Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 30 (27.7.1906)
- Date
- 1906-07-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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- Odesa 1× ep/1000834
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Nr. 30 Dr. Bloch's WochrnfchrM Geile 505 früheren Gelegenheiten austauchten, scheinen jetzt ausgeschlossen, und wenn die Resolution ihr unangenehm ist, so hat sich die russische Regierung dafür bei sich selbst zu bedanken, denn wenn sie die Greuel auch nicht geradezu anstiftete, so ist sie offensichtlich doch dafür verantwortlich, dank ihrer zweideutigen Haltung, durch welche der Pöbel und die niederen Militär- und Polizeibehörden zu dem Glauben verleitet oder darin bestärkt wurden, die Regierung sehe die Judenverfolgungen nicht ungern und die Teilnehmer hätten keine Strafe zu befürchten. Die Resolution des Washingtoner Kongresses mag nun zwar den Juden Rußlands nichts nützen, aber möglich ist es doch immerhin, daß diese Entrüstungsäußerung dazu dient, den herrschenden Kreisen in Rußland die Augen zu öffnen und ihnen zu zeigen, daß sie auf dem besten Wege sind, sich auf dem ganzen Erdenrund verhaßt zu machen und den letzten Rest von Sympathien, die man hie und da noch für sie hatte, zu verscherzen. Schaden kann die Resolution aus keinen Fall. Im Anhang an die Mitteilungen über die Kongreßresolution wird in der davon handelnden Depesche aus Washington noch gesagt, seit den jüngsten Judenmetzeleien habe die Regierung verschiedene Aufforderungen, etwas für Ne russischen Juden zu tun, erhalten und erwogen, doch sei es dein Präsidenten Roosevelt nicht möglich gewesen, einen gangbaren Weg zur Hilfeleistung zu entdecken. Es scheine, daß die amerikanische Regierung nicht imstande sei, irgendwelche Schritte zur Besserung der Lage der Juden in Rußland zu tun. Auch der Kongreß sei machtlos. Das ist natürlich richtig: wie die übrige zivilisierte Welt muß auch Amerika den russischen Zuständen gegenüber sich mit der Zuschauerrvlle begnügen. Irgendwelches Einschreiten ist ausgeschlossen. Nachdem es seiner Meinung darüber Ausdruck gegeben hat. kann es nichts mehr tun. Wohl aber kann und muß es etwas unterlassen, wenn es seine Freiheits¬ und Menschenliebe nicht zum Gespötte machen will: es darf die Einwanderung nicht erschweren, will es nicht vielen der in Angst und Todesnot lebenden Juden in Rußland die letzte Hoffnung rauben! Von den scharfen Bestimmungen der im Bundeskongresse schwebenden Einwanderungsvorlage würden in allererster Reihe die armen russischen Juden betroffen, das heißt ausgeschlossen werden. Sowohl die erhöhte Kopfsteuer wie auch die sogenannte Bildungsprobe würde ihnen den Eingang verwehren und angesichts der fortgesetzten Metzeleien in Rußland würden die Vereinigten Staaten sich geradezu zum Mitschuldigen an dem Tode Tausender Unschuldiger machen, wollte der Kongreß die Vorlage annehmen. Wenn gar keine anderen Gründe für ihre Verwerfung vorlägen, so dürste schon aus Rücksicht auf die russischen Juden an eine Erschwerung der Einwanderung nicht gedacht werden, denn schließlich dürfen sich die Vereinigten Staaten nicht lächerlich machen. Ein Appell an Bourgeois. Das Zentralkomitee der Alliance Jsraslite in Paris hat folgenden Brief an den Minister des Aeußern, Bourgeois, gerichtet: „Die aus Rußland kommenden Nachrichten lassen ein neues Massakre in Odessa besorgen. Der Gouverneur dieser Stadt hat fürchterliche Worte hören lassen, und die jüdische Bevölkerung ist erschrocken. Es droht ihr das Schicksal, abermals Plünderern und Mördern preisgegeben zu sein. Sie sieht nicht, wer sie beschützen soll und wird. Es gibt aber wenigstens eine Art Schutz, welchen die französische Regierung diesen unglücklichen Rettungsbedürftigen gewähren könnte, indem sie die bedrohten Menschen aufnehmen und unter den Schutz der französischen Flagge stellen würde. Keine politische Rücksicht könnte diese Maßregel hindern, welche die Humanität fordert. Wir kennen genügend Ihre persönlichen Gefühle, Herr Minister, um an der guten Aufnahme zu zweifeln, welche Sie unserer Bitte gewähren werden!" Ein Heim für jüdische Flüchtlinge aus Rußland. Um den arnien jüdischen Flüchtlingen, welche Rußland verlassen und dadurch ihr Gewerbe verloren