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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-07-27 · 30 (27.7.1906) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
30 (27.7.1906)
Date
1906-07-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 30 Dr. JBlocb s MocbenscbrM. Sette 501 Shakespeares „Kaufmann von Venedig" ist von diesem Zuge durchaus nicht frei, er steht in dieser Hinsicht sogar seinem Vorbilde, dem „Juden von Malta" von Christopher Marlowe, voran, der weit charaktervoller gezeichnet ist. Trägt der Jude bei dem großen Briten aber doch immerhin erhabene Züge, so verzerren sich diese in den Nachahmungen des Stückes, denen man zu Anfang des 17. Jahrhunderts als erste Spuren Shakespearescher Stücke überhaupt in Deutschland begegnet, in dem 1611 in Halle ausgeführten „Jud von Venedig" und in der in Wien aufgefundenen „Komödia, genandt das Wohl Gesprochene Uhrtheil eynes Weiblichen Studenten oder der Jud von Venedig", in dem übrigens der Jude wie bei Marlowe Barrabas heißt, vollständig. Die große Wendung hinsichtlich der Stellung des Juden im Drama hat erst Lessing mit seinem „Nathan der Weise" herbeigeführt, doch das erstmals am 14. April 1783 in Berlin durch Theophil Doebbelin aufgesührte Hohelied der Toleranz fand erst achtzehn Jahre später die rechte Würdigung. Aber der Toleranzgedanke behielt doch jetzt im großen und ganzen die Oberhand. In starkem Maße kam dieser auch in des Engländers Richard Cumberland Schauspiel „Der Jude" zur Geltung. Dieses von Jffland importierte, freilich nach unserem heutigen Geschmack stark rührselige Stück blieb lange Zeit eines der beliebtesten Repertoirestücke der deutschen Bühne, bot es doch auch Charakterspielern wie Jffland, Ludwig Devrient, Karl Seydelmann u. a. m. in der Rolle des Juden Schewa, der Verschwendern gegenüber Wucher treibt und sich selbst alles vom Munde abspart, um wirklich Hilfsbedürftigen mit vollen Händen geben zu können, eine Paraderolle allerersten Ranges. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts brachte vor allem Hermann von Mosenthals Schauspiel „Deborah" den Toleranzgedanken zu poetisch-schöner Darstellung, und auch das Bylksstück bemächtigte sich der Idee, wie in David Kalischs „Einer von unsere Leut" und Benedix' „Das bemoste Haupt oder der lange Israel" u. a. m. In der Oper ist vor allem in Halövys „Jüdin" und in Heinrich Marschners „Templer und Jüdin" den Juden Gerechtigkeit widerfahren. Das moderne Drama, das ja überhaupt mehr „in der Wesen Tiefe -trachtet", hat sich aber hauptsächlich in dieser Hinsicht die Schilderung des jüdischen Milieus zur Aufgabe gemacht, und es haben da vor allem der Holländer Hermann Heijermans, der Russe Eugen Tschirikow, der Wiener Theodor Herzl u. a. m. Beachtenswertes geleistet. Professor Eduard Meyer über Sumerier und Semiten. Eine Mitteilung von großem Wert und weittragender Bedeutung bringen die Tagesblätter in folgender Form: In der Gesamtsitzung der königlich preußischen Akademie der Wissenschaften am 13. Juni, Borfitzender Sekretär Herr Waldeyer, las Prof. Eduard Metzer über Sumerier und Semiten in Babylonien. Die ältesten Denkmäler Babyloniens zeigen, daß die Sumerier und die Semiten Babyloniens scharf geschiedene Volkstypen repräsentieren. Die Sumerier sind aber nur in Südbabylonien nachweisbar, und ihre Götter zeigen nicht sumerischen, sondern semitischen Typus; sie müssen dieselben mithin den Semiten entlehnt haben. Somit scheint es, daß die älteste Bevölkerung Babyloniens semitisch war und daß die Sumerier erobernd in den Süden des Landes eingedrungen sind. Sie haben, vor allem durch die Erfindung und Ausbildung der Schrift, für die Kulturentwicklung Babyloniens die größte Bedeutung gehabt, stehen aber auch umgekehrt vom Anfang an unter semitischen Einfluß. Das ist gerade das Gegenteil von dem, was Friedrich Delitzsch „nachgewiesen" hat. Man steht hier auch wieder, unsere Thora ist nicht von