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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-07-27 · 30 (27.7.1906) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
30 (27.7.1906)
Date
1906-07-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 504 Dr. Zölocd's Wocbenscbrttt, Nr. 30 Das sind die alltäglichen Vorkommnisse in der Warschauer „Geheimen" . . . Und nicht nur dort. In ganz Rußland kommen täglich und stündlich solche Greueltaten vor. Nur ein kleiner Bruchteil von ihnen dringt ans Licht der Oeffentlichkeit, aber cu ch er genügt, um jedem menschlich Fühlenden einen Schrei des Entsetzens und der Entrüstung zu entreißen. Federation of American Zionists. In Tannersville (Vereinigte Staaten von Amerika) fand vom 29. Juni bis 4. Juli der Delegiertenta - sämtlicher zur „Pederation of American Zionists“ gehöriger Ortsgruppen statt. Die Beratungen fanden im Hotel Fairmont statt. Es waren über 300 Delegierte anwesend. Tannersville, den 1. Juli. Heute ist hier die neunte Konvention der Zionistischen Federation von Amerika eröffnet worden. Dr. Friedenwald hielt als Präsident die Eröffnungsrede, in der er den letzten Pogrom in Bialystok erwähnte. Er sagte unter anderem: „Die große Bewegung, für die wir mit Herz und Seele arbeiten, gibt uns Mut, Hoffnung und Glauben. Mut, zu kämpfen für unser Volk, unsere Traditionen und für all' das, was uns angehört. Hoffnung an die Ausdauerkraft unseres Volkes und Glauben an Israels Zukunft. Er ging dann auf die Federation über. Er lobte die Beamten, die ihre Pflicht letztes Jahr treu erfüllt hatten und dadurch viel zur Verstärkung der Organisation und zur Verbreitung des Zionismus in Amerika beigetragen haben. Hierbei erklärte Dr. Friedenwald, daß seine Pflichten als Prostffor und sein Entferntsein vom jüdischen Zentrum, von New-Aoik (er wohnt m Balttmore), ihn dazu zwingen, sein Amt als Präsident niederznlegen. „Wichtige Arbeiten", sagte er weiter, „stehen uns bevor. Das Aktionskomitee und die Palästina-Kommission haben viel Arbeit vor sieb. Die Arbeit, die jüdische Bevölkerung in Palästina mit Land oder Beschäftigung zu versorgen, muß jeden Zionisten interessieren." Er schloß mit diesen Worten: „Trotzdem unser Programm darin besteht, ein öffentlich-rechtlich gesichertes Heim für die Juden in Palästina zu schaffen, so ist nicht das Heim allein und nicht das Land allein, das uns interessiert. W>r arbeiten für das Volk, für das jüdische Volk. Wir müssen alles anwenden, unser Volk zu vereinigen und in ihm das nationale Bewußtsein zu erwecken. Die Arbeit des Zionismus liegt nicht bloß 'in Palästina, nicht bloß in Rußland, wo die Juden am meisten leiden, sondern überall, hauptsächlich hier in Amerika " Eine Depesche von David Wolffsohn wurde vorgelestn, in der er den amerikanischen Zionisten Glück und Erfolg wünscht. Er drückt darin den Wunsch aus, daß die Bewegung eine politische bleiben und nicht zur Klein-Kolonisation hcrabstnken möge. Die Anwesenden waren durch den Inhalt des Telegramms so interessiert, daß niemand den Namen von Herzl applaudierte (!!), der bei dieser Gelegenheit zum erstenmale auf der Konvention erwähnt wurde. Es wurde beschlossen, eine Kabelantwort an Wolffsohn und ein Begrüßungstelegramm an die Kanadischen Zionisten zu senden, die am gleichen Tag ihre Konvention in Toronto geöffnet halten. Hierauf las Dr. Magnes als Sekretär seinen Belicht