Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-07-13 · 28 (13.7.1906) · page 15

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
28 (13.7.1906)
Date
1906-07-13
Page
– (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3020846-3021656-3021685--15574-3040347
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

-m Nr. 28 Dr. JBioctra Mocvenscvrm. Seite 475 Kampf und eine schwere Arbeit, bevor es mir gelang, die Besorgnisse des im höchsten Grade mißtrauischen Herrschers der Türkei zu zerstreuen und die gegen mich gerichteten geheimen Machinationen zu durchkreuzen. Dem Sultan wurde in die Ohren geflüstert, daß mein Vorschlag einem geheimen Anschlag auf seine Machtstellung in Palästina gleichkäme und daß die reiche Judenschaft Europas und Amerikas es darauf abgesehen ^habe, das den Christen und Mohammedanern gleich teure Heilige Land an sich zu reißen." Nun berichtet Professor Vämb^ry, wie es ihm endlich gelang, Dr. Herzl beim Sultan doch einzusühren. „Leider aber," ruft Professor Vambery resigniert aus, „hat mich mein von allem Anfang an bekundeter Pessimismus nicht getäuscht, das Endergebnis der Herzl'schen Intervention war ein vollständiger Mißerfolg. Der Sultan war wohl geneigt, jüdische Kolonisten nach Mesopotamien zuzulassen, aber für die Frage eines Privilegienbrieses von längerer Dauer, für die Etablierung von jüdischen Kolonien in großem Maßstabe — Pläne, für die sich Dr. Herzl besonders exponierte — hatte der Sultan stets nur ein taubes Ohr." Die Aversion der Türkei gegen die Verwirklichung der zionistischen Idee hat nach Professor Vambery mehrere Gründe. Vor allem fürchtet der Sultan diplomatische Komplikationen, die sich daraus ergeben könnten, daß sich die jüdischen Kolonisten — ebenso wie dies heute die christlichen Bewohner, besonders in Armenien tun — wegen der türkischen Mißwirtschaft bei den ausländischen diplomatischen Vertretern beschweren könnten. Andererseits ist Palästina nicht ödes, herrenloses Land, sondern von Arabern, Türken und Christen bewohnt, so daß im Falle der Etablierung der jüdischen Kolonien die heutigen Einwohner verdrängt werden müßten. Endlich sind auch Hindernisse religiöser Natur vorhanden. „Ich gebe gerne zu," sagt Professor Vümbery, „daß die Idee, die Kinder Israels um Zion zu vereinen, einen jüdischen Staat zu schaffen, gewiß sehr poetisch und sehr stolz ist, und ich verstehe vollkommen den Enthusiasmus, welchen diese Idee in den Herzen der armen, geknechteten und mißhandelten Juden zu erregen vermag. Doch wir sollten der Schwierigkeiten eingedenk sein, die mit dieser so wünschenswerten, aber tatsächlich unmöglichen Idee verknüpft sind, und anstatt Luftschlössern nachzuiagen, wäre es im Interesse des grausam verfolgten Teiles der Judenschaft viel nützlicher, wenn wir den praktisch durchführbaren Plan des „Jto" adoptieren würden, der wohl arm an poetischen Attributen ist, jedoch die Lösung der Judenfrage um ein ganz Bedeutendes vorwärts bringen würde." Aehnlich wie das Gutachten Professor Vümberys klingen auch die übrigen, die Zangwill im Rahmen seiner „Fortnightly Review "-Studie über das „Jto" veröffentlicht, wohl der Beweis dessen, daß der Zionismus in seiner alten Form nur idealen Inhalt besitzt, daß dagegen die modernisierte Form des Zionismus die „Jüdisch-Territoriale Organisation" ist, der die Zukunft gehört. Deshalb darf die „Jto"-Gemeinde und die agitatorische Tätigkeit der von Zangwill geleiteten „Territorialisten" nicht unterschätzt werden. 