Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 27 (6.7.1906)
- Date
- 1906-07-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 27 Dr. Bloch's WochenfchrM Seite 451 auch noch aus einem anderen Gesichtspunkt unrichtig, den Sinn eines hebräischen Wortes direkt ans dem Assyrischen zu entnehmen. Denn gleichklingende Worte haben in den einzelnen semitischen Dialekten mehrfach eine differierende Bedeutung. So heißen z. B. das hebräische und aramäische halakh und das assyrische aläku einfach „gehen", aber das arabische dalika bedeutet „zugrunde gehen". Das assyrische nabätu heißt „glänzen" (Kausativstamm: glänzend machen), aber im Hebräischen besitzt das Kausativ von ebendemselben Grundstamm die Bedeutung „blicken, sehen". Weiterhin bietet der hebräische Text auch nicht eine Grundlage für die Uebersetzung „brach hervor", sondern das einfache Wort für „stieg auf", was beim Subjekt „Nebel" oder „Dunst" ganz natürlich ist. Paßt denn ferner auch das Objekt des Tränkens, nämlich „die ganze Oberfläche des Erdbodens" zu der neuen Deutung „und ein Strom brach hervor"? Nein, auch dies ist ein Hindernis dieser neuen Interpretation. Weshalb aber mögen schon die Septuaginta mit „eine Quelle" übersetzt baben? Dies ist wahrscheinlich durch die brachylogische Ausdrucksweise „und ein Nebel stieg auf von der Erde und tränkte" u. s. w. veranlaßt worden. Aber unter den mebreren Arten von Brachylogie, die in meiner „Stilistik. Rbetorik, Poetik, komparativ in bezug auf die Bibel dargestellt" (1900) erläutert worden sind, findet sich auch die Art, daß selbstverständliche Zwischenstadien eines Prozesses — in psychologisch erklärlicher Weise — übergangen worden sind. Diese Analogien zu Gen. 2, 6 sind dort auf S. 222 f. besprochen worden. Folglich bietet diese Brachylvgie auch keinen Anlaß, daß man mit Paul Haupt (American Oriental Societv’s ^roceedings 1896, S. 160) die Präposition ’al „auf, über" als Original für min „von" vor dem Ausdruck „Erde" in Gen 2,6 vermuten müßte. Folglich besitzt die Aufstellung von Riem über den Anlaß der einstigen großen Flut auch in dieser ausdrücklichen Hervorbebnng des Anfsteigens von Nebel oder Dunst mögltcherweise eine Stütze. Jedenfalls aber ist seine Darlegung wegen ihres exakten Gesamtcharakters wert, allseitig beachtet und geprüft zu werden. Bonn. - E d. K ö n i g. Korrespondenzen. Juden im österreichischen Heere. Deleg. Dr. S t r a u ch e r verwies in der Delegation auf die Heereslasten, beklagte sich über die Zurücksetzung der Juden, namentlich im militärärztlichen Offizierskorps und im Auditoriat, verlangt die Pflege des religiösen Gefühles der Juden durch strenges Einhalten der Vorschriften des Dienftreglements. In der Sitzung vom 2. Juli antwortete Kriegsminister v. P i t r e i ch auf die Beschwerden. In Bezug auf den Wunsch, daß jüdische Militärseelsorger angestellt werden, weil mohammedanische vorhanden find, erwidert der Minister: Meine Herren, da ist denn doch ein großer Unterschied. Die mohammedanischen Truppen sind in Oesterreich und Ungarn; dort sind keine mohammedanischen Geistlichen, aber jüdische Geistliche finden Sie ja überall, wo Truppen liegen, ohnedies im Zivil. Ich glaube nicht, daß diesen die Seelsorge gar zu viel Mühe macht. Die Mannschaft wird in dieser Beziehung auch so gehalten, daß sie ihren religiösen Pflichten Nachkommen kann. Der Herr Delegierte Dr. Straucher hat sich auch über die Aerzte und speziell über den hochverdienten Chef des militärärztlichen Offizierskorps aufgehalten nach der Richtung, daß er die Juden gaasl verfolge und dergleichen. Bon dem ist gar keine Rede. Er achtet, so wie wir alle, den Mann ohne Rücksicht auf seine Religion oder Nationalität, und wir können auch sagen, daß wir ja ganz hervorragende Aerzte in der Armee haben, die Juden find und die nicht nur als Aerzte anerkannt, sondern auch als Kameraden geschätzt sind. Ich führe nur an, daß Aerzte unter den Oberstabsärzten erster Klaffe zwei Juden sind; bei den Oberstabsärzten zweiter Klaffe sind von 68 22 Juden, das sind 32 Prozent, bei den Stabsärzten von 127 38 Juden, das ist 30 Prozent, bei den Regimentsärzten