Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 27 (6.7.1906)
- Date
- 1906-07-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 450 Dr. Bloch's Wochrnfrtzrift. Nr. 27 wohnet. 19. Das Haus auf dem Fruchtmarkt, worinnen die Vro Genta wohnet. 20. Item das Haus in der Winhartz-Gassen, welches Jakob von Ruvache bewohnet. JnVeutaufen in Base!. Anno 1687 den 3. May Mittags um Ein Uhr hat Herr Peter Werenfels 8. 8. D. und Oberster Pfarrer, in dem Chor des Münsters zu Basel getauft Judel Axel, eine gebohrene Jüdin von Coppenhagen, Eberhard Ludwigs M et h e u s i e s, eines damals bereits getauften Juden hochschwangeres Eheweib, Jhro ist der Name Christiania gegeben worden. Taufzeugen waren Herr Joh. Balthasar Burckhardt, des Raths, Dreyer Herr und Deputat, Frau Esther Hummel, Hrn. Obrist-Zunft-Meister Brunschwylers, und Frau Susanna Stähelin, Hrn. Stadt-Schreiber Harders Ehefrau. Anno 1740 den 24. I u l i i nach der Sontag Morgen Predigt ist in der Kirchen des Münsters zu Basel, vor dem Altar, von Herrn Mag. Hans Rudolfs Merian, Obersten Pfarrer, ein geborener I u d, Namens Baruch Gintzburger von Prag in Böhmen gebürtig, nachdem er seine Glaubeusbekantnuß öffentlich abgelegt, getauft, und fein Begehren, ihme der N a m e S a m u e l F e l i x gegegeben worden. Er hatte die Gnade und Ehre, daß seine Tauf-Zeugen waren, die Hochgeachteten Wohlweisen Herren, Herr Samuel Merian, Neuer Burger Meister. Herr Felix Battier, Neuer Obrist-Zunft- Meister und die Biel Ehr und Tugendreiche Matron, Frau Katharina Birrin, Herr Emanuel Falkners, Alt Burger-Meisters Frau Ehe-Liebste. Albert L ö w. Zur menschlichen Urgeschichte. Eine der extremen Acirßerungen, die in jenem bekannten ersten Vortrag über „Babel und Bibel" getan wurden, behauptete, daß eine Reihe von alttestamentlichen Erzählungen jetzt auf einmal aus den Rainenhügeln Babyloniens in „re'nerer und ursprünglicherer Form" ans Licht getreten sei. In späteren Auslagen jenes Vortrages hieß es zwar bloß „in ihrer ursprünglichen Gestalt" (5. Auflage 1905, S. 32), aber auch diese abgeschwächte Behauptung enthält immer roch einen unbegründeten Anspruch zugunsten Babyloniens. Denn es läßt sich ans mehreren Gesichtspu ikten Nachweisen, daß die hebräischen Ueberlieferungen znm Beispiel über die große F'nl dieses Ereignis in ebenso ursprünglicher und zum Teil ursprünglicherer Form darstellen (vgl. meine Schlußdarstellung in „Die babylonische Gefangenschaft der Bibel" 190 ', S. Io—14). Dies ist nun das Erste, was neucstens auch in einem sebr bemerkenswerten — bei Kielmann in Stuttgart erschienenen — Schriftchen „Die Sintflut. Eine ethnographisch-naturwissenschaftliche Untersuchung" von Dr. Joh. Niem (Astronom am königlichen Rechemnstitut in Berlin) b statiot worden ist. Sodann freue ich mich, von Riem auch dies betont zn finden, daß die Traditionen über die große Flut nicht der Widerhall eines bloß lokalen Ereignisses sein können, wie sie das von Delitzsch anaenommene?yUo->enhafte Hereinfluten von Meereswellen in das untere Euphrat Tigris-Gebiet gewesen wäre. Zn den Gründen, die von mir in dem ang-fü^ten Schriftchen gegen diese Lokaltheorie geltend gemacht worden find, fügt er noch bie fast allgemein menschliche Verbreitung der Fluterjählungen und mehreres andere Er nun bestreitet auch die Behauptung, die F. v. Schwarz durch mühsame Untersuchungen im inneren Asien gewonnen und in seinem Werke „Sintflut und Völkerwanderungen" (Stuttgart l 894) entfaltet