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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-06-29 · 26 (29.6.1906) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
26 (29.6.1906)
Date
1906-06-29
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 438 Dr. Lwcv's Mcrcvenscvcttl. Nr. 26 rich Müller, der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern mit dem Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn und den Vorstandsmitgliedern Baurat Ritter von Goldschmidt, kaiserlicher Rat Sachs und Salo Landau, der Präsident des Kuratoriums der Israelitisch-theologischen Lehranstalt Moriz Edler v. Kuffner mit dem Rektor Dr. Schwarz und dem Sekretär Ortsschulrat Josef Fuchs, die Rabbiner Dr. Schmiedl und Dr. Gelbhaus, Lektor Friedmauu, Direktor Otto Wiedmann von der Uuionbank, eine Abordnung des Hilfsvereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien, bestehend aus dem Vizepräsidenten Adolf Pick, den Vorstandsmitgliedern Doktor Wilhelm Pappenheim, Heinrich Pollak und Sigmund Piesen, Doktor A. Klemperer, der Vizepräsident der Israelitischen Union Dr. Schreiber mit dem Sekretär Dr. Siegfried Fleischer, Doktor Kaminka von der Israelitischen Allianz, Doktor Längstem und Dr. Klemperer als Vertreter des Verbandes des Humanitätsvereines „Bne Berith", der Vorsteher der Chewra-Kadischa S. Steiner, Vertreter des Bethausvereines „Beth Israel" usw. Mit dem Vortrage der Trauerpsalmen wurde die Leichenfeier vom Oberkantor Singer, den beiden Ersten Kantoren Schiller und Jurberger und dem Chorpersonale einbegleitet. Hierauf hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann dem Verblichenen einen tief ergreifenden Nachruf, in dem er einleitend sagte, daß die Feier eine Pflicht der Gastfreundschaft sei. Er hebe eine Seite von Byks parlamentarischem Wirken hervor: Unser Parlament unterscheidet sich von allen Parlamenten der Welt durch die Eigentümlichkeit, daß sich zahlreiche seiner Mitglieder des Wortes Jude beharrlich als eines Schimpfwortes bedienen, was freilich seltsam genug ist, da die Sitteulehre und die religiösen Gestalten, die von den unterstemSchichten der Bevölkerung bis hinauf zu deren Spitze bekannt sind und verehrt werden, jüdischen Ursprunges sind. Man kann sich denken, wie verletzend dieser Gebrauch oder vielmehr Mißbrauch des Wortes: „Jude" für chn sein mußte, der es als ein Ehrenwort betrachtete und betätigte. Dennoch bewies er eine solche Selbstbeherrschung, die freilich unterstützt wurde von einem vornehmen Mitleid mit geistiger Rückständigkeit, daß er nie die Grenzen maßvoller Mäßigung überschritt, wodurch seine immer auf tiefer Sachkenntnis und sittlichem Ernst beruhenden Ausführungen auch bei den Gegnern Gehör fanden. Dr. Güdemann schilderte Dr. Byk weiter als Vizepräsidenten der Israelitischtheologischen Lehranstalt und schloß mit den Worten des Wocheuabschnittes: „Der Mann, an dem ich Gefallen finde, dessen Stab wird blühen!" Auch sein Leben werde unverwelklich und unvergeßlich bleiben. Dann feierte der Präsident der israelitischen Knltnsgemeiude Doktor Alsred Stern den Verewigten in folgendem Nachruf: Für den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien, in dessen Auftrag, ergreife ich das Wort. Als Präsident dieser Gemeinde und als Präsident einer Vereinigung, welche, insbesondere die größten Gemeinden deS Reiches, darunter auch die Kultusgemeinde Lemberg umfaßt, gebe ich Ausdruck dem schmerzbewegten Empfinden der Judenschast Oesterreichs, hier an der Bahre eines ihrer bewährtesten, treuesten Wortführer im öffentlichen Leben. Es ist vor mir von ehrwürdiger Seite ein lebensvolles Bild der Persönlichkeit dieses ausgezeichneten Mannes, unseres treuen Glanbensbruders, entworfen worden; es ist an anderer Stelle von illustrer berufenster Seite seines Wirkens in der hervorragenden öffentlichen Körperschaft, welcher der Dahingeschiedene lange Jahre angehö'rte, gedacht worden, und es wird dieses auch hier von berufener Seite neuerlich ausgesprochen werden. Wie er die Beziehungen unserer Glaubensgenossenschaft zum öffentlichen Leben auffaßte, wie er seine Anschauungen betätigte, denselben Ausdruck gab, darüber einige Worte. Dankesworte zu sprechen, erachte ich als meine Aufgabe und da gedenke ich jener Sprüche, die von uralter Zeit her auf den Lebensweg, der ach! so häufig ein Leidensweg war und ist, uns mitgegeben wurden und die da lauten: Fördert das Wohl des Landes, in