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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-08-03 · 31 (3.8.1906) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
31 (3.8.1906)
Date
1906-08-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 520 Dr. Vlocb's Mocbenscvrm. Nr. 31 bad eine Trauecfeier für Bialystok veranstaltete. Den Höhepunkt der Feier bildete die Predigt Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Goldberger, dessen folgerichtige, von wunderbaren Bibel- und Talmudstellen durchsetzte Darlegungen allen Anwesenden sehr gefielen. — Unter die Leitung Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Goldberger hatte sich auch jenes aus Kurgastkreisen gebildete Komitee gestellt, welches für Sonntag den 22. v. M. eine große öffentliche Versammlung mit der Tagesordnung „Bialystok" in das neuerbaute Etablissement „Schloß Miramonte" einberief. Schon lange vor der festgesetzten Zeit, halb 4 Uhr nachmittags, war Saal, Veranda und Garten von einem dicht gedrängten, über tausend Köpfe zählenden, internationalen Publikum besetzt. Lautlose Stille trat ein, als Herr Rabbiner Dr. Goldberger die Estrade betrat und die Versammlung eröffnete. Nach einer Einleitungsrede des Vorsitzenden, über Zweck und Bedeutung der Versammlung erstattete Dr. Weisengrün aus Wien das Hauptreferat, welches, von allgemeiner Aufmerksamkeit begleitet, besonders bei den Hinweisen auf die russische Rente, sowie auf die materielle und soziale Judennot stürmische Beifallssalven erntete. Das Referat klang in der Notwendigkeit der zionistischen Lösung aus. Nachdem sich die Versammlung zur Ehrung des Andenkens der Opfer von Bialystok erhoben, erteilte der Vorsitzende in Verfolgung der Tagesordnung den Vertreter der dänischen Juden, Herrn Dr. Fränkel aus Kopenhagen, das Wort, der dänisch und deutsch ausführte, daß Dänemark, das kleinste Land, seine Sympathie mit den Unglücklichen am besten zum Ausdruck bringe, dadurch, daß es die Flüchtlinge als vollwertige Bürger aufnehme. Lebhafter Beifall lohnte den Sprecher. In russischer Sprache referierte über die Ursachen der Pogroms Rechtsanwalt Antik aus Astrachan, der insbesondere bei seinen engeren Landesgenossen reichen Beifall fand; die anwesende Schriftstellerin Rotenstern-Tefi besorgte die deutsche Wiedergabe. Zu dem zweiten Referate erhielt nun Schriftsteller Brainin das Wort, der in jüdischer (Jargon) Sprache über das Thema: „Was lehrt uns Bialystok?" sprach. Seine Ausführungen gipfelten darin, daß nur die im jüdischen Volksbewußtsein erzogene Jugend die Hoffnung des jüdischen Volkes sein könne. Mit einigen kräftüen Schlußworten des Vorsitzenden schloß die erhebende Versammlung, welche aufs neue bewiesen hatte, daß nur das organisierte Judentum positiv zu wirken vermag und daß die Juden gerne einem Rufe zur Besprechung jüdischer Angelegenheiten folgen, wenn der richtige Ruf an sie ergeht. — Einen ähnlichen Eindruck bieten die ebenfalls unter der ebenso energischen wie entgegenkommenden Leitung Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. Goldberger stehenden zionistischen Familienabende, welche wegen der daselbst herrschenden Redefreiheit gerne von Nichtzionisten besucht werden. Anregungen werden geboten, Meinungen ausgetauscht, Ansichten geklärt, Jrrtümer berichtigt. Juden verschiedenster Länder lernen sich kennen und schätzen, und wenn auch die Meinungen hie und da hart auf einander stoßen, so tritt doch das einigende jüdische Moment immer stärker hervor. Und das ist doch die Hauptsache und insofern wird Marienbad auch in dieser Beziehung ein Quell des Heils. F. B. Strassburg Eine bemerkenswerte Entscheidung fällte das Oberlandesgericht in Colmar. Es war in einem Prozeß das persönliche Erscheinen der Parteien in der Sitzung, die an einem Samstage stattfand, angeordnet worden. Der Kläger — ein Jude — gewann den Prozeß und beantragte dann die Festsetzung seiner Kosten und Auslagen, die ihm der Gegner zu erstatten hatte. Mit der Begründung, daß die Religion ihm verbiete, am Samstag zu reisen, berechnete er die Auslagen für den Freitag und Sonntag. Das Landgericht bewilligte aber nur die Reisekosten und die Auslagen für den Samstag, weßhalb er gegen die Streichung der übrigen Auslagen Beschwerde bei dem Oberlandesgerichte erhob. Dieses ordnete an, daß die Auslagen für den Freitag und den Sonntag zu erstatten sind, weil dem Kläger als Juden das Reisen am Samstag durch religiöse Vorschrift verboten ist und ihm die Verletzung einer solchen Vorschrift jedenfalls dann nicht zugemutet werden kann, wenn er ohne dieselbe der richterlichen Anordnung Nachkommen kann. Die Feier des fünfzigjährigen Bestehens der Laemel-Schule in Jerusalem. Jerusalem. Am 