vor. Die Schekeleinnahme betrug im letzten Jahre 1615 Dollar gegen 1650 Dollar im vorigen Jabre. D>e Federation zählt jetzt 213 Vereine, die meistenteils gut organisiert sind. Es wurden Berichte von der Propaganda- Kommiffion und dem Organisationskomitee verlesen. Die Sitzung wurde dann geschloffen. Die Massenversammlung. Sonntag, um 8 Uhr abends, wurde eine Massenversammlung zu Ehren der Delegierten abgehalten. Noch nie hat eine Veisammlung in Amerika einen solchen Erfolg zu verzeichnen gehabt. Dr. Fnedenwald, Präsident of the American Ziouists. eröffnete die Ansammlung, indem er einen kurzen Ueberblick über den Zionismus im allgemeinen und den amerikanischen insbesondere gab. Als erster Redner sprach Professor Dr. Salomon Schechter, Präsident des jüdisch-theologischen Seminars. Er erklärte, daß der Zionismus und die jüdische Religion Hand in Hand geben müßten. Nach ihm sprach der alte jüdische Gelehrte Dr. Louis Demwitz. Rabbiner Dr. Magnes hat ihm darauf erwidert, daß der Zionismus keine religiöse, sondern eine soziale Bewegung ist Seine Rede machte einen sehr tiefen Eindruck auf alle Zuhörer. Es sprachen noch Rabbiner Aschineky von Pittsburg, Mr. Fromenson, Dr. Magnes und Rabbiner Moslianski. Tie Rede von Mr. Fromenson enthielt eine Aufforderung an das Publikum für den Nat'onalfond. Wie sehr seine Worte die Zubörer bceinstilßtcn, ist daraus zu ersehen, daß die Sammlung für den Nationalsond an diesem Abend 1100 Dollar (etwa 4500 Mark) eingebrocht hat. Die Konvention in Kanada. Die 7. jährliche Konvention der kanadischen Zionisten wurde Montag den 2. Juli unter dem Vorsitz von Dr. Sola eröffnet. Er erklärte, daß der Sultan jetzt das Verbot zurückgezogen hat. wonach die Juden sich in Palästina nicht niederlassen dürften, somit ist jetzt die passendste Zeit, sich dort anzusiedeln. Tannersville, Montag, 8. Juli. Der amerikanische Zionismus verzeichnet heute zwei Siege. Auf der heutigen Sitzung wurde die Frage über praktische Arbeit in Palästina erörtert, cme Frage, an der jetzt alle Zwnistcn der ganzen Welt lebhaft interessiert sind. Es ist daher leicht zu verstehen, wie groß die Freude und Begeisterung aller Delegierten war, als ein Telegramm von Professor Marburg vorgelesen wurde, in dem er mitgeteilt hatte, daß „der Hilfsverein der deutschen Juden" sich bereit erklärt hatte, Hand in Hand mit den Zionisten in der Besiedlung Palästinas zu gehen. Professor Schechter legte die Notwendigkeit, Land in Palästina zu kaufen und Kolonien zu gründen, dar. Eine große Ueberraschung brachten allen Delegierten Doktor Pereira Mendes' Worte. Dr. Mendes ist Präsident der amerikanischen Territorialiften. Wie freudig überrascht waren wir daher, von ihm zu hören, daß er mit Leib und Seele für Zion ist! Er erklärte, daß in der jetzigen Zeit, die mit praktischer Arbeit in Palästina begonnen hat, es ein Verbrechen wäre, unsere Kraft zu zersplittern. Dies ist ein neuer Beweis, daß der Territorialismus seinen Boden und Einfluß verliert, soweit er hier überhaupt Boden zu gewinnen schien. Tannersville, Dienstag. 