dem Ihr lebet! vinsd äs malchusseh dineh! Das Recht des Landes, dem Ihr angehört, sei Euer Recht! Das ist das Um und Auf dessen, was wir anstreben, das ist es, was mit uns allen der Dahingeschiedene anstrebte und dem er mit aller Macht seiner Rede, gegenüber Angriffen, auch mit dem Worte der Empörung aus innerster Seele Ausdruck gab. Nun hielt der Präsident des Polenklubs Ritter von Abrahamowiez eine längere Rede in polnischer Sprache. In einigen Tagen werden die sterblichen Ueberreste Emil Byks auf heimatlichem Boden bestattet werden. Erfüllt von aufrichtiger Trauer haben wir uns an dieser Stätte versammelt, um dem Andenken des Verstorbenen die gebührende Ehrung zu erweisen, um von seinen sterblichen Ueberresten Abschied zu nehmen, mit dem Herzen, dem Gedanken und mit Worten. Auch hier sind wir alle in einem gemeinsamen Gedanken vereint. Du, unvergeßlicher Kollege, die Erde möge dir leicht sein, die deine Gebeine in sich bergen wird, diese Erde, der dn durch dein ganzes Leben Beweise der Liebe gegeben hast. In verhältnismäßig kurzer Zeit sind vier Männer jüdischer Konfession dem öffentlichen und nationalen Wirken entrissen worden, deren ganzes Leben wahrhaft mit dem Gedeihen des Landes verwachsen war, und die gemeinsam und solidarisch für das Land gewirkt haben; Philipp Zucker, Bernhard Goldmann, Piepes Poratynski, Emil Byk haben bei jeder Gelegenheit ihren Glaubensgenossen gepredigt und ihre Worte auch durch Taten bewiesen, daß die politische und soziale Gleichberechtigung, die die Zivilisation und Menschlichkeit gebietet, mit den gleichen Rechten auch gleiche Pflichten auferlegt. Wir sehen Philipp Zucker und Bernhard Goldmann mit der Waffe in der Hand in den Reihen der Kämpfenden, als die polnische Nation in ihrer Verzweiflung und Bedrückung den ungleichen Kampf mit dem russischen Reich ausgenommen hatte, um ihre angeborenen Rechte zu verteidigen. Später sehen wir dieselben Männer durch eine Reihe von Jahren bei der hingebungsvollen Arbeit im Landtage und überall dort, wo es sich um das Interesse des Landes handelt. Die Verdienste unseres vor zwei Jahren verstorbenen Parlamentskollegen Piepes Poratynski sind allgemein bekannt, und wie Emil Byk seine Pflichten dem Lande gegenüber aufgefaßt hat, habe ich schon an anderer Stelle hervorgehoben, und ich brauche es um so weniger zu wiederholen, als in den Herzen aller hier Anwesenden die Verdienste des Verblichenen tief eingegraben sind. Und wenn ich hier an der Bahre Emil Byks seiner früheren Arbeits- und Glaubensgenossen gedachte, so geschah es, um der Wahrheit das Zeugnis zu geben, daß nichts so sehr geeignet ist, die konfessionellen Unterschiede zu verwischen, als die gemeinsame Liebe fürs Vaterland, als die Assimilation in Wort und Tat. Der in tiefer Trauer schmerzgebeugten würdigen Lebensgefährtin des Verblichenen drücke ich mein tiefstes Beileid aus, möge in diesem schweren Augenblick für sie die allgemeine Trauer, in die uns der Tod ihres von uns allen hochgeschätzten Gatten versetzt hat, Trost bieten. Ehre dem Andenken Emil Byks. Nach R. v. Abrahamowiez sprachen noch namens des Kuratoriums, des Lehrkörpers, und der Hörer der Israelitischtheologischen Lehranstalt Rektor Dr. Schwarz, der Präsident der Advokatenkammer Dr. R. v. Feistmantel im Namen der Berufskollegen in der österreichischen Delegation, und zum Schluß Reichsratsabgeordneter Dr. Straucher. Der Sarg wurde dann in einem Leichenwagen auf den Nordbahnhof gebracht und nach Lemberg überführt, wo die Beisetzung mit großer Feierlichkeit am 28. d. erfolgte. In einer Sitzung des Kuratoriums der Israelitischtheologischen Lehranstalt, dem der verstorbene Abgeordnete Dr. Emil Byk als zweiter Vizepräsident angehörte, gab der Präsident Moritz Edler v. Kuffner namens des Kuratoriums der Trauer um den frühzeitig Verstorbenen beredten Ausdruck. Aus Lemberg wird uns telegraphiert: Sonntags nachmittags fand in Anwesenheit sämtlicher Mitglieder des israelitischen Kultusvorstandes, dessen langjähriger Präsident Reichsratsabgeordneter Dr. Byk gewesen war, eine außerordentliche Sitzung statt, in welcher Vizepräses Dr. Schaff die Verdienste des Verstorbenen um das österreichische und speziell das galizische Judentum würdigte. Es wurde beschlossen, sich korporativ am Leichenbegängnis zu beteiligen. Das Begräbnis fand Donnerstag auf Kosten der Lemberger Kultus gemeinde statt.

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