Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 31 (3.8.1906)
- Date
- 1906-08-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 31 Dr. Llocb s MocbenscdrtN. Gelte SSI Fürsorge und Gnade alle seine Untertanen ohne Unterschied des Ranges, der Nationalität und des Glaubens umfaßt. Aber seine Herrschergüte beschränkt sich nicht auf die Grenzen unseres geliebten Vaterlandes; Alles, was vaterländischer Fleiß und Edelsinn geschaffen hat, erfreut sich seines mächtigen und großmütigen Schutzes, mögen auch Tausende von Meilen das Denkmal heimischer Kultur vom teueren Vaterlande trennen und mögen deren Schöpfer längst in kühler Erde ruhen. Auch jene wackeren Oesterreicher, die einst an dieser Stätte ein so schönes Werk für ihre Glaubensgenossen geschaffen, sie sind nicht mehr; ihren Epigonen aber ziemt es, nicht nur in dankbarer Verehrung der Mitbürger zu gedenken, die für eine gute und edle Sache ihr Bestes eingesetzt haben, sondern auch in ihrem Geiste weiterzuarbeiten, auf daß die Saat zu voller Reife gedeihe und gute -Früchte trage. So wollen wir heute, da ein halbes Jahrhundert seit der Gründung der Edler v. Laemel-Schule verflossen ist, dankbar des allverehrten und geliebten Monarchen, Seiner Majestät des Kaisers Franz Joseph gedenken, unter dessen Schutz diese Anstalt erblüht und erstarkt ist; wir werden uns aber auch pietätvoll der österreichischen Gründer dieser Schule erinnern, die den ersten Stein zu diesem Bau gelegt haben. Die Namen der edlen Stifterin, Elise Edle v. Laemel, die ihrem Vater Simon, wie es im Stiftsbriefe heißt, ein Denkmal setze, das wirkt, bildet und edel macht, der Name des großen Philanthropen und deutschen Dichters Ludwig August Frankl, sie sind in den Herzen aller Schüler dieser Anstalt eingegraben, welchem Staate sie auch als Bürger angehören mögen, und wenn sie das Gedächtnis dieser Wohltäter ehren, so ehren sie damit ihre Lehrer und sich selber. Dankgebete steigen auf zum Throne des Allerhöchsten, daß Gottes Segen auf diesem Hause so lange geruht hat und zur lebendigen Wahrheit wird das Wort des Psalmisten: Nipi olelim wejonkim jissadeto os. „Aus dem Munde der Kinder und der Unmündigen wird Gottes Macht verkündet" (Ps. 8, 3). Denn, wie es uns der Vorredner so meisterhaft geschildert hat, es war wahrlich ein dornenvoller Weg, den die Laemel-Schule in den fünfzig Jahren ihren Bestandes zurückgelegt hat. Aeußere und innere Gefahren bedrohten ihre Existenz und gar oft hatte es den Anschein, als ob das auf dem steinigen Boden Palästinas gepflanzte junge Reis verdorren sollte. Mißtrauen und Unduldsamkeit der maßgebenden Kreise, epidemische Erkrankungen, sprachliche Schwierigkeiten beim Unterrichte und vor allem der immer wiederlehrende Geldmangel haben öfter als einmal ernste Krisen heraufbeschworen. Aber wo die Not am größten, war auch stets die Hilfe am nächsten, und immer fanden sich opferwillige, für den kulturellen Fortschritt ihrer Glaubensbrüder begeisterte Männer, welche, die hohe Bedeutung der Laemel-Schule für das Judentum Palästinas erkennend, zur rechten Zeit helfend eingriffen und die Schule vor dem Untergange retteten. Der Wendepunkt trat ein, als im Jahre 1887 der deutsche „Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" die Vereinigung der Waisenschule mit der Laemel-Schule beschloß und die Verpflichtung übernahm, Mr die die Zinsen des Stiftungskapitals übersteigenden Auslagen zu sorgen. Von da an datiert die Periode des Aufschwunges, der