hat. daß nämlich in der Mongolei und der Wüste Gobi samt Umgebung einst ein großes asiatisches Binnenmeer gewesen sei, daß durch ein Erdbeben der umgebende Wall zerrissen wurde und die Flut sich in die Niederungen des Balchassecs, des Aralstes, des Kaspischen Meeres u. s w. ergossen habe. Dagegen sagt Niem wohl mit Recht, daß den Tatsachen Gewalt angetan werde, wenn man mit v. Schwarz behaupten wolle, daß die Vorfahren aller Völker um jenes mit elasiatische Meer herum gewohnt hätten. Zum Beispiel von den mittelamerikanischen Völkern, die doch auch die Flutsage besitzen, läßt sich dies in der Tat schwer begreifen, wenn die klimatischen Verhältniffe Sibiriens und des nördlichsten Amerika und infolgedeffen auch der Grad der Bewohnbarkeit dieser riesenmäßig ausgedehnten Länderstrecken einstmals so wie jetzt gewesen wären. Dann hätte der Uebergang über die Behringstraße oder über d>e Inselkette der Aleuten nichts Verlockendes besitzen können. Anders lag die Sache nach der Vorstellung vom Eintritt der Flutkatastrophe, die Riem gewonnen hat. Als Astronom geht er von Beobacht.: izcu am Mars und hauptsächlich an der Venns aus, die ja etwa ebenso groß wie unser Erdball ist. Die Venus nun zeigt sich im Teleskop stets als mit dichten Wolken umhüllt, und diese sind nach den Ergebnissen, die Vogel mit Hilfe der Spektralanalyse gewonnen hat, aus Wasserdampf gebildet. Da steigt die Frage auf: Wann befand sich unser Erdball in demselben Zustand der Entwicklung? Dies war damals, wo die Erde noch viel mehr von ihrer alten Eigenwärme besaß, wo infolgedessen das Wasser des Meeres und der Flüsse so stark verdunstete, daß ein dichter Wolkenschleier die Mutter Erde, wie jetzt die Venus, umhüllte. Unter dieser warmen Feuchtigkeit habe der Erdboden damals einem Treibhaus gleich eine riesige Pflanzenwelt hervorgebracht, und dieser Pflanzenwuchs habe bis in den hohen Norden gereicht. Sibirien und Grönland seien dicht bewachsen gewesen, hätten — wie es ja durch die Funde von Mammutknochen usw. konstatiert ist eine reiche Tierwelt aufgewiesen und daher auch eine zahlreiche menschliche Bevölkerung vesess n. Aber dieser Zustand des Gleichgewichtes zwischen Lnftwärme, Erdwärme und Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre habe schließlich ein Ende gefunden. Der aufsteigende Dampf habe keine Wärme an die Wolkenschichten abgegeben. Dem Erdball als Ganzes sei daher immer mehr Wärme verloren gegangen, die durch' die Sonnenstrahlung nicht wieder ersetzt worden sei. Als nun an einer Stelle die Abkühlung die unterste zulässige Grenze überschritten habe, wären die verdichteten Wolkenmassen zerrissen, und dieser Vorgang habe sich reißend schnell über die Erdkugel verbreitet. D'eses Ereignis sei die große Flut gewesen, von der die ältesten Ueberlieferungen des Menschengeschlechtes sprechen, wie z. B. auch die alte Kunde der Masai in Ostafrika, die ja erst 1904 von Hauptmann M. Merker bekanntgemacht und von Dr. Riem ebenfalls besprochen worden ist. Wer will leugnen, daß diese Darlegungen viel Plausibles enthaltend Außerdem diu ich in der Lage, eine der Voraussetzungen, die Riem gemacht hat, ans exegetischem und philologischem Wege stützen zu können. Seiner Annahme würde es, wie er sagt, entsprechen, wenn in Gen. 2, 6 wirklich jetzt noch, wie es vom aramäisch-jüdischen Targum („Gewölk", ’anana), von Luther und auch noch von Kautzsch in der von ihm helausgegebenen Uebersetzung geschieht, übersetzt werden dürfte: „aber