26. Juni waren fünfzig Jahre verstrichen, seitdem die Edler v. Laemel-Schule durch Ludwig August Frankl eröffnet wurde. Das Jubiläumsfest gestaltete sich zu einer imposanten Feier, wie sie in Jerusalem wahrscheinlich nie zuvor gesehen wurde. Die festlich geschmückte Aula war von einem zahlreichen distinguierten Publikum bis auf den letzten Platz gefüllt. Die repräsentative Versammlung umfaßte Vertreter des Rabbinats, der verschiedenen jüdischen Gemeinden und Institutionen, sowie Vorsteher nichtjüdischer Anstalten. Auf der Tribüne saßen Rabbiner Chajim E l j a s ch a r als Vertreter seines Vaters, des greisen Chacham Baschi, der österreichischungarische Konsul Ritter v. Z e p h a r o v i ch, der den Vorsitz führte, der kaiserlich deutsche Konsul Dr. Schmidt, der Direktor mit den gegenwärtigen und den ehemaligen Lehrern der Schule. Durch ein für die Gelegenheit von dem bekannten hebräischen Schriftsteller M. P i n e s, Talmudlehrer an der Schule, gedichtetes Festlied " ^'n.-nv „ wurde die akademische Feier eingeleitet. Darauf folgte ein Vortrag des Herrn Rabbiners Chajim Eljaschar in hebräischer Sprache, welcher ausführte: Die Jubelfeier sei eine uralte jüdische Institution und habe einen hohen ethischen Wert. Das Jubiläumsfest dieser Schule sei aber im wahren Sinne des Wortes ein religiöses Fest. Die allgemeine Teilnahme an diesem Feste, die Anwesenheit der Spitzen der Gemeinden und der Vertreter aller Volksklassen beweise, daß die Schule es verstanden hat, die Herzen aller Redlichen an sich zu knüpfen und auf ihrem Entwicklungsgänge den richtigen Weg zu finden. In dieser Schule werden die Kinder im Schoße der Thora und der Bildung in wahrem jüdischen Geiste erzogen, und der heutige Tag sei deshalb ein Tag der Freude und Wonne für das gesamte Judentum Jerusalems. Unter Zitierung und sinnreicher Erklärung des Liedes von der tugendhaften Frau hob Redner die Wohltat hervor, welche die Stifterin Elise Herz v. Laemel der heiligen Stadt durch die Gründung dieser Anstalt erwiesen hat. Die überaus erfreuliche Entwicklung danke aber die Schule den Bemühungen der vereinten Verwaltung in Frankfurt a. M. und in Wien, an deren Spitze Männer wie Rabbiner Dr. Horovitz, der unermüdliche Geschäftsführer Alfred Geiger und der freudig wohltätige Schatzmeister Henry Seligmann stehen, und nicht zum wenigsten der hingebenden Tätigkeit des Leiters und des Lehrerkollegiums der Schule. Herr Rabbiner Eljaschar nahm auch Gelegenheit, der Tätigkeit des „Hilfsvereins der Deutschen Juden" in Palästina zu aedenken, dem das heilige Land bereits für so manche segensreiche Gründung so viel Dank schuldet und dessen Institutionen in ihrem Verhältnis zur Laemel-Schule „einem Baume gleichen, gepflanzt an Wasserbächen, dessen Früchte zur rechten Zeit reifen, dessen Laub nie welken und dessen Tun stets gedeihen wird." Mit einem Gebet für Se. Majestät dem Sultan, die Kaiser von Oesterreich und von Deutschland, unter deren vereintem Schutz und Fürsorge die Schule zu solcher Blüte gelangt ist, schloß der wirkungsvolle Vortrag. Hierauf folgte die Festrede des Herrn Direktors Ephraim Cohn. Nach einem einleitenden Vortrag in hebräischer Sprache, in welchem er, ausgehend von dem Schriftwort: „Ihr sollt das Jobeljahr weihen", auf die Bedeutung dieses Festes als Fest der Erinnerung, der Freude, des Dankes und der Hoffnung hinwies, verbreitete sich Redner in überaus eindrucksvollen Ausführungen, deren wörtliche Wiedergabe wir uns Vorbehalten, über den Werdegang der Schule, ihre Bestimmung und ihre Leistungen. Sodann ergriff der k. k. österreichisch-ungarische Konsul. Herr Ritter v. Zepharovich, das Wort zu folgender Ansprache: «Hochverehrte Anwesende! Bevor ich mich beehre, der geistvollen Rede des Herrn Schuldirektors Cohn einige auf die Feier des heutigen Tages bezügliche Worte beizufügen, gestatte ich mir. Ihnen folgende Mitteilung zu machen: Seine Exzellenz der Minister des Kaiser!, und Königl. Hauses und des Aeußern hat der Simon Edler v. Laemelschen Unterrichtsanstalt anläßlich der Feier ihres fünfzigjährigen Bestandes ein Bild Seiner K. und K. Apostolischen Majestät gespendet, welches ich dem Herrn Direktor mit dem Ersuchen übergebe, dessen Enthüllung jetzt vorzunehmen." Nachdem sodann das Kaiser-Bild feierlich enthüllt und im Anschluß daran von allen Anwesenden die österreichische Volkshymne gesungen war, fuhr Herr von Z. fort: „Meine sehr geehrten Damen und Herren! Wann immer wir Oesterreicher die altehrwürdige Weise unserer Volkshymne vernehmen, da überkommt uns ein mächtiges Gefühl der Rührung, der hingebenden und begeisterten Liebe zu unserem Kaiser und König, dessen väterliche

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