Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 29 (20.7.1906)
- Date
- 1906-07-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 490 könnten, will ich demnächst in breiten Zügen eine Entwicklung der zionistischen Idee seit Herzls Tode in Ihrem werten Blatte veröffentlichen, die auch für die Allgemeinheit von Interesse sein dürfte und die Bedeutung dieses Parteitages sowie seine Arbeit ins richtige Licht zu stellen geeignet sein dürfte. Hochachtungsvoll H. Jork-Steiner." Die Jewish Colonisation Association. Die I. C. A. hat am 1. Juli in Paris ihre Jahresversammlung abgehaltcn. Der Bericht dieses größten jüdischen Hilfsinstituts über die Arbeit im vergangenen Jahre verdient die volle Aufmerksamkeit der jüdischen Oeffentlichkeit. Im Mittelpunkt der Tätigkeit der I. C. A. steht die Kolonisation in Argentinien. Gegen die argentinischen Kolonien der I. C. A. sind ja im Laufe der Jahre immer wieder Stimmen der Kritik laut geworden. Ost ist diese Kritik mit großer Heftigkeit geübt worden. Und es mag auch wohl gar mancher Tadel, der ausgesprochen wurde, begründet gewesen sein. Immerhin sollte nicht vergeffen werden, daß keine Zufluchtsstätte, die sich für unsere armen und bedrückten Brüder im Osten eröffnet, leichten Herzens verschmäht werden darf, in der Gegenwart am allerwenigsten. Wo Mängel vorhanden sind, muß die bessernde Hand eingreifen, um sie zu beseitigen. Der vorliegende Bericht der I. C. A. bietet jedenfalls kein unerfreuliches Bild. Es gibt gegenwärtig in Argentinien 9227 jüdische Kolonisten und 2195 Landarbeiter. Diese Ziffern bedeuteten gegen das Jahr 1904 eine Zunahme von 937 bezw. 1359. Es werden gegenwärtig über 160.000 Acres Land bebaut gegen 118.000 im Vorjahre — ein Fortschritt um beinahe 40 Prozent. Auch der Viehbestand ist nach dem Bericht größer geworden, und die Kolonisten sind in der Lage, ihre Verbindlichkeiten gegenüber der I. C. A. nach und nach abzulösen. Sie tragen sogar einen Teil der Kosten für die Einrichtungen ihrer Gemeinwesen. Wie der Präsident der I. C. A. mitteilt, ist man bemüht, die Kolonisten mehr und mehr zur öffentlichen Verwaltung heranzuziehen. In der Tat wird eine gedeihliche Entwicklung der Kolonien wesentlich davon abhängen, daß die I. C. A. die Ansiedler vor allem zur Selbständigkeit zu erziehen bestrebt ist. Für die Zukunft darf mau eine bedeutende Vergrößerung der Ausiedlungen erwacten. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres betrug die Zahl der jüdischen Einwanderer über 500, und die Regierung und die öffentliche Meinung Argentiniens stehen der Einwanderung sehr freundlich gegenüber. Möchte es gelingen, unseren unglücklichen Brüdern hier eine bessere Heimat zu schaffen! Gottlieb Boudy. Zur Biographie Gottlieb Bondy's wird uns aus Prag geschrieben: „Nicht bloß seine Verdienste um die Schaffung neuer Erzeugnisse in dem von ihm errichteten Eisenwerke in Bnbna sind cs, welche ihm einen ehrenvollen Namen in der Geschichte unserer Eiscnbahnindustrie sichern, sondern auch sein Wirken in der Prager Handels- und Gewerbekammer. Er war der erste Präsident der Handels- und Gewerbekammer, als diese eine böhmische Majorität erhalten hatte. Unvergeßliche Dienste knüpfen sich an den Namen Bondy bezüglich des Kunstgewerbemuseums in Prag, deffen erster Präsident er auch war und das er reich beschenkte. Auch als Landtagsabgeordneter, als Mitglied des Stadtverordneten-Kollegiums durch 18 Jahre und später als Stadtrat hat er sehr ersprießlich gewirkt. Besondere Verdienste erwarb er sich auch als Obmann der Finanzsektion der Landes- Jubiläums-Ausstellung 1891. Seine Wohltätigkeit ist eben so groß, als sie der Oeffentlichkeit wenig bekannt wird. Gottlieb Bondy ist am 15. November 1832 in Prag geboren. Sein Vater war Besitzer einer bedeutenden Eiscngroßhandlung und ließ ihn sorgfältig erziehen und ausgedehnte Studienreisen im In- und Auslande unternehmen. Im Jahre 1860 wurde Bondy Mitinhaber und später Alleininhaber des Geschäftes. Im Jahre 1867 errichtete Bondy in Bubna ein Elsenwalzwerk, welches anfänglich. 