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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-08-10 · 32 (10.8.1906) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
32 (10.8.1906)
Date
1906-08-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Sir. 32 Dr. Dlocb's MoebenscvrM. Sette 531 Das ist der kleine fteui der großen Erzählung über polnische Loyalität. Wir glauben aber, daß dieser Pferdefuß, der plötzlich herausgesteckt wird, nicht einem klugen, sondern einem armen Teufel gehört. Hält Herr Professor Glombinski die galizischen Juden für schwachsinnig? Ihr Elend und ihre stetige Massenauswanderung beweisen, mit welchem Erfolg sich die Stanczykenpartei um die gesellschaftliche und materielle Hebung der Juden bemüht habe. Wenn auch Glombinski leise droht, indem er sagt, die Kandidatenfrage werde hoffentlich im Einklänge mit den polnischen, nationalen Interessen gelöst werden, so ist doch das Vertrauen auf die Rechtskraft im Staate noch so groß, daß jeder Jude ungescheut dem Gebote seiner Ehre und Klugheit und nicht dem Gebote der Kommission folgen kann und wird. Prügel und Verachtung werden nicht noch mit Stimmzetteln quittiertidealster Herr Professor, und wenn Sie oder ein anderer Gesinnungsgenosse Lust haben, Moschko zu ihrem politischen Kammerdiener für den Reichsrat zu machen, so werden Sie hoffentlich wenig Glück haben. Diese erznaive Fopperei, daß irgend ein Jude auf einen verlorenen Kandidatenposten m christlichen Wahlbezirken herausgestellt wird, während ein Christ sich mit innerem Lachen das Mandat von den Juden holt, die ehrlich ihren Pakt halten — diese lächerliche Zumutung konnte man uns vor zehn Jahren stellen. Wir haben lange genug an die Möglichkeit und Aufrichtigkeit einer Assimilation geglaubt, nun sind aber unsere Ohren schon lang genug, daß wir auch die Stimme der Vernunft hören. Leute werden gesucht, die genug Naivität besitzen, um dein Professor Glombinski zu vertrauen. Mitten im Zeitalter Luegers wollen also die Stanezyken Juden in katholischen Wahlkreisen aufstellen. Spät kommt die Liebe, doch sie kommt. Bis jetzt ist es dem Klub nicht eingefallen, das schändliche Verbrechen gegen den polnischen Herrgott zu begehen und etwa einem nationalisierten Juden, der zu 101 Perzent Pole war, vom Judentum keine Ahnung besaß, in einen christlichen Bezirk hereinzulassen. Byk, Zucker, Gottlieb, Kolischer, Piepes, Poratinsky usw. waren ergebenste Knechte des Polenklubs, sie haben chm unschätzbare Dienste politischer und materieller Natur erwiesen, sie waren Polen, Polen, nichts als Polen und trotzdem hat man sie immer nur an jüdische Wahlkreise gewiesen, mau hat bis jetzt nicht einmal im Traum daran gedacht, einen Stanezyken ihretwegen zu entthronen. Auf einmal aber ertönt das flötende Liebeswort: Was Dein ist, ist mein, und was mein ist, ist Dein — nur daß bloß der erste Teil davon wahr werden soll. Was gibt nun Herrn Professor Glombinski den Mut zu seinem kühnen Ansinnen. Er erzählt wohl, daß man die jüdischen Wahlbezirke für die Juden sicher macht, in dem man ihnen christliche Dörfer wegnimmt. Tatsächlich ist das Umgekehrte der Fall. Man schachtelt christliche Orte in jüdische Wahlkreise ein, wie z. B. in Kolomea, um die jüdische Majorität möglichst klein zu halten. Das Uebergewicht glaubt man dann leicht durch ein bißchen Terrorismus wettmachen zu können. Die galizischen Juden werden hoffentlich beweisen, daß dieser Glaube ein Aberglaube ist. Hoffentlich weckt Glombinskis Ansinnen überall die gleich helle Empörung. Diese Mißachtung muß am Wahltage beantwortet werden. Der letzte Wähler muß an die Urne, dem jüdischen Volke Oesterreichs seine Fürsprecher, seine Verteidiger zu schenken. Eine schicksalsschwere Zeit wird das sein. Glombinski und Genossen hätten auch dann ein entschiedenes Nein 1 zur Antwort bekommen, wenn sie uns einen der jüdischen Diener fremder Herren als Vertreter aufschwatzen wollten. Hinaus mit diesen Leuten, unter deren Augen, ohne deren Protest wir beinahe erdrosselt wurden! Jetzt sollen noch Christen als jüdische Jnteressenvertreter heran, die keinen Hauch von Verständnis haben, während die Notwendigkeit nach radikalen, bewährten Juden schreit, die weder nach rechts noch