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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-08-03 · 31 (3.8.1906) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
31 (3.8.1906)
Date
1906-08-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 31 Dr. Llocb's MocbenscbrlN. «eite 517 Hilsners Unschuld rühmend erwähnt. Dr. Bulowa war nach Nußbaums Buch ein christlicher, angeblich aus jüdischer Familie stammender Arzt, ein Fanatiker der Wahrheit im Prozesse Hilsner, der er mit ungeheuerer publizistischer Energie, doch wenig Geschick zu Hilfe kam. Neben scharfsinnigen Untersuchungen produzierte er viele Schwärmereien und Spitzfindigkeiten, welche den Gegnern oft Waffen lieferten. Der Staatsanwalt, der gegen Hilsners Verteidiger immer sehr schneidig war, hing Dr. Bulowa auch einen großen Erpressungsprozeß an, weil er dem Wachtmeister Klenovec geschrieben hatte: „Die Katastrophe naht, reden Sie", und Bulowa wurde wegen Preßvergehens zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Dieser Dr. Bulowa schrieb einen Brief, welcher im Hilsner-Prozeß von Dr. Baxa dem Vorsitzenden übergeben wurde, nach Dr. Baxa's Worten ein Brief an einen gewissen Woltmann aus Dobrowov, er möchte auf die Zeugin Mischinger einwirken, wofür „in unbestimmter Art" Vorteile versprochen werden. Die kleine Mischinger soll nämlich nach dem Gerücht eine für Hilsner günstige Beobachtung gemacht haben. Dieser Brief wurde dem Gericht für die Akten überreicht, verlesen wurde er nicht, sonst hätten ihn die beeideten St enographen ausgenommen, trotzdem bringt das „Deutsche Volksblatt" eine Photographie dieses Dokumentes mit der Überschrift: „Brief Dr. Bulomas um bestechliche Zeugen." Mit gesperrten und mit fettem Druck weist das Blatt des dummen Kerls auf den schrecklichen Inhalt dieses Schreibens hin, dessen deutsche Ueberzeugung beigedruckt ist. Offenbar ist das das denkbar Stärkste, was aufgetrieben werden konnte. Wir wollen nun noch nebenbei bemerken, daß die Verteidigung des Hilsner stets gegen Bulowa auftrat, der sie störte, und daß auch Dr. Nußbaum die Aktionen Bulowas verurteilt. Aber das „Deutsche Volksblatt" beweist, daß dies übertriebene Aengstlichkeit ist. Dr. Bulowa hat klug und vorsichtig hantiert, es litt ihn tatsächlich nur nicht in der stummen Ruhe, während die Antisemiten mit allen Lügen und Ungesetzlichkeiten gegen Hilsner wühlten. Sein Brief (dem noch immer die Adresse fehlt; das „Deutsche Volksblatt" lügt auf eigene Faust, er sei an einen Vorgesetzten des Mischinger adressiert) lautet: Ich komme mit der Bitte, daß Sie ibren Einfluß geltend machen behufs Auffindung der Wahrheit. Unter denen, die die Wahrheit ans persönlichen Wahrnehmungen kennen, befindet sich auch Herr Johann Mischinger, Heger und seine Familie. Wollen Sie ihm vorstellen, daß die Lüge zusammengebrochen i st, ob nun die Zeugen die Wahrheit reden oder sie verschweige». Nie wird die Agnes heilig gesprochen werden (obzwar es ein braves und liebes Mädchen war), nie wird aus Polna ein Wallfahrtsort werden, es bleibt mit Schmach bedeckt und wird dem Vaterlande schaden, wenn nicht die ehrwürdige Bevölkerung die Wahrheit reden wird. Die Wahrheit wird auch durch das Gericht ans Tageslicht kommen, früher oder später, und kein Bürger und keine Bürgerin werden ein Verdienst daran haben. In diesem Prozesse kommt auch ein gutes Stück Erpressung vor. Obzwar ich kein Jude bin, weiß ich doch, daß böswillige Zeitungen den Irrtum bestätigten, als ob das Judentum für seine Zwecke Millionen liegen hätte. Das Gegenteil ist wahr. Sie stinken mit einem Heller. Nie haben die Juden Fonds gegründet wie andere Kirchen, denn dieselben würden ihnen weggenommen worden sein. Nur armselig sammeln sie untereinander, was sie notwendig brauchen. Wir wissen ja übrigens alle, wie viel bei solchen Sammlungen gegeben wird. Es ist verboten, den Zeugen etwas zu versprechen. Ich kann daher auch niemand etwas versprechen. So weit verpflichte ich mich aber, daß ich jedem, der mir behilflich sein wird, daß die Wahrheit gerichtlich festgestellt werde, behilflich sein werde bei der Verteidigung gegen böswillige Menschen (die sind machtlos und verkriechen sich) und daß ich nach Kräften dafür sorgen werde, daß