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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-07-13 · 28 (13.7.1906) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
28 (13.7.1906)
Date
1906-07-13
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 38 Dr. Llocv s Moedenscvnn. Sette 473 entzogen und diese den Militärgewaltcn übergeben worden? Diese Frage müsse das Kriegsministerium aüfklären. Dem Berichte der Abgeordneten liegt eine Reihe von Dokumenten als Beweismaterial bei. Arakantschew verliest den Bericht über den Pogrom in Bjelostok, der Schilderungen schrecklicher Greuelszenen enthält. Der Berichterstatter Arakantschew klagt die Regierung an und erklärt, er erhoffe nichts von der gerichtlichen Untersuchung. Arakantschew schließt, das russische Volk begünstige niemals Pogroms, es gestatte allen Nationalitäten, mit den Russen in Frieden zu leben. Schuldig ist nur die Regierung, die auch schon die Armee, das Teuerste, was die Russen hatten, verdorben hat. Aber die Armee wird erwachen, wenn sie alle die Greuel sehen wird, die zu begehen sie gezwungen wurde. Wehe denen, die sie verderben, sie in wilde Tiere verwandeln! Der Redner fordert das Haus auf, das Gedächtnis der in Bjelostok ermordeten Opfer durch Erheben von den Sitzen zu ehren. Sämtliche Abgeordneten kommen dieser Aufforderung nach. Das Haus beschließt, die Debatte über Bjelostok zu vertagen, und geht zur Verhandlung von Interpellationen über. 6. Juli. Deputierter Professor Stschepkin setzt seine Ausführungen über die Bialystoker Judenmaffakres fort, gibt einzelne Details aus den dortigen blutigen Ereignissen und erklärt, auch die Polizei selbst habe sich an dem Pogrom beteiligt und die Truppen requiriert, als sich die von den Juden organisierte Selbstverteidigung als wirksam erwiesen habe. Redner sucht die Unrichtigkeit der offiziellen Darstellung, die von der Polizei und Mjlitärchefs herrühre, zu beweisen. Die Hauptursachy. des Pogroms liege darin, daß seitens der- Regierungskreise die Juden mit Anarchisten und jeder Versuch, sich zu verteidigen, mit einer bewaffneten Revolte identifiziert werde. Redner schließt, die Duma solle eine Miliz organisieren, um den Ausbruch von Pogroms zu verhindern, und ein Gesetz beschließen, durch welches die Soldaten ermächtigt werden, -augenscheinlich ungesetzlichen Befehlen ihrer Kommandanten den Gehorsam zu verweigern. Wenn sich die Duma machtlos erweise, werde Rußland es über sich ergehen lasten müssen, daß die europäischen Mächte einschreiten und zwar nicht bloß aus Gründen der Humanität, sondern auch aus finanziellen Rücksichten. Prof. Stschepkin erklärt, die russische Regierung wiederhole die Politik der Türkei. Sie verfolge eine wahnsinnige innere Politik und müsse sich deshalb eine Bevormunduug gefallen lassen. Rußland selbst erscheine nicht gedemütigt; denn das russische Volk habe nichts gemein mit seiner Regierung, die das Vertrauen der Duma nicht besitzt. (Beifall.) Deputierter Jakobson erklärt, er habe den Ausführungen seines Vorgängers wenig hinzuzusügen. Er erzählt, man habe ihn in Bialystok gebeten, der Duma mitzuteilen, welche Schrecken die Israeliten auszustehen hatten. Redner erklärt, die Politik der Regierung sei klar. Sie wolle die freiheitliche Bewegung in dem Blute des schwächsten Volksstammes ertränken. Rußland und das russische Volk seien unschuldig. Seine Regierung bedecke es mit Schande. Der Priester Afanassiew hält eine kurze, aber vom Zentrum und der Linken äußerst beifällig aufgenommene Rede, worin er seinen Gefühlen des Schmerzes und der Entrüstung über die Bialystoker Ereignisse Ausdruck gibt, die er auch vom religiösen Gesichtspunkte aus verwerfen müsse. In den Seelen der russischen Gouverneure lebe nicht mehr Gott. Sie haben Christum vergessen und waten im Blute der Juden. Aber der Kelch der Geduld drohe überzugehen. Das russische Volk werde die Uebeltäter strafen. . Petersburg, 9. Juli. Nachmittags wurde die Verhandlung über die Ereignisse in Bjelostok fortgesetzt und die Debatte gestaltete sich sehr lebhaft. Der Abgeordnete für Wilna, der katholische Bischof Baron Roop, erzählte in seinen Ausführungen unter anderem, ein General habe gesagt, die Soldaten würden