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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-07-27 · 30 (27.7.1906) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
30 (27.7.1906)
Date
1906-07-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. bO Dr. JBlocD ö MLocvenscvrm. ©ette 499 Dom Jahrmarkt des Lebens. Der Prozeß Dreyfus und der Prozeß Hilsner. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus in Wien hat an Major Dreyfus folgendes Schreiben gerichtet: „Dem zwanzigsten Jahrhundert blieb es Vorbehalten, endlich das entsetzliche Martyrium zu lösen, dem Sie, geehrtester Herr, als Opfer einer ganz unglaublichen Jntrigue, einer förmlichen Verschwörung gegen Wahrheit und Recht verfallen waren. Was an Tücke, Niedertracht und Verdrehung der Tatsachen geleistet werden konnte, ergoß sich jahrelang über Ihr schuldloses Haupt. Es bleibt unfaßbar, wie auf der einen Seite ungestraft ein derartiges Maß von Verworfenheit sich frei entfalten durfte, um von der anderen Seite stets eine in ihrer Größe und Unerschrockenheit einzig dastehende Abfertigung zu erfahren. Als die Gewißheit vorhanden, daß denn doch die Moral und Besonnenheit im Lande der großen Freiheitsideen wieder zu Ehren gekommen, als zumal die Botschaft des Sieges der Wahrheit hier eingetroffen war, da brach unendlicher Jubel unter allen Gebildeten aus; der geradezu elementare Ausbruch der Freude drängte alle anderen Angelegenheiten in den Hintergrund! Man beglückwünschte sich. Zeitgenosse einer Rehabilitierung zu sein, wie sie an den Fall Calas heranreichte, zu welchem es erst eines Voltaire bedurfte, um das schlafende Gewissen zu erwecken. Der ergebenst Unterzeichnete Vorstand des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus in Wien übersendet hiemit ebenfalls seinen aufrichtigen wie tiefempfundenen Glückwunsch. Er glaubt überdies, noch einen ganz besonderen Grund zur Befriedigung zu haben, und zwar insofern, als er, gestützt auf die Erfahrung, wonach jedes große Ereignis seine Rückwirkung auf die übrigen Länder ausübt, die leise Hoffnung hegt, daß auch für das in unserem Staate schmachtende Opfer einer ähnlichen Jntrigue, für den des Mordes bezichtigten Unglücklichen aus Polna, die Stunde der Erlösung früher schlagen werde. Wir können nicht die Worte finden, welche die Tiefe unserer Genugtuung voll zum Ausdrucke bringen würden. Wir geben uns aber gleichzeitig der Hoffnung hin, daß Ihnen, hochgeehrter Herr, diese allgemein geteilte unwandelbare Gesinnung einigermaßen Entschädigung für die namenlosen seelischen wie körperlichen Qualen, die Sie so lange Jahre bedrückten, bieten, daß das Bewußtsein, daß die Qualität der Ihnen Gutgesinnten jene Ihrer Feinde himmelhoch überragt, einen kleinen Ersatz für diese furchtbaren Leiden bilden möge! Mit dem innigen Wunsche, daß von nun ab jedes Ungemach Ihrem ' Lebenswege sernbleiben, sowie daß Sie, hochverehrter Herr, noch recht lange die Früchte des Sieges, das ist die öffentliche Ehrung, genießen möchten, verbinden wir die Versicherung unserer unbegrenzten Wertschätzung und Hochachtung, mit der wir zu zeichnen die Ehre haben, ergebenst: Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus in Wien: Der Präsident Dr. Josef Freiherr v. Seiller. Der Schriftführer F. R. Engel." In der Nummer vom Sonntag den 22. Juli gibt das „Deutsche Volksblatt" seine Gutmeinung über die eventuelle Revision des H i l s n e r p r o z e s s e s in dem nachstehenden Artikel Ausdruck, den wir im vollen Wortlaute wiedergeben, weil er selber zur Naturgeschichte des Antisemitismus ein wichtiges Dokument bildet: „General Mercier war es, der im Prozesse gegen Dreyfus in Rennes darauf hinwies, daß die Alliance Jsraelite zur Befreiung Dreyfus' einen Betrag über 30.000.000 Franken aufgebracht habe. Die militärischen Richter in Rennes waren unbestechlich, sie stellten ihre Offiziersehre höher als den schnöden Mammon und Dreyfus wurde abermals verurteilt! Nun, da man den Fall Dreyfus