er in seinem Fortkommen unterstützt werde. Ich hoffe, daß ich für die Töchter auf eine Mitgift und für die Söhne auf Studium oder zum Eintritt in die Welt zusammenbringe. Ich tue die Pflicht eines Mannes und Kämpfers gegen die Schänder der Menschheir und jeder Religion. In vollendeter Hochachtung Dr. I. B n l o w a, prattischer Arzt. NB. Ein Satz eigenhändig gestrichen. Um diesen gestrichenen Satz handelt es sich. Es ist nämlich der Satz: „Ich hoffe" bis „zusammenbringe" mit dem Versprechen für Söhne und Töchter. Dieser Satz ist kreuz und quer durchgestrichen, nur der sachverständige Vergani findet die Buchstaben heraus, indem er den Brief ans Fenster hält, und erklärt den emsig durchstrichenen Satz für den wichtigsten im Briefe!! Aber außer Vergani kann beim besten Willen kein Mensch den Satz lesen. Wieder eine dieser entsetzlichen antisemitischen Lügen!! Und Bulowa ist tot! Zu erwähnen ist noch, daß der Vorsitzende im Hilsnerprozeß den Brief durchaus nicht gesetzwidrig fand, sondern ihn zur Kenntnis nahm. Das „Deutsche Bolksblatt" nur, deffen Polnaer Bluthund die Zeugen präparierte, ihnen Aussagen in den Mund legte und sie unverschämt noch im Gerichtssaal beeinflußte, nennt diese einfache und rührende Bitte um „Wahrheit" „Wahrheit" „Wahrheit" einen Brief um bestechliche Zeugen und endet mit den Worten „das genügt". Natürlich genügt das. So schauen alle Dokumente, alle Beweise und alle Aussagen der Antisemiten gegen Hilsner aus. Allen Kulturmenschen genügt das. Wir hoffen, auch dem Justizminister. —y. Die Jto. Am 1. und 2. August hat unter Vorsitz des bekannten englischen Dichters und Politikers I. Zangwill die erste internationale Konferenz der Jewish Territorial Association ftattgefunden, deren Aufgabe es bekanntlich ist, die auswandernden jüdischen Massen des Ostens in einer autonomen Siedlung zu kolonisieren. Die britische Regierung hat sich wiederholt in wohlwollender Weise über das Projekt einer jüdisch-autonomen Kolonie auf britischem Territorium ausgesprochen. An der Konferenz hatten unter anderen teilgenommen: Oskar Straus, dcr frühere amerikanische Botschafter in Konstantinopel, Professor Mandelstamm (Kiew), Cyrus L. Sulzberger (New-Aork), Lucien Wolf (London), Dr. Klee (Berlin), Parlamentsmitglied Moses (Bamberg) rc. Die Konferenz hatte sich mit mehreren Landprojekten zu befaffen, auch mit einem größeren Sicdlungsprojekt in Argentinien, das durch die empfehlenden Hinweise des Präsidenten der Baron Hirschschen Millionenstiftung in der letzten Generalversammlung der Jewish Territorial Association in den Vordergrund des Interesses für jüdische Kolonisation gerückt ist. Graf Tyfchkewiisch für die Gleichstellung der Jude». Graf Tyschkewitsch veröffentlicht in der „Rjetsch" einen Artikel, indem er sich folgendermaßen für die Gleichstellung der Juden mit den übrigen Staatsbürgern ausspricht: „Seit Jahrhunderten leben die Juden in Polen, seit Jahrhunderten besteht zwischen ihnen und der örtlichen Bevölkerung der Wirtschaftskampf, in welchem einzelne den Grund des Zwiespaltes zwischen Russen und Juden sehen wollen. Deffen ungeachtet hat Polen nie Judenhetzen gekannt. Ja, es läßt sich noch mehr sagen: In Polen gibt es „Polen jüdischen Glaubens", also Juden, die Polen so sehr als ihr Vaterland betrachteten, daß sie sich in den Freiheitskämpfern ebenso wie die Vertreter der echt polnischen Familien opferten. Womit läßt sich dieses friedliche Zusammenleben von Polen und Juden erklären? Doch nicht etwa dadurch, daß beide seit 70 Jahren in gleicher Weise geknechtet werden? Allein auch zu den Zeiten, wo Polen noch unabhängig war, kam es zu keinen solchen Vorgängen, daß eine Bevölkerungsklaffe gegen die andere gehetzt wurde. Man erhebt in der Bialhstoker Affaire den Vorwurf, daß die jüdischen politischen Organisationen sich verteidigt und zusammengeschloffen hätten, aber tun das nicht auch die christlichen Organisationen in den Ostseeprovinzen oder anderen Teilen des Reiches? Beim Juden erscheint dieses Zusammenschließen seiner rechtlosen Lage wegen schon als eine ungeheuere Dreistigkeit, fast ein Verbrechen. Darin liegt aber auch der Schwerpunkt der Frage. Weil einzelne das

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