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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-07-13 · 28 (13.7.1906) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
28 (13.7.1906)
Date
1906-07-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 468 Dr. Lwcv's Miocoenscvcnr. Nr. 28 losen Elend, dem Hunger und seinen Qualen Preisgegeben find. Und wenn dann endlich die gequälte Kreatur verzweifelt nach Rettung ausschaut und solche nirgends erblickt, wenn als Antwort auf den Hilfeschrei der Hooligan sein blutiges Handwerk übt unter der Duldung, ja unter dem Schutze der öffentlichen Autorität, dann möge Herr Dr. Kramarsch sein Sprüchlein: „Wer Wind sät, der wird Sturm ernten", an die kompetente Stelle, nicht an die Juden, sondern an die kaiserlich russische Regierung adressieren. Nicht die Juden sind es, welche die Erde Rußlands mit Blut tränken, sondern mit dem Blute der Juden wird die Erde Rußlands getränkt. Die Judenmetzelei ist das beliebte Echappatoire aus den mancherlei Verlegenheiten der Staatsverwaltung in Rußland. Das Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Dr. Alfred Stern m. x., Präsident. Dr. Gustav K o h n m. p., erster Vizepräsident. Dr. Theodor Lieben m. p., Sekretär. Korrespondenzen. Gottlieb Bondys Regesten zur Geschichte der Juden in Böhmen, Mähren und Schlesien von 906-1620. Das große Werk Gottlieb Bondys, über welches Rabbiner Dr. Grunwald an leitender Stelle dieses Blattes, Nr. 25 vom 22. v. M., eingehend referierte, hat in allen wiffenschaftlichen Kreisen des österreichischen Judentums freudiges Auffehen und dankbare Anerkennung gefunden. Das Merck mit seinen 1150 Großformatseiten ist nicht oloß das Resultat mehrjähriger, mühseliger Forscherarbeit, es hat außerdem einen Kostenaufwand von 30.000 Kronen erfordert, welchen der Herausgeber allein aus seinen eigenen Mitteln bestritten hat. Die Kundgebungen der Dankbarkeit, welche Herrn Kammerrat B o n d y von allen Seiten gezollt werden, sind wohlverdient. Laut Bericht der „Wiener-Zeitung" vom 21. Juni geruhte Se. Majestät der Kaiser Herrn Kammerrat Bondy das Komturkreuz des Franz Joseph-Ordens mit dem Sterne zu verleihen, eine Auszeichnung, welche unseres Wissens noch wenigen Glaubensgenoffen zuteil wurde. Herr Gottlieb B o n d y wird im November dieses Jahres das 74. Lebensjahr erreichen, ist, wenn auch nicht mehr Präsident der Handelskammer — eine Ehrenstelle, die er aus Anlaß einer schweren Krankheit nur fünf Jahre bekleiden konnte — dennoch Mitglied derselben geblieben. Ferner ist er Mitglied des Staats- und Landeseisenbahnrates. Trotz alledem hat er gewußt, Zeit zu gewinnen, um auch dem großen Regestenwerk für jüdische Geschichte sich zu widmen. Aus Anlaß der allerhöchsten Auszeichnung sind ihm von nah und fern schriftlich und telegraphisch Zeichen der Sympathie zugekommen. Von allgemeinem öffentlichen Interesse wäre es, das große Werk, das so glücklich begonnen wurde, fortzusetzen und zu vollenden. Diesbezüglich schreibt uns Herr Kammerrat B o n d y in einem Briefe: „Die schwierigste Arbeit, die Forschung aus der ältesten und älteren Zeit, ist ja in der Hauptsache vollendet und Urkunden aus der Zeit von 1620—1740, wo überdies die deutsche Sprache vorh?: schte oder ausschließlich die Amtssprache bildete, ohne vi: en Schwierigkeiten in den Archiven zugänglich. 3 Vielleicht ist es in Ihrem geschätzten Blatte möglich, eine Anzahl wahrhaft jüdisch denkender Männer, teils aus der Gelehrten-, teils aus der Finanzwelt — letztere zur Bildung eines fond perdus — zu gewinnen, welche mit vereinten Kräften das gestellte Ziel erreichen würden, und „das Werk, zu welchem ich den Grundstein legte, dadurch zu vervollständigen, daß in weiterem ein oder zwei Bände vorerst die (von Herrn Dr. Grunwald) angeregten Ergänzungen für die Zeit bis anno 1620 und sodann die folgenden Urkunden bis 1740 veröffentlicht würden." Wir übergeben den Appell dieses großherzigen, verehrten Mannes der jüdischen Oeffentlichkeit. Vielleicht