werden. Merkwürdigerweise ist man hier bis nun an die Gründung eines solchen Vereines nicht herangetreten. Wer die jüdischen Verhältnisse in Oesterreich-Ungarn kennt, weiß, wie erschrecklich die religiöse Verflachung hier fortgeschritten ist, welche Dimensionen die Sabbat-Entweihung angenommen hat, wie bei einem großen Teil des jüdischen Kaufmannsstandes, besonders in den größeren Städten, der Sabbat bis zur Nebensächlichkeit herabgefunken, seine Entweihung des sündhaften Charakters gänzlich entkleidet worden ist. Es liegt gewiß nicht in meiner Absicht, auf jede einzelne der traurigen Verirrungen näher einzugehen, wie sie bei manchem so üppig hervortreten, wo die Religion überhaupt das letzte ist, was zur Berücksichtigung gelangt. Allein, auf was ich besonders zu sprechen kommen muß, das sind die verderblichen Folgen der geschilderten traurigen Zustände für unsere im kaufmännischen Betriebe großwerdende Jugend, die Konsequenzen, die sich für die jüdische Gesamtheit daran knüpfen. Wahrlich! die Zeichen der Zeit rehen eine genug vernehmliche Sprache. Die Erfahrung bestätigt es, daß jüdische junge Leute, Söhne streng religiöser Eltern, die hinaus in die Fremde wandern, trotz ihrer gewissenhaften jüdischen

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