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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-07-20 · 29 (20.7.1906) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
29 (20.7.1906)
Date
1906-07-20
Page
– (sequence 14)
Language
German
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tocut 494 Dr. JSlocb 3 Mocbenscbrm. Nr 29 Wohltätigkeitsanstalten, er war der erste Bibliothekar und in der Tat der Gründer der Maimonides Library; infolge seiner wissenschaftlichen Bildung, seines Kunstsinnes und seines hohen moralischen Charakters wegen von allen geliebt und geachtet, die ihn kannten. Zeuge dieser Achtung war die große Schar von Freunden, von Schülern und Schülerinnen, die als angesehene Männer und Frauen an seinem Leichenbegängnisse sich beteiligten. An der Bahre des Verblichenen sprachen im Trauerhause Dr. Davidson und am Grabe Dr. Stuebich erhebende und trostreiche Worte zur hinterlassenen Witwe, Tochter und Enkeln, und würdigten die Tugenden des Verblichenen in gerechter Anerkennung. Sein Andenken bleibt ein gesegnetes. Feuilleton. Alloserr. Jugcnderinncrungen eines Achtzigjährigen, mitgeteilt von Ed. Jonas. Bald nach der Vertreibung der Türken aus Ungarn hatte sich in nächster Nachbarschaft der Hauptstadt Ofen, auf dem Grund und Boden der kaiserlichen Herrschaft Altofen, ein jüdisches Gemeinwesen gebildet, welches durch die hervorragende Intelligenz, Gelehrsamkeit und gewerbliches Streben seiner Mitglieder an der Spitze der damaligen ungarischen Judenschaft genannt zu werden verdient. Daher pflegte mein vor wenigen Monaten Heimgegangener Vater Adolf Jonas mit einem gewissen Stolze seine Erzählungen aus den Tagen der Jugend mit den Worten einzuleiten: „Ich bin ein geborner Altofner." Einen großen Aufschwung nahm Altofen nach dem Jahre 1745, als durch die Heiratsbeschränkungen der Juden in Böhmen und Mähren so mancher jüngere Sohn behufs Ermöglichung einer Ehe zum Wanderstabe greifen müßte. Den böhmischen und mährischen Juden erschien damals Ungarn als ein Eldorado, in welchem das in der Heimat verwehrte Familienglück und ein leichteres wirtschaftliches Fortkommen zu finden war. Die Namen der Allofener Patrizierfamilien der alten Zeit, Boskowitz, Kanitz, Proßnitz, Pölitz, Zappert, Abeles, deuten auf diese Herkunft ihrer Träger hin. Aber auch ungarische Juden hatten sich zahlreich in dem rasch emporblühcnden Altofen angesiedelt, wie zum Beispiel die Familien Totis, Holitscher, Bogdan. Der Urgroßvater meines Vaters R. Moscheh Bogdan war aus Bogdany an der Donau nach Altofen gezogen und führte daselbst seine Geschäfte mit so glücklichem Erfolge, daß er bald zu den hervorragendsten Gemeindemitgliedern zählte und während der josefinischen Periode das Amt eines Roschhakohols bekleidete. Die Altofener Judengemeinde hatte das Recht der eigenen Gerichtsbarkeit in leichteren Fällen und das Richterkollegium der Gemeinde konnte Hausarrest, Arrest und nach dem barbarischpatriarchalischen Geschmacke jener Zeit auch Prügelstrafen bis zu 12 Stockstreichen über schuldige Gemeindeangehörige verhängen. Gegen diese Urteile gab es allerdings eine Appellation an den zu Ofen residierenden kaiserlichen Hofrat, welchem die Herrschaftsverwaltung unterstand. Eine solche Prügelstrafe mußten übrigens noch in den Dreißiger-Jahren des vorigen Jahrhunderts einige junge Bursche tatsächlich erdulden, weil sie am Sabbat- Nachmittag mit Weinhauerstöchtern in einem Wirtshause getanzt hatten. Die Judengemeinde hatte auch das Recht, zur Ausübung ihrer polizeilichen Befugnisse zwei Haiducken zu halten, von welchen einer sogar bei feierlichen Ausfahrten des Roschhakohols neben dem Kutscher auf dem Bocke zu sitzen pflegte. Von amtswegen sammelte R. Moscheh Bogdan die auf Juden bezughabeUden gesetzlichen Verordnungen Kaiser Josefs und sind fast alle diese Blätter im Wege der Vererbung in meinen Besitz gelangt. Durch die kaiserliche Verordnung vom 28. August 1787 wurden die Juden in sämtlichen Provinzen angewiesen, sich vom 1. Jänner 1788 an deutscher Familiennamen zu bedienen, und so nahm R. Moscheh