0. D. Vermischtes. Maler David Kohn. Man schreibt dem „Neuen Wiener Tagblatt" aus Hamburg: Dem hiesigen Kunstvereine verdanken wir die Bekanntschaft mit dem Wiener Maler David Kohn, von dem wohl vordem ab und zu ein Blatt bei Bock zu sehen war, der uns aber erst durch die gegenwärtig exponierte Kollektion ganz nahe gebracht worden ist. Unter den 28 ausgestellten Bildern ziehen vor allem seine Rotstift- und Kohlenzeichnungen an, insbesondere die Blätter mit zwei Kreiden, deren koloristische Wirkung ganz unvergleichlich ist. Der „Alte Jude aus Galizien", das Tableau mit fünf Altmännerköpfen, die Studie zu dem in New-Dorker Privatbesitz befindlichen Gemälde „Der Grübler" und das Studienblatt „Betender Jude" in drei verschiedenen Aufnahmen sind Arbeiten, die dem allerbesten, das die Kunst in dieser Technik besitzt, an die Seite zu stellen find. Vollendete Zeichenkunst geht da mit größter Ausdrucksfähigkeit und seelischer Vertiefung Hand in Hand, was den Bildnissen ihre faszinierende Wirkung gibt, ob es sich nun um ein zartes Frauenbild handelt (wie jenes von Fräulein Pacher v. Theinburg oder das Blatt mit den drei Mädchenköpfen) oder um einen markigen Männerkopf, wie das Bildnis von Dr. Breßlauer und die Vorarbeiten dazu, dem prächtigen Kopf des Grasen Hans Wilczek, des Grafen Kielmansegg rc. Von den Oelgemälden des Künstlers möchte ich „Japanisches Stilleben" und die überzeugend wahre Studie „Inneres einer alten Schmiede bei Pyrawarth" hervorheben. Trotz der vorgerückten Saison ist die interessante Ausstellung gut besucht und bringt dem Künstler große Ehren. Wien. (H e r z l - T r a u e r f e i e r.) Sonntag den 15., 9 Uhr früh, versammeln sich die Gesinnungsgenossen und Freunde Theodor Herzls an seinem Grabe (Döblinger Friedhof). Zusammenkunft am Eingänge des Friedhofes. Innerösterreichisches zionistisches Distriktskomitee. Verein znr Unterstützung mittelloser israelitischer Studierender in Wien. Dieser Verein, eine Perle unter den jüdischen Wohltätigkeits-Instituten, versendet den Bericht über das verflossene Vereinsjahr, das 44. seines Bestandes. Man traut nun seinen Augen kaum, wenn man in demselben liest, daß ein Darlehen ausgenommen werden mußte, um die Mittel zur Deckung des Mehraufwandes zu verschaffen. Wie! Es ist nicht genug Geld vorhanden, um hungernde Studenten zu sättigen und denselben durch Gewährung von Kollegiengeldern und Rigorosentaxen die Fortsetzung ihres Studiums zu ermöglichen? Unserer Jugend, unserer Hoffnung auf eine bessere Zukunft, versagen wir die notwendigsten Mittel, um sie für die schweren Kämpfe zu stählen, die ihnen bevorstehen? Das darf wohl nicht sein! Habe ich auch keine Autorisation und kein Recht dazu, an meine Glaubensgenossen einen Appell zu richten, so spreche ich doch den lebhaften Wunsch aus. daß hier Wandel geschaffen werde. Von den gewiß zusammen mindestens zweitausend in Wien lebenden Doktoren der Rechte, Medizin und Philosophie und Vertretern der Technik sind knapp hundert Mitglieder des Vereines und im Ganzen zählt derselbe bloß ungefähr 250. Da darf es wohl nicht Wunder nehmen, wenn bei einer kleinen Ueberschreitung der normalen Ausgaben sofort das odiose Defizit auftritt. Dieses einfür allemal zu bannen, muß eine Ehrensache unseres Volkes sein und ich glaube der sicheren Ueberzeugung Ausdruck geben zu dürfen, daß bei etwas intensiverer Rührigkeit der Vereinsleitung ein derartiger Notstand niemals wieder eintreten wird. Zur teilweisen Deckung des Fehlbetrages lege ich fünfzig Kronen bei. Wien, 9. Juli 1906. Dr. Jacob Engel, Hof- und Gerichtsadvokat. Wien. Der Minister für Kultus und Unterricht hat Herrn Dr. Jakob Reiß, Religionslehrer ad personal«, zum wirklichen Gymnasiallehrer am Sophien-Gymnasium ernannt. Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen und Kinderpstegerinnen. An der mit der Israelitischen Kinderbewahranstalt, 11., Schiffamtsgasse 15, vereinigten, seit 1868 bestehenden und mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehenen Ersten Bilduugsanstalt für Kindergärtnerinnen fanden am 28. Juni unter dem Vorsitze des Herrn k. k. Landesschulinspektors Dr. Karl R i e g e r die Befähigungsprüfungen statt, bei welchen sämtliche erschienenen Kandidatinnen approbiert wurden. Anmeldungen für den 39. Jahreskurs der Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen und für den 4. Jahreskurs der Bildungsanstalt für Kinderpflegerinnen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.