3. Juli. Die heutig- Sitzung der zionistischen Konvention war der Federation of American Zionists gewidmet. Es wurde über die Vorschläge des Exekutivkomitees, über das Wohl und Wehe der Federation, diskutierr. Gestern kam folgender Brief von Dr. Max Norvau zur Verlesung. Lieber Dr. Magnes. Da ich einige Tage nicht zu Hause war, habe ich erst heute Ihren Brief erhalten und fürchte, daß meine Antwort zu spät in Ihre Hände gelangen wird. Ich beeile mich deshalb, einige Worte an meine amerikanischen Brüder und Freunde zu richten. Das Judentum durchlebt jetzt vielleicht die gefährlichste Stunde keines Exils. Der Zionismus, so schön und stark er auch moralisch ist, ist materiell noch allzu schwach — nicht durch unsere Schuld, sondern als Resultat der Gleichgiltiakeit des größten Teils unseres Volkes — baldige, praktische Hilfe für die Millionen Juden zu schaffen, deren Leben in Gefahr schwebt. Aber jedenfalls hat unsere Bewegung eine große Ausgabe zu erfüllen: sie muß aufrecht erhalten das Ideal, das die jetzige Krisis überleben, und wie ein Komoaß den Weg zeigen, den unsere nationale Entwickelung gehen soll. Es ist unsere heilige Schuld zur Zukunft, den Zionismus nicht abschwächen zu lassen. Unsere nächste Arbeit ist, unsere zerstreuten unglücklichen Brüder znsammenznhalten, ihnen Mut einzuflößen, gute Juden und Zionisten zu bleiben, in welchen Kreis-n sie sich auch befinden mögen. In Palästina muß unsere Arbeit auf das Studieren des Landes, das Schaffen von Bildungsanstalten beschränkt bleiben. Aber mehr als alles müssen wir unsere Bewegung aufrecht erhalten und verstärken, denn nur eine starke und reiche zionistische Organisation kann hoffen, ihren Zweck eines Tages zu erreichen. Ich verbleibe mit Zionsgruß Dr. Max Nordau. Nach Nordans Brief wurden die Glückwünsche und Depeschen von zionistischen Vereinen aus dem ganzen Lande vorgelesen. Die Frage, den „Jüdischen Kämpfer" Organ der amerikanischen Poale-Zion, zu unterstützen, rief eine sehr heiße Debatte hervor. Um es nicht zu Skandalen und unwürdigen Debatten kommen zu lassen, haben die Poale-Zionistischen Delegierten ihre Forderung lieber zurückgezogen. Es wurde eine Resolution angenommen, die Kolonialbank zu ersuchen, hier eine Filiale zu eröffnen. Das gestrige Bankett zu Ehren der Delegierten hatte einen großen Erfolg. Die Festredner waien Prof. Dr. Schechter, Doktor Magnes, Rabbiner Maslianski. 700 Dollar (2^0 > Mark) wurden für die Federation gesammelt. Mittwoch, den 4. Juli. Heute fanden die Wahlen statt Mit großer Freude werden alle Zionisten die Nachricht begrüßen, daß Dr. F. Odenwald und Doktor Magnes ibre Aemter beibehalten haben, ersterer als Präsident, letzterer als Sekretär. Es wurde eine Resolution angenommen, wonach kein Territorialist Mitglied des Exekutiv-Komitees sein darf. Und so endete die neunte Konvention der amerikanischen Zionisten. Joseph M. R u b i n. Die Vereinigten Staaten und die russischen Juden. New - Iork. Beide Häuser des Bundeskongresses 'haben soeben ohne jede Debatte und einstimmig eine Resolution angenommen, in welcher erklärt wird, daß das Volk der Vereinigten Staaten entsetzt ist ob der Berichte über das Niedermetzeln von Juden in Rußland ihrer Rasse und Religion wegen und daß die Unglücklichen das herzliche Beileid des ganzen Volkes der Vereinigten Staaten besitzen. Man sagt schwerlich zu viel, wenn man behauptet, daß der Kongreß damit im Sinne des amerikanischenVolkes gesprochen hat und wenn er die Resolution unterschreibt, kann Präsident Roosevelt das tun in der festen Ueberzeugung, dabei die ganze Nation hinter sich zu haben. Zweifel an der Ratsamkeit solchen Vorgehens, wie sie bei ähnlichen

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