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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-07-06 · 27 (6.7.1906) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
27 (6.7.1906)
Date
1906-07-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 454 Dr. Dwcb's MlocvenscvrM. Nr. 27 die Regierung ihre Gesetzesvorlage am letzten Freitag in die Kammern bringen konnte, welche sie wieder in wenigen Stunden erledigten. Referent war der Jude Luzzatti, Italiens hervorragendster Finanzier, und der Finanzminister Majorana sprach in enthusiastischen Worten von der Treue des Hauses Rothschild, das immer fest zu Italien halte und auch jetzt an der Spitze des großen Weltkonsortiums stehe, welches das Gelingen der Operation garantiert. Freilich wurden die Juden in Italien nicht massakriert, sondern sind politisch und sozial vollkommen gleichberechtigt, leben angesehen unter ihren Mitbürgern und werden auch Minister, wenn sie begabt genug sind. Es ist begreiflich, daß das Welthaus einem solchen Lande kraftvoll zur Seite steht, während es von den so reichen Gewinn bringenden russischen Anleihen nichts wissen will. Zahlreiche Freunde Luzzattis ohne Unterschied der Partei veranstalteten ihm zu Ehren aus Anlaß der Durchführung der Konversion der italienischen Rente vor kurzem im Hotel Excelsior ein Festesten. Biancheri konnte an demselben aus Gesundheitsrücksichten nicht teilnehmen, feierte jedoch Luzzatti brieflich als Wiederhersteller der Staatsfinanzen. Die Festrede hielt Rudini; er pries in begeisterten Worten seinen Freund als den edelsten Fortsetzer der Traditionen Minghettis. Luzzatti war so gerührt, daß er kaum sprechen konnte. Juden am Hofe des Königs von England. Eine bemerkenswerte Aenderung des Hofzeremoniells hat, wie „The Tribüne" meldet, der König von England zugunsten der Juden verfügt. Während bisher eine jede Cour am Freitag abgehalten wurde, hat die dritte Cour dieser "Saison am Donnerstag den 28. Juni stattgefunden. Mit dieser Aenderung wird bezweckt, dem Oberrabbiner und den Mitgliedern der jüdischen Gemeinde die Teilnahme an den Hoffestlichkeiten zu ermöglichen, von der sie bisher durch die strenge Beobachtung des Sabbats ausgeschlossen waren. Wie das Blatt weiter bemerkt, wird diese Anordnung des Königs als eines der wichtigsten gesellschaftlichen Ereignisse der Saison betrachtet, das außer der Bedeutung für die englische Gesellschaft auch seinen Einfluß auf das Verhalten der russischen Regierung ihren Staatsbürgern jüdischer Konfession nicht verfehlen dürfte und jedenfalls bei der stetig wachsenden Freundschaft Englands mit Frankreich und Deutschland auch in diesen beiden Ländern zur Abnahme des Antisemitismus beitragen werde. New-Aork. Eine merklvürdige Laufbahn hat David Lubin hinter sich. 1849 in Polen geboren, kam er in frühester Jugend nach New-Iork, war erst Kommis, dann Hausierer und schließlich Landwirt. Als solcher machte er verschiedene für die Landwirtschaft nützliche Erfindungen und erwarb sich durch seine erfolgreiche Agitation für Ermäßigung der Frachten, speziell für die amerikanische Landwirtschaft, große Verdienste. Jetzt hat er nun ein ganz bedeutsames Unternehmen ins Werk gesetzt; er will nämlich eine korrekte internationale Feststellung der Ernteerträge der ganzen Welt ermöglichen, um so einerseits eine Uebervorteilung des konsumierenden Publikums zu verhindern und andererseits den Landwirten mehr den ihnen zukommenden Verdienst zu sichern. Nachdem er sich vergebens bemüht hatte, den Präsidenten der französischen Republik Loubet für seine Idee zu gewinnen, gelang es ihm, eine Audienz bei dem jetzigen König von Italien zu erlangen, der gleich auf die Idee einging und veranlaßte, daß etwa eine halbe Million Lire zur Begründung des von Lubin vorgeschlagenen internationalen Institutes ausgeworfen wurde. Jetzt befindet sich Herr Lubin in Washington, um mit dem Präsidenten Roosevelt und Senatoren für die Schaffung eines internationalen landwirtschaftlichen Kongrestes zu konferieren. New-Dork. (Große Stiftung eines Juden für allgemeine Zwecke.) Der Philanthrop