Hypothesen abhängig: Elanhenu Emmes w’ Thaurosau Emmes! Dabei bleibts! Korrespondenzen. Arbeiterinnen-Erholungskolonieu. Der Hochsommer ist herangekommen, Wien ist verödet, jeder unserer Familienväter trachtet, wenn auch unter Opfern und Entbehrungen, seinen Lieben einen Landaufenthalt zu verschaffen. Unsere Frauen, Kinder und junge Mädchen tummeln sich unter Sport und Vergnügungen an Seen und auf Bergen, wie am Meeresstrand. Wie groß hingegen ist das Elend vieler tausender Mädchen und Frauen, die jetzt zur „saisonlosen" Zeit in dumpfen, sanitätswidrig überfüllten Wohnungen ohne Luft, ohne Erquickung, ohne Nahrung und Beschäftigung schmachten. Dieses allen Armenpflegern bekannte Elend hat der Verein Frauenhort zu lindern versucht. Seit einer Reihe von Jahren verschickt er nun schon mehrere hundert jüdische Arbeiterinnen, Frauen, Witwen und Mädchen, Näherinnen, Stickerinnen, Modistinnen, Friseurinnen, Putzerinnen, Privatlehrerinnen, Privatbeamtinnen, Telephonistinnen rc. in Alpengegenden und hat ganz erstaunliche gesundheitliche Resultate zu verzeichnen. Auf der jüngst veranstalteten HygienischenAusstellung wurde diese Wohlfahrtspflege von Sr. Majestät dem Kaiser, von der Jury und von jedem Beschauer anerkannt. Wir sind überzeugt, daß jeder begüterte Familienvater, jede denkende Frau, jedes warmfühlende junge Mädchen unter unseren Lesern mit noch so einer kleinen Gabe dem Verein beispringen wird, sein Kaiser FranzJosefs-Arb eiterin n e n- Erholungsheim zu bauen, wodurch er dann die doppelte Anzahl von Kolonistinnen versorgen könnte. Aber schnelle Spenden tun Not, denn dann könnte der Verein, an dessen Spitze Frau Rosa Z i f f e r e r, Frau Regine K o p st e i n und Frau Johanna Fröhlich ebenso verdienstvoll wie bescheiden wirken, noch im August eine größere Anzahl von 'Arbeiterinnen verschicken und noch so manche junge Menschenblüte von den hundert Abgewiesenen vor dauerndem Siechtum retten. Spenden nimmt der Vorstand, IX., Müllnergaffe 21, dankendst entgegen. Tetschen. (Gegen die radikal-antisemitisch e A g i t a t i o n.) In der am 21. d. M. stattgehabten Sitzung der Tetschener Gemeindevertretung brachte Stadtvertreter Dr. S a l a m o n die in der letzten Zeit hier außerordentlich bemerkbar gewordene radikal-antisemitische Agitation zur Sprache. In scharfen Worten wandte sich der Redner gegen das hiesige radikal - antisemitische Lokalblatt, das den erbittertsten Kampf gegen fortschrittliche Parteimänner zur Freude der nationalen Gegner führe. Dr. Salamon beantragte hierauf eine Resolution, in der insbesondere die von antisemitischer Seite betriebene Hetze c.egen den verdienten deutsch-fortschrittlichen Bezirksobmann und Stadtrat W. E. G r ö s ch l verurteilt und demselben das Vertrauen ausgesprochen wurde. Unter lebhaftem Beifalle wurde diese Resolution einstimmig angenommen. Minifterialerlaß betreffend den Vorschlag zur Errichtung einer Prüfungskommission in Prag für israel. Religionslehrer. Man schreibt uns aus Prag: Wie wir seinerzeit berichteten, hat über Anregung unseres Vertreters im Landesschulrate, Herrn Dr. Ludwig Bendiener, diese Behörde sich im vorigen Jahre an die Prager Kultusrepräsentanz gewendet, eine Prüfungskommission für israel. Religionslehrer ins Leben zu rufen und über die Bereitwilligkeit derselben und Vorlage eines ausgearbeiteten Elaborats hiefür dem Ministerium für Kultus und Unterricht berichtet. Das Ministerium hat nun hierüber die Erledigung mittelst eines Erlasses getroffen, der in mehrfacher Beziehung von Interesse ist. Es heißt darin: „Im Sinne der Bestimmungen der Art. 15 und 17 des Staatsgrundgesetzes vom 21. Dezember 1867, R.-G.-Bl. Nr. 142, dann der 88 1 und 28, Absatz'5 des Gesetzes vom 21. März 1890, Z. 57 Reichsgesetzblatt, ferner des 8 5 des Reichsvolksschulgesetzes, dann der 88 2 und 6 des Gesetzes vom 25. Mai 1868, R.-G.-Bl. Nr. 48, endlich

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