haben, Gelegenheit zu geben, sich ihren Unterhalt zu verdienen, hat die North Egyptian Land Co. Ltd. westlich von Alexandrien ein Terrain gekauft, auf dem sich diese russischen Flüchtlinge anfiedeln werden. Das von der erwähnten Gesellschaft gekaufte Terrain umfaßt einen Flächeninhalt von 14.500 Feddan (1 Feddan 4200 Quadratmeter), liegt 60 Kilometer westlich von Alexandrien, bei der Station Hamman der Privateisenbahn des Vizekönigs von Egypten. Die Bahn selbst ist bereits 130 Kilometer lang und ihr Bau wird ununterbrochen fortgesetzt, da sie bis zur Grenze von Tripolis, etwa 450 Kilometer westlich von Alexandrien, ausgebaut werden soll. Gegen die Judenverfolgung in Rußland. Sonntag vormittags versammelten sich mehrere Tausend Budapester Bürger auf dem Platze vor der Arena im Stadtwäldchen, um gegen die russische Judenverfolgung zu protestieren. Dr. Ludwig Dömeny eröffnete die Versammlung und sprach sein Bedauern darüber ans, daß, während in den Versammlungen anderer Staaten hervorragende politische Persönlichkeiten ihrer Mißbilligung über die Judenverfolgung Ausdruck geben, hier die berufenen Männer der jüdischen Gemeinde in der Versammlung nicht einmal erschienen sind. Nunmehr schilderte er die Lage der verfolgten russischen Juden und die Ursachen der Metzeleien. Man verfolge die Juden nur, weil sie nicht gewillt sind, sich in den Dienst der Reaktion zu stellen. Auch bei uns gäbe es Judenverfolgungen, nur in anderer Form, aber es fände sich unter den 26 indischen Reichstagsabgeordneten kein einziger, der für die Juden eintreten würde. Die sogenannten Führerder Juden ziehen sich feige zurück. Der russische Schriftsteller MoseS Schächter schilderte in deutscher Sprache die Schreckenstage, die ihn und seine Genoffen vaterlandslos gemacht haben. Es sprachen noch Ehrenfeld und Engländer, worauf der Ingenieur Armin Beregi eine Resolution zur Annahme empfahl, die über die Bluttaten in Rußland der Abscheu und Entrüstung Ausdruck gibt. Die Resolution wurde einstimmig angenommen und soll in russischer Sprache der Duma zur Kenntnis gebracht werden. Jaffa. Hier landeten etwa 5000 russische Juden, um in Lydda und Ransleh sich niederzulassen. Ueberhaupt trägt man sich an kompetenter Stelle mit der Idee, im ostjordanischen Gebiete — Syrien — eine russisch-jüdische Kolonie zu gründen, falls von Seite der Regierung eine genügende Garantie gegen die Ueberfälle der Beduinen geboten würde. Auswanderung der Juden aus Chozenow. Die Krakauer „Nova Reforma" meldet, daß der Bezirkshauptmann von Chozenow 24 jüdische Familien seines Bezirkes, die aus Rußland stammen, aber zum größten Teile nahezu 30 Jahre in Oesterreich wohnen, ausgewiesen habe. Die Zahl der Ausgewiesenen, die den Ort binnen acht Tagen zu verlaffen haben, beträgt insgesamt etwa 150 Personen. Abraham Morris doch ein Rabbinerfohn aus der Provinz Pofen. Maximilian Harden schreibt in der „Zukunft": Oberst von Deimling hat im Reichstage erzählt, der Hottentottenführer Abraham Morris sei der aus Posen gebürtige Sohn eines Rabbiners. Das klang wie ein Märchen, scheint aber wahr zu sein. Ein englischer Agent, der auf den Namen Lehmann Cohn hört, hat berichtet: „Ich kenne Morris persönlich, war oft, auch in London mit ihm zusammen und kenne auch seinen Vater. Der war Rabbiner in der Provinz Posen und kam von dort nach London, wo ihm dann dieser Sohn geboren wurde. Abraham lief als vierzehnjähriger Junge von Hause fort, nahm zuerst aus einem Kauffahrteischiff Dienst, brannte nach drei Jahren durch und tauchte später in Südafrika aus. Er diente in britischen Regimentern und hatte es 1900 bis zum Wachtmeister gebracht. Im Burenkriege focht er denn auch aus englischer Seite, zeichnete sich durch verwegene Patrouillenritte aus und leistete besonders während der Belagerung von Mafeking unter Baden-Powell gute Dienste. Dafür wurde er reichlich belohnt. Seitdem lebte er in Südafrika, trieb einen für seine Verhältnisse großen Aufwand und war als hitziger Kartenspieler bekannt." Wie er dann unter die Hottentottenkrieger geriet, ist noch nicht festgestellt. Interessant ist aber, daß einer der Hauptführer der schwarzen Orlogleute, die uns in Südwestafrika nun schon so lange zu schaffen machen, aus Preußen stammt und früher im englischen Kriegsdienst stand.