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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-07-06 · 27 (6.7.1906) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
27 (6.7.1906)
Date
1906-07-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 452 Dr. Vlocb s Mlocvens.orlN. Nr. 27 Wien, II., Taborstraße 59, oder an das Postsparkassenkonto Nr. 834.046, worauf unverzüglich die Mitgliedskarte als Bestätigung erfolgen wird. Das Aktionskomitee. Zur Affäre Heller schreibt die „Wiener Sonn- und Montags-Zeitung" : „Die Ehrenbeleidigungsklage, welche der Direktor des Israelitischen Blindeninstitutes Heller gegen die Präsidentin des Pestalozzi-Vereins Lydia v. Wolfring und eine frühere Lehrerin des Institutes erhoben hatte, endete mit einem Freispruche der Angeklagten. Nicht etwa aus dem Grunde, weil der Wahrheitsbeweis, den dieselben für ihre Beschuldigung angeboten, auch als erbracht bezeichnet werden konnte — zu dieser Möglichkeit kam es gar nicht — sondern weil der Vertreter des Klägers im entscheidenden Moment der Verhandlung durch die Erklärung ein Ende machte, sein Klient erblicke die glänzendste „Satisfaktion" darin, daß die Staatsanwaltschaft, bei welcher die Anzeigen gegen ihn eingebracht worden waren, keinerlei Anlaß gefunden, gegen ihn in irgend einer Richtung einzuschreiten. Herr Direktor Heller hat noch in derselben Stunde im Gerichtssaal selbst erfahren, daß diese „glänzendste Genugtuung" vielleicht doch keine ganz genügende war, denn er mußte sich statt der schmeichelhaften Anerkennung für seine Milde gegenüber jenen, die ihn beleidigten, unter anderem auch den Vorwurf „Flucht vor der Oeffentlichkeit" gefallen lassen. Die „glänzendste Satisfaktion" können sich Männer, die in ihrer öffentlichen Stellung Angriffen ausgesetzt waren, in gewissen Situationen nur dann bereiten, wenn sie darauf dringen, daß ihre Beleidiger im Gerichtssaale davon überführt werden, daß sie den angebotenen Wahrheitsbeweis nicht erbringen konnten." So weit die „Wiener Sonn- und Montag-Zeitung". In der Tat hat der eigenartige Abschluß dieses von Herrn Simon Heller angestrengten Ehrenbeleidigungsprozesses in der gesammten Oeffentlichkeit einen peinlichen Eindruck zurückgelassen. Angesichts der über die Interna dieses Blindeninstitutes seit langem umherschwirrenden Gerüchte hätte im Interesse der Reputation des jüdischen Namens aus eine öffentliche Klarlegung der Vorgänge und Geschehnisse nicht „verzichtet" werden dürfen — am allerwenigsten von Seite des Direktors, gegen den die vielen Anschuldigungen sich richteten. Das Wohlverhaltungszeugnis, das er von einem seiner Zöglinge in der „N. Fr. Pr." sich bescheinigen ließ, ist dafür ein kaum hinreichender Ersatz, vielmehr geeignet, das laut gewordene Mißtrauen zu steigern. Auf die öffentliche Verhandlung durste er bloß dann „verzichten", wenn er entschlossen war, auch die Leitung des auf das öffentliche Vertrauen angewiesenen Institutes zurückzulegen. Krakau. (Reichsparteitag der österreichischen Zionisten.) Sonntag tagte in Krakau der Reichsparteitag der österreichischen Zionisten, an dem 53 Städte aus allen österreichischen Provinzen durch 135 Delegierte vertreten waren. Der Obmann Dr. Schalit (Wien) eröffnete die Tagung mit einer Rede über die Massakres von Bialystok. Die Verhandlungen galten bloß dem einen Punkt: „Die Stellung der Zionisten zur innerpolitischen Betätigung". Zur Annahme gelangte nach eingehender Debatte folgender Beschluß: Die zionistische Landesorganisation Oesterreichs ist keine politische österreichische Partei. Sie begrüßt jedoch die Konstituierung einer neuen politischen Organisation der österreichischen Juden, da der politische Zusammenschluß der österreichischen Juden auf nationaljüdischer Basis geeignet ist, das jüdische Volk in seinen wirtschaftlichen und moralischen Interessen zu stärken, seine Beziehungen zu den anderen Nationen zu klären und seine volle Gleichberechtigung mit den anderen Völkern durchzusetzen. Der Parteitag erwartet aber auch, daß das Programm der neuen politischen Partei nicht bloß nationale Forderungen enthält, sondern auch sozialfortschrittlich und gut