Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 32 (10.8.1906)
- Date
- 1906-08-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 5S0 Nr. 32 L)r. Llocv s Mzocvenscvnn. Für manchen Religionslehrer ist der Sprachunterricht im Hebräischen bequemer und erfordert weniger geistigen Aufwand, als etwa ein Vortrag : über das Wesen und die Lehre des Judentums. Manchmal scheint es sogar, daß die Prüfung, über eine grammatische Formel in der Hand des Religionslehrers zu einem diskreten Diszipliuarmittel.(?) wild, um einen mißliebigen Schüler zu Falle zu bringen! Das ist gewiß nicht geeignet, im Herzen des betroffenen Schülers Liebe und Anhänglichkeit für das Judentum und die Religion zu erwecken. Also nicht eine Beseitigung des Religionsunterrichtes für die Jugend über das 14^ Lebensjahr; auch nicht eine Reform des Lehr- und Unterrichtsplanes — ist erforderlich, sondern eine erhöhte strengere Kontrolle für die Beobachtung und genaue Einhaltung der „Instruktion". Ein gedrucktes Exemplar jener von Herrn Dr. M. Steiner erwähnten „Instruktion" sollte auch den Familien zugesendet werden, deren Söhne eine Mittelschule besuchen. Das sind doch keine übertriebenen Forderungen, aus ihnen dürste dem Judentum keine Gefahr erwachsen, sondern der Vorteil, daß dadurch, vielleicht manchern Mißbrauch vorgebeugt würde. Mit vorzüglichster Hochachtung Ein mehrfach „Geprüfter". Cwe gallische Hiedeserkliirrrrrg. Behüte uns Gott vor unseren Freunden, vor unseren Feinden werden wir uns schon selber schützen — dieses alte Stoßgebet ist ein häufiges Gebet der politisch kämpfenden Juden. Wir haben leider aus der Gewöhnung des Schutzjudentums die Neigung behalten, unsere politischen Spaziergänge an der Hand christlicher Erzieher zu machen. Und wir haben wenig moderne Schulmeister; keine, die uns sagen, wir sollten unser Recht vorsichtig, aber fest vertreten; sollen den Nacken steif halten, wenn wir reden; sollen uns fest zusammenschließen, wenn wir kämpfen. Sondern die Hauptworte, die auf der Flut der Lehren schwimmen, sind die Worte: Bescheiden, verschwinden und schweigen. Unsere Freunde wollen unseren ratenweisen Selbstmord. Nun hätten wir aber von diesem Wahnsinn genug. Nachdem wir unsere Folgsamkeit mit Ritualmordprozessen, Ehrenkränkungen und einschränkenden Gesetzen genügend gebüßt haben, müßte die bisherige Führungsart der Geschäfte als Verbrechen bezeichnet werden, wollten wir sie beibehalten. Namentlich in dem heraunahenden Zeitpunkte, in welchem ein großes Stück politischer Macht zur Verteilung kommt und die härtere Faust das größere Stück erhält. Die so notwendigen jüdischen Sprecher und Anwälte vor Parlament und Regierung können und müssen bald gewählt werden. Aus dieses Recht müssen wir umso geiziger und eifersüchtiger sein, als die Wahlreform auch das Schwungbrett unserer ärgsten Feinde sein wird. Den galizischen Inden wird es zusallen, die wichtigste jüdische Repräsentanz in unserem Staatsleben zu wählen. Ihre Ehre vor ganz Europa, ihr Gewissen vor dem jüdischen Volke und ihre Pflicht gegen die eigene Wohlfahrt verlangen es gebietend, daß sie ihr Recht mutig und unbeirrt in Anspruch nehmen und nicht, den kleinsten Bruchteil davon vergeben. Bevor wir die freundlichen Ratgeber in dieser Sache beleuchten, werden wir einer gern gebrauchten Lüge den Garaus machen, welche durch etwa einjährige Seßhaftigkeit sich in vielen Kreisen Heimatsrechte erworben hat. Immer wurde und wird behauptet, daß bald nach Beginn der Wahlreformbewegung der Herr Dr. Byk voll Besorgnis um die jüdischen Interessen energisch vom Polenklub jüdische Mandate verlangt und infolge seines persönlichen Ansehens auch beinahe durchgesetzt hätte. Oh du heilige Geduld! Als gleich bei Beginn der Bewegung von zionistischer Seite das laute Verlangen nach Berücksichtigung der Juden erhoben wurde, da kämpften Doktor Byk und seine Genossen im Polenklub persönlich und publizistisch wie Verzweifelte dagegen. Da man aber den