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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-07-06 · 27 (6.7.1906) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
27 (6.7.1906)
Date
1906-07-06
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 456 Sr. Llocv's Mocvenscbrttt. 5Jtr. 27 die auch dieser Herr vollauf verdiente Daß Selbstbewußtsein und Rückgrat oft gute Früchte tragen und zur Pflicht werden, zeigt Episode 2. In den gedruckten Programmen figurierte unter den Korporationen und Persönlichkeiten, die Se. Majestät vorgestellt werden sollten, auch der evangelische Pastor und der jüdische Rabbiner mit ihren Gemeinden-an II. und >2. Stelle; dagegen erhoben bei der k. k. politischen Behörde ibren Einspruch dcr evangelische Pastor L. Szalatnay und Rabbiner S. Grünberger. Als ihnen bedeutet wurde, dah es schon zu spät sei, wandten sich die Genannten in einem ausführlichen Telegramme an Se Exzellenz den Herrn Statthalter Grafen Coudenhove, wiesen darauf hin, daß sie dieselben Rechte in Anspruch nehmen wie die katholische Geistlichkeit und im Verweigerungsfalle im Ornat nicht erscheinen könnten. Als Antwort hierauf wurden Pastor Szalatnay und Rabbiner Grünberger zu einer Audienz zugelasien und wurden an 3. Stelle zur Vorstellung eingerelht, so daß nur der Hochadel sie vom Königgrätzer Bischof und der sonstigen katholischen Geistlichkeit trennte. Außerdem wurden beide Seelsorger durch Ansprachen von Sr. Majestät ausgezeichnet Der israelitische Vorsteher. Zahnarzt Dr. V. Beran, sprach die kurzen, doch gediegenen Worte als Huldigung: „Der heutige Tag, wo es der israelitischen Bevölkerung gegönnt ist. Eurer kaiserl. und königl. apostol. Majestät zu huldigen, wird mit goldenen Lettern in den Annalen der jüdischen Gemeinde und deren Mitglieder verzeichnet bleiben." Nachdem der Monarch huldvollst gedankt, trat er auf den Rabbiner S. Grünberger zu, den er fragte, ob die Gemeinde einen eigenen Tempel habe, ob er schön sei und wie lange er stehe. Nachdem der Rabbiner geantwortet, dankte der Monarch wieder. Unter den anderen Vorgestellten wurden auch die Großindustriellen Herren Denhof und Herr Dr. Lasch durch eine besonders lange Ansprache ausgezeichnet,' was allgemein bemerkt wurde. Se. Majestät bemerkte mit gütigem Lächeln, daß ihm die prächtige, stilvolle Dekoration des Etablissements besonders angenehm aufgefallen sei und daß er sehr gerne auf der Rückfahrt zum Bahnhöfe sich aufhalten möchte. Und, obwohl eine Verspätung von mehreren Minuten sich herausstellte, obwohl der Herr Bezirtshauptmann im Vorbeifahren rief: „Zu spät!" „Keine Zeit übrig", kam im zweitfolgenden Wagen Se. Majestät mit Sr. Exzellenz dem Herrn Statthalter und ließ aus eigener Initiative — außerprogrammäßig — halten, als er der Besitzer und der Beamtenschaft ansichtig wurde. Nachdem das Töchterchen des einen Chefs, Bettina Denhof. einen prächtigen Strauß überreicht hatte und auf die gestellten Fragen kouragiert geantwortet hatte, trat Herr Dr. Lasch vor, um in untertäniger Huldigung diesen Tag als den schönsten des Unternehmens zu bezeichnen. Mit gütigem, huldvollen Lächeln dankte der edle Kaisergreis, dankte den Damen für die gehabte Mühe und bestieg unter brausenden Hochrufen seinen Wagen. Das Leichenbegängnis des Dr. Byk. Aus Lemberg wird gemeldet: Die Leiche des verstorbenen Reichsra'sabgeordnetcn Dr. Emil Byk wurde unter außerordentlich großer Beteiligung aller Kreise der Gesellschaft zu Grabe getragen. Die Leichenfeier gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung der gesamten Bevölkerung der galizischen Landeshauptstadt und gab Zeugnis von dem Ansehen und den aufrichtigen Sympathien, die sich der frühzeitig verschiedene Abgeordnete hier erworben hatte. Vor dem Gebäude der israel. Gemeinderepräsentanz, in deren Sitzungssaal die Leiche aufgebahrt lag, hatten sich viele Tausende von Personen eingesunden, so daß in den Straßen der Tramwayverkehr zeitweilig eingestellt werden mußte. Unter anderen erschienen: Landmarschall Graf Stanislaus B a d e n i, in Vertretung des in Karlsbad zur Kur weilenden Statthalters Grafen P o t o c k i Statthalterei- Bizepräsident Graf Los, Hofrat Ritter v. Z a l e s k i, Oberlandesgerichts-Präsident Geheimer Rat Ritter v. Tschorznicik, Oberlandesgerichts-Vizepräsident Doktor D y l e w s k i, Landesgerichtspräsident v. P r z y l u s k i, die aus den Reichsratsabgeordneten Dr. Malachowski, Ritter v. H e n z e l, Ritter v. Struszkiewicz und Doktor K o l i s ch e r bestehende