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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-06-29 · 26 (29.6.1906) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
26 (29.6.1906)
Date
1906-06-29
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 26 Dr. JSiocbs ■QOocbenscbntr. Seite 437 Präsident des Polenklubs, Abgeordneter Ritter v. Dulemba, um den Hinterbliebenen das Beileid des Klubs auszudrücken. Dr. Emil Byk, der einer angesehenen und reichen Familie entsprossen war, wandte sich frühzeitig dem politischen Leben zu. In der Zeit des Ministeriums Glaser-Unger 1873 gründete er den Verein „Schomer Israel" in Lemberg, dessen Präsident er wurde, mit der politischen Tendenz des innigen Anschlusses der galizischen Judenheit an die deutschliberale Partei in Oesterreich und er proklamierte damals ein Bündnis der Juden mit den Ruthenen bei den politischen Wahlen. Nach dem Rücktritt dieses Ministeriums machte der Verstorbene eine politische Schwenkung in das nationalpolnische Lager, er verließ den von ihm gegründeten Verein „Schomer Israel" und verteidigte seitdem die Politik der leitenden Männer des Polenklubs. Zwischen dem verstorbenen Abgeordneten Dr. Emil Byk und dem Herausgeber unseres Blattes bestand nahezu ein ganzes Menschenalter hindurch — mit nur geringen Unterbrechungen — heftige politische Fehde. Als im Jahre 1884 Dr. Bloch im Reichsratswahlbezirke Kolomea, Bnczacz, Snyatin von der dortigen jüdischen Wählerschaft für den Reichsrat kandidiert wurde, stellte sich Dr. Emil Byk ihm als Gegenkandidat entgegen; er unterlag, was ihn aber nicht hinderte, bei den Neuwahlen 1890 den Versuch zu wagen, Dr. Bloch das Mandat zu entreißen. Der Kampf wurde damals mit großer Leidenschaftlichkeit geführt und erregte in allen jüdischen Kreisen des Landes Erbitterung. Nach dem für ihn ungünstigen Wahlausgänge überreichte Dr. Byk gegen das Wahlverfahren einen Protest beim Abgeordnetenhause. Auch 1891 versuchte er, sich Dr. Bloch entgegen zu stellen, erst als seine intimsten Freunde die Aussichtslosigkeit des Unternehmens ihm begreiflich machten, zog er sich verdrossen nach B r o d y zurück, wo er 1891 an Stelle des Hofrates Baron Sochor im Stadtbezirke gewählt wurde. Sein öffentliches Wirken im Parlament und in seiner Heimatsgemeinde Lemberg als Präsident des Kultusvorstandes vollzog sich unter vollster Oeffentlichkeit. Daß er den leitenden Männern des Polenklubs allzu häufig größere Konzessionen gemacht hat, als es mit dem jüdischen Selbstbewußtsein und den jüdischen Interessen verträglich ist, hat kein Geringerer als der vor wenigen Wochen verstorbene Sektionschef und Reichsratsabgeordnete Ritter v. Gniewosz-Olexows. A. in den Spalten dieses Blattes in Erinnerung gebracht. Er sagte: „Dr. Emil Byk ist ja auch ein Mann von Begabung, allein er ist ein williger Diener der Klubmajorität bis zur Unerträglichkeit. So wurde er um das Jahr 1886, als er gegenüber dem antisemitischen Abgeordneten Fürsten Liechtenstein eine an sich gerechte Bemerkung wagte, welche aber den Fürsten Liechtenstein unangenehm berührt hat, von der Klubmajorität gezwungen, im offenen Parlamente zu revozieren und dem Fürsten Liechtenstein Abbitte zu leisten."Es hat sowohl von meiner Seite als von einer anderer Seite (Dr. Bloch) an Warnungen und Mahnungen nicht gefehlt, Herrn Dr. Byk dahin zu bestimmen, dem kaudinischen Joche sich nicht zu unterwerfen, eventuell lieber auf das Mandat zu verzichten, als zu solch peinlicher Demütigung sich herbeizulaffen. Jndeß alles blieb ohne Erfolg und Herr Doktor Byk nahm keinen Anstand, im offenen Parlament das Urteil an sich zu vollziehen." So hat v. Gniewosz bis an sein Lebensende diese Episode ihm nicht vergessen und auch jene aus diesem Anlaß erfolgte persönliche Auseinandersetzung mit Dr. Bloch hat auf beiden Seiten schwere Verstimmungen zurückgelassen, die nie mehr überwunden werden konnten. Dies offenbarte sich bald als der ehemalige Ltmberger