österreichisch sei. An die Verhandlungen schloß sich die Konstituierung der neuen politischen Organisation. Den Vorsitz bei der politischen Beratung führte Abg. Dr. Straucher. Auf der Tagesordnung stand die Festlegung des politischen Programms und die Stellungnahme zur Wahlreform. In diesen Verhandlungen wurde die Erklärung des Ministers des Innern, Freiherrn v. Bienerth, aus Anlaß der Forderung nach einem deutschen Mandat für die Stadt Biala einer eingehenden Diskussion unterzogen und seine Ausführungen mit voller Zustimmung zur Kenntnis genommen. Die Verhandlungen werden drei Tage dauern. Die rumäriische Reise Dr. Luegers. Der „Budapester Hirlap" bringt folgende Meldung aus Bukarest: Der österreichisch-ungarische Generalkonsul in Bukarest Rudolf Wodianer v. Maglod hatte von der rumänischen Regierung die Aufforderung erhalten, die Liste jener zusammenzustellen, die anläßlich der Bukarester Ausstellung von der rumänischen Regierung Auszeichnungen erhalten sollen. In der Liste, die der Generalkonsul zusammenstellte, kam auch der Name des Bürgermeisters von Wien Dr. Karl Lueger vor. Die rumänische Regierung hat daraufhin in einem höflichen Briefe dem österreichisch-ungarischen Generalkonsul mitgeteilt, daß sie nicht in der Lage sei, Lueger eine Auszeichnung zu geben, weil dieser durch sein taktloses Betragen anläßlich seines Bukarester Besuches Rumänien fast in einen Konflikt mit Ungarn stürzte und die Gefahr heraufbeschworen hat, daß der ungarische Ausstellungspavillon gesperrt wird und das ungarische Ausstellungskomitee Bukarest Plötzlich verläßt. Im Verein für Volkskunde zu Berlin hielt Professor Dr. Hermann einen Vortrag über die älteste Lyrik Israels im Zusammenhänge mit dem israelitischen Volksleben. Obwohl das Alte Testament keine Uebersicht über die Literatur Israels darstellt und weder die Absicht hat, über das alte Volksleben, noch über seine Lyrik zu orientieren, bietet es doch eine Fülle von Angaben über beides, die nur der kritischen Durchforschung des Werkes, wie sie die letzten Jahrzehnte gebracht haben, bedurften, um aus der oft nicht ganz durchsichtigen Form der Darstellung klar zur Erkenntnis zu kommen. Die Lyrik der ältesten Zeit kann nur im Zusammenhänge mit dem Leben selbst verstanden werden, da sie nicht sowohl „Literatur" ist, sondern bei bestimmten Gelegenheiten des Lebens ihren Sitz hat. Vortragender wies das im einzelnen nach bei zwei Gattungen, für die besonders gute Nachrichten vorliegen, nämlich dem Siegeslied, das die Mädchen und Frauen, den heimkehrenden Kriegern entgegenziehend, unter Spiel und Tanz sangen, und dem Leichenliede, das von den Frauen, meist von gemieteten, über dem Grabe gesungen wird (Budde). Es folgte eine Uebersicht über den ganzen Stoff. Zu unterscheiden sind die profanen, privaten Gedichte, die politischen und die Kulturlieder. Unter den ersten findet man Kinderlieder, Lieder zur Feldarbeit, besonders Ernte-, Lese- und Kultuslieder, Lieder, die beim Brunnengraben gesungen wurden, Wächterlieder, Spottlieder, Abfchiedslieder, Schwelgerlieder, schließlich Liebes- und Hochzeitslieder. Das Hohelied Salomonis ist eine Sammlung von zum Teil poetisch sehr wertvollen Liebes- und Hochzeitsliedern, aus denen wir ein reiches Material zur Kenntnis altisraelitischen Wesens gewinnen können, wofern wir es verstehen, die Lieder ohne ästhetisches oder moralisches Vorurteil zu betrachten. Zu einer reichen Literatur entfaltet haben sich die politischen Gedichte, die dem alten Volke ganz besonders aus dem Herzen gesungen sind, darunter namentlich die Königslieder, ziemlich ähnlich den babylonischen. Als wichtigste Gattung müssen die Kultuslieder bezeichnet werden, denen die späteren Psalmen entsprungen sind. Vortragender gab Beispiele aller dieser Gattungen und schilderte, soweit das nach den vorhandenen Quellen möglich, die bestimmten Sitten, die zu den bestimmten Liedern gehörten. Alles in allem zeigt uns die israelitische Lyrik ein Volksleben, das ganz von Sang und Spiel durchzogen ist und in dem sich die hohe ästhetische Begabung des Volkes deutlich offenbart.

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