finden sich unter uns noch andere Leute, welche für die jüdische Wissenschaft und für die Ehre des jüdischen Namens materielle Opfer zu bringen fähig und bereit sind. Zionistischer Parteitag in Krakau. Am 1., 2. und 3. Juli fand in Krakau der außerordentliche Parteitag der österreichischen Zionisten statt; an demselben nahmen 159 Delegierte teil, die 53 Städte Oesterreichs vertraten. Außerdem hatte sich eine große Anzahl von Gästen eingefunden. Dem offiziellen Parteitag gingen Kommissionsberatungen und Sitzungen der einzelnen Landsmannschaften voraus. Die Sitzung der galizischen Delegation fand im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde statt, wo der Präsident der Krakauer Gemeinde Dr. T i l l e s namens des Krakauer Vorstandes die Anwesenden herzlich willkommen hieß. Samstag abends waren die Delegierten Gäste eines Banketts, das ihnen von den Krakauer Gesinnungsgenossen gegeben wurde. Hiebei wurden mehrere Reden gehalten. Es sprachen Dr. Goldwasser auf die Delegierten, Dr. Schalit auf das jüdische Volk und seine Vertreter, Abgeordneter Doktor S t r a u ch e r toastierte auf Dr. Schalit, den er in herzlichen Worten pries, Adolf Stand auf Dr. Strauche r, der sich große Verdienste um das jüdische Volk erworben habe, Dr. M a r g u l i e s auf die Krakauer rc. Sonntag den 1. wurde der außerordentliche Parteitag von Dr. Schalit eröffnet. Er sagte unter anderem: Die außerordentliche Tagung findet statt, weil eine dringende und wichtige Frage rasche und zielbewußte Entscheidung verlangt. Der Parteitag wird sich demgemäß nur mit dem einen Punkte zu befassen haben: Stellungnahme der Zionisten zur innerpolitischen Betätigung. Alle anderen internen Fragen des Zionismus, die Frage der Agitation, Organisation, des Nationalsondes und der allgemeinen zionistischen Politik bleiben einem ordentlichen Parteitag zur Erledigung^ überlassen. Bevor' der Vorsitzende in die Verhandlungen eintritt, gedenkt er der Opfer von Bialystok. Der deutsche Kaiser Friedrich habe einmal den Antisemitismus als die Schande Europas bezeichnet, er würde heute die Judenmassakres eine Schande der ganzen Menschheit nennen. Ein einziger Monarch Europas hat nach den Oktober- Mässakres sein Mitgefühl durch eine Spende offiziell zum Ausdruck gebracht; es war der Sultan und seine Regierung war die einzige Regierung in Europa, welche die Vorschriften gegen die Judeneinwanderung milder handhabte. Dies erinnert an die Zeit der Judenaustreibungen aus Spanien, wo ebenfalls die Türkei den Juden gastlich die Tore öffnete. Wir wollen hoffen, daß die türkische Regierung ihre oft bewiesene Bereitwilligkeit, mit den Vertretern des jüdischen Volkes bezüglich der Besiedlung Palästinas durch die Juden in Unterhandlungen zu treten, in den festen Willen umsetzt, diese Verhandlungen einem glücklichen und gedeihlichen Ende zuzuführen. Dem Verhalten des türkischen Reiches stelle ich nur die Barmherzigkeit des christlichen Europa gegenüber. Europa, das achtlos über die Massenmorde hinweggeht, weil Gründe staatlicher oder politischer Natur gegen jede Intervention sprechen, mögen die Massakres in Rußland als ein „Hene Tekel Upharsin“ an seinem eigenen Tore heften. Kischenew, Odessa, Bialystok sind nur der Anfang und das Ende ist ein unaufhaltsamer Sieg des Pöbels über Ordnung, Sitte, Kultur und Gesellschaft. Die Judenfrage ist heute eine Frage Europas, die von Europa auf der nächsten Haager Friedenskonferenz beantragt werden müsse. Dr. Schalit erinnerte in seinen weiteren Ausführungen daran, daß es gerade 25 Jahre wären, daß der erste zionistische Verein in Oesterreich gegründet wurde. Er wirft nun einen Rückblick auf die Tätigkeit in diesen 25 Jahren und schließt: „Der Mann, der dies alles geschaffen, ist dahin. Wie Moses das Land nur schauen konnte, das er nicht betreten durfte, wurde Theodor Herzl seinem Volke in Stunden der schwersten Not entrissen. Nur ein Trost ist uns geblieben, die Erinnerung

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