erster Klaffe von 494 119, das sind 24 Prozent, bei den Regimentsärzten zweiter Klaffe sind von 231 11 Juden, das ist 4'7 Prozent. Auch kann nicht behauptet werden, daß Stipendien an Juden nicht verliehen werden. Stipendien wurden auch an Juden verliehen, doch tritt die Erscheinung zutage, daß der Zudrang des christlichen Elements zum militärärztlichen Berufe in den letzten Jahren bedeutend zugenommen hat. Ueberdies muß auch auf den Studienerfolg und auf die volle physische Kriegsdiensttauglichkeit entsprechende Rücksicht genommen werden. Im ganzen wurden, seitdem Stipendien überhaupt erteilt werden, 104 Juden beteilt. Das ist, glaube ich, auch gerecht. Wiener Kredit- und Borschuß-Berein registrierte Genossenschaft m. b. H., Wien, II/3, Stefaniestraße Nr. 2 Wir erhalten folgende Zuschrift: P. T. Wir beehren uns, mitzuteilen, daß der von den Herren kais. Rat Moritz Hirsch (sel. And.), Emil Horner, Direktor W. Kux, kais. Rat Dr. Th. L i e b e n, Dr. Maximil. Steiner, k. k. Hofrat S. Taussig unter Mithilfe einer Anzahl Förderer (welche einen Garantiefond schafften) gegründete „Wiener Kredit- und Vorschuß-Verein" registrierte Genoffenschaft mit beschränkter Haftung, sich konstituiert hat. Der Zweck dieser Genossenschaft ist in erster Linie, dem jüdischen Handels- und Gewerbsmanne durch Gewährung von leicht rückzahlbaren Darlehen: Wechseleskompte, Eskompt von Buchforderungen, Vorschüssen auf Wertpapieren, ferner durch Annahme von verzinslichen Einlagen, sowie den Beamten durch Erteilung von Gehaltsvorschüffen die Existenz unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen zu erleichtern, resp. zu ermöglichen. In Anbetracht der Gemeinnützigkeit der Zwecke unseres Vereines laden wir höflichst ein, denselben durch Beitritt als Genossenschafter oder durch Widmung eines Beitrages zum Garantiefond zu unterstützen. Hochachtungsvoll der Vorstand: S. Taussig Carl Engländer, S. Brod Präsident Vizepräsidenten. Dr. Maximilian Steiner, Hermann Beck. „Aktionskomitee zur Unterstützung hilfsbedürftiger Hausierer in Wien." Das im Vorjahre gebildete Komitee, bestehend aus den Herren Gottlieb Bettelheim, Lucian Brunner, Rabbiner Doktor S. Gelbhaus, Dr. Ferdinand Kronawetter, Bezirksrat Ernst Neustadtl, Bezirksvorsteher Georg Niebauer, Reichsratsabgeordneter Dr. Julius Ofner, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Heinrich Schärfmesser und k. k. Kommerzialrat Jakob Schnabl, hat das Protektorat des „I. Oesterreichischen Rechtsschutzvereines für Hausierer" in Wien übernommen und sich zur Aufgabe gemacht, die Tendenzen des Vereines zu fördern, besonders die Not im Hausiergewerbe zu lindern. Das Komitee hat zu diesem Zwecke eine Aktion eingeleitet, sich an die Oeffentlichkeit gewendet und Dank der Beteiligung edeldenkender Menschenfreunde ist dasselbe in die angenehme Lage versetzt worden, vom 1. Jänner bis Juni 1906 in 50 Notfällen mit dem Gesamtbeträge von Kr. 1098.—, was durch Bücher und Belege nachweisbar ist, helfend einzugreifen. Diese Unterstützungen find hauptsächlich solchen Petenten zu teil geworden, welche nicht mehr in der Lage waren, ihre Haufiersteuer, welche bekanntlich fürs ganze Jahr im Vorhinein zu entrichten ist, zu erschwingen, damit dieselben ihrer Haufierrechte nicht verlustig werden. Leider ist die Not im Haufiergewerbe so groß, daß das Komitee allen an dasselbe gestellten Anforderungen nicht entsprechen konnte und daher Gesuche würdiger und bedürftiger Hausierer abweisen mußte. Mit Rücksicht auf die oben geschilderte Notlage im Hausiergewerbe, welches von Angehörigen verschiedener Nationen betrieben wird, in Anbetracht der Wichtigkeit desselben für Handel und Industrie und im Sinne der Humanität ergeht an alle Menschenfreunde die höfliche Bitte, sich obigem Vereine als unterstützende Mitglieder mit beliebigen Jahresbeiträgen anzuschließen, durch Spenden und Legate denselben zu unterstützen, damit derselbe seine humanen Tendenzen erfüllen kann. Gütige Beitrittserklärungen und Spenden find zu richten : an Herrn Lucian Brunner, Wien, IX., Liechtensteinstraße 11, an den „I. Oesterreichischen Rechtsschutzverein für Hausierer",