Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 30 (27.7.1906)
- Date
- 1906-07-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 506 Dr. JSlocD s Mocdens ortn. Nr. 30 Vermiscdtes. Wien. (Trauung.) Sonntag den 5. August l. I. findet die Trauung des Fräulein Martha Rothen st ein mit Herrn Richard Black, dem Sohne des Herrn kais. Rates Ludwig Black aus Brüx, statt. Zionistischer Zentralverein Wien. Die jüngst eröffnete Lesehalle steht allen Mitgliedern und P. T. Durchreisenden unentgeltlich offen, sonst gegen 4 Heller Entree. Ebenso die Bibliothek, für die uns Bücher jüdischen Inhalts sehr erwünscht sind und werden diesbezügliche Spenden in unseren „Mitteilungen" mit ausgewiesen. In der Lesehalle liegen alle Tag- und Wochenblätter und sonstige jüdische Zeitschriften in hebräischer, jüdischer, deutscher, polnischer, russischer, englischer, französischer, holländischer, spaniolischer Sprache auf. Bureaustunden täglich (außer Samstag) 2 bis 6 Uhr nachmittags, Sonntag, 9 bis 12 Uhr vormittags, IX., Türkenstraße 9. Wien. Letzte Woche fand in Wilna eine Konferenz der jüdischen Blätter Rußlands behufs gemeinsamer Kooperation statt. Ein näherer Bericht liegt noch nicht vor. Heute langte an den Abg. Dr. Straucher und an den Präsidenten des Landeskomttees Dr. S ch a l i t folgendes gleichlautendes Telegramm ein: „Konferenz zionistischer Zeitschriften, „Jüdisches Volk", „Ewreskaza 81011“. „Glos Zydowski“, sendet Ihnen innigsten Gruß und wünscht vollständigen Erfolg im glorreichen Kampf für die nationalen Rechte des jüdischen Volkes. Sabotinski." Die Witwe Ignaz Kurandas gestorben. In Ischl erfolgte das Hinscheiden einer hochsinnigen Frau und edlen Wohltäterin, deren Tod Erinnerungen an eine der bedeutendsten Gestalten in der Geschichte des österreichischen Parlamentarismus und des österreichischen Judentums wachruft. Die Witwe Ignaz Kurandas, Frau Regine Kuranda, ist am 20. d. M. in Ischl im 83. Lebensjahre gestorben. Sie hat ihren Gatten, dem sie zeitlebens eine hin gebende, liebevolle und an edlen Charaktereigenschaften ebenbürtige Gattin war und dem sie nach seinem Tode ein an Kultus grenzendes pietätvolles Andenken bewahrte, um mehr als 22 Jahre überlebt. Im Sinne ihres Gatten, der inmitten einer ungeheueren Arbeitslast der vornehmsten Menschenpflicht, der Wohllätigkeit, nicht vergaß, hat auch die Witwe Kurandas die Wohltätigkeit im großen Stile ausgeübt. Für wohltätige Veranstaltungen aller Art war sie noch bis in die letzten Jahre immer bereit, ihren großen gesellschaftlichen Einfluß einzusetzen. Als Hausfrau trug sie die repräsentativen Pflichten, die chr die hervorragende Stellung ihres Gatten, die Führung eines vornehmen Haushaltes auferlegten, mit Würde und Anmut und sie galt mit Recht als eine der geistreichsten Frauen der Wiener Gesellschaft. Sie war aber auch eine ausgezeichnete Mutter und Erzieherin ihrer Kinder. Sie hatte ihrem Galten, dem sie, eine geborne Pragerin aus der Familie Wittelshöfer, im Jahre 1848 angetraut wurde, drei Söhne und eine Tochter geschenkt. Die Söhne haben sämtlich hervorragende Stellungen erreicht. Sie sind Herr Felix Kuranda, Direktor des Wiener Bankvereines, der Ministerialrat im Eisenbahnministerium Herr Kamill Kuranda und der Kultusvorsteher Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Arthur Kuranda. Die Tochter. Fräulein Alice Kuranda, ist unvermält geblieben und war ihrer Mutter, mit der sie im Hause Stubenbastei Nr. «1 gewohnt hat, die liebevollste Pflegerin in der Todeskrankheit. Sämtliche Kinder der Verstorbenen weilten am Sterbebette. Montag vormittags fand von der Zeremonienhalle des Zentralfriedhofes aus die Beerdigung statt. Unter den zahlreichen Trauergasten befanden sich Eisenbahnminister Dr. Julius D e r s ch a t t a Edler von S t a n d h a l t mit dem Präsidialisten Sektionsrat M ü Iler, die Bankdirektoren Bernhard Popper vom Wiener Bankverein und Präsident Theodor Ritter von T a u s s i g und Frau Gemalin, Frau Josefine Schiff-Königswarte