150, in den Achtziger-Jahren Nr. 29 bis über 400 Arbeiter zählte. Weil Bondy zu einer Beteiligung an dem im Jahre 1886 abgeschlossenen Eisenkartell nicht zu bewegen war, entspann sich zwischen den kartellierten und seinem außerhalb des Kartells verbliebenen Werke ein heftiger Konkurrenzkampf, welchen Bondy viele Jahre hindurch aushielt, endlich aber, der Uebermacht weichend, das Walzwerk aufgeben mußte. Im Jahre 1867 hatte Bondy zugleich mit dem Walz werke eine Draht- und Draht st iftefabrik errichtet welche er weiter beibehielt und fortwährend vergrößerte, so daß sie zu den größten in Oesterreich gehört. Gegenwärtig beschäftigt er in derselben 150 Arbeiter. Bondy hat die Erzeugung von Telegraphendraht bei uns zuerst eingeführt, wodurch die Notwendigkeit des Importes ausländischen Drahtes entfiel und seit 1874 der ganze Bedarf an Telegraphendraht im Jnlande gedeckt werden kann. Bondy war stets ein sehr humaner Arbeitgeber; er versicherte seine Arbeiter gegen Krankheit und Unfall schon in den Sechziger-Jahren, er baute für dieselben billige Wohnungen, er errichtete einen Unterstützungsfond, der noch heute besteht und gab bei Auflösung seines Walzwerkes den Beamten und Arbeitern, die er entlassen mußte, Abfindungen im Betrage von über 60.000 Kronen. Bondy war ferner der Mitbegründer der großen Eisenwerke in Zenica (Bosnien). Er wurde schon in jungen Jahren von der böhmischen Partei in die Prager Handels- und Gewerbekammer kandidiert, konnte aber, da die Böhmen sich in der Kammer damals in der Minorität befanden, erst im Jahre 1871 auf ein Jahr an Stelle eines verstorbenen Mitgliedes in die Kammer einrücken. Schon damals zeichnete er sich, außer anderen Referaten, namentlich durch ein Gutachten über die Erstellung neuer Zollsätze für die Eisenindustrie aus. Im Jahre 1881 wurde Bondy als Mitglied in die Kammer gewählt, wo er seither ununterbrochen tätig ist. 1884 wurde Bondy zum Präsidenten der Handelskammer gewählt und hat sich als solcher durch seine Umsicht und seinen feinen Takt große Verdienste erworben. Die fachmännischen Anregungen und Referate Bondys waren für die Kammer sehr wertvoll. Die über seinen Antrag erstattete Denkschrift der Kammer über die Errichtung eines ständigen Ausstellungsgebäudes im königlichen Tiergarten war der Ausgangspunkt der Prager Landes-Jubiläumsausstellung vom Jahre 1891, deren vorzüglicher finanzieller Erfolg hauptsächlich Bondy als dem Präsidenten des Finanzausschusses zu danken war. Bondy erwarb sich besondere Verdienste um die Landeseisenbahnangelegenheiten, Schiffbarmachung der Moldau und Elbe und um die Moldauhäfen in Prag. Seit dem Jahre 1884 vertritt er die Kammer im Staatseisenbahnrate und ist eines der tätigsten und verdientesten Mitglieder derselben. Auch im Landeseisenbahnrate ist Bondy in gleicher Weise tätig. Er ist ferner Kurator des k. k. Oesterreichischen Handelsmuseums. Ganz besondere Verdienste hat sich Bondy um das Kunstgewerbemuseum der Prager Handels- und Gewerbekammer erworben, dessen erster Präsident er war und dem er namhafte Geschenke widmete. Als Landtagsabgeordneter der Kammer hat er viel zur Gewährung der Landesdotation für den Bau eines neuen Museumsgebäudes beigetragen, zu welchem Baue er selbst munifizente Widmungen spendete. Bondy war bereits im Jahre 1863 Mitglied des Prager Stadtverordneten- Kollegiums, von welchem er später auch in den Stadtrat gewählt wurde. Auch hier entwickelte er eine überaus rege und verdienstvolle Tätigkeit und sind manche ersprießliche Gemeindeunternehmungen, so z. B. die Gasanstalt, die städtische Sparkassa u. s. w. unter seiner eifrigen Mitwirkung ins Leben gerufen worden. Sehr verdient machte er sich bei der preußischen Okkupation im Jahre 1866, wo er eine gefahrvolle Mission des Prager Stadtrates nach Wien übernahm und mit Erfolg durchführte. Bondy wurde von Sr. Majestät wiederholt ausgezeichnet. Im Jahre 1866 wurde ihm für seine eben erwähnten Verdienste während der preußischen Okkupation das goldene Verdienstkreuz mit der Krone verliehen und ist er deshalb auch trtai i'irm i'ir'nr i**11 1,1