der Judikatur der Militärgerichte entzog und den Hochverratsprozeß einem zivilen Tribunale überwies, das seiner Zusammensetzung nach einen Freispruch des wiederholt als schuldig erkannten Verräters gewärtigen ließ, begann aufs neue die Campagne und sie endete mit jenem Erfolge, den die vom General Mercier genannten Millionen erwarten ließen. „Die Macht des Mammons, nicht aber das Recht hatte gesiegt! Israel hatte die ihm gestellte Kraftprobe bestanden... „Zu dem Siege über „Lug und Niedertracht" vermochte auch der Verein zur Abwehr des Antisemitismus nicht zu schweigen. In seiner Freude über den Triumph Israels beeilte er sich, den mit 30 Millionen rehabilitierten Kapitän Dreyfus zu beglückwünschen und daran zu erinnern, daß er nun auch „die leise Hoffnung hegt, daß auch für das in unserem Staate schmachtende Opfer einer ähnlichen Jntrigue, für den des Mordes bezichtigten Unglücklichen aus Polna, die Stunde der Erlösung früher schlagen werde." „Wir gratulieren dem jüngsten „Ritter" der französischen Ehrenlegion zu seinem Schicksalsgenossen, den wegen zweifachen Meuchelmordes zweimal verurteilten, geständigen Ritualmörder Hilsner! „Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hegt bereits „leise Hoffnunge n", daß auch Hilsner im Wege einer außerordentlichen Revision die Luft der Freiheit wieder atmen werde! Schau, schau! Worauf gründet sich diese Hoffnung des Wiener Judenschutzvereines? „Vor Jahren haben wir in unserem Blatte ein vertrauliches Zirkular veröffentlicht, das ein Wiener jüdischer Verein an die reichen Glaubensgenossen versendete und in dem unter Hinweis auf die anläßlich des Xante ner Knabenmordes von den reichsdeutschen Juden eingeleiteteMillionensammlung von den österreichischen Juden zu „Abwehrzwecken" ebenfalls — Millionen verlangt wurden. „Sollten nun die zur Befreiung Hilsners beanspruchtenMillionen bereits zusammengeschnorrt sein? „Wir hegen die „leise Hoffnung", daß von den für Dreyfus bestimmten Millionen noch ein oder das andere Milliönchen erübrigt wurde und daß die Goldstücke, die in Frankreich unplaciert blieben, nun nach Oesterreich rollen werden, um das Befreiungswerk für den „Märtyrer" von Polna zu fördern. Allein was in Frankreich, dem Dorado der Korruption, möglich war, ist nicht in unserem Staate denkbar! Wir sagen es offen heraus, derjenige Richter in Oesterreich, der die Kühnheit hätte, für Hilsner einzustehen, dessen Verbrechen klar und deutlich zutage lagen, der seine Schuld in einer von ihm und seinen Parteigängern vielleicht schon oft verfluchten Stunde eingestand — dieser Richter kann nur ein solcher sein, bei dem die Goldfüchse aus den Kaffen der jüdischen Schutzvereine Eingang gefunden und ihre Wirkung zu äußern begonnen haben. „Nur bestochene, bezahlte, vom Judentu m gedungene feile Subjekte können es sein, die die Charakterlosigkeit besitzen, ihre Schande öffentlich zur Schau zu tragen, wenn nach dem heutigen Stande der Dinge es noch Kreaturen geben sollte, die sich für die Rehabilitierung dieses jüdischen Scheusals einsetzen! „Nur heraus, ihr feilen, bankerotten Subjekte, die ihr eure Meinung gegen Judensold verkauft, damit man euch kennen lernt, damit man weiß, wer mit den Resten der Kriegsanleihe, die das internationale Judentum für den Kampf zur Rettung Dreyfus' aufbrachte, für die Befreiung eines jüdischen Mordbuben gekauft wurde! „Nein, Israel! Hilsners Befreiung wird dir nicht gelingen. Vierundzwanzig Richter aus dem Volke haben ihn einst i m m i g schuldig gesprochen, sechs gelehrte Richter haben das Todesurteil über ihn ausgesprochen und der Oberste Gerichtshof, dem das Recht zustand, das Urteil zu kassieren und die sofortige Freisprechung Hilsners auszusprechen, hat von diesem Rechte, von dem er bereits wiederholt Gebrauch machte. Hilsner gegenüber Gebrauch zu machen keine Veranlassung gehabt. Nahezu 30 Richter haben über Hilsner ihr „schuldig" gesprochen. . . .

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