stetigen Weiterentwicklung dieser Schule, deren .schöne Erfolge ihnen der hochverdiente Direktor Ephraim Cohn eben vor Augen geführt hat. Ohne dieses werktätige Eingreifen des deutschen Vereins hätte die Laemel-Schule nie das werden können, was sie heute geworden ist; sie hätte nicht siegreich aus dem Kampfe mit einem widrigen Schicksal hervorgehen, nie dre hohe Kulturmission für das Judentum Palästinas ausführen können, die schon Tausenden zum Heile und zum Segen geworden ist. Meine verehrten Anwesenden! Ich bin am Schluffe meiner Ausführungen, die ich in dem Satze zusammenfasse : Was Oesterreich hier geschaffen, das hat das Deutsche Reich erhalten. Und wenn wir zum Bilde des Kaisers und Königs Franz Josephs des Ersten verehrungsvoll aufblicken, dem Bilde, das für ewige Zeiten ein Wahrzeichen der österreichischen Heimat dieser Anstalt sein soll, so wollen wir mit nicht minderer Dankbarkeit des erlauchten und mächtigen Verbündeten unseres Herrschers, Seiner Majestät des deutschen Kaisers und Königs von Preußen, Wilhelm des Zweiten, gedenken, dessen weise Regierung, wo es nottat, dieser Anstalt stets hilfreich zur Seite stand, des Schätzers und Schützers deutscher Kultur, des Herrschers über so viele Deutsche jüdischen Glaubens, die in selbstloser, opferwilliger Weise an dem Gedeihen der Simon Edler von Laemel-Schule mitgeärbeitet haben. Ihm zum Preise erschalle nun aus Aller Keh'en das Lied: „Heil Dir im Siegeskranz." Im Anschluß an die begeistert gesungene deutsche Volkshymne führte der kaiserlich deutsche Konsul, Herr Doktor Schmidt, aus: „Die freundlichen Worte des geehrten Herrn Vorredners und die soeben gehörte Nationalhymne bilden für mich die Legitimation, auch meinerseits kurz das Wort zu ergreifen, um der Edler von Laemel-Schule an ihrem heutigen Ehren- und Freudentage meine besten Glückwünsche auszusprechen. Mehrere deutsche, zur Förderung der Wohlfahrt unter den jüdischen Glaubensgenossen gegründete Korporationen sind an dieser Schule beteiligt. Der „Verein zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" hat seit einer Reihe von Jahren seine Schule mit der Edler v. Laemel-Schule vereinigt. Der „Hilfsverein der Deutschen Juden" hat vor einigen Jahren in dem Kindergarten und dem Lehrerseminar sozusagen einen Unter- und Oberbau hinzugefügt. Die augenblickliche Ausdehnung und das gegenwärtige Blühen der Schule, wie wir es vor uns sehen, sind daher ein erfreuliches Ergebnis des Zusammenstehens österreichischer und deutscher Kräfte und ein Symptom der Freundschaft, die auch in anderen, größeren Fragen Deutschland und Oesterreich-Ungarn verbindet. Immer aber ist die heute vor fünfzig Jahren eröffnete Laemel-Schule der Grundstein gewesen, auf dem sich alles andere aufgebaut hat, und wenn zu dem Ausbau auch befreundete Kräfte mitgewirkt haben, so schmälert dies doch nicht das Verdienst der hochherzigen Stifterin der Anstalt, so vermindert dies doch nicht die Dankesschuld, welche die Schule und alle ihre Beteiligten der hohen österreichischen Regierung für ihren tatkräftigen Schutz abzustatten hat. Diesen Empfindungen möchte ich zunächst Ausdruck geben. Wenn ich aber vorher die Ausdehnung und das Blühen der Anstalt erwähnt habe» so darf ich doch auch den rühmlichen Anteil nicht mit Stillschweigen übergehen, welchen das Lehrerkollegium der Anstalt, an der Spitze der Direktor Cohn, an dieser erfreulichen Entwicklung gehabt hat. Ich habe zu meiner Freude schon oft Gelegenheit