niemals auf Christen, sondern nur auf Israeliten schießen. Redner gab seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die obersten Chefs der Verwaltung, wenn sie es wollen, immer imstande seien, den Pogroms ein Ende zu machen. Der Generalgouverneur von Wilna habe einmal antisemitische Agitatoren zu sich berufen und sie gebeten, keine Pogroms zu arrangieren. Sie hätten erwidert: „Sie wollen es nicht, dann werden wir nichts tun." Redner stellt fest, daß unter den Soldaten und den Polizisten eine gewisse Reizbarkeit gegen die Juden bestehe. Die Ursache sei die mustergiltige Organisation der Israeliten, die bei den Christen Neid Hervorrufe. Es sei notwendig, sagt Redner, den westlichen Provinzen des Selfgouvernement zu gewähren, da sonst Pogroms unausbleiblich seien. Die Zentralregierung beschäftigte sich mit der Ruffifizierung der westlichen Provinzen; sie habe sogar die Bildung einer gemüßigten konstitutionellen Partei in Wilna unter dem Vorsitze des Bischofs verboten. Die Regierung leiste so den Extremen Vorschub. Abgeordneter Winawer hielt eine lange Rede, in der er verschiedene Tatsachen anführte, welche die Teilnahme der Zentralregierung an den Judenmaffakres beweisen sollen. Die Regierung wolle die Juden zwingen, daß sie ihre Revolutionäre verraten. Die gesamte russische Nation verabscheue die Akte der Grausamkeit und Barbarei. (Beifall.) Die Regierung treibe eine Politik voll Unaufrichtigkeiten, eine Politik, die das Land in unerhörte Gefahren stürze. Wir haben, schließt Redner, an die Minister den Appell gerichtet, sie mögen aus ihrem Amte scheiden. Doch sie find taub und wollen nicht die Stimme der Nation hören. Sie sehen nicht, wie die Gewitterwolken näherziehen, sich immer mehr zusammenballen, um mit einem furchtbaren Blitzschläge das Land zu zerschmettern. Und wenn die Regierung sich erst unmittelbar vor der bestehenden Entladung zur ^niffion entschließt, dann wird es zu spät sein. Sodann sprach Abgeordneter Roditschew in überaus erregter Weise und riß die ganze Kammer zu einem Beifallsstürme hin. Nachdem noch Abgeordneter Levin gesprochen hatte, wurde die Debatte über die Vorfälle von Bjelostok auf morgen vertagt. Zur Rede des Fürsten Urussow. Der Londoner „Times" war der Wortlaut der Rede des Fürsten Urussow über die Ursache der Pogroms und die Rolle der Peterhofer Nebenregierung telegraphiert worden. Das Cityblatt hatte dazu unter anderem bemerkt: „Das ist nicht einfach eine Rede, das ist ein ganzes Ereignis, ein schrecklicher Schlag für die Bureaukratie. Nach dieser Rede hat das Kabinett Goremykin im wahren Sinne aufgehört zu sein. Der Notwendigkeit, ein verantwortungsvolles Ministerium zu berufen, kann nicht mehr ausgewichen werden." Der „Schl. Ztg." wird nun dazu aus Petersburg berichtet, daß diese Nummer der „Times" dem Kaiser auf den Schreibtisch gelegt worden ist. Der Zar liest gut Englisch. — Ueber den Fürsten Uruffow sei bei dieser Gelegenheit noch etwas nachgetragen. Als im Februar dem damaligen Premierminister Witte hinterbracht wurde, in einem Geheimkabinett des Polizeidepartements würden Aufrufe zu den Pogroms gedruckt, begab sich Witte in'Begleitung Urussows in das Departement und überzeugte sich persönlich, daß dort eine Druckerei existiere, daß sie schon seit langen Monaten arbeitete und daß der Text zu den überall im Lande verbreiteten Aufrufen von den Generalen Bogdanowitsch und Trepow stammte. Es hieß, Witte habe die Aufhebung der Druckerei verfügt und die Angelegenheit in Peterhof zur Sprache gebracht. Demgegenüber erfahre ich: erstens, daß die Druckerei fortfuhr, die Aufrufe herzustellen und durch Polizeiagenten an die „wahrhaft ruffischen Männer" zu vertreiben, sowie ferner, daß der Kaiser von dem Dasein der Druckerei im Polizeidepartement auch heute noch keine Kenntnis hat. Die christlichen Arbeiter gegen den Pogrom. Die organisierten christlichen Arbeiter in Bialystok haben folgende Resolution beschlossen: „Wir christliche Arbeiter verschiedener Bialystoker Fabriken protestieren gegen die von Regierungsagenten ausgestreuten Gerüchte, daß der Pogrom ein Racheakt der Christen gegen Juden gewesen sei. Wir Arbeiter

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