Mannder den ' antisemitischen Führer Liechtenstein im offenen Parlament um Verzeihung bitten mußte, und alle die Herren, welche nur über Oberbefehl des Klubs schweigen müssen und reden dürfen,, als - absolute Nullen betrachtete, so leitete man gegen ihre Absicht Massenpetitionen der Juden an die. Regierung ein. Die Regierung war guten Willens und bewilligte, ohne den Polenklub zu fragen. Wie erinnerlich war damals die Zeit der Feindschaft, die Zeit der großen Brutusreden der Polenführer. Die Ruthenen waren auch einverstanden und sy machte, der Polenklub aus der Not eine Tugend und bewilligte auch die jüdischen Mandate, um die Juden nicht gegen sich aufzuhetzen. Und Byk, der die jüdischen Hammel in den polnischen Stall treiben sollte, wurde von da bis zu seinem Tode.aller Art gefördert, um sein Ansehen bei den Juden zu fördern. Das ist die Geschichte der jüdischen galizischen Mandate und die wahre Tätigkeit Eyks in den Ausschüssen hat darin bestanden, daß von den elf berechtigten Wahlkreisen im Klub nur sechs bewilligt wurden. Byk ist tot, deßwegen muß aber die Wahrheit nicht auch sterben. Die Juden Galiziens müssen wissen, daß sie ihre Rechte nicht durch die Juden im Poleuklub, sondern gegen sie erreicht haben. Das mag die Grundlage ihres weiteren Vorgehens sein und sie werden daun sicher nicht ihre Vertretung in unberufene und faule Hände legen. Natürlich kann es nicht daran fehlen, daß Leute ohne jede Legitimation auftreten, welche sich um die Macht der galizischen Juden bewerben. Namentlich von polnischer Seite, wo man sehr bedacht ist auf seine Macht (erlernen wir das!) steigt so manche liebevolle Turteltaube auf, um den Falken zu fangen. Nach einem belanglosen Artikel des Stabsarztes Dr. Oswald Byk, in welchem dieser mit Gewalt versucht, seinen verstorbenen Bruder zum Politiker zu stempeln, ergreift der Lemberger christliche Professor Dr. Stanislaw Glombinski-Lemberg im „Slowy Polskie" das Wort über „Die Juden und die Wahlkreiseinteilung in Galizien". Herr Professor Glombinski gehört der polnischen Wahlreformkommission an und sein Wort muß gehört werden. Mit dem Befolgen ist es eine andere Sache. Den Inhalt seines Artikels kann man aber schon im vorhinein erraten, wenn man weiß, daß der Christ Glombinski ein Landtagsmandat aus jüdischen Händen empfing. Ist von diesem Herrn - eine Verteidigungsrede jüdischer Politik zu erwarten? Der Herr Professor tut denn auch nichts weiter, als daß er mit süßem Lächeln den „jüdischen Polen" — zur Mahlzeit erhält Moschko immer diesen Titel — zum Eintritt ins nationalpoluische Lager auffordert. Der Artikel unterstreicht in jedem Absatz das gerechte und freundliche Entgegenkommen der Polen für jüdische Interessen. Dagegen verrät er aus Ungeschicklichkeit, daß den galizischen Juden tatsächlich 11 bis 12 Mandate gebühren, von denen der gnädige Poleuklub nur sechs bewilligt?; zweitens, daß das parlamentarische Subkomitee zugunsten der Juden einschritt. Der Artikel verschweigt, daß die polnische Noblesse teilweise auf ruthenische Rechnung ging und vor allem, daß man der Not gehorchte und nicht dem eigenen Trieb. Man konnte doch nicht gewaltsam die Juden ins Lager der Ruthenen und Sozialdemokraten treiben. Das muß festgestellt werden, um jedes vorgeschützte Verdienst einer Partei um die freisinnige Wahrung jüdischer Rechte zurückzuweisen. Aus dieser falschen Voraussetzung einer Pflicht zur ' Dankbarkeit zieht der Herr Professor einen Trugschluß, der wohl nichts weiter Hervorrufen wird als Gelächter. „Aus einigen der obigen jüdischen Wahlkreise," sagt er, „kommen Nachrichten, daß dort keine jüdischen Kandidaten auftreten werden. Das entspricht durchaus den Intentionen unserer Wahlreformkommission. Im nationalen Interesse wäre es ' jedenfalls gelegen, daß in diesem oder jenem Wahlkreise mit jüdischer Majorität ein Nichtjude gewählt werde, dagegen aber, daß in Bezirken mit jüdischer Minderheit ein Pole mosaischer Konfession gewählt werde?