Raphael Weil, ein vielfacher Millionär in San Francisco, hat beschlossen, 5000 verheiratete arme Frauen, die durch die jüngste Erdbebenkatastrophe alles verloren haben, neu mit allem zur Bekleidung und Hauseinrichtung Erforderlichen auszustatten. Herr Weil motivierte seine generöse Handlung damit, daß er als Junggeselle fühlen werde, seine Pflicht gegen das andere Geschlecht erfüllt zu haben, wenn er 5000 armen Frauen wieder zu einem gut eingerichteten Heim verhelfe. Ein Ausschuß von 50 Damen ist zur Wahl der Empfänger der Gabe eingesetzt, und Herr Weil hat demselben „vorläufig" eine Million Dollars zur Verfügung gestellt. — Wenn man bedenkt, daß die Vereinigten Staaten den von der Katastrophe Betroffenen in genügender Weise selber Hilfe leisten können, und ferner erwägt, daß Hunderttausende von Juden in Rußland elend zu Grunde gehen, ja, daß selbst in Amerika — im New-Iorker Judenviertel — Hunderttausende jüdischer Seelen auf erbärmliche Weise ihr Dasein fristen, dann muß man sagen, daß ein Jude in der gegenwärtigen Zeit sein Geld hätte besser verwenden können. Panik in New-Pork. Im New-Iorker Ghetto herrschte vor kurzem fabelhafte Aufregung infolge des Gerüchtes, daß dort ein allgemeiner Pogrom nach russischem Muster bevorstebe. Einige Kinder der Volksschulen waren seitens städtischer Aerzte Halsoperationen unterworfen worden, um Wucherungen in den Nasenwurzeln zu entfernen. Daraus entstand das Gerede, alle Kinder sollen operiert werden, woraus tausendweise die Mütter den Schulen zustürmten, um ihre Lieblinge zu retten. Ein irländischer Gasarbeiter bemerkte zynisch, allen jüdischen Kindern sollten die Hälse abgeschnitten werden, worauf der Mob einen Lynchversuch unternahm. Erst einem Massenaufgebot von Polizei gelang es mit größter Mühe, die Ruhe herzustellen. Tausende durchzogen die Straßen und riefen, die Juden sollten sich gegen die Angriffe bewaffnen. Vermischtes. Restaurateur Gnth gestorben. Ein warmherziger Mensch, ein aufrichtiger und guter Jude ist zum Leidwesen weiter Kreise in Herrn Markus G u t h, dem bekannten Restaurateur in der Stephaniestraße, verschieden. Aus bescheidenen Anfängen hat ihn seine Tüchtigkeit bis zu jenem hohen Rang in seinem Berufe gebracht, den er zuletzt besaß. Wo es eine gute Tat zu fördern galt, war der Verstorbene stets geneigt, einzugreifen und hat sich nicht nur bei den Gästen, sondern auch bei der riesigen Zahl seiner persönlichen Freunde durch seine stille Liebenswürdigkeit und Klugheit große und aufrichtige Beliebtheit erworben. Sein Wohltätigkeitssinn wirkte emsig und im Verborgenen. Herr G u t h, der ein Hotel und eine Restauration besaß, war auch Bürger von Wien. Er fiel in Teplitz-Schönau einer Erkältung zum Opfer, die er sich bei einem Besuch von Verwandten in Böhmen holte. Seine Leiche wurde nach Wien überführt, wo das Begräbnis am 3. d. unter sehr großer Teilnahme auf dem Zentralfriedhof stattfand. Die Chewra-Kadischa war vertreten durch den Vorsteher Herrn S. Steiner und Delegierten Herrn Dr. H e r z f e l d. Herr Rabbiner Dr. S ch m i e d l hielt einen ergreifenden Nachruf. Die kantoralen Funktionen versah Oberkantor Guttm a n n mit dem Chor. Beim offenen Grabe sprach Professor Nascher. Der Verstorbene hinterläßt außer seiner trauernden Gattin vier Töchter und einen Sohn, der das renommierte Etablissement weiterführt. Wien. (Der 7 5. Geburtstag des Herrn Lektors M. Friedman n.) Der Verein zur Unterstützung jüdischer Hilfsbedürftiger in Wien beging am 27. Juni 1906 in solenner Weise die Feier des 75. Geburtstages seines Protektors, des Herrn Lektors M. Fried mann. Eine Abordnung des Vereines unter Führung des Obmannes Herrn Dr. Isidor Braun mit den Herren Prof. Salzm a n n, Sperling und Landau begab sich in die Wohnung des Gelehrten, woselbst ihm der Obmann nach herzlicher Beglückwünschung das Ehrenmitgliedsdiplom des Vereines überreichte. Am Abend fand im Restaurant Herlinger zu Ehren des Jubilars ein Bankett statt. Es waren erschienen der gesammte Vorstand des Vereines als Gäste, die

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