Abordnung des Polenklubs, zahlreiche Landtagsabgeordnete, die Landesausschußmitglieder Dr. Wereszczynski und D o m b s k i, der Rektor der Universität Dr. G l u z i n s k i und Univerfitätsprofessor Hofrat R y d y g e r, der Präsident der Notariatskammer W i t o s l a w s k i, der Präsident der Advokatenkammer Dr. Max, sämtliche Mitglieder des Lemberger Gemeinderatcs mit dem Bürgermeister M i ch a l s k i und den beiden Vizebürgermeistern an der Spitze, viele Magistratsräte, Deputationen der Städte Zloczow uno Brody, sowie sämtliche Kultusgemeinden von Galizien u. s. w. Auf einer vor dem Portal des Gebäudes angebrachten Estrade entbot namens der Kultusgemeinde, deren Präsident Dr. Byk durch eine Reihe von Fahren gewesen ist, der Vizepräsident Dr. Simon Schaff in eindrucksvoller Rede dem Heimgegangenen den letzten Gruß, wobei er dessen Verdienste rühmend hervorhob. Hierauf widmete Vizebürgermeister Abg. Dr. Rutowski namens der Lemberger Stadtvertretung deni Verblichenen einen tief ergreifenden Nachruf. Dann setzte sich der riesige Leichenzug durch die Kasimirstraße, in der die trauerumflorten Gaslaternen brannten, gegen den Friedhof zu in Bewegung. Am offenen Grabe sprachen außer Rabbiner Dr. Car o, namens des Polenklubs Ritter v. Struszkiewicz, namens der polnisch-demokratischen Partei Landtagsabgeordneter Dr. L ö w e n st e i n, namens der Lemberger Advokatenkammer Dr. Max, namens der galizischen Deputation der Präsident der Krakauer Kultusgemeinde Dr. T i l l e s und überdies ein Repräsentant der Studentenschaft. Die Leichenfeier dauerte mehrere Stunden. Teltsch. Unter riesiger Beteiligung aller Kreise der Bevölkerung wurde der Senior unserer Gemeinde Herr S. Stein Sonntag den 1. d. M. zu Grabe getragen. Mit ihm ist einer der Begründer der hiesigen Kultusgemeinde, der auch an ihrem Ausbaue regen Anteil genommen, aus ihrem Verbände geschieden. An seiner Bahre hielt Herr Rabbiner Dr. Link einen ebenso wahren, als trefflichen Nachruf. E. B. Troppau. Vom Troppauer Bezirksschulrat wird die Religionslehrer stelle für israelitischen Religionsunterricht ausgeschrieben. Diese Ausschreibung erfolgt nur im Troppauer-Amtsblatt, von welchem die Interessenten hierdurch Kenntnis erhalten. Wir wiederholen daher diesen Konkurs (siehe Inserat) der Sache wegen. Leitmeritz. Der Essegger Theaterdirektor Edmund Spill er, welcher gegenwärtig mit einem Ensemble das bestbekannte Drama „Die Juden" von Eugen Tschirikow in verschiedenen Städten Oesterreichs zur Aufführung bringt, kündigte für den 3. d. M. eine solche Vorstellung auch in Leitmeritz a. E. an. Dies war schon genügend Grund, um die Schriftleitung des dortigen klerikalen Käseblättchens „Das Volk" zur Herausgabe folgenden Flugblattes zu bewegen: Christen von Leitmeritz! Die russischen Juden will man Euch im diesigen Stadttheater vorführen. Christen von Leitmeritz! Es soll dies ein Appell an Euere Taschen für jüdische Zwecke sein. Ihr seid Euch doch Euerer Pflicht, die Ihr den russischen Juden gegenüber zu üben habet, bewußt! Die Schriftleitung des „Volk". Kommentar erscheint Wohl hiezu gänzlich überflüssig. Straßnitz. Zur Renovierung der hiesigen Synagoge haben weiters von den auswärts lebenden Straßnitzern gespendet: Herren Brüder Kohn, Postkartenverlag in Wien K 30.—, Frau Theresia Landesmann in Wien K 10. , Frau Amalie Frankl in Bisenz K 10.- . Moskau Die hiesige große Synagoge, welche unmittelbar nach ihrer Einweihung im Jahre 1892 auf Anordnung des damaligen Großfürsten Sergius geschlossen worden war, wird jetzt mit Genehmigung des Zaren wieder eröffnet werden. Der Stadthauptmann, der diesen „kaiserlichen Gnadenakt" den Vertretern der jüdischen Gemeinde mitteilte, glaubte daran die Aufforderung an dieselben knüpfen zu sollen, daß sie die Jugend von jeglicher revolutionären Bewegung fernhalten mögen. Barby. Zum großen Kummer der Antisemiten hat unsere Stadt einen jüdischen Schützenkönig. Bei dem Königsschießen der hiesigen Schützengilde gab unser Glaubensgenosse Kaufmann Herrnberg auf der Königsscheibe den besten Schuß ab und wurde zum „König" proklamiert. Hilfsverein der Deutschen Juden. Für die Opfer der Brandkatastrophe in Uutschje (bei Bobrucek), die den halben Ort in Asche legte und 70 jüdische Familien auf das Schwerste betroffen indem sie sämtlich obdachlos wurden, sind vom Hilfsverein der Deutschen Juden Mk. 5000 bewilligt und zur zweckentsprechenden Verteilung sofort nach Petersburg überwiesen worden.

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