ein Nebel stieg auf von der Erde und befeuchtete (wörtlich: tränkte) alles Land". Man hat die Wiedergabe des betr. hebräischen Ausdruckes 'ed mit „Nebel" bis in die neueste Zeit für richtig gehalten, obgleich die hellenisch-jüdische Uebersetzung vielmehr lautete: „und eine Quelle (urft-q) stieg auf" usw und Hieronymus in der Vulgata sich daran mit den Worten „Et fous asceudebat e terra, irrigaus totatn superfici^m terrae“ anschloß. Niem aber ist zweifelhaft, ob man jenen Satz noch mit „und ein Nebel" usw. übersetzen dürfe, weil zwei neueste Erklärer der Stelle (Holzinger im Kurzen Handkominentar 1898 und Gunkel im Hanokommentar zur Genesis 1901) übersetzen: „aber ein Strom brach aus der Erde hervor und tränkte die ganze Obei fläche der E de". Zar Begründung bringt» der erstgenannte Kommentator dies vor, daß ’ed an dieser Stelle nicht „Nebel" bezeichnen könne, weil diesem ’ed ein „Tränken" des Ackerlandes zugeschrieben sei. Dies aber tue der Nebel nicht, sondern er „befeuchte" nur das Land. Auch Gunkel meint, der Nebel „befeuchte die Erde wohl, aber tränke sie nicht". Also deshalb, weil für „befeuchten" der metaphorische Ausdruck „tränken" gewählt ist, darf dem Worte 'ed hier die Bedeutung abgesprochen werden, die dieser Ausdruck in Hiob 36,27 besitzt? Aber wie denn, wenn nun der personifizierende Ausdruck „tränken" der Neigung des Altertums und sveziell des Orients zu konkreter anschaulicher Äusdrucksweise entsprach? Wie. wenn „tränken" überhaupt deshalb gebraucht ist, weil eine zum Nebel genauer passende Nuance des Ausdruckes wie „befeuchten oder annetzen" im Hebräischen nicht ausgebildet war?! Nein, wegen des Verbums „tränken" darf nicht für Gen. 9, 6 das assyrische „edu, Flut, Wogenschwall" gefordert werden. Jenes verbalen Ausdruckes wegen kann nicht behauptet werden, daß die in G. 2,6 enthaltene Aussage „gar nicht an diese Stelle Passe". Oder läßt sich mit Ed. Siebers, der in seinen „Studien zur hebräischen Metrik" (Bd. 1 und II, 1901 und 1905) sich jenen beiden Kommentatoren angeschlossen hat, sagen, der natürliche, Zusammenhang zwischen Satz 5 d und Satz 7 a werde durch Satz 6 aufgehoben? Fassen wir dieses ins Auge! Es war nun aber doch vorher ein zweifacher Mangel bemerkt, der das Entstehen non Pflanzenwnchs bis dahin verhindert hatte: der Mangel an Regen (5 c) und die Abwesenheit des Menschen, der den Erdboden hätte bebauen können (5d). Die Beseitigung des ersteren Mangels wird mm in Satz 6 mit den Worten „Da stieg ein Nebel auf von der Erde und tränkte die ganze Oberfläche des Erdbodens" erzählt, und die Abstellung des zweiten Mangels wird in Vers 7 berichtet. Trotzdem „paßt" die in Vers 6 enthaltene Aussage „nicht an diese Stelle"? Trotzdem hebt Satz 6 den natürlichen Zusammenhang der Erzählung auf (Sievers 1905)? Die positive Sachlage ist vielmehr die folgende. Das hebräische 'ed kann nach seinem möglichen Zusammenhang mit dem arabischen 'ijäd(un) «das, was irgend eine Sache schützt: Zuflucht, Schleier, Lust rc " (Freytag, Lex. arabicum s. v.) den Sinn von „Nebelschleier, Nebel“ besitzen, und weil nach dem Kontext von Gen. 2, 6 der Mangel an ..Regen" beseitigt werden sollte, so besitzt das Wort 'ed an dieser Stelle sehr natürlicherweise die Bedeutung des den „Regen" naturgemäß vorbereitenden 'Nebels. Auch schon deswegen ist dem hebräischen Worte 'ed nicht der Begriff „Strom oder Flut" zuznschreiben und hier das assyrische ,,'edü, Flut, Wogenschwall" vorauszusetzen. Es ist aber