gehabt, den Eifer und die Treue anzuerkennen, mit welchem die Lehrer dieser Anstalt ihrem schweren und wichtigen Berufe obliegen. Ich bin überzeugt, daß dies auch in Zukunft so bleiben wird und daß wir somit die Gewähr haben, daß auch in den zweiten fünfzig Jahren die Edler v. Laemel-Schule. wie bisher, zum Segen der jüdischen Bevölkerung in Jerusalem wirken wird." Mit lebhaftem Beifall wurden die von den Zöglingen der Schwesteranstalten dargebrachten Glückwünsche ausgenommen. Namens der früheren Schüler trugen die Seminaristen Mordechai Belinky und Nehorai Misrachi selbstverfaßte Gedichte vor, ersterer in hebräischer, letzterer in deutscher Sprache. Ein von der Kindergärtnerin Fräulein Guisfin gedichteter stimmungsvoller hebräischer Dialog wurde von den Zöglingen des Kindergartens, ein in hebräischer Sprache von Herrn Lehrer Suta, in deutscher Sprache von der Lehrerin Fräulein Drübin geschriebener poetischer Gruß wurde von zwei Zöglingen der Mädchenschule vorgetragen. Zum Schlüsse ergriff Herr Direktor Cohn nochmals das Wort, um allen Teilnehmern für das bekundete Jntereffe an dem Kulturwerke der Schule und für die freundlichen Worte zu danken, mit denen ihrer Arbeit gedacht wurde. Die eindrucksvolle Feier fand ihren Abschluß in einer Festvorstellung, welche am Abend des 28. Juni von ehemaligen und gegenwärtigen Zöglingen der Schule veranstaltet wurde. Ernste Darbietungen wechselten mit heiteren ab, und den vortrefflichen Leistungen wurde allgemeiner Beifall gezollt. Dieser Vorstellung, welche vor einem illustren Publikum stattfand, war am Nachmittag eine solche vor mehr als 400 Zöglingen der Laemel-Schule und der Schwesteranstalten vorausgegangen. Es war ein wahres Vergnügen, an den glückstrahlenden Mienen der zahlreichen Kinderschar die Freude abzulesen, die ihnen dieses 'seltene Kinderfest bot, bei welchem auch Erfrischungen nicht fehlten. Für die armen Schüler hatte das Fest eine doppelte Bedeutung, da sie bei dieser Gelegenheit neu bekleidet wurden. Die Kosten der Feier wurden durch eine spezielle Bewilligung seitens des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien bestritten. Jerusalem. (Chacham Baschi Eljascharx-z ist am 21. Juli im Alter von 89 Jahren gestorben.) Der Chacham Baschi ist der Oberrabbiner der sephardischen Gemeinde. Diese ist eine staatlich anerkannte Organisation. Der Sultan bestätigt den Chacham Baschi in seinem Amt und verleiht ihm eine Amtstracht. Rabbi Abraham Chajim Gagin war der erste durch Kaiserliches Jrade ernannte Chacham Baschi von Palästina. Er wirkte als solcher von 1842—1848. Seine Nachfolger waren R. Jacob Covo (gest. 1854), R. Chajim Nissim Abulafia (gest. 1860), R. Nhajim David Chasan (gestorben 1869), R. Abraham Aschkenafi (gest. 1880). R. Meier Paranisel (gest. 1893), zuletzt R. SaulJakobEljaschar. R. Eljaschar war auch Mitglied des Rates der Stadt, hat sich aber wegen seines hohen Alters schon seit Jahren durch seinen Enkel in diesem Amt vertreten laffen. Der Chacham Baschi ist verantwortlich für den Eingang der von den Juden zu entrichtenden Steuern und für ihr Wohlverhalten. Er hat das Recht, für die Gemeindekasse die Fleischsteuer zu erheben, und kann den Mitgliedern auch andere Abgaben auferlegen. Er übt die Jurisdiktion über die Juden aus, und die türkischen Behörden find verpflichtet, die von ihm und seinem Gerichtshöfe ergangenen Verfügungen zur Ausführung zu bringen. Der „Scheit al Hahnd" ist ein dem Oberrabbiner unterstehender