r, Frau Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, Frau kaiserl. Rat Dr. Theodor Lieben, vom Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde Baurat Theodor Ritter von G 0 l d s ch m i d t mit Sekretär Doktor Emil Adler, Wilhelm Pappenheimer und Sekretär Doktor Kaminka von der „Israelitischen Allianz", Schriftführer K 0 l i s ch vom Taubstummen-Jnstitut, die kais. Räte Paul Lemberger und Julius Stern, der Vorsteher der „Chewra-Kadischa" S. Steiner, Schriftsteller Dr. I. S. Bloch, sowie viele Freunde der Verstorbenen. Mit gedämpfter, sehr wirkungsvoller Stimme intonierte Oberkantor Singer unter Assistenz der ersten Kantoren Jurberger und Schiller und des verstärkten Chores die rituellen Trauerpsalmen, hierauf widmete Oberrabbiner Dr. Güdemann der Heimgegangenen folgenden Nachruf: „Wenn ich diese seltene Frau mit einem Worte schildern soll — denn von langen Reden und vielen Redensarten ist sie nie eine Freundin gewesen —, dann muß ich das Wort des biblischen Spruchdichters auf sie anwenden: „Von Gott kommt eine verständige Frau". Vierzig Jahre habe ich sie gekannt und mich ihrer Freundschaft erfreut, aber wenn sie auch während dieses Zeitraumes wie ich selber alt geworden, die Vorzüge ihres Geistes und Herzens sind nur immer glänzender hervorgetreten und ich habe sie nur immer mehr bewundern gelernt. Sie war die Frau ihres Mannes, die es als ihr Glück und ihren Beruf erkannte, in ihm und für ihn zu leben. Während der Stürme seiner Laufbahn war ihm die schwache Frau eine Stütze und eine treue Gefährtin, und keiner seiner noch so großen Erfolge reicht an das stille häusliche Glück hinan, das ihre Liebe und Treue ihm geboten. Und wie sie die Frau ihres Mannes war, so war sie die Mutter ihrer Kinder. Jedes von ihnen durfte glauben, die Mutter ganz für sich zu besitzen, so gab sie sich jedem ganz hin und lebte für alle. Soll ich das Geheimnis lüften, wie und mit welchen Mitteln diese Frau ihre bedeutende Lebensaufgabe bis zuletzt erfüllte und die allgemeinste Verehrung sich errang? Es standen ihr ungewöhnliche Mittel zu Gebote, eine reiche Bildung, eine seltene Klugheit, ein unerschöpflicher Herzensreichtum, aber diese Fülle von Gaben ward gekrönt von einer weisen Bescheidenheit und Selbstbeschränkung, die auf der Erkenntnis beruhte, daß eine Frau den höchsten Gipfel der Vollendung erreicht, wenn sie in ihrer Familie und für ihre Familie lebt. Diese Erkenntnis ist ihr auch belohnt worden, denn sie war, wie der Dichter in den heutigen Neumondspsalmen sagt, „eine Mutter, die sich ihrer Kinder freuen, die stolz auf sie sein kann". Die Söhne in ausgezeichneten Stellungen, die feinsinnige Tochter, die treuen Schwiegertöchter und Enkel, sie alle haben in dem Bestreben gewetteifert, die Mutter und Großmutter zu ehren und zu erfreuen. An eine solche Frau muß der biblische Dichter gedacht haben, als er den Ausspruch tat: „Von Gott kommt eine verständige Frau". Sie ist von Gott gekommen, nun kehrt sie zu ihm zurück. Sie ziehe hin in Frieden." Nun wurde der Sarg gehoben und zu dem offenen Grabe gebracht, welches bisher als Ruhestätte für ihren am 11. April 1884 verstorbenen Gatten, dem ehemaligen Reichsratsabgeordneten und langjährigen Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde, weiland Dr. Ignaz Kuranda galt, an dessen Seite die nunmehr verschiedene edle Frau gebettet wurde. Den Familien Kuranda kommen aus allen Gesellschaftskreisen Beweise aufrichtiger Teilnahme zu. E. J. Wien (Todesfall.) Am 21. d. M. starb hier in seinem 78. Lebensjahr der Juwelier Herr Marcus Zirner, Senior- Chef der Firmen Brüder Zirner in Wien und Budapest und I. und A. Zirner in Wien. Der Heimgegangene war nicht bloß als Kaufmann hochgeachtet, er erfreute sich auch wegen seines Charakters hoher Beliebtheit. Mit einem großen Maß jüdischen Wissens ausgerüstet, das er sich schon in frühester Jugend angeeignet, bewahrte er dem Judentum eine kindliche Anhänglichkeit und Pietät und wünschte sehnlichst, daß diese Gesinnung auch