Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 30 (27.7.1906)
- Date
- 1906-07-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3020846-3021656-3021687--15601-3040376- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Sette 500 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 30 „Nein, Israel! spare deine Millionen. Noch gibt es in Frankreich andere jüdische Schurken zu befreien, in Oesterreich bleiben deine blanken Goldfüchse unplaciert, denn, Gott sei Dank, wir haben noch Richter in Oesterreich!" So weit das „Deutsche Volksblatt". So sind die Waffen, mit deren Hilfe man eine Revision des Prozesses Hilsner zu hindern trachtet, das waren auch die Mittel, mit deren Hilfe die Verurteilung des Unschuldigen erzielt worden. Holland zur Zeit Rembrandts. Von Albert Löw. Seine Ehrwürden Herr Dr. Max Grnnwald, welcher durch seine genußreichen Vorträge uns in bester Erinnerung steht, hat mit seinem vorwöchentlichen Feuilleton „Rembrandts Nachbarn" in der „Neuen Freien Presse" nicht nur Vorzüglich.s geleistet, sondern auch dem Judentume Ehre gemacht Dieses Feuilleton ist geeignet, Begeisterung in uns zu wechn Schönes und Gut. s zu nähren und groß zu ziehen. . Für das Judentum interessierende Meisterstücke Rembranöts waren: Abraham die Engel bewirtend. Isaaks Opferung. Die Söhne Jakobs bringen ihm das blutige Kleid Josephs. Joseph bei Potiphar. Jakob segnet die Söhne Josephs. S i m s o n. Gefangennahme S i m s o n s. Die Familie Tobias. B a t h i e b a bei der Toilette. Der Geldwechsler. Die jüdische Braut und Menasse Ben I i s r a e l. Diese Arbeiten vollendete Rembrandt in der Blütezeit der Juden in Holland, wo Amsterdam der Mittelpunkt der holländischen Gemeinden war. Die Abkömmlinge der aus Spanien und Portugal verbannten Juden, gaben kraft d r Milde der Regierung ein besseres Bild von dem Wohlstände der durch Handel und Schiffahrt bereicherten Nation als die Holländer selbst. Die Erste Versammlung der Israeliten in Amsterdam erregte unter den Amsterdamer Bürgern große Eifersucht, indem dieselben für heimliche Christen gehalten wurden; man durchsuchte die Hauser und Synagogen, und als man nur Abschriften des mosaischen Gesetzes fand, wurde ihnen zur Pflicht gemacht, für die Erhaltung der Stadt zu beten. Die erste Synagoge, welche den Juden zu Amsterdam zuerbauen bewilligt wurde, hieß Beth Jakob (Jakobshaus). Der Gründer dieses Bethauses hieß Jakob. Das zweite Gotteshaus hieß Newe Schalom, daselbst wirkte der große Gelehrte Joseph Varga') und verfaßte eine Geschichte der Israeliten bis zur. Zerstörung Jerusalems. Nach Joseph Varga kam der überaus streng religiöse Rabbiner Uziel, welcher zufolge seiner großen Strenge Veranlaffung bot, ein drittes Bethaus unter dem Namen Ben Israel zu erbauen. Die Juden Amsterdams lebten zwanzig Jahre hindurch in Disharmonie, bis endlich diese drei benannten Synagogen zu einer einzigen vereint wurden?) Die Amsterdamer Juden errichteten viele Sckulen und Lehranstalten und im Jahre 1643 wurde eine große Synagoge erbaut, welche den Namen Keßer Thora. Gesetzeskrone, hatte. Zu dieser Zeit war der von Meister Rembrandt gemalte große Gelehrte Menaffe Ben Israel Rabbiner. Ein Mann, sowohl rabbiuischer Gelehrsamkett als anderer Wissenschaft, durchdrungen von brennendem Eifer für das Wohl seiner Mitbrüder. Dieser Menasse Ben Israel war es, welcher es erwirkte, daß die Juden zur Zeit Eduard I. aus England verjagt, unter CrouUvell die Freiheit erhielten und nach England wieder zurückkehren dursten, wie dies Mendelssohn im Original 1656 gedruckt-aus dem Englischen übersetzt erbringt. Menaffe Ben Israel schrieb das Werk „Hoffnung Israels" und will derselbe beweisen, daß die Eingeborenen in Amerika.von den zehn Stämmen abstammen. ') Hannah Adams S. 144. 