für sich und seine drei Söhne Salomon Hirsch, Jsak und Beer den Vornamen seines Vaters „Jonas" als Familiennamen an. Allerdings verwendete man die neuen „deutschen" Namen nur im kommerziellen und behördlichen Verkehre, denn im internen Gebrauch der Khille blieben, dem konservativen Sinne jener Zeit entsprechend, die alten jüdischen Familienbezeichnungen wohl noch mehrere Dezennien aufrecht. So finden wir noch 1820 zwei Söhne des R. Moscheh im Baukomitee der Synagoge als S. H. Bogdan und Jsak Bogdan angeführt. Im Jahre 1799 wurde dem Moses Jonas das Recht verliehen, „in Pest eine Niederlage von Tüchel und Druckleinwand all' ingrosso" zu errichten und wird in dem noch heute vorhandenen Dekrete des Pester Magistrates nicht nur der empfehlenden Zeugnisse von Pester und Ofner Handelsleuten Erwähnung getan, soudern auch „nicht minder seiner schon wohl eingerichteten Fabrik wegen" das Gesuch des Supplikanten in günstigem Sinne erledigt. Die Franzosenkriege hatten einschneidende Veränderungen in den Vermögensverhältnissen der Altofner Judenschaft zur Folge gehabt. Insbesondere wurde sie durch den Staatsbankrott von 1811 stark in Mitleidenschaft gezogen. Durch das strenge Prohibitivsystem gegen die Einfuhr ausländischer Jndustrieartikel waren jedoch in Altofen während jener Zeit einige kleine Kottondruckereien entstanden, welche den Ursprung von großartig angelegten, noch heute daselbst blühenden Unternehmungen dieser Art bilden sollten. In diesen Druckereien, in welchen noch in primitiver Weise mit Handdruck gearbeitet wurde, waren größtenteils jüdische Arbeiter beschäftigt und noch heute arbeiten in in den großen Altofner Etablissements der Firmen Samuel F. Goldberger's Söhne und Gerson Spitzer u. Co. Nachkommen jener jüdischen Drucker. Die Söhne der hervorragenden Ältofner Familien pflegten eine gute, weit über das gewöhnliche Maß der damaligen Zeit hinausgehende Ausbildung zu erhalten. Man sandte die jungen Leute auf einige Jahre nach Prag, wo sie talmudisches, aber auch modernes Wissen sich zu eigen machten. Mein Großvater, David Jonas, welcher einige Jahre in Prag studiert und daselbst die Morcnuwürde erlangt hatte, war nicht nur in deutschen Disziplinen gebildet, sondern auch des Französischen und Ungarischen mächtig und besaß eine gewisse Fertigkeit im Violinspiel. Ein kriegsgefangener Franzose hatte sich in Ofen als französischer Sprachlehrer ansässig gemacht und zählte Söhne und Töchter der Allofner Juden zu seinen eifrigen Schülern. Denn auch die Altofner Mädchen waren bestrebt, sich zu bilden. Schiller und der heute halbvergessene Kotzebue bildeten die beliebte Lektüre der erwachsenen weiblichen Jugend. Viel verwendete die Gemeinde auf ihre Schule, deren Lehrer, unter welchen die Oberlehrer Klaber und Treuer durch besondere Tüchtigkeit hervorragten, meistens von Prag berufen wurden. So manche der dort herangebildeten Schüler gelangten später zu ansehnlichen Lebensstellungen. Das höchste Ansehen in der Gemeinde genoß der damalige Oberrabbiner Moses Münz, welcher ebenso gelehrt wie geistreich war. Man erzählte von ihm, daß er einst einem unwissenden, jedoch auf sein Wissen eingebildeten Vater, welcher seinen Sohn dem Rabbi „zum Verhören" vorgeführt hatte, geantwortet habe: „Ich bin fest überzeugt, daß Euer Sohn Euch nachgeraten wird". - Während seiner Amtszeit hat die Altofner Gemeinde, an deren Spitze damals Simon Boskowitz stand, einen neuen Tempel mit einem Kostenaufwand von über 130.000 Gulden W. W. gebaut. Die Synagoge, welche im Jahre 1820 eingeweiht wurde, bildet noch heute durch ihren edlen Stil eine Sehenswürdigkeit Altofens. An derselben wirkte auch der berühmte Kantor David Brod-Strelisky, ein Meister des alten Synagogengesanges. Besonders lebhaft erinnerte sich mein Vater der Requiemfeier, welche für weiland Kaiser Franz im März 1835 in Anwesenheit der Ofner Regierungsbehörden im Altosner Tempel abgehalten wurde. Von der Cholera des Jahres 1832 und der großen Ueberschwemmung des Jahres 1838 hatte Altosen viel zu

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