nach links zu schauen haben, wenn sie für das Judentum auf den Kampfplatz treten. Derlei Versuchen muß es bald und deutlich entgegenrufen: Hauds off vom Judentum! I. Uprimny. Vom Zabrmarkt des Lebens. Das Geheimnis des Antisemitenhofes. In der vorigen Nummer haben wir dem führenden Organ der Lügenpresse auf die krummen Finger geklopft, in welchen es ein angeblich wichtiges Dokument aus dem Fall Hilsner triumphierend emporhielt. Es war dies ein Brief jenes Doktor Bulowa, den der Zorn über die antisemitische Menschenhetze zu immer neuen Angriffen auf die Verbrecher an der österreichischen Justiz anspornte. Wir bemerkten gleich, daß Dr. Bulowa ganz auf eigene Faust vorging und die eigentliche Verteidigung Hilsners nur empfindlich störte. Das „Deutsche Volksblatt" ist bemüht und wendet seine virtuose Kunst der Fälschung an, um zu beweisen, daß Dr. Bulowa sich gegen irgend einen Paragraphen der Strafgesetzordnung verging, indem er auf Zeugen Einfluß nahm oder dergleichen. Wie frech dieser Vorwurf ist, beweist der Umstand, daß Dr. Bulowa nur aus preßpolizeilichen Gründen eine geringfügige Geldstrafe erhielt, obwohl der Staatsanwalt sofort bei der Hand war, wenn es galt, einen Anwalt des Hilsner zu verfolgen. Der fragliche Brief ist auch absolut nichts weiter als die Aufforderung an einen eventuellen Zeugen (welcher nicht aussagte), die reine und volle Wahrheit zu sagen. Wir haben das Schreiben vollinhaltlich gebracht, um seine Harmlosigkeit zu zeigen, welche auch durch seine einfache Kenntnisnahme seitens des Piseker Gerichtshofes bewiesen wird. Das Organ des Ehrenbürgers tat nun so, als wäre durch Bulowa das Verbrechen begangen worden, den Gang der Verhandlung zu beeinfluffen und Zeugen für ihre Aussagen zu bearbeiten. Ist das nicht die höchste Unverschämtheit und Unverfrorenheit? Das Verbrechen ist nämlich wirklich und in kraffester Weise geschehen, aber nicht durch den Brief Dr. Bulowas, sondern durch die private Untersuchungskommisfion, welche Zeugen noch im Gerichtssaal terrorisierte und an deren Spitze Hans Arnold Schwer, ein Redakteur des „Deutschen Bolksblattes", stand. Ganz Europa staunte und jedem anständigen Oesterreicher stieg darob die Schamröte ins Gesicht, daß die österreichische Justiz im Falle Hilsner unter antisemitischem Befehle stand, unter dem Diktat des Ernst Schneider, des Schwer, des Sadil und Vergani. Niemand wußte dafür die Erklärung, bis die Schneider'sche Erklärung von der Bestechung des damaligen Justizministers Ruber herauskam. Und dieses „Deutsche Volksblatt", welches die Hauptschuld und Leitung der antisemitischen Verbrechen an der Justiz hatte, wagt es nun, mit der Gewandtheit einer giftigen Reptilie und mit verkommener Moral einen Unschuldigen dessen zu bezichtigen, was es selbst und niemand anderer begangen hat. Die Hüter der christlichen Moral mögen stolz sein auf diesen frechen Schwindel! Diese Leute dürfen sich solche Sachen leisten, denn sett jenen Tagen in Polna und in Pisek dürfen sie sich mit vollem Rechte als Herren der österreichischen Justiz fühlen, die stärker find als die Gesetze. Wir ftagten den Staatsanwalt, wieso es kommt, daß ein Akt aus dem Hilsnerprozeß, wie der Brief Bulowas, in die Redaktion des „Deutschen Volksblattes" komme. Nun rühmt sich das Organ des dummen Kerls mit dem Stolze von Einbrechern, denen ein großer Diebstahl gelungen ist, in einer Antwort auf unseren Artikel, es sei vom Revifionsrummel der „Allianz" nicht überrascht, sondern verrate nun das Geheimnis, daß es im Besitze noch mancher Dokumente sei, die auf den Hilsnerprozeß und die versuchte Revision ein grelles Schlaglicht werfen und die man zu gelegener Zeit der Oeffentlichkeit übergeben werde. Das Material werde sich nicht auf Vermutungen, sondern auf Aussagen beeideter, ehrenwerter Personen stützen. Das kann gut werden. Hoffentlich kommt die gelegene Zeit für die BordereauS und anderen Fälschungen des „Deutschen Volksblattes" recht bald. Heraus mtt eurem Flederwisch und zugestoßen! Wir find überzeugt» daß es bessere Beweise für Hilsners Unschuld nicht gibt, als die Schuldbeweise des Ehren» bürgers aus der Pfistererpartei. Die ehrenwerten Leute, dis

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