2) Basnage S. 789. Die Werke Menasse Ben Israels erschienen in hebräischer, lateinischer, spanischer, portugiesischer, englischer und ein Teil in holländischer und deutscher Sprache. Daß die Eingeborenen in Amerika Juden waren, haben auch nichtjüdische Geschichtsschreiber und Schriftsteller beweisen wollen. Jacob Adair^), welcher die Indianer sowohl im häuslichen als auch öffentlichen Leben beobachtete und nach reichlich gesammelten Erfahrungen ein Werk „Die Geschichte der amerikanischen Indianer" verfaßte, bemerkte über den Ursprung der Indianer folgendes: „Aus den vielfachen genauesten Beobachtungen, welche ich durch längere Jahre unter den Indianern Amerikas machte, nehme ich an, daß diese von den Israeliten abstammen. Die Neun und einhalb Stämme, welche von Salmanasser, dem Könige von Assyrien in Gefangenschaft geführt wurden, sind nicht in Medien geblieben, denn sonst hätten sie sich mit den Eingeborenen verheiratet und zufolge ihres Wankelmutes und des Hanges zum Götzendienst hätten, dieselben die Götzen der Meder und Assyrer angenommen, während unter den Indianern keine Spur von Götzendienst zu finden sei. Hieraus wäre zu schließen, daß diese 10 Stämme, welche die Stammväter der Amerikaner sein sollen, vor der Zerstörung des Ersten Tempels auf dem Festlande sich niederließen. Dieser Adair erbringt außerdem noch folgende Gründe: 1. Daß die Indianer in Stämmen geteilt, so wie es die Israeliten nicht waren. 2. Daß die Indianer nur den einzigen Gott anbeten und diesen Jehova als Haupt ihres Staates nennen. 3. Der Dialekt und die Mundart des Hebräischen gleich sei. 4. Teilen die Indianer das Jahr in Frühling, Sommer, Herbst und wenn die Blätter fallen in Winter. 5. Besitzen die Indianer Propheten, Priester und auch Hohepriester. 6. Sind die Gebräuche der Indianer keine heidnischen, sondern den mosaischen gleich. 7. Besitzen die Indianer Zufluchtsstätten für jene, welche der Todesstrafe sich entziehen wollen. 8. Will Adair die Aehnlichkeit der Feste und der Fasttage wie bei den Juden finden. Von der Existenz der zehn Stämme war man schon in der talmudischen Zeit im Unklaren. Rabbi Akiba sagte, daß die zehn Stämme in Medien verblieben. Andere behaupten, daß man in dem hebräischen. Ausdruck nn-DKi „ich werde sie verloren gehen lassen", 3. B. M. 26—38 nur die Exile zu verstehen habe, jedoch kein „verloren gehen lassen." Es knüpfen sich viele Sagen an diese Deportation, auf die wir angewiesen sind. Wien, im Juli 1906. Albert Löw. Stellung der Juden im Drama. Wenn das jüdische Volk auch keine eigentlichen Volksdramen besessen zu haben scheint, so deutet doch alles auf eine schon sehr ftühe Existenz eines jüdisch-dramatischen Gottesdienstes hin. Hat doch auch schon Luther die Vermutung ausgesprochen, daß das dramatische Element des griechischen Dionysos-Kultus aus dem Judentum entlehnt sei. Davids reicher Tempeldienst, die Wechselgänge seiner Psalmen, sein Tanz vor der Bundeslade, die ursprüngliche dramatische Form der Bücher Hiob, Judith, Tobias, Esther, ja des Hoheliedes weisen darauf hin. Daß der Jude dann im geistlichen Spiele des Mittelalters im allgemeinen keine vorteilhafte Stellung einnahm, lag schon im Charakter dieser christlich-religiösen Schauspiele begründet. Im mittelalterlichen weltlichen Schauspiele wurde dem Juden dann als Hauptrepräsentanten des Markthandels vielfach eine komische Stellung zuerteilt. Wie im Leben, so blieb er aber auch im Drama der Völker der Jude, dann lange Zeit der Prügelknabe. Selbst der Shylock in 3) Hannah Adams.