Statthalter, Ritter von Z a l e s k i für kurze Zeit Obmann des Polenklub wurde und mit dem Prinzen Alois Liechtenstein die Abmachung vereinbarte, Dr. Bloch unter Androhung der Kassierung zur Zurückleguug seines Mandates zu zwingen. Es wäre verfehlt, Byks Verdienste um die Oeffeutlichkeit zu leugnen, allein da wir uns vor dem noch nicht geschlossenen Grabe versagen müssen, sein Wirken einer Kritik zu unterziehen, so überlassen wir eine Würdigung seiner Verdienste denen, die ihm politisch und persönlich näherstanden. In der Sonntag abgehaltenen Sitzung des Polenklubs hielt der Obmann Abgeordneter R. v. Abrahamvwicz dem verstorbenen Mitglied Dr. Emil Byk folgenden ehrenden Nachruf: „Unter dem Eindruck einer erschütternden Nachricht haben wir uns heute versammelt. Aus unseren Reihen ist plötzlich Dr. Emil Byk geschieden, unser guter, herzlicher Kollege, ein Genosse unserer langjährigen gemeinsamen und schweren Arbeit im Dienste der- Oeffentlichkeit, ein Mann, der von uns allen mit gleicher Hochachtung und Sympathie umgeben war Durch seinen frühzeitigen Tod, den alle diejenigen tief beklagen, welche seine öffentliche Tätigkeit verfolgt und sie zu schätzen gewußt haben, verliert das Land einen beredten Kämpfer, sein Wahlbezirk einen energischen Fürsprecher der Interessen der Wählerschaft, insbesondere aber verliert die jüdische Bevölkerung unseres Landes seinen hervorragenden, klar in die Zukunft blickenden Führer. Er hat es verstanden, die politischen und sozialen Interessen seiner Glaubensgenossen wirksam zu vertreten, er hat auch auf die Notwendigkeit der Assimilierung der Juden mit dem polnischen Volke hingewiesen, mit welchem sie seit Jahrhunderten verbunden sind und dem sie es verdanken, daß ihnen vor vielen Jahrhunderten die Gastfreundschaft angeboren wurde, in einer Zeit, als überall die Tore für die Juden geschlossen waren. Er ist auch stets und energisch gegen die Versuche der politischen Separation der Juden in Galizien aufgetreten und war sich dessen bewußt, daß diese zu einer Spaltung zwischen der jüdischen und christlichen Bevölkerung führen müßte, die unabsehbare, für die Juden selbst gefährliche Folgen haben könnte. Möge der Weg, den Emil Byk seinen Glaubensgenossen gewiesen hat, würdige Nachfolger finden. Ehre seinem Andenken, das wir stets in unserem Herzen für ihn bewahren werden." Der Obmann verlas hierauf die an die Adresse des Klubs eingelaufenen telegraphischen Kondolenzen, darunter vom Ministerpräsidenten Freiherrn v. Beck, Minister Dr. Pacak und anderen. Zur Teilnahme an der Leichenfeier in Lemberg wurde eine Deputation, bestehend aus dem Vizepräsidenten des Klubs, Dr. von Dulemba und den Abgeordneten Prof. Glombinski, Dr. Ritter v. Malachowski und Hofrat Ritter v. Struszkiewicz, gewählt. Im Namen des Klubs sprach Dr. von Dulemba am offenen Grabe. Ferner wurde das Präsidium beauftragt, der Witwe und der Familie das Beileid auszusprechen und im Namen des Polenklubs einen Kranz am Sarge des Verblichenen niederzulegen. Die Ueberführung der Leiche fand vom Zentralfriedhofe statt. Die Halle war von Leidtragenden dicht gefüllt, unter anderen waren zu sehen: Ihre Exzellenzen die Minister Dr. Franz Klein, Dr. Witola v. Korytowski, Dr. Adalbert Gras Dzieduszycki und Dr. Friedrich Pacak, die Minister a. D. Adam Ritter v. Jedrzejowirz und Dr. Leon und Pientak, der Präsident des Abgeordnetenhauses Graf Moriz Vetter, der Obmann des Polenklubs David Ritter v. Abrahamovicz mit den Obmannstellvertretern Dr. Ladislaus Dulemba und Dr. Michael Bobrzynski. sowie mit fast sämtlichen Mitgliedern des Klubs, die Reichsratsabgeordneten Eduard Graf Palffy, Alexander Barwinski und Dr. Karel Kramarsch, der Kanzleidirektor des Abgeordnetenhauses Sektionschef v. Bauer-Bargehr, der Präsident der Advokatenkammer Dr. Ritter v. Feistmantel mit vielen Kammermitgliederu